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21. März 2010
Das BILD vom Sonntag |
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20. März
2010
Vorankündigung
Roman |
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19. März 2010
11.30 Uhr Föderalismus
Das bevölkerungsreichste Bundesland, das Land, in dem
Anfang Mai gewählt wird, verbietet seinen Floristen, Bäckern
und Konditoren, am Ostersonntag zu öffnen. Gerade für
kleine Familienbetriebe war das früher ein umsatzstarker
Tag, und für die Kunden ein gerne angenommener Service.
Während das Bundesarbeitsgericht den Ostersonntag nicht
als gesetzlichen Feiertag ansieht und Klagen auf Zuschläge
für Feiertagsarbeit ablehnend beschieden hat, während
zudem in den allen anderen Bundesländern am Ostersonntag
in den Fachbetrieben dieser Branchen verkauft werden darf, ist
das in NRW nur den Tankstellen gestattet.
Wer hat's erfunden?
09.30 Uhr risikolose Laufzeitverlängerung
ddp brachte gestern eine kurze Meldung über einen
Störfall im Kernkraftwerk Brokdorf. Im Primärkreislauf,
also da, wo radiokative Brühe die Hitze der Brennstäbe
über einen Wärmetauscher an den Sekundärkreislauf
überträgt, ist die Steuerung eines Absperrschiebers
ausgefallen, weil eine Sicherung auf der zugehörigen Platine
durchgebrannt ist. Für sich betrachtet, gar kein Problem.
Man sollte allerdings überlegen, was dazu geführt hat,
dass die Sicherung durchgebrannt ist. Da stehen zwei Möglichkeiten
im Vordergrund:
- Die Sicherung ist schlicht
und einfach an Altersschwäche eingegangen, oder
- Es ist ein zu hoher Strom
geflossen. Die Sicherung hat dies, ihrer Zweckbestimmung folgend,
unterbunden.
- Sollte die Alterung schuld
gewesen sein, stellt sich die Frage, wieviele ähnliche Sicherungen
in diesem und ähnlich alten Kraftwerken auf irgendwelchen
Baugruppen nur darauf warten, ebenfalls den Geist aufzugeben;
sollte ein zu hoher Strom geflossen sein, stellt sich die Frage:
Warum? Hierauf gibt es mehrere Antwortmöglichkeiten. Die
wichtigsten:
- Ein Kurzschluss, irgendwo
hinter der Sicherung
Das ist einfach festzustellen, weil auch die neue Sicherung sofort
verdampft.
- Ein Kriechstrom, von feuchtigkeitsabhängiger
Stärke
Das ist schwer herauszufinden, weil der Kriechstrom nur dann
auftritt, wenn der Widerstand der (vermutlich verschmutzten)
Oberfläche, über die er kriecht, durch ausreichende
Feuchtigkeit so gering ist, dass der Kriechstrom - in Kombination
mit dem normalen Betriebsstrom - die Sicherung überfordert.
Ist die Oberfläche wieder trocken, ist der Spuk vorbei -
bis der nächste Kondenswassertropfen fällt. Das kann
in der nächsten Minute sein, am nächsten Tag, nach
einem Jahr - oder nach 20 Jahren. Man weiß es nicht. Ein
Zustand, der vom Bedien- und Wartungspersonal nicht gezielt reproduziert
werden kann - man müsste erst die Stelle finden. Aber wer
kriecht schon gerne an den Absperrschiebern im Primärkreislauf
herum, wenn die Sicherung erst mal wieder hält... ?
- Überlast am Verbraucher
Absperrschieber im Primärkreislauf müssen ferngesteuert
über Elektromotoren betätigt werden. Absperrschieber
braucht man selten. Sie verrotten daher im Lauf der Zeit, es
bilden sich Ablagerungen. Der Elektromotor kann den Schieber
nicht mehr bewegen, er wird dadurch überlastet, zieht mehr
Strom als zulässig - die Sicherung knallt durch.
- Noch nie eingetretener Zustand
Große komplexe Anlagen werden nach Entscheidungstabellen
gesteuert.
Dutzende, hunderte, manchmal auch tausende von Parametern werden
abgefragt - für jede vorhersehbare Kombination dieser Parameter
wird eine Reaktion vorgeschrieben, deren Ausführung dann
in Soft- und Hardware implementiert wird. Für alle nicht
erfassten Kombinationen verwendet der Programmierer den Befehl
"ELSE", also "andernfalls" und schreibt dann
eine Reaktion vor, mit der er hofft, auch die ausgefallensten
Situationen noch beherrschen zu können. Das Problem dabei
ist nur, dass man die Kombinationen, die mit "ELSE"
erschlagen werden, nicht testen kann. Es sind zu viele - und
es ist zumeist auch unmöglich, für unmöglich gehaltene
Konstellationen von Betriebszuständen gezielt herzustellen.
Das Problem ist, dass man auch nicht testen kann, ob der "ELSE-Befehl"
unter dem nicht bedachten Betriebszustand überhaupt noch
funktioniert. Wenn man Glück hat, brennt nur eine kleine
Sicherung durch. An schlechten Tagen kann mehr schief gehen.
- Nun gut, ich will ein bisschen
aus dem Nähkästchen plaudern. Ich habe miterlebt, wie
das Schlauchsystem einer recht großen, pneumatisch gesteuerten
Klimaanlage vom Wartungsdienst "versehentlich" mit
Wasser abgedrückt wurde. Totalschaden.
- Ich war dabei, als ein Kranführer
einen wegen PCB-Füllung zu entsorgenden Transformator mitten
in der Münchner Innenstadt beinahe auf das Pflaster hätte
krachen lassen, weil er sich ablenken ließ.
- Ich habe tote Tauben gesehen,
die die Rohrleitungen einer Kältemaschine verstopften, weil
sie über den Kühlturm ins Kühlwassersystem geraten
waren -
-
- und ich weiß, an welchen
Koordinationsproblemen die Ingenieure eines großen Kernkraftwerksbauers
noch Ende der 70er Jahre fast verzweifelten, weil es einfach
nicht gelingen wollte, die Schnittstellen zwischen den einzelnen
Gewerken, Komponenten und Bauabschnitten so vollständig
und sicher zu beschreiben, dass auf der Baustelle dann auch alles
zusammenpasste.
-
- Hier zwei Leseproben aus meinen
Büchern, eine eher spaßig gemeinte - und eine eher
ernste.
-
- und falls Sie mehr davon lesen
möchten, in der Spalte links ist auch ein LINK zum Verlag
zu finden.
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18. März
2010
08.00 Uhr Die freie demokratische
Kopfpauschale
In dieser Woche hat die Kommission zur Gestaltung der Kopfpauschale
ihre Arbeit aufgenommen. Sie werden versuchen - unter Aufbietung
aller Fertigkeiten in der Kunst der Verbalkosmetik - die Kröte
Kopfpauschale so hübsch herzurrichten, dass die Versicherten
sie am Ende doch schlucken.
Was es mit dem neoliberalen
Kuckucksei auf sich hat, dass uns Herr Dr. med. Philipp Rösler
da ins soziale Netz drückt, ist Gegenstand des Paukenschlags
dieser Woche.
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17. März 2010
08.50 Uhr Lebensunwertes
Leben - war da nicht was?
Gunnar Heinsohn, Prof. für
Sozialpädagogik an der Universität Bremen, hat in einem
Gastkommentar für die Frankfurter Allgemeine Zeitung Überlegungen
angestellt, die letztlich auf eine soziale Diskriminierung der
Unterschicht hinauslaufen.
Rudolf Stumberger hat dazu gestern auf telepolis einen lesenswerten
Kommentar veröffentlicht, dem im Grunde nichts hinzuzufügen
ist.
Nachtrag, 13.40 Uhr
nach meinen Informationen wurde soeben eine an die Staatsanwaltschaft
Bremen gerichtete Strafanzeige gegen Prof. Heinsohn auf den Weg
gebracht.
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16. März
2010
09.30 Griechenland - Euroland
Nun wird Griechenland also
doch gerettet.
Wie, sagt man noch nicht, aber
dass die EU irgendwie mit Euros helfen wird, das scheint beschlossene
Sache.
Diese Aktion, deren Kosten
letztlich zum größten Teil von den deutschen Lohnsteuer-
und Mehrwertsteuerzahlern getragen werden müssen, ist ein
an Torheit kaum zu übertreffender Schildbürgerstreich,
unterstellt man den agierenden Personen die Absicht, Schaden
abzuwehren und Nutzen zu mehren.
Unterstellt man dies nicht, handelt es sich um ein bewundernswert
raffiniert eingefädeltes Geschäft.
- Das Problem eines drohenden
Staatsbankrotts entsteht hauptsächlich dadurch, dass Griechenland
keine eigene Währung mehr hat und dass es sich unter dem
Diktat der EU dem freien Strom von Kapital, Waren und Dienstleistungen
öffnen musste.
Könnte Griechenland, wie es einem souveränen Staat
zusteht, eigenes Geld in die Welt setzen und dieses nach eigenem
Bedarf gegen andere Währungen auf- bzw. abwerten, dann hätte
weder die EU ein Problem mit der griechischen Staatsverschuldung,
noch Griechenland selbst.
Und könnte Griechenland seinen Markt mit Zöllen gegen
ausländische Waren, mit Gesetzen gegen ausländische
Dienstleistungen und ausländisches Kapital abschotten, der
griechischen Volkswirtschaft ginge es - trotz aller Korruption
und Steuerhinterziehung - besser.
Dass Griechenland dennoch nicht versucht aus der EU auszuscheiden,
lässt die Frage auftauchen, wessen Interessen sich die griechische
Regierung verpflichtet fühlt.
- Ein großer Teil der
Staatsverschuldung rührt doch daher, dass die EU-Nachbarn
- und darunter vor allem Deutschland - durch massive Lohndrückerei,
Demontage des Sozialstaats und Einschränkung aller staatlichen
Leistungen die griechische Wirtschaft in deren eigenem Land mit
Dumpingpreisen an die Wand gedrückt haben und gleichzeitig
deutsche Banken diese Geschäfte auf Pump finanziert haben.
Wenn auch Herr Öttinger tönt, nicht Deutschland sei
das Problem, sondern die EU-Staaten, die ihre Wirtschaft nicht
so wettbewerbsfähig gestaltet haben, wie Deutschland, denn
diese hätten über ihre Verhältnisse gelebt, so
ist das doch nur eine massive Verdrehung der Tatsachen. Die Billigexporte
Deutschlands kamen zustande, weil eine kapitalhörige Politik
das Anfang der 80er Jahre erreichte Wohlstandsniveau der Bevölkerung,
dessen Grundstein von Ludwig Erhard gelegt worden war, im Laufe
von nur 30 Jahren mit allen Mitteln auf das Niveau von Schwellen-
und Entwicklungsländern heruntergeprügelt hat. Armut,
Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigungsverhältnisse,
erhebliche Schwächen in Schul- und Berufsbildung, Privatisierung
aller Bereiche der Öffentlichen Daseinsfürsorge - das
hat Deutschland freiwillig aus sich gemacht, um nun festzustellen,
dass das auf diese Weise mit billigen Waren überschwemmte
Ausland seine Rechnungen nicht mehr zahlen kann.
Dass nun, nachdem die Güter und Leistungen nach Griechenland
geflossen sind, auch noch der Kaufpreis von den Beschäftigten
der Exportnationen (wer zahlt denn sonst Steuern?) bezahlt werden
soll, ist grotesk und lässt die Frage auftauchen, wessen
Interessen sich die Regierungen der Euro-Staaten verpflichtet
fühlen.
- Exportüberschüsse
können nur entstehen, wenn zugleich andere Länder
mehr importieren, als sie exportieren. Das Prinzip versteht schon
ein Kindergartenkind, wenn es erst einmal bemerkt, dass es beim
Tauschen von Sammelbildchen stets mehr hergibt, als es zurückbekommt.
Nun haben unsere gerissenen Wirtschaftsstrategen uns Deutschen
erklärt, wir bekämen ja neben dem Wein und dem Fisch
und den Oliven auch noch so viele Euros von den Griechen, dass
damit insgesamt die Leistungen ausgeglichen seien.
Aber sie haben versäumt, uns zu erklären, dass diese
Euros erstens nicht in Löhne und Gehälter fließen,
sondern ausschließlich in spekulative Anlagen (es steht
dem ja kein reales Angebot gegenüber) und dass diese Euros
zweitens Geld sind, dass sich die Griechen vorher bei den (deutschen)
Banken geliehen haben, denen wir nun schon wieder - weil die
Griechen kein Geld mehr haben - aus der Patsche helfen sollen.
...und das lässt verschärft die Frage auftauchen, wessen
Interessen ...
- Es geht doch nicht um Griechenland!
Es geht darum, dass die Aktionäre und Einleger der deutschen
Banken (und anderer Großbanken) kein Geld verlieren, obwohl
diese im vollen Vertrauen darauf, dass die EU schon helfen wird,
das Desaster sehenden Auges mit angerichtet und gut daran verdient
haben.
So werden wir also in Kürze einsehen müssen, dass wir
U-Boote und andere Rüstungsgüter nicht nur an Israel
verschenkt haben, sondern ganz offensichtlich auch an Griechenland
und weitere Staaten.
Und das Perverse daran: Deutsche Beschäftigte haben die
Waffensysteme gebaut - und nun müssen deutsche Beschäftigte
(wer zahlt denn sonst Steuern?) diese Waffen über den Umweg
des drohenden griechischen Staatsbankrotts auch noch bezahlen,
wobei nicht vergessen werden darf, dass der in Rechnung gestellte
Preis weitaus höher liegt, als die für die Entwicklung
und Produktion gezahlten Löhne und Gehälter.
Toll, was?
- Diese Ausführungen sind
in der Kürze eventuell etwas überpointiert, sorry.
Richtig bleiben sie dennoch.
08.30 Uhr Die Hexe von Ameland

Seit 2007 als Taschenbuch
im EWK-Verlag
Seit 2009 vom Autor als Hörbuch gesprochen
Seit 2010 kostenlos online lesen
und
ab sofort auch in einer Sonderedition als
Hardcover-Buch
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15. März
2010
14.15 Uhr ... der sich aufdrängende
Vergleich
Als Guido Westerwelle heute
Morgen in HD-Qualität aus meinem Fernseher in mein Wohnzimmer
krakeelte:
Ihr!
Kauft!
Mir!
Den Schneid!
Nicht!
Ab!
Nachdem er vorher mit den Worten:
"The published opinion ist
not always the public opinion.
That's
english.",
eine Kostprobe seiner Sprachkenntnisse
gegeben hatte, fühlte ich mich für ein paar Augenblicke
in meine Kindheit zurückversetzt: Ferien bei Onkel und Tante
auf dem Bauernhof, ein Pferd, ein halbes Dutzend Kühe, ein
paar Schweine, ein schöner Misthaufen vor der Tür,
(...)
14.00 Uhr 2.379 Stellen
abgebaut bei
Kamerawerk Dresden, Kameraubau,
Dresden, Maka (Max Mayer Maschinenbau GmbH), Maschinenbau, Nersingen,
Camillo Claude, Autohaus, Ludwigshafen, Beschäftigungsgesellschaft
Klingenthal (BGK), Beschäftigungsgesellschaft, Klingenthal,
Geba, Küchenhersteller, Löhne, Schickhardt, Gurtweberei,
Ebhausen, Intermar, Hotel, Glücksburg, RoboWatch, Robotiksysteme,
Berlin, Jobo, Fotozubehör, Gummersbach, Müller Stanz-
und Umformtechnik, Maschinenbau, Gefrees, Ernst Benary Samenzucht
GmbH, Gimte, COS Distribution AG, BOD, Linden, Weka Media, Fachpublikationen,
Kissing, Zimbo, Fleisch und Wurst, Linthe, Nema, Maschinen/Anlagenbau,
Netzschkau, Ruku, Toranlagen/Haustüren, Illertissen, Metso-Lindemann,
Metallrecycling, Düsseldorf, Getrag, Getriebe, Ludwigsburg,
Neuenstein, Untergruppenbauch, Bad Windsheim, Lufthansa Systems
AG, IT-Dienstleister, Kelsterbach, München, Rübin KG
Modell und Formenbau, Stahlbau, Lörrach-Hauingen, Hotel
Höltje Glander-Betriebs GmbH, Hotelbetreiber, Verden (Aller),
Karlsberg, Brauerei, Homburg,
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14. März
2010
Das BILD vom Sonntag |
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13. März
2010
09.30 Uhr Die Hexe von Ameland

Ein völlig unpolitisches
Kinderbuch von Mathias Meyer-Langenhoff wird in diesem Jahr drei
Jahre alt.
Deshalb gibt es dieses Buch
ab sofort als
kostenlose Online-Ausgabe im Internet.
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12. März
2010
12.30 Uhr Westerwelle-Kritiker sind eine Gefahr für die Demokratie
Wenn die Äußerung eines deutschen Politikers mit dem
Begriff "Chuzpe" in Verbindung gebracht werden
darf, dann wohl die folgende, gegen die Kritik an Westerwelle
gerichtete Aussage des FDP-Generalsekretärs Lindner:
"Wir müssen aufpassen,
dass die Demokratie insgesamt nicht Schaden nimmt durch solche
Vorwürfe, die da konstruiert werden."
Der als Befreiungsschlag und
zur eigenen Rechtfertigung unbegründet ausgestoßene
Ruf: "Haltet den Dieb!", gehört in Deutschland
seit 1945 nicht mehr zum Standardrepertoire der Regierungsparteien.
Wir sollten uns hüten, ihn wieder zu tolerieren.
Denn sonst droht der Demokratie,
bzw. dem, was noch davon übrig ist, wirklich Gefahr.
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11. März
2010
13.45 Uhr Paukenschlagtag
Dr. Dieter Petschow ist der
Verfasser des heutigen Paukenschlags.
Der Titel: Geld und Demokratie verrät nur annähernd,
dass Dr. Petschow mit seiner hier ausgebreiteten Fragestellung
an die Wurzeln unserer Gesellschaft geht.
Er sucht nach dem wahren Souverän,
nachdem er erkannt hat, dass das Volk die Rolle des Souveräns,
wie sie ihm mit Art. 20 GG eigentlich zugeteilt ist, nicht wahrnimmt,
ja gar nicht wahrnehmen kann, und fragt:
Geld beherrscht uns!
Wer aber herrscht über das Geld?
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10. März
2010
08.45 Uhr Tankflugzeuge
für die Amis
Die EU-Kommission ist zutiefst besorgt, Deutschland warnt
(Deutschland warnt!) die USA vor Protektionismus.
Fangen wir vorne an. Moderne
Kampfflugzeuge müssen in der Luft betankt werden, sonst
sind sie nicht in der Lage, so effektiv zu zerstören und
so massenhaft zu töten, wie es die Strategen verlangen.
Mit dem Rückzug von Airbus
aus dem sog. "Bieterrennen" (was für ein blödsinniger
Ausdruck! Ich möchte sie wirklich mal rennen sehen, die
Bieter.), hat ein europäischer Rüstungskonzern also
zunächst einmal vermieden, im peinlichen Ruf zu stehen,
die Kriegsführung der USA zu unterstützen.
Dass der Auftrag vor zwei Jahren
schon erteilt war, dass nach Protesten von Boeing das Geschachere
noch einmal von vorne begonnen hat, führt zu einer Verzögerung,
was die Fähigkeit der US-Luftwaffe, effektiv zu zerstören
und massiv zu töten ebenfalls beeinträchtigt. Vielleicht
nicht sehr, aber vielleicht doch genug, um zu ermöglichen,
dass der eine oder andere Mensch auf dieser Welt doch etwas länger
lebt, dass das eine oder andere Wohnhaus doch etwas länger
bewohnbar bleibt als nach den ursprünglichen Plänen
und Verabredungen zu befürchten war, zumal die nun bevorzugten
fliegenden Zapfsäulen von Boeing kleiner und weniger leistungsfähig
sind als die von EADS und Grumman angebotenen
Unserem Bundeswirtschaftsminister
gefällt das nicht. Er ist über das Vorgehen des US-Verteidigungsministeriums
enttäuscht und meint, in der aktuellen Wirtschaftslage seien
schon Anzeichen von Protektionismus schädlich.
Wieso kommt Brüderle (der
deutsche, nicht der europäische Wirtschaftsminister) nicht
auf den naheliegenden Gedanken, dass der EADS Kriegstankflieger-Auftrag
für den deutschen Anteil nur eine weitere Ausweitung des
Exportüberschusses hervorgebracht hätte, dass also
deutsche Beschäftigte für nichts als das bedruckte
Papier, das als "Dollar" in Unmengen die Welt überschwemmt,
hätten mithelfen sollen, Kriegshandlungen effektiver und
effizienter zu machen?
Glaubt er, irgendwann würden
die gesammelten Exportüberschüsse an die Beschäftigten
ausbezahlt? Irgendwann würden wir Deutschen, die wir massiv
unter unseren Verhältnissen leben, tatsächlich anfangen,
überall da in der Welt einzukaufen, wo wir geliefert haben,
aber bisher nichts als Altpapier dafür erhalten haben?
Exportüberschuss ist
Reingewinn.
Nicht für die Beschäftigten,
die könnten den eigenen Lebensstandard auch ohne Exportüberschuss
sichern, sie bräuchten sogar weniger dafür zu arbeiten.
Exportüberschuss ist Reingewinn
für die Anteilseigner, Shareholder und Global Player. Egal,
ob er mit Kriegsgerät oder mit Kräuterbutter erzielt
wird.
Der Exportüberschuss wird ausschließlich verwendet,
um an den Finanzmärkten neue Blasen zu erzeugen und um die
noch im Besitz der Nationalstaaten und ihrer Bürger befindlichen
Sachwerte an sich zu bringen.
PS
Weiß man eigentlich, wie viele nicht patentgeschützte
Geschäftsgeheimnisse EADS im Zusammenhang mit dieser Ausschreibung
zwangsläufig preisgeben musste? Die Amis würden doch
niemals die Katze im Sack kaufen, oder?
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9. März
2010 |
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8. März
2010
18.15 Uhr Noch mal die SPD
Die originellste Umschreibung
für die grandiose Idee von Frau Kraft: "Langzeitarbeitslose,
die keine Chance mehr auf eine reguläre Arbeit haben, sollen
gemeinnützige Tätigkeiten annehmen dürfen",
hat Andrea Nahles geliefert.
Bei ihr heißt es jetzt
forsch: "Es geht darum, dass der soziale Arbeitsmarkt weiter
ausgebaut wird."
DER SOZIALE ARBEITSMARKT?
Hofft da vielleicht jemand darauf, dass die Arbeitslosenstatistik
sich ins Positive dreht, weil sich die Arbeitslosen totlachen,
wenn sie das hören?
Offenbar ist die Idee vom "Sozialen
Arbeitsmarkt" die zwangsläufige Folge der überflüssigen
und unsinnigen Unterteilung des Arbeitsmarktes in einen ersten
und einen zweiten, nachdem der zweite Arbeitsmarkt, also der
mit Fordern und Fordern, Ein-Euro-Jobs und Maßnahmen aller
Art, außer einer Vernebelung des wahren Ausmaßes
der Arbeitslosigkeit auch nichts gebracht hat.
Jede Ausweitung des Niedriglohnsektors,
von dem wir - in jeder Hinsicht - längst genug haben, ist
eine Verschärfung der unseligen Agenda-Politik des Genossen
Schröder. Man hilft keinem Arbeitslosen, auch keinem Langzeitarbeitslosen,
wenn man ihm sagt:
"Du bist zwar zu nichts
zu gebrauchen, niemand wird dir jemals wieder einen Lohn zahlen,
aber wenn du glaubst, du fühlst dich besser, dann laden
wir dich gerne ein, dich vollkommen freiwillig auf einen nahezu
unbezahlten Job einzulassen - und wenn du das freiwillig nicht
tust, dann geschieht es dir nur recht, wenn der Westerwelle dich
als Faulenzer brandmarkt. Da können wir dann auch gar nichts
mehr dagegen einwenden. Da hast du dich dann selbst ins Abseits
bugsiert."
Was ist das für eine Welt,
in der die Ultima ratio in der Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit
darin besteht, dass man nicht vermittelbaren Langzeitarbeitslosen
einen "sozialen Arbeitsmarkt" einrichtet?
Was ändert sich denn dadurch
zum Besseren?
Dass die Sozialpolitiker sich im Glanze jenes unsäglich
unbegründeten Eigenlobs: "Ich habe doch etwas getan"
, sonnen können, hilft den Menschen nicht.
Beschäftigungstherapie und Beschäftigung dürfen
nicht gleichgesetzt werden!
Niemals!
14.40 Uhr 3.318 Stellen
abgebaut bei
Jack Fox, Motorroller-Importeur, Heilbronn,
Louis Hofmann Druck, Druckerei, Coburg, Jägerhaus,
Gaststätte, Nähe Xanten, Weka Touristik, Hotelgruppe,
Bad Schandau, Porzellanmanufaktur, Gebrauchs- und Zierporzellan,
Lichte, Zeltbräu, Brauerei, Hof, Hötten Maschinenbau
GmbH, Dorsten, Zirn Agrar, Landhandel, Giengen, Adam+Sohn,
Stahlhandel, Goslar, Marktkauf, Einzelhandel, Schramberg,
Iveco, Nutzfahrzeuge, Ulm, Kemmerich, Automobilzulieferer,
Attendorn, Toys"R"Us, Spielwarenkette, Hamburg,
Beiersdorf, Kosmetik, Hamburg, AKT (Altmärker
Kunststoff-Technik), Automobilzulieferer, Gardelegen, Pampus,
Autositze, Königsborn, Delta Lloyd, Versicherungen,
Wiesbaden, AEG Electric Tools , Elektro-Werkzeuge, Winnenden,
Lear, Automobilzulieferer, Lüttinghausen, Sparkasse
Köln/Bonn, Geld, Köln, Maggi, Konserven
für den menschlichen Verzehr, Teuschenthal, GZM Möckern,
Nonfood Großhandel Zentrallager, Möckern, Saale-Zeitung,
Medium, Bad Kissingen, H. F. Finke GmbH & Co., Eisenwaren,
Bremen,
10.45 Uhr Kraftvoller Schlag
ins Wasser
Hannelore Kraft, die SPD-Spitzenkandidatin
in NRW, hat mit Ihrer Forderung, für nicht vermittelbare
Langzeitarbeitslose staatlich subventionierte, schlecht bezahlte
Jobs einzurichten, so ziemlich das dümmste Wahlkampfthema
für die SPD ausgewählt, das ich mir vorstellen kann.
Statt Westerwelles Hartz-IV-Hatz anzugreifen, setzt sie, wenn
auch von links her aufsteigend, in alter Münteferingscher
Tradition auf das gleiche Pferd, das da heißt: "Wer
essen will, soll auch arbeiten!"
Der Vorschlag ist aber nicht
nur wegen seiner gedanklichen Nähe zu Westerwelle fatal
- er ist auch inhaltlich kontraproduktiv:
Wer hat denn heute das Recht,
einen arbeitsfähigen und arbeitswilligen Menschen als nicht
vermittelbar einzustufen? Von keinem Arbeitgeber eingestellt
zu werden, ist doch in diesen bescheidenen Zeiten keine Eigenschaft
des einzelnen Bürgers ohne bezahlte Beschäftigung!
Es ist zwangsläufiges
Schicksal aller, deren Arbeitskraft nicht gebraucht wird, weil
der Produktivitätsfortschritt nicht in eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung
und einen flächendeckenden Mindestlohn mündet, sondern
ausschließlich der Gewinnmaximierung von Unternehmen und
Anteilseignern dient.
Wie schon bei den 1-Euro-Jobs,
würde auch ein zusätzliches Programm für nicht
vermittelbare Langzeitarbeitslose nur den Effekt hervorbringen,
dass noch mehr anständig bezahlte Arbeitsplätze verloren
gehen, weil damit nur ein neuer Anreiz für die Arbeitgeber
gesetzt wird, einen Drehtüreffekt zu nutzen. Hinten wirft
man die Stammbelegschaft hinaus - und vorne stellt man als Heilsbringer
für Langzeitarbeitslose einen Staatszuschuss auf zwei Beinen
wieder ein.
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Links
zu Seiten, die ich gerne empfehle:
Die Selbstähnlichkeit
der Erscheinungen der Realität ist so groß, dass der
winzige Ausschnitt, den der Einzelne davon wahrzunehmen in der
Lage ist, vollkommen ausreicht, um sich ein brauchbares Bild
des Ganzen zu machen - so man nur will. |