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Reaktionen auf den Paukenschlag No.35

Auf fast jeden meiner Artikel hin erreichen mich viele
Zuschriften mit Anregungen und Kritik.

Weil die Inhalte oft auch zusätzliche Informationen beinhalten und andere, auch abweichende Standpunkte
erkennen lassen, will ich Sie alle daran teilhaben lassen und werde künftig an dieser Stelle eine Auswahl von
Leserbriefen, z.T. auf das Wesentliche gekürzt, online stellen. Zum Schutz der Absender allerdings nur in anonymisierter Form.


„Entsparen“, was für ein tolles Wort! Das muss ich mir unbedingt merken!

Hallo Herr Kreutzer

Sie sind einer der wenigen Autoren bei dem die Aussage „Das ist nicht zu widerlegen“ zutrifft. Was Sie hier mal eben, in so einem Paukenschlag am Donnerstag, dargelegt haben, ist der Schlüssel zu einer „anderen Welt“ (und zwar völlig ohne Esoterik).

Wer hat jemals, in dieser Konsequenz, darüber nachgedacht und so einleuchtend darüber berichtet? Die Anerkennung und der Dank können gar nicht groß genug sein! Ihre Buchreihe „WWW“ habe ich ja schon oft gelobt, doch allein dieser Ausschnitt zeigt deutlich, dass es auch gute Gründe dafür gibt.

Das von Ihnen entwickelte Primär-Sozialprodukt, ist nichts als eine redliche Aufstellung dessen was eigentlich primär der Standard sein sollte!
Die Statistiken des entsprechenden Bundesamtes sind zwar deshalb nicht falsch (wie manche Aussagen der Experten auch) aber die Grundlagen und Rechenmethoden die herangezogen und benutzt werden sind oft nahezu lächerlich.

Ein weiteres Beispiel der (vorherbestimmten) Manipulation:

Aus dem Informationsmaterialien zur Pressekonferenz vom 12. Januar 2006 in Frankfurt/Main

Titel: BRUTTOINLANDSPRODUKT 2005 für Deutschland

Zitat:

Die „große“ VGR-Revision 2005 brachte im Wesentlichen folgende Änderungen…

(…)

– Die Verwendung neuer Deflationierungsmethoden, beispielsweise die Berücksichtigung von Qualitätsänderungen (hedonische Preismessung) und die direkte Volumenmessung von Nichtmarkt-Dienstleistungen (Output-Methode).

„Nichtmarktdienstleistungen“ haben Sie ja schon beschrieben.

„Hedonische Preismessung“ bedeutet folgendes:

Die Qualitätssteigerungen von Produkten werden quantifiziert, was wiederum zu niedrigeren Inflationsraten führt und in Folge dessen das Wachstum in der Statistik erhöht.

Sogar „Wiki“ merkt dazu (Stand heute) kritisch an, dass „Böse Zungen meinen, wegen dieser Wachstums-"Verbesserung" wäre die hedonische Preisberechnung, die immerhin mit einigem Rechenaufwand verbunden ist, überhaupt erst eingeführt worden. Konnten erst mal einige Länder so ihre Wachstumsraten verbessern, stieg der Druck auf andere Länder nachzufolgen, wollten sie nicht statistisch als Wachstumsschlusslichter dastehen.“

Wie die Mehrwertsteuererhöhung, nur eine von vielen statistischen Möglichkeiten zur „Wachstumsverbesserung“.

Man muss wirklich jedem raten selber mal genauer nach zu sehen. Solche Verfälschungen und die Verwendungen unsinniger Daten, tauchen in den meisten Veröffentlichungen von Statistiken auf. Oder sagen wir es anders – bei der Veröffentlichung und Zusammenfassung statistischer Gesamtergebnisse, werden gerne die einen oder anderen Berechnungsschwindeleien eingesetzt! Gerade so viel, wie man braucht, um die Dosis der Beruhigungsmittel für die Bevölkerung aufrecht zu halten…

Unsere Politiker wissen das aber wirklich nicht. Sie sind einfach nicht mehr in der Lage solche komplexen Themen zu erfassen. Sie haben weder die Zeit, noch den freien Geist um sich an so etwas überhaupt noch zu stoßen. Politiker leben, wie viele Experten auch, in einer anderen Welt. In einer Welt voller bunter, blühender Märkte, voller sprudelnder Wachstumsquellen, voller wachsender Beschäftigung und voller sinkender Schulden. Diese Auswüchse werden genährt aus einem Schlaraffenland voller Studien und Instituten, Experten und Professoren. Da braucht man nur noch leben! Da muss man nicht mehr selbst nachdenken!

Bis die Tage


Hallo Herr Kreutzer,

vielen Dank für diesen sehr umfangreichen, informativen und vor allem erhellenden Paukenschlag am Donnerstag. Wenn ich über Nacht zum Kanzler würde, Sie müssten mein Superminister werden (wenn Sie das überhaupt wollten?)!

Ihr Vorschlag für eine volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zeigt meiner Ansicht nach, was die öffentlichen Statistiken in Wahrheit sind, nämlich Propagandainstrumente des Kapitalismus.

Während es für die westliche Wertegemeinschaft nach Beendigung des 2. Weltkrieges zunächst wichtig war, die Überlegenheit ihres Wirtschaftssystems gegenüber dem Kommunismus mit immer höheren Zahlen deutlich zu machen, dienen die Statistiken seit dem Zusammenbruch des Sowjetreiches nunmehr ausschließlich zur Vernebelung der immer deutlicher zutage tretenden Verteilungsungerechtigkeit innerhalb dieses Systems. Den Menschen, die mit diesem Wirtschafts- (Ausbeutungs-)system leben müssen, wird suggeriert, dass durch das jährlich ausgewiesene Wachstum irgendwie auch ihr eigener Wohlstand ständig wachsen müsse, auch wenn sie vielleicht nichts davon bemerken sollten. Für die regierenden Politiker, deren Selbstverständnis nur soweit reicht, dass sie sich unter dem Stichwort "es gibt keine Alternative" als Handlanger des Kapitals missbrauchen lassen, sind die Zahlen des Statistischen Bundesamtes natürlich Wasser auf ihre Mühlen. Scheinbar neutraler Herkunft und absolut unbestechlich zeigen sie doch jedes Jahr, wie erfolgreich "man" wieder gewesen ist.

Ich stelle mir gerade vor, was passieren würde, wenn man Ihre Gesamtrechnung und vor allem die daraus resultierende Verteilungsrechnung der breiten Öffentlichkeit vorstellen und erläutern würde. Würden die Menschen anschließend auf die Barrikaden gehen und den Unternehmern mit Generalstreik drohen? Würden Millionen von Mietern eigenmächtig ihre Mietzahlungen kürzen? Würden die vielen Schuldner aus ihren monatlichen Raten die Zinsen herausrechnen und abziehen? Würden Politiker die Hosen herunterlassen und sich öffentlich dazu bekennen, ihre Wähler jahrzehntelang manipuliert und betrogen zu haben?

Eines habe ich an Ihrer Kritik der Berechnung des BIP allerdings nicht verstanden. Sie schreiben:

"Die Quellen leistungsloser Einkommen, nämlich die Zinslasten der gesamten Volkswirtschaft, die Miet- und Pachterträge sowie die Gewinne der Unternehmen werden wie selbstverständlich der "Wertschöpfung" zugerechnet, was aber nur möglich ist, indem für weite Teile der sog. Wertschöpfung Schätzungen angestellt werden - denn zutreffendes Zahlenmaterial liegt weder vor, noch könnte es, selbst beim besten Willen, überhaupt erhoben werden."

Wieso liegen zu Zinserträgen, Mieten, Pachten und Unternehmensgewinnen keine zutreffenden Zahlen vor? Müssen diese Einkünfte nicht versteuert werden? Bezieht sich Ihre Kritik hierbei vielleicht eher auf die Methodik der Gewinnermittlung, auf die steuerrechtlichen Möglichkeiten der Gestaltung von Unternehmensergebnissen?


Anmerkung von Egon W. Kreutzer

Die Aussage, dass Zahlenmaterial nicht vorliegt, bezieht sich auf die zitierten Aussagen des Statistischen Bundesamtes (und weitere, die ich nicht explizit aufgenommen habe). Die Gewinne der Einzelunternehmen sind weitgehend unbekannt, die Mieteinnahmen werden auf Basis von Hochrechnungen (Wohnungsbestand und 'Durchschnitts-Mieten) hochgerechnet, von den Annahmen über den Mietwert selbst genutzten Wohneigentums ganz zu schweigen. Nein, es ist nicht die Methodik der Gewinnermittlung, es ist die Nebelwand, die zwischen den Fakten und der Statistik überall da aufgerichtet ist, wo wenige viel besitzen. Deren Verhältnisse zu ermitteln würde unverhältnismäßig hohen Aufwand erfordern - aber zig-Millionen, die wenig verdienen und nichts besitzen, deren Verhältnisse sind schnell und gründlich erforscht, deren steuer- und sozialversicherungspflichtiges Einkommen ist dem Staat und seinen Dienern vertrauter als das Grundgesetz. Das sieht nämlich eigentlich Gleichbehandlung vor.

(Es ist übrigens logisch falsch, die Gleichbehandlung von Reichen und Armen zu fordern. Es fordert ja auch niemand die Gleichbehandlung von verurteilten Gesetzesbrechern und rechtschaffenen Bürgern. Die einen sperrt man ein, die anderen überwacht man bloß. Gleichbehandlung kann immer nur bedeuten, dass Gleiche gleich behandlelt werden. Reiche wie Reiche und Arme wie Arme. Und wenn ein Armer behandelt werden möchte wie ein Reicher, dann hat er das selbst in der Hand. Er muss ja bloß das Armsein aufgeben und reich werden.)


Lieber Egon Kreutzer,

danke für die VGR-E-Mail. Bei meiner langjährigen Bearbeitung dieser Zahlenwerte für die UNIDO, Wien, ist mir aufgefallen, dass in diesem Regelwerk die Geldschöpfung völlig ausgeklammert ist.
Es gibt an sich von vorneherein keine Übereinstimmung der Produktionsseite mit der Verteilungsseite, weil laufend zusätzliches Geld über Kredite in die Wirtschaft (Produktionsseite) fließt und über Kreditrückführungen wieder z.T. abgezogen wird.
Da ist es nur bequem, dass über die Gewinnseite ohnehin keine aussagekräftigen Zahlen zur Verfügung stehen.
Irgendwie werden die beiden Seiten dann eben auf gleich getrimmt.

Mit besten Grüßen




zum Artikel Paukenschlag No 35