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Reaktionen auf den Paukenschlag No.27

Auf fast jeden meiner Artikel hin erreichen mich viele
Zuschriften mit Anregungen und Kritik.

Weil die Inhalte oft auch zusätzliche Informationen beinhalten und andere, auch abweichende Standpunkte
erkennen lassen, will ich Sie alle daran teilhaben lassen und werde künftig an dieser Stelle eine Auswahl von
Leserbriefen, z.T. auf das Wesentliche gekürzt, online stellen. Zum Schutz der Absender allerdings nur in anonymisierter Form.


Der Autor des nachstehenden Kommentars hat der Nennung seines Namens ausdrücklich zugestimmt

 

Kein DSL ?

Eine gar nicht technische Betrachtung des Problems.
Ein Kommentar von Jan Günther, 05.April 2007

Sie wohnen in einem keineren Dorf und haben keinen DSL Anschluß ?
Ärgerlich nicht wahr ?
Sicher haben Sie schon viele Begründungen gehört, warum aus diesen und jenen technischen Gründen kein Anschluß möglich ist, wie: Der nächste DSLAM ist zu weit entfernt, die Dämpfung der Leitung ist zu hoch u.s.w..
Alle diese Gründe mögen zutreffen, verdecken aber meistens die wahre Ursache, warum man Ihnen keinen Anschluß gewähren will.

Stellen Sie sich dazu mal folgendes (sehr vereinfachtes) Szenario vor:

Fiktion:

Es wird ein neues Wohngebiet erschlossen, in dem 20 neue Einfamilienhäuser gebaut werden können. Im Zuge der Erschließungsmaßnahmen sind die Wasseranschlüsse zu realisieren.
Sie gehen zu den Stadtwerken, die aber inzwischen nicht mehr der Stadt gehören, sondern privatisiert wurden. Sie gehören jetzt einem amerikanischen Finanzkonsortium, das internationale Inverstoren vertritt, heißen jetzt Global Water Supply AG, ein Drittel der Belegschaft wurde entlassen, um Synergie-Effekte wahrzunehmen.
Dort teilt man Ihnen nun mit, daß Sie zur Zeit leider keinen Wasseranschluß bekommen können. Dazu wäre eine Mindest Anwohnerzahl erforderlich, damit sich das Verlegen der Rohre und die Wartungskosten u.s.w. auch rechnen. Es gäbe aber Alternativen. Man nennt Ihnen einige Privatfirmen, die Ihnen eine lokale Wasserversorgung aufbauen könnten, zu einem entsprechenden Preis, versteht sich. Dieser liegt zwar doppelt so hoch, wie der, den Sie bei Global Water Supply bezahlen würden, aber schließlich müssen Sie ja froh sein, überhaupt Wasser zu bekommen. Das sollte Ihnen also den höheren Preis also schon wert sein.
Notgedrungen willigen Sie ein und schließen einen Vertrag mit einer der Privatfirmen für die Versorgung Ihres zukünftigen Hauses ab.
Ende der Fiktion?


Ähnliche Beispiele könnte man für Strom, Telefon, Fernwärme u.s.w. anführen.
Wenn jemand einen Unterschied zur Situation mit DSL sieht, wäre ich dankbar den zu erfahren. Natürlich kann man kontrovers diskutieren, ob ein DSL Anschluß zur Grundversorgung gehört oder nicht, aber das ist hier nicht der springende Punkt.
Der Staat hat die Aufgabe, die Versorgung der Bevölkerung mit diesen technischen Einrichtungen sicherzustellen, ganz egal, ob das der herkömmliche Telefonanschluß oder heutzutage der Breitbandanschluß ist. Dies nicht zu tun bedeutet, die betroffene Bevökerung vom technischen Fortschritt fernzuhalten und somit gegenüber dem Rest der Bevölkerung zu diskriminieren.
Es geht also schlicht und einfach um eine Bedarfsdeckung und um Gleichbehandlung.
Nun ist aber die ehemals größte staatliche Telekommunikations Firma Deutschlands inzwischen zum Global Player verkommen. Bedarfsdeckung und Versorgung der Bevölkerung ist längst nicht mehr deren Zielsetzung. Statt dessen muß jedes Jahr zwanghaft ein höheres Wachstum als im Vorjahr geschaffen werden, damit die Gier (man nennt das auch Mindest Kapital Rendite) der Investoren befriedigt wird. Diese ziehen sonst Ihr Kapital aus der Firma und investieren es in wenigen Sekunden dort, wo die Gier eben noch besser befriedigt wird.

Nein, - die Ursache dafür, daß Sie kein DSL bekommen, sind nicht die technischen Probleme, die sind alle lösbar.

Sie bekommen kein DSL weil es sich für die Global Player nicht rechnet !!!

oder anders ausgedrückt

Den Global Playern ist es doch (Entschuldigung!) scheißegal, ob Sie DSL haben oder nicht !!
Hauptsache die Rendite stimmt!

 

Unsere Regierung folgt blind einem Wachstums-und Globalisierungs-Wahn, der am Ende scheitern muß, weil grenzenloses Wachstum nun mal nicht existiert auf unserem Planeten.
Dafür die Versorgung der Landbevölkerung zu opfern nimmt man offensichtlich in Kauf, sind ja auch nur ein paar Wählerstimmen…

Die Versorgung der Bevölkerung mit einem Breitbandanschluß muß ein gesetzlich geregeltes Grundrecht werden und ist somit als hoheitliche Aufgabe und Dienstleistung vom Staat sicherzustellen genau wie für Wasser und Strom !

Sehr wohl kann der Staat die Aufgabe an Private Unternehmen übertragen, er tritt dann eben als deren Großkunde auf.
Das darf man nicht wild gewordenen Gewinn-Strebern überlassen, sondern es muß, wenn nötig, mit Hilfe von Steuermitteln sichergestellt werden.
Das bedeutet nicht, sich gegen jede Privatisierung zu wehren, die ja auch ihre Vorteile haben kann, aber diese ist eben für öffentliche Versorgungsunternehmen vom Gesetzgeber an Bedingungen zu knüpfen.

Die Tatsache, daß heute in kleineren Dörfern elektrischer Strom und Wasser zum annährend selben Preis, wie in der Stadt verfügbar sind, ist nur die Konsequenz eines solchen Grundrechtes. Sonst hätten wir schon längst Zustände wie manchen Ländern der dritten Welt, wo raffgierige private Wasserversorger der eh schon verarmten Bevölkerung aufbereitetes Wasser aus Umkehrosmose-Anlagen zu horrenden Preisen verkaufen, nachdem man dafür gesorgt hat, daß das natürlich vorkommende Trinkwasser aus der Erde verseucht ist.


Denken Sie mal darüber nach.




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