24.03.2018
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Neuerscheinung

Sira
Mein Freund Jonas

 

 

Kann man ein Kinderbuch über Flüchtlinge und Integration schreiben, dabei alle wichtigen Aspekte anklingen lassen, von latentem Rassismus bis zur Frage der sicheren Herkunftsländer, ohne dozierend zu werden?

Peter Mannsdorff ist das gelungen.

Seine Sira ist mit ihren Eltern übers Mittelmeer aus Tunesien geflüchtet.

Da war sie acht Jahre alt.

Im Buch taucht sie auf als sie zwölf ist. Sie ist, wie man so sagt, gut integriert, spricht prima deutsch, und bleibt dennoch einsam.

Also macht sie sich auf, einen Freund zu finden und geht von sich aus auf Jonas zu.

Es gibt Schwierigkeiten. Jonas Mutter ist nicht gut auf die Flüchtlinge zu sprechen, und Siras Eltern vertreten moslemisch-strenge Ansichten.

Als sich die familiären Wogen endlich geglättet haben, heißt es:

Tunesien ist ein sicheres Herkunftsland. Sira und ihre Eltern müssen zurück.

 
 

9.3 Ein alternativer Weg ist aus der Geschichte bekannt
Jonas und sein Bruder setzen alle Hebel in Bewegung, um die Abschiebung doch noch zu verhindern. Sogar Jonas Mutter stellt, nachdem sie Sira und deren Eltern kennengelernt hat, großzügig Geld für eine Internet-Kampagne zur Verfügung.

Doch man soll Geschichten vom Anfang an erzählen:

 

Eine E-Mail, die neugierig macht

Als ich aus der Schule komme und den Computer hochfahre, sehe ich, Felix hat mir eine Mail weitergeleitet. Felix ist mein großer Bruder. Er ist acht Jahre älter als ich, also zwanzig. Wenn er nicht studiert, schreibt er Geschichten, bis sein Computer explodiert, denn er ist Schriftsteller.

Es gibt sogar ein Buch von ihm, das man kaufen kann. Es heißt Mutters schräge Ansichten und handelt von Mama, ihm und mir. Ich finde das irre. Ich könnte in irgendeine Buchhandlung in Bayern oder Ostfriesland gehen und fragen: „Haben Sie was von Felix Scharf?“, und wenn der Buchhändler sagt, ja, er hätte da was, könnte ich stolz auftrumpfen: „Da steht was über mich drin.“

Die Mail, die Felix an mich weitergeleitet hat, ist ein ellenlanger Brief von jemandem, den ich nicht kenne.

Lieber Jonas,

Ich würde Dich gerne kennen lernen, denn ich habe das Buch von Deinem Bruder gelesen und danach sofort nach seiner Homepage gegoogelt. Was er über dich geschrieben hat, fand ich super! Wie Du Deine Mutter als kleiner Junge mal gefragt hast: „Mama, wie alt möchtest du werden?“, und Deine Mutter hat geantwortet: ‚Mindestens so alt, bis du gelernt hast, die Schnürsenkel zuzumachen.’ Da hast Du zurück geantwortet: „Dann lerne ich es nie.“

Wenn Du heute noch immer solche coolen Sprüche drauf hast, kann ich mir vorstellen, dass wir echte Kumpels werden, ich habe nämlich kaum welche.

Den Brief hat ein Mädchen geschrieben, das Sira heißt. Sira kommt aus Tunesien, sagt sie, und lebt schon seit vier Jahren in Deutschland. Sie ist zwölf Jahre alt, wie ich, und sucht Freunde, drum hat sie mir geschrieben. Deutsch hat sie ganz schnell gelernt.

Sie ist in einer Bergoase in der Wüste aufgewachsen. Das mit der Oase, finde ich, ist der Hit. In einer Oase mitten in der Wüste leben - wie auf einer kleinen Insel im Ozean. Mit den anderen Kindern ihrer kleinen Bergoase hatte sie Halsketten aus Ton geknetet, die sie an Touristengruppen verkauften, die in Jeeps durch die Wüste rasten und ihre Oase besichtigten.

Manchmal kaufte ein Tourist eine Kette ab, dafür durfte er die Kinder fotografieren.

Ich schreibe Sira sofort zurück.

Und wie bist Du nach Deutschland gekommen?,

will ich wissen, weil mich das brennend interessiert. Sie antwortet sofort.

Ich bin irgendwann mit meiner Familie in die Hauptstadt gezogen, denn mein Vater suchte Arbeit. Aber das war in den Jahren vor dem ‚Arabischen Frühling’ sehr schwierig.

‚Arabischer Frühling’? Ich frage nach.

Sira erklärt mir, was das ist. Das hätte nichts mit der Jahreszeit zu tun, schreibt sie, es ist eher politisch gemeint. Mit dem arabischen Frühling war in Tunesien und in anderen arabischen Ländern die Zeit der total strengen Regime vorbei. Sie wurden vom Volk gestürzt.

Vor dem Arabischen Frühling konnten arme Leute in Tunesien sich nur über Wasser halten, wenn sie den Reichen ein paar Geldscheine zusteckten. „Schmiergelder“ nennt man das. Als sich ein tunesischer Gemüsehändler verbrannte, weil er keine Schmiergelder mehr zahlen konnte und seinen Laden dicht machen musste, kam der große Knall. Mit Internet und Facebook sprach sich das schnell herum.

Siras Vater hatte mal gesagt, dass dieser Aufstand in Tunesien eine Facebook-Revolution war. Die vielen Unzufriedenen verbreiteten ihren Protest über Facebook, die Informationen wurden geteilt, und der Protest wuchs wie ein Schneeball zu einer Lawine an. Überall im Land wurden Demonstrationen und Kundgebungen übers Internet organisiert. Das Leben wurde aber nach der tunesischen Revolution nicht einfacher. Arbeit zu finden, war noch schwieriger. Darum sind Siras Eltern aus dem Land geflohen.

Und so sind wir nach Deutschland gekommen. Jetzt weißt Du, wie das war. Mein Vater hat inzwischen hier Arbeit auf dem Bau gefunden.

Ich lese mir den Brief immer wieder durch. Das mit dem Arabischen Frühling finde ich cool, auch wenn dieser Aufruhr nichts mit dem Frühling zu tun hat, wie ich ihn von uns kenne. Wenn bei uns Frühling ist, fängt alles zu blühen an. Da blühen Krokusse auf den Grünstreifen an den Straßen, bei uns im Garten blühen die Forsythien, und die ersten Sonnenstrahlen blinzeln hinter den Wolken hervor. Wenn Sira in Ordnung ist, werde ich sie Forsythie nennen, wenn sie doof ist, einfach nur Wiebke, denn in der Parallelklasse ist eine Wiebke, und die ist total bescheuert. Aber vielleicht ist Sira ja keine Wiebke.

... ich möchte sie gerne kennen lernen.

 

Sira
Mein Freund Jonas

erscheint Mitte April 2018

Das Buch kann schon jetzt bestellt werden.

 

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ISBN 978-3-938175-09-5
Hardcover, geb. Ladenpreis 14,80 Euro
 

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