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Reaktionen auf den Paukenschlag No.15

Auf fast jeden meiner Artikel hin erreichen mich viele
Zuschriften mit Anregungen und Kritik.

Weil die Inhalte oft auch zusätzliche Informationen beinhalten und andere, auch abweichende Standpunkte
erkennen lassen, will ich Sie alle daran teilhaben lassen und werde künftig an dieser Stelle eine Auswahl von
Leserbriefen, z.T. auf das Wesentliche gekürzt, online stellen. Zum Schutz der Absender allerdings nur in anonymisierter Form.


Lieber Herr Kreutzer!

Obwohl ich mir sicher bin, dass Sie die neoklassische Theorie sehr gut kennen und deswegen Ihre Frage nach der "Sinnfindung" nur rhetorisch gestellt war, möchte ich Ihnen trotzdem einen kurzen Text schreiben. Sie finden ihn im Anhang als Word-Dokument ("Autos kaufen keine Autos").


Hans-Werner Sinn beschreibt in Standpunkt "Autos kaufen keine Autos", wie sich klassisch ausgebildete Ökonomen eine funktionierende Volkswirtschaft vorstellen. Als habe es die Erkenntnisse eines John Maynard Keynes nie gegeben, wird ein theoretisches Modell als Idealzustand vorausgesetzt, in dem sich ohne äußere Eingriffe, nur durch die "unsichtbare Hand" des Marktes gelenkt, eine weitgehend störungsfreie Dynamik aus Investitionen und Wachstum zum Wohle aller entwickelt. Sinn verschafft uns mit seiner Argumentation einen vorzüglichen Einblick in die Gehirne der Neoliberalen und deren Weltbild.

Grundlage für Sinn´s schwer verdauliche Logik und die Grenzen menschlichen Denkvermögens des öfteren berührende Argumentation ist das sogenannte "Saysche Theorem". Dieses besagt, dass sich jede Produktion ihre eigene Nachfrage schafft. Ein Unternehmen braucht sich keine Sorgen um die Nachfrage nach seinem Produkt machen. Es errichtet lediglich eine Fabrik, stellt Arbeiter zu möglichst niedrigen Löhnen ein und schon geht es los mit der Nachfrage nach den Produkten. Diese ist nämlich automatisch dadurch entstanden, dass Löhne ausgezahlt werden. Die aus dem Verkauf entstehenden Gewinne des Unternehmens werden in zusätzliche Produktionskapazitäten investiert und eine weitere Fabrik entsteht, die natürlich weitere Arbeiter braucht, welche ihrerseits mit ihren Löhnen für Nachfrage sorgen. Wenn dies bei dem einen oder anderen Unternehmen nicht klappt, weil z.B. das Produkt am Markt nicht gut ankommt, so funktioniert dieser Mechanismus gesamtwirtschaftlich über alle Unternehmen und Produkte betrachtet, aber auf jeden Fall. So entsteht ein volkwirtschaftliches Perpetuum Mobile aus niedrigen Löhnen, hohen Investitionen und ständiger Ausweitung der Produktion. Irgendwann ist natürlich Vollbeschäftigung erreicht, dann wachsen nur noch Löhne und Produktion im Gleichschritt, weil dann aufgrund der Vollbeschäftigung der Lohnmechanismus am Arbeitsmarkt greift, und sich die Menschen ihre Arbeitspläzte wieder aussuchen können. Bei Hans-Werner Sinn klingt das in etwa so:

"Die Produktion der Gesellschaft und ihre Lohneinkommen steigen rascher an, was sich auf die Dauer trotz der anfänglichen Lohnzurückhaltung in höheren Löhnen und einem höheren Konsumniveau niederschlägt. Die höheren Investitionen bewirken selbst den höheren Konsum, zu dessen Befriedigung sie gebraucht werden."

Man findet diese Argumentation in jedem aktuellen volkswirtschaftlichen Lehrbuch. Entscheidend ist, dass die Ökonomie dabei immer von einem Kreislaufmodell mit perfekter Selbstregulation ausgeht. In diesem Kreislauf geht niemals etwas verloren und Ungleichgewichte werden stets durch die Marktmechanismen reguliert. Gewinne, die nicht in neue Produktion investiert werden, werden über Kredite in den Kreislauf zurückgeführt (Zinsmechanismus). Wenn erst das Tal der Niedriglöhne durchschritten ist, entsteht Vollbeschäftigung mit steigenden Löhnen (Lohnmechanismus). Auf den Gütermärkten sorgt die Konkurrenz für Gleichgewichtspreise (Preismechanismus).

Wachstum kann aber nur stattfinden, wenn ein (möglichst großer) Teil des Sozialprodukts nicht konsumiert (Herr Sinn sagt "aufgegessen") wird, sondern den Kapitalstock für neue Investitionen bereitstellt. gemäß dem Sayschen Theorem: "Jede Produktion schafft sich ihre eigene Nachfrage." Direkt unlogisch ist das nicht. Dementsprechend hält Sinn auch das Kaufkraftargument für falsch. Je höher die Löhne, desto niedriger die Gewinne. Niedrigere Gewinne verringern die Investitionsbereitschaft der Arbeitgeber und beeinträchtigen so Investitionen und Produktivitätsfortschritt . Somit ist Konsum schädlich für das Wachstum. Wenn Sinn allerdings davon spricht, dass Konsum unnötig für die Konjunktur sei, dann meint er wahrscheinlich einen durch übermäßige, nicht produktivitätsorientierte Lohnsteigerungen verursachten Konsum und nicht Konsum im Allgemeinen.
Im Grunde ist dieses ökonomische Weltbild ganz einfach zu verstehen, denn die Struktur ist denkbar einfach. Man muss nur das Pferd von hinten aufzäumen. Politiker aller Couleur richten sich danach und nennen es "angebotsorientierte Wirtschaftspolitik." Jedes aktuelle Lehrbuch der Volkswirtschaft und im Grunde alle volkswirtschaftlichen Vorlesungen und Seminare haben als Essenz den oben beschriebenen Inhalt. Von den Minaretten der Wirtschaftswissenschaft wird diese jahrhundertealte Botschaft der klassischen Vordenker Adam Smith, Jean-Baptiste Say, David Ricardo, Leon Walras & Co. in die ganze Welt hinausgeschrien. Um dem ganzen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben, werden die Aussagen noch mit schwer begreifbaren mathematischen Formeln und unlogischen Diagrammen scheinbar bestätigt. Als neuzeitliche Zeugen treten dann "Giganten der Volkswirtschaft" wie Ludwig von Mises, August von Hayek und Milton Friedmann auf.

Leider funktioniert die freie Marktwirtschaft des Hans-Werner Sinn nur auf dem Papier, in Schaubildern, Formeln und Diagrammen. In der Realität gibt es Sachverhalte und ergeben sich Probleme, die in seiner Theorie gar nicht vorkommen und die deshalb mit den Rezepten dieser Theorie auch nicht gelöst werden können. Die Marktmechanismen, die die tragenden Säulen des neoklassischen Weltbildes darstellen, funktionieren nur schlecht oder unvollständig, so dass das Fundament dieser Theorie nicht tragfähig ist.

Menschen wie Hans-Werner Sinn ficht das nicht an. Sie retten sich damit der Realität vorzuwerfen, sich nicht wie die Theorie zu verhalten. Wenn sich alle der Theorie entsprechend verhalten, vor allem Staat, Gewerkschaften und Arbeitnehmer, wird der Idealzustand schnell erreicht sein. Hochdotiert und von der Gesellschaft allimentiert wird Hans-Werner Sinn weiter daran arbeiten, unsere Gesellschaft nach seinem Bilde zu gestalten.

John-Maynard Keynes äußerte sich in seinem Hauptwerk "Die allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes" folgendermaßen:

"Unsere Kritik an der akzeptierten klassischen Theorie der Wirtschaftslehre bestand nicht so sehr darin, logische Fehler in ihrer Analyse zu finden, als hervorzuheben, dass ihre stillschweigenden Voraussetzungen selten oder nie erfüllt sind, mit der Folge, dass sie die wirtschaftlichen Probleme der wirklichen Welt nicht lösen kann."




Lieber Herr Kreuzer,

Sie suchen die Antwort auf Ihre drei Fragen zum "Paukenschlag am Donnerstag; Nr. 15".
Das ist doch einfach: der sinnige Professor aus Munich ist zu häufig in Talkshows aufgetreten. Dort ist jeder Un-Sinn willkommen.

Machen Sie weiter so, das wünscht Ihnen und uns



Holla Chef!

Überall, wo Englisch drauf steht ist Lüge drin! Fast überall!

Anmerkung: Ich besuche eine Vorlesung an der Bonner Uni und betone, daß ich als deutscher Unternehmer und Arbeitgeber sowie Steuerzahler die Vorlesung in deutscher Sprache hören will! Der Professor läßt abstimmen. 75 % wünschen die deutsche Sprache! Trotzdem wird die Vorlesung in Englisch gehalten! Ich protestiere und erkläre, daß die derart ausgebildeten Studenten in deutschen Mittelständischen Firmen nie ein Bein an Deck kriegen, weil man sie dort einfach nicht versteht!

Gruß


Sehr geehrter, immer wieder gerngelesener Herr Kreutzer!

Wie erquickend und erleichternd, daß Sie es mal wieder fertiggebracht haben, einen absolut treffenden Artikel zu verfassen. Ich bin erleichtert, nunmehr zu wissen, daß es auch noch jemand anderen gibt, der in diesem 'Sinn' schon seit langem keinen Sinn mehr zu erkennen vermag.

Angesichts seiner medial verstreuten Popularität jedoch, litt ich bislang unterschwellig an der Unsicherheit, ich könnte irgend etwas von diesem Professor vielleicht doch nicht ganz verstanden haben. Nach der Lektüre Ihres hilfreichen 'Paukenschlags' befinde ich mich daher auf dem Weg der Rehabilitation, was mein seelisch-ökonomisches, inneres Gleichgewicht betrifft.

Vielen, herzlichen Dank!


Hallo Herr Kreutzer,
vielen Dank wieder einmal für die Möglichkeit solch guter Lektüre. Folgender Bericht auf den "Nachdenkseiten" passt dazu (diesmal das IDW):

http://www.nachdenkseiten.de/?p=2188#more-2188

Alles Gute,


Hallo Herr Kreutzer

Das ist ja nun echt gemein! Sie zweifeln mal einfach an dem Sinn und suchen Ihn/ihn daraufhin vergeblich!? Und dann fordern Sie prompt Ihre Leser dazu auf, den Selben in wütenden Antworten (Beschimpfungen?) nieder zu machen!? Oder was soll die Fragerei? Wirklich! Echt ge…genial!

Aber ernsthaft. Meine Lieblingsstelle aus Nr.82 zeigt wieder eindeutig die Gehirnwäscheformel.

Zuerst schreibt er:

'Die bestehende Kaufkraft wird also nur anders verteilt. Zwar steigt der Konsum der Arbeitnehmer, wenn bei gegebener Beschäftigung mehr Lohn gezahlt wird. Doch nimmt die Investitionsneigung ab, weil die Lohnerhöhung viele potenzielle Investitionsprojekte unter die Rentabilitätsschwelle drückt, und das verringert die Nachfrage.'

„Oh“ denkt sich da der Sinn. „das war der, durch die Fachbegriffe wissenschaftlich angehauchte Teil. Nu aber schnell was fürs Volk…“

Und schreibt dann: (Um den letzten Überflieger zu gewinnen)

'Auch Investitionen sind Nachfrage: Man kann das Sozialprodukt aufessen; dann ist es Konsum. Oder man kann es auf den Haufen legen, den wir Kapitalstock nennen; dann ist es eine Investition. Beides ist Nachfrage nach den Produkten aus laufender Produktion. Autos kaufen vielleicht keine Autos, aber Investoren kaufen Maschinen und Bauleistungen. Eine Lohnerhöhung senkt diesen Teil der Binnennachfrage.'

Hört sich beim Überfliegen doch recht schön und rund an oder?

Bei näherer Betrachtung sind das aber nur, sorgfältig an einander gereihte Scheinaussagen und Reizworte. Diese „Thesen“ kann er leider nur durch seine eigene „Logik“ und durch die Intervallartige Wiederholung, von allen die es verbreiten, bestätigen.

Ach so, Ihre Frage…ich vergaß

Die Antwort (auch wenn Sie die nicht wirklich wollten…) auf Ihre Fragen, ist übrigens recht einfach. Denn was auch Sie, in den meisten Ihrer Texte betreiben, ist die reine Falsifikation nach Popper. Zudem eine wichtige Vorraussetzung zur Weiterentwicklung der Wissenschaft.

An einer Weiterentwicklung, der vom Ifo-Institut und des zuständigen Lehrstuhlinhabers der Abteilung für Volkswirtschaft (auch wenn Er es nicht mehr so nennen will), der Ludwig Maximilian Universität in München, - an eine Veränderung der dort eingeführten Paradigmen also, besteht offensichtlich keinerlei Interesse. Doch was passiert wenn man sich nicht weiter entwickeln will? Richtig! Man wird irgendwann von der Realität eingeholt! Und wo bleibt da der Sinn?

Als mögliche Realität, nennt Wiki übrigens den Namen Kuhn, der die Änderung durch eine Wissenschaftliche Revolution und Einsetzen eines neuen Paradigmas beschreibt. Aber wie so oft: genug davon! Das würde wieder zu weit führen…auch für mich…da bin ich ja ehrlich…

Ich tu mich ja nich so mit den Floskeln…

…aber wie immer wünsche ich Ihnen nur das Beste!


Aber Herr Kreutzer!

Was Sie da so orakeln? Der Sinn gibt Ihnen doch die Antwort: Sie können das nicht verstehen, weil Sie Gewerkschafter sind!

Im Übrigen muß auch ich dem Herrn Sinn Recht geben - der Konsument stört im gesamtgesellschaftlichen Produktionsprozeß, denn er will nur 1, und das ist, was vom Braten von. Ich gehe mit dem "Herrn" konform: Auf die Pfoten gehört den Konsumenten, die teilweise sich sogar noch als Produzenten dessen outen, was sie schließlich konsumieren wollen! Das kann doch nicht sein! Warum soll man die ganzen schönen Güter aufessen, die unter viel Mühe und Schweiß produziert worden sind? Und wie viel könnte exportiert werden, würde es nicht im Lande selbst aufgegessen! Autos einschließlich!

Sehen Sie, es ist doch gar nicht so schwer...

Schlimm nur, daß sich selbst so nennende "Politiker" auf diesen Zinnober reinfallen!

Danke für den Donnerschlag vom Paukentag!



zum Artikel "Paukenschlag No 15"