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Reaktionen auf den Paukenschlag No.38

Auf fast jeden meiner Artikel hin erreichen mich viele
Zuschriften mit Anregungen und Kritik.

Weil die Inhalte oft auch zusätzliche Informationen beinhalten und andere, auch abweichende Standpunkte
erkennen lassen, will ich Sie alle daran teilhaben lassen und werde künftig an dieser Stelle eine Auswahl von
Leserbriefen, z.T. auf das Wesentliche gekürzt, online stellen. Zum Schutz der Absender allerdings nur in anonymisierter Form.


Lieber Herr Kreutzer,

eine Kleinigkeit ist Ihnen da entgangen (die man vielleicht noch hinzufügen sollte):
Es findet sich bereits im neuen Grundsatzprogramm der Union!

Zitat:
"Spätestens bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts" soll dann im Grundgesetz und in allen Landesverfassungen ein grundsätzliches Verbot der Aufnahme neuer Schulden eingeführt werden.
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6712104,00.html

Leider hat man es also schon mit einer ganzen (sog.) "Volkspartei" zu tun - und Struck baut vermutlich an der Brücke zur anderen. Für mich sieht das erst einmal aus, als ob wir bald eine regelrechte Kampagne erleben werden.

Mit freundlichen Grüßen


Lieber Herr Kreutzer,

für Ihren heutigen Paukenschlag möchte ich Ihnen ein dickes Kompliment aussprechen. Wie Sie es schaffen, Volkswirtschaft mit wenigen Sätzen auf den Punkt zu bringen, quasi eine Essenz des kapitalistischen Wirtschaftens zu destillieren, nötigt mir immer wieder den größten Respekt ab.

Auf der anderen Seite finde ich es schier unglaublich, was uns Politiker, Wirtschaftswissenschaftler und Medien zum Thema Verschuldung zu sagen haben. Noch immer ist mir nicht klar, ob es sich bei den Aussagen von Struck, Oettinger und Co. um eine raffinierte Strategie zur Täuschung der Bevölkerung, oder schlicht und ergreifend um Ahnungslosigkeit handelt.

Wenn Politiker, die ja aufgrund ihrer Ausbildung in vielen Bereichen auf Berater angewiesen sind, von wirtschaftlichen Dingen nicht viel verstehen und sich bei ihren Aussagen auf eben diese Berater verlassen, kann man vielleicht noch davon sprechen, dass sie hinter´s Licht geführt wurden.

Wenn aber sogenannte Wirtschaftsexperten, Universitätsprofessoren und studierte Volkswirte in den Redaktionsstuben der Zeitungen und Rundfunkanstalten, einen solchen Unsinn auch noch bestätigen und gutheißen, muss ich davon ausgehen, dass der Neoliberalismus die Schlacht gegen Vernunft und Logik in den Hörsälen weltweit bereits gewonnen hat. Nicht nur, dass aktuelle volkswirtschaftliche Lehrbücher die von Ihnen geschilderte Problematik nicht mal mehr Ansatzweise enthalten (die Mehrwerttheorie von Karl Marx wird nicht gelehrt), auch der gesunde Menschenverstand, der Ihre Thesen ja stützten würde, wird in einer Flut von Formeln und pseudowissenschaftlichen Lehr-(Leer-)sätzen ganz einfach ertränkt - Widerstand zwecklos.

Lieber Herr Kreutzer, wenn Sie nichts dagegen haben, möchte ich diesen Paukenschlag am Donnerstag an die Redaktionen unserer örtlichen Tageszeitungen weiterleiten. Vielleicht gibt es ja doch noch den einen oder anderen Redakteur, der, zumindest privat, noch einen Rest an gesundem Menschenverstand sein eigen nennen kann.

Mit besten Grüßen


Hallo Herr Kreutzer,

darf ich nochmals ihre kostbare Zeit in Anspruch nehmen?

Als kürzlich die Zentralbanken "Milliarden in die Finanzmärkte gepumpt haben", woher kam eigentlich das Geld?
Wurde es aus den berühmten Zwangsrücklagen (2% ??) genommen? Womit die Rücklagen ja offensichtlich unter 2% gerutscht wären, was ja nicht erlaubt ist.
Oder ist es "fiat money", also Geld, das nur auf einer Seite der Bilanz auftaucht und dann - wie auch immer - wieder verschwindet? Wohl kaum.
Oder ist es - ähnlich wie das Schuld-Geld der Banken - nur eine Soll-Haben-Buchung aber diesmal auf der Seite der Zentralbanken.

Sicherlich haben Sie für einen Nicht-Wiwi eine passende Erklärung.

Bleibt dann die Frage, ob das, was die Zentralbanken gemacht haben, in jeder ähnlichen Krise erfolgreich anwendbar ist.

Antwort von Egon W. Kreutzer

Wenn Zentralbanken Liquidität zur Verfügung stellen, dann vergeben Sie (zumeist sehr kurzfristige) Kredite an die Geschäftsbanken. Bei der Zentralbank stehen diese Forderungen an die Geschäftsbanken in der Aktiva der Bilanz - gleichzeitig wird die Passiva belastet, weil den "Girokonten" (=Mindestreserve) der Geschäftsbanken natürlich die Kreditsumme gutgeschrieben wird. So entsteht "Fiat Money" sowohl bei der Zentralbank, wie auch bei der Geschäftsbank.

Theoretisch können die Zentralbanken auf diese Weise unendlich viel Liquidität bereitstellen - der Pferdefuss dabei: Die Kredite werden schnell fällig. Die Banken müssen also versuchen, ihre "Außenstände" einzutreiben um eigene Schulden bei der Zentralbank bedienen zu können. In Deutschland wurden die IKB und die Sachsen LB durch andere Banken gerettet/aufgekauft, die offenbar die fehlende Liquidität bereitstellen konnten - in den USA gehen die Hypothekenbanken reihenweise in Insolvenz, weil sie es nicht schaffen, ihre Schulden bei der FED zu bedienen. In England greift ebenfalls die Zentralbank massiv ein - wir werden in der nächsten Woche sehen, ob das reicht.

Der Rettungsanker funktioniert also immer nur dann, wenn die bereitgestellte Liquidität auch tatsächlich im Rahmen der vereinbarten Fristen wieder zurückgeführt werden kann.



Lieber Herr Kreuzer,

das war kein dumpfer Paukenschlag, sondern eine glasklare Fanfare. Also würde nicht einmal ein Zinsmoratorium (Zahlungsaufschub) ausreichen, um Geldebbe (Deflation) in den Kassen zu verhindern. Denn Schulden vergrößerten den
möglichen Umsatz und ließen den Preisstand anziehen. Haben wir uns einmal an den angestiegenen Preisstand (Inflationsrate) gewöhnt, würde eine Auflösung der Schuldkonten, die ja im Gegensatz zu den geparkten Geldern (Geldhorten) kaufende Nachfrage bedeuten, den Preisstand bald nicht nur einfrieren (stagnieren), sondern (Deflation) sogar sinken lassen

Nur an einer Stelle haben Sie im Eifer des Gefechts etwas übersehen. Sie schrieben:

"Mit jeder Tilgungsleistung verschwindet das für die Tilgung verwendete Geld vollständig und rückstandsfrei wieder in dem Nichts, aus dem es auch entstanden ist.
Was nicht verschwindet, sind die Zinsforderungen der Bank, die mit dem Kredit in die Welt gekommen sind. Für deren Befriedigung wird vom Schuldner zusätzliches Geld benötigt. Geld, das mit der Einzahlung bei der Bank nicht verschwindet, sondern, nach Deckung der (geringfügigen) Kosten als Gewinn der Bank bei dieser (bzw. bei ihren Aktionären) verbleibt."

An dieser Stelle ist der folgerichtige Gedankengang gestört.

Die Zinsforderungen verschwinden selbstverständlich:mit der Tilgung der Schulden.
Was Sie sagen wollten, war wohl: Was nicht verschwindet, sind die für Zinszahlungen
eingesetzten Gelder, für die im Ergebnis (per Saldo) irgendwo Schulden gemacht werden
mußten, da die Notenbank ja dem Schuldner weniger gab, als er einschließlich Zinsen
zurückzahlen muß. Konnte der Schuldner die Zinsen aus seinen Gewinnen zahlen,
mußte ein anderer Wirtschaftsteilnehmer durch entsprechende Schuldaufnahme
diese Gewinne ermöglichen.

Anmerkung von Egon W. Kreutzer

Ja, Sie beschreiben genau, was ich meine. Ich habe dabei eine etwas "stenografische" Formulierung eingesetzt, die zwar nicht falsch ist, aber doch durch Ihre Erläuterung sehr viel klarer wird. Vielen Dank!

Was "Otto" und "Eva" nur schwer verständlich sein dürfte, ist das Auseinanderklaffen von betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten, das an den Hochschulen nie so klar gelehrt wird, wie Sie es hier dankenswerterweise
dargestellt haben.

Mit herzlichen Grüßen




zum Artikel Paukenschlag No 38