Impressum - Pflichtangaben - Copyright
Home alle Kommentare alle Leserbriefe Stichwortsuche Startseite Geld Reaktionen auf den Paukenschlag No.14
Auf fast jeden meiner Artikel hin erreichen mich viele
Zuschriften mit Anregungen und Kritik.
Weil die Inhalte oft auch zusätzliche Informationen beinhalten und andere, auch abweichende Standpunkte
erkennen lassen, will ich Sie alle daran teilhaben lassen und werde künftig an dieser Stelle eine Auswahl von
Leserbriefen, z.T. auf das Wesentliche gekürzt, online stellen. Zum Schutz der Absender allerdings nur in anonymisierter Form.
Hallo Herr Kreutzer,
ich fand den letzten Paukenschlag besonders gelungen und gut verständlich.Auch als ungebildeter, ehemaliger Hauptschüler, also zur Problemunterschicht gehörend, habe ich solches schon immer so vermutet, wäre aber nie in der Lage gewesen, dies so eingängig zu formulieren. (...)
Da die Verantwortung in Fragen der Bildung/Ausbildung logischerweise bei den Gebildeten liegt, die Ungebildeten wissen es ja nicht anders, muss man diesen auch den Vorwurf machen, falsch auszubilden.
Diese Land hat kein Unterschichtenproblem, sondern ein Führungsschichtenproblem!Die grossen Firmen wissen überhaupt nicht, was für einen Schatz an Mitarbeitern sie in Händen haben - und für ein paar Kurssprünge geben sie diesen Schatz auf...
Die Politik ist so fern vom Volk, wie nie zuvor in der BRD-Geschichte, das erinnert schon an die Endzeit der DDR (die ich auch nur aus der BRD-Perspektive kenne).
Sowohl der Staat, als auch die Firmen arbeiten nicht pragmatisch, sondern ideologisch.
Die Statistiken werden so zurechtgeschnitten, bis es ins gewünschte Bild passt, das reale Bild spielt keine Rolle.
Am Ende haben wir den "Potemkinschen Aufschwung".Ich bin gespannt, was die Zukunft bringen wird!
Sehr geehrter Herr Kreutzer,
ich suche regelmäßig Ihre Internet-Seite mit der Statistik zur Arbeitsplatzvernichtung auf, da ich den Inhalt als wichtiges und wertvolles Gegengewicht zu den allgegenwärtigen "Der Aufschwung ist da"-Parolen betrachte.
Was Ihren Standpunkt zum Thema Ökonomie und Volkswirtschaft angeht, habe ich hingegen immer wieder Schwierigkeiten, Ihren Erklärungen inhaltlich zu folgen. Deshalb möchte ich den Paukenschlag Nummer 14 vom 5. April 2007 zum Anlass nehmen, meine Verständnisprobleme in Worte zu fassen (gemäß Ihrer eigenen Grundregeln "Kritik muss weder beschönigen noch verharmlosen, weder heucheln noch trösten, um konstruktiv zu sein.").
Sie beginnen Ihre Ausführungen zum Thema "Das Zusammenspiel der Wirtschaftssubjekte im Zahlungsmittelkreislauf" mit dem Satz:
"Natürlich hat ein Kreis(-lauf) weder einen Anfang, noch ein Ende."
Damit legen Sie bereits zu Beginn Ihrer Erklärung eine gewaltige Prämisse fest, nämlich daß die Herkunft bzw. Entstehung des Zahlungsmittels für die grundlegenden ökonomischen Betrachtungen nicht relevant ist. Das Zahlungsmittel wird somit per definitionem zu einer Sache erklärt, die quasi Netto zur Verfügung steht und als "Netto-Geld" in einem Wirtschaftskreislauf umlaufen (zirkulieren) kann oder in die eine oder andere Richtung umverteilt werden kann. Oder gehört die Frage nach der Herkunft des Zahlungsmittels zu den von Ihnen erwähnten "überflüssigen technischen Details"?
Im Absatz "Die Rolle des Banksystems" wird Ihre Prämisse nochmals regelrecht zementiert mit der Aussage: "Da im hier beschriebenen Modell noch keine Kredite existieren, kann selbstverständlich auch noch keine Tilgung stattfinden."
Da sich Ihr Paukenschlag auf unsere Realsituation in Deutschland bezieht und nicht auf ein fernes Utopia, habe ich große Verständnisprobleme mit Ihren Erläuterungen. Ich bin bislang davon ausgegangen, daß wir im realexistierenden Deutschland (wie in fast alle übrigen Volkswirtschaften auch) ein Kreditgeldsystem haben. Ich dachte bisher, die Summe ALLEN Geldes entspricht der Summe ALLER Schulden. Oder anders ausgedrückt: Würden alle Schulden auf einmal getilgt, so bliebe kein Geld übrig. Oder nochmal anders: ALLES Geld einer Volkswirtschaft kommt als Kredit (also als Schuld bzw. als schuldrechtlicher Vorgang) auf die Welt. Zu keinem einzigen Zeitpunkt kann es einen schuldenfreien (kreditfreien) Zustand geben. Was in letzter Konsequenz bedeutet, es gibt nichts derartiges wie "Netto"-Geld (wie z.B. im Monopoly-Spiel). Die einzige nennenswerte Ausnahme, die mir bekannt ist, ist das sog. Kopfgeld, welches 1950 an die deutschen Bürger "netto" verteilt wurde (aber letztlich nichts anderes war als die Abtretung von zuküftigen Steuereinnahmen an die Bevölkerung). Die Vorstellung von der "Erschaffung" eines Zahlungsmittels als Netto-Summe ohne Gegenbuchung (Forderung), um damit bei Null zu starten, um dann mit dem Zahlungsmittelbestand zu wirtschaften, ist jenseits aller Realität.
Nicht umsonst unterscheiden vermögende Menschen sehr genau zwischen Nominalvermögen (= Geld) und Realvermögen (= Sachwerte). Und nicht umsonst ist es gerade den vermögenden Menschen klar, daß das Sparen in einem Kreditgeldsystem auf lange Sicht lediglich in Sachwerten möglich ist. Eine "Ersparnis" im eigentlichen Sinne kann es in einem Kreditgeldsystem - aus volkswirtschaftlicher GESAMTSICHT! - ohnehin zu keinem Zeitpunkt geben, sondern nur aus individueller EINZELSICHT. Geld wird als schuldrechtlicher Vorgang in die Welt gesetzt und in Schulden kann nunmal nicht gespart werden - Schulden können nur beliehen werden (Stichwort Schuldenpyramide). Alle "Ersparnisse" bewirken lediglich eine Minderung der bereits vorhandenen Verschuldung! Sparen (im Sinne von Geld zu horten) können nur einige wenige - aber NIEMALS alle (genau so wie es sich gehört, in einem ordentlichen Betrugssystem). Und es kommt noch besser: Geld, das irgendwer verleihen könnte, gibt es ebenfalls nicht (bitte auch hier den Kontext zur volkswirtschaftlichen Gesamtsicht beachten, und nicht auf den einzelnen Geldinhaber schielen!). Alles Geld ist bereits selbst ein Kredit - und ein Kredit kann nicht verliehen werden. Der aus der Verleihung resultierende Kredit kann immer nur als Sicherheit für den nachfolgenden Kredit dienen (hier winkt uns Seniore Ponzi zu und freut sich wie ein Schneekönig, wie leicht sich die Mehrheit für Dumm verkaufen lässt - Sozialist und Kapitalist gleichermaßen).
Wenn man natürlich (wie z.B. Marx) zwischen Geld und Sachwerten (Waren) eine irgendwie geartete Äquvalenz definiert (am besten auf Grundlage einer kindlichen Tauschtheorie), kann man all jenen Menschen, die einen Großteil ihrer Einkünfte für die Lebenshaltungskosten aufwenden müssen, sehr leicht weismachen, daß die Umverteilung von Geld (statt Realwerten!) sinnvoll ist. Für diese Menschen stellt sich, aufgrund der Alltagserfahrung, tatsächlich eine Äquivalenz dar. Ebenso wird das "Sparen" von Geld als realer Vorgang empfunden, da nach Ende der Sparphase ein scheinbar äquvalenter Sachwert mit den Ersparnissen erworben werden kann. Und da denkt sich der Ökonom (kurzsichtig wie er in der Regel ist), was im Kleinen gilt, muß auch im Großen seine Entsprechung finden...die Verwechslung von individuellen Geldinhabern und der Summe aller Geldinhaber ist ein bekannter Denkfehler nahezu aller Geldtheorien.
Die Illusion des Sparens in Geldwerten ist eine kapitalistischen Karotte, die dem Esel vorgehalten wird, um die Chimäre vom erarbeiteten und ersparten Wohlstand aufrecht zu erhalten. So wie die Umverteilung von Nominalvermögen (also Umverteilung von Schulden? - das hält man ja im Kopf nicht aus!) eine sozialistische Karotte für den Esel darstellt, um die Illusion von sozialer Gerechtigkeit zu projezieren. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß Sozialist und Kapitalist eineiige Zwillinge sind, die Rücken an Rücken die selbe Welt betrachten, und sich einbilden, in die jeweils "richtige" Richtung zu blicken...und beide stricken fleissig an der ultimativen Illusion eines ökomonischen perpetuum mobiles, immer getreu dem Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Mit den Sätzen: "Wer glaubt, man könne, wie Wechselreiter oder Scheckbetrüger durch Anwerben immer neuer Investoren immer neue Zahlungsmittel anwerben, also alte Löcher dadurch stopfen, dass immer schneller neue aufgerissen werden, der geht einen gefährlichen, zumindest selbstbetrügerischen Weg." und: "Das Problem wird so möglicherweise für eine gewisse Zeit kaschiert; gelöst wird es nicht." haben Sie die Grundproblematik eines Kreditgeldsystems sehr treffend formuliert - vielen Dank für diese klaren Worte, Herr Kreutzer! In der Tat ist ein Kreditgeldsystem im Grunde seines Wesens nichts anderes als ein klassisches Kettenbrief-System. Stets muß ein Anschlußschuldner gefunden werden, damit die Verschuldungskette nicht abreisst. Betrachtet man hierbei die aktuellen Refinanzierungsabläufe der Geschäftsbanken wird zudem noch sehr schnell deutlich, daß wir uns in der Endphase der Schuldenpyramide befinden: Es werden bei der Geldschöpfung immer weniger "konkrete" Werte bei der Notenbank hinterlegt, sondern nur noch Kredittitel (= Beleihung von bereits existierenden Beleihungen!). Die Verschuldungskurve ( = Geldschöpfungskurve) verläuft exponentiell und strebt damit (wie alle exponentiell ablaufenden Vorgänge) mit unabänderlicher Präzision ihrem sicheren Ende entgegen.
Lieber Herr Kreutzer, jede Kritik, auch die Ihre, an unserer ökomonischen Situation ist absolut berechtigt und notwendig. Wer allerdings eine Lösung ökonomischer Probleme INNERHALB unseres Kreditgeldsystems offeriert, bietet den Menschen die trügerische Hoffnung eines alternativen Weges an - aber keine Wahrheit. Und die Wahrheit einer Volkswirtschaft mit Kreditgeldsystem ist und bleibt: Es ist ein Ort, an dessen Eingang ein Schild steht mit den bekannten Worten "Ihr, die ihr hier eintretet, lasset alle Hoffnung fahren...". Das wusste bereits Keynes, der Urvater der ökonomisch begründeten Staatsverschuldung. Als Keynes sein berühmtes "deficit spending" propagierte und gefragt wurde, wohin das alles in langer Sicht führen sollte, war seine bezeichnende Antwort: Auf lange Sicht sind wir alle Tot! Er selbst musste schliesslich nicht fürchten, irgendetwas ausbaden zu müssen, was er fiskalpolitisch angerichtet hatte. Keynes war ein weitaus besserer Politiker als Ökonom, aber das ist eine andere Geschichte...
Ein möglicher Ausweg wäre (leider nur scheinbar!) ein Warengeldsystem, welches individuell(!) zwischen Käufer und Verkäufer festgelegt wird. Dieses würde aber das staatliche Monopol auf die Ausgabe des gesetzlichen Zahlungsmittels restlos untergraben (was zunächst recht erfreulich erscheint). Ohne gesetzliches Zahlungsmittel kann aber kein Staat Steuern erheben (worin auch, in Werkzeugmaschinen oder Hühnereiern?). Damit wäre die Existenzgrundlage des Staates hinfällig. Ein Leben ohne Staat in einer komplexen arbeitsteiligen Gesellschaft ist aber auch nicht so recht vorstellbar (das funktioniert nur bei Naturvölkern), schon allein wegen der Ordnungs- und Rechtsfunktion aufgrund der Bevökerungsdichte nicht. Ein unlösbares Problem, so scheint es.
Ihr eigenes Credo: "Das Geldsystem muss sicherstellen, dass die Menge des in Umlauf befindlichen Geldes der Menge des in der Realwirtschaft benötigten Geldes stets möglichst nahe kommt." beinhaltet schlussendlich die gleiche Problematik unseres heutigen Systems mit 50% Staatsquote. Wer soll darüber entscheiden, wieviel an welcher Stelle benötigt wird? Bei allem Respekt, ich glaube nicht an die Existenz von Menschen, die darüber sinnvoll entscheiden könnten! Das wäre reine Planwirtschaft. Auf der Ebene einer dörflichen Gemeinschaft vielleicht gerade noch vorstellbar - aber auf Staatsebene? Leider ist das (annähernd ideale) soziale und wirtschaftliche Gefüge einer kleinen Gemeinschaft, die vielleicht als Vorbild dienen mag, eben nicht auf andere Größenverhältnisse skalierbar.
Wenn überhaupt, dann müsste es heissen: Das Geldsystem muss sicherstellen, dass die Menge des in Umlauf befindlichen Geldes dem entspricht, was realwirtschaftlich LEISTBAR ist, ohne nachfolgende Generationen zu belasten. Aber was das bedeuten würde, ist auch klar: Keine nennenswerten Finanzmärkte, keine langfristigen Kredite für illusionäre soziale Absicherungmäzchen, für Infrastuktur, für Großindustrie und allem anderen, was nicht in ein paar wenigen(!) Jahren "abgearbeitet" werden kann (ein Großflughafen ist keine realwirtschaftliche Infrastruktureinrichtung - sondern eben nur die Ausgeburt einer pervertierten Schulden-Maschinerie). Kurzum - die Wohlstandslüge wäre dahin. Ich selbst könnte mit einer "reduzierten" Welt gut leben - die Mehrheit aber nicht - also ist das auch keine Lösung.
Gewiss ist dabei nur eines: Solange einer übergeordnetet Institution gestattet wird, die Oberaufsicht über ein alleingültige Zahlungsmittel zu haben (welches nichts weiter als ein Machtinstrument darstellt), solange ist sichergestellt, daß am Ende die völlige Überschuldung (= Staatsbankrott) steht. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, von welcher geistigen Gesinnung die Menschen sind, welche die Verteilung der Mittel vornehmen (wenngleich ich den Verdacht habe, daß Sie gerade in diesem Punkt eine andere Auffassung vertreten). Die Geschichte kennt interessanterweise keine positiven Beispiele, nur die endlose Wiederholung von immer dem gleichen Drama. Darum meine abschließende Frage: Warum, Herr Kreutzer, warum um alles in der Welt wollen Sie dem Staat noch zusätzliche Verschuldung zugestehen? Das zusätzlich geschaffene Geld würde niemals dort ankommen, wo Sie es gerne haben möchten. Und in der Gesamtbilanz würde es lediglich den ohnehin unausweichlichen Niedergang nur zusätzlich beschleunigen.
Ich würde mir wünschen, Sie würden die negative Rolle des Staates im Zusammenhang mit unseren ökonomischen Problemen deutlicher hervorheben. Und damit meine ich nicht Kritik an unseren Politikern (daran sparen Sie ja nicht), sondern die Tatsache, daß unser (staatliches!) Geldwesen bereits seinem Grundwesen nach ein Machtinstrument zur Besteuerung darstellt, und nicht das vorgeblich nützliches Hilfsmittel für den Austausch von Waren und Dienstleistungen ist, welches uns Vater Staat großzügig zur Verfügung stellt. Unser Geld ist weder demokratisch noch neutral! Unser Geld wird uns von einem Staat aufgezwungen, der uns alle zur Leistung (also Tilgung unserer Schulden) zwingen kann, aber selbst niemals leistet (sondern Schulden + Zinsen einfach munter anschreiben lässt statt zu tilgen)! Unser Staat ist kein ökonomisches Unschuldslamm! Ohne die einzige Machtbasis des Staates ( = gesetzliches Zahlungsmittel) näher zu beleuchten, bleibt jede gesamthafte Kritik an unserer Ökonomie stecken in stereotypen Polarisierungen: Gutes Geld versus schlechtes Geld oder böse Ausbeuter versus arme Ausgebeutete versus hilfloser Staat (oder ohnmächtige Notenbank).
Soweit zu meinen Gedanken. Ungeachtet meines dargelegten Standpunktes möchte ich dennoch erwähnen, daß ich Ihrem Engagement große Wertschätzung entgegen bringe. Im Zeitalter der systematischen Massenverdummung durch die Medien ragt www.egon-w-kreutzer.de positiv hervor und wird von mir standardmäßig besucht. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein glückliches Osterfest!
Auszüge aus der Antwort von Egon W. Kreutzer: herzlichen Dank für Ihre umfangreiche Kritik. Der Paukenschlag Nr. 14 sollte ganz speziell die "Problematik der Tilgung im Kreditgeldsystem" beleuchten und sich auf diesen Aspekt des Problems beschränken.
Diese Beschränkung zwingt dann leider dazu, einen beliebigen Startpunkt für eine Wirtschaftsperiode in einem Kreislaufmodell zu setzen, die Herkunft des zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Geldes bewusst nicht zu beleuchten - und dies mit dem Hinweis auf "technische Details" im Dunkeln zu lassen.
Gut, Sie haben, wie sich aus Ihrem Schreiben ergibt, schon sehr viel mehr über die Geldthematik gelesen, als nur diesen Aufsatz, Sie kennen meine grundsätzlichen Überlegungen zum Geldproblem und den von mir favorisierten Lösungsvorschlag, und das zu diskutieren erscheint mir wichtiger, zumal ich jetzt mit einigen Ihrer Ausführungen ein "Verständnisproblem" habe.1. Summe des Geldes = Summe der Schulden ?
Die Summe der Schulden lässt sich einigermaßen klar bestimmen. Die Summe des Geldes entzieht sich der genauen Feststellung. Wo hört Geld auf? (M1, M2, M3, M?)
Meines Erachtens sind lediglich Bargeld und Sichtguthaben auf Girokonten Geld - weil nur diese unmittelbar als "Zahlungsmittel" verwendet werden können.
Bleibt man bei dieser Definition, stellt sich aber heraus, dass die Summe der Schulden weitaus höher ist, als die Summe des Geldes.
Diese Erkenntnis wird auch dadurch nicht widerlegt, dass tatsächlich alles Geld als Kredit in die Welt kommt. Dass also tatsächlich die Summe der Guthaben der Summe der Schulden enstpricht. Allerdings entspricht die Menge des Geldes nicht der Summe der Guthaben.2. Natürlich kann "in Schulden gespart" werden
Die irrige Idee aus 1, dass "Summe Geld = Summe Guthaben = Summe Schulden" verführt zu einer irrigen Schlussfolgerung.
Wenn Sie sich am Bankautomaten per Abhebung vom überzogenen Konto um 100 Euro verschulden. Dann haben Sie die Schulden und das Geld gleichzeitig.
Drücken Sie den 100 Euro Schein aus dem Automaten anschließend einem zufällig vorüberkommenden Dritten als Geschenk in die Hand, dann hat der das Geld, aber deswegen keine Schulden, denn die haben Sie behalten.Also kann der Dritte diese 100 Euro zu jenen 100 Euro legen, die Sie ihm schon am Vortag geschenkt haben - und so spart er so oft 100 Euro, so oft Sie ihm diese schenken. Der Besitzer ist frei von den Schulden, die Sie eingegangen sind. Sein Geld ist schuldrechtlich aus dem Zusammenhang Ihres Kredites vollständig befreit.
Der Kredit ist ausschließlich Ihr Problem. Folglich kann der Dritte dieses Geld verleihen, ebenso wie er einen Kugelschreiber oder ein Fahrrad verleihen kannAuch Ihr Hinweis, hier doch bitte die volkswirtschaftliche Gesamtsichtbrille aufzusetzen ändert daran nichts. Es gibt, und das ist eben das Verrückte, sehr viel mehr Guthaben (Schulden) als Geld, und, eine ganze Menge des Geldes (nennen wir sie Geldmenge Y) befindet sich in den Händen von Wirtschaftssubjekten, die selbst nicht verschuldete sind, also dieses Geld nicht für Tilgung verwenden müssen. Diese Geldmenge Y ist folglich auch gesamtvolkswirtschaftlich außerhalb des Guthaben-Schulden-Paares der Geldschöpfung angekommen.
3. Die Illusion des Sparens in Geldwerten
Geld und Sachwerte stehen in einer "okkulten" Beziehung zueinander. Je besser es gelingt, die tatsächlichen Relationen zu vertuschen, desto größer die dem Geld innewohnende "latente" Kaufkraft. So kann man zwar kurzfristig (z.B. für den Kauf eines Autos oder den Bau eines Hauses) Geld sparen und die Kaufkraft dann beim späteren Bedarf abrufen, das funktioniert einigermaßen - aber man kann natürlich nicht alle in "Guthaben" vorhandenen Ansprüche gleichzeitig geltend machen - aber darauf sind sie ja letztlich auch nicht angelegt. Wichtiger ist der ständig erzwungene Fluss von Abgaben (Zinsen).
4. Lösung innerhalb des Kreditgeldsystems
Nicht an die Existenz von Menschen zu glauben, die sinnvolle Regeln aufstellen und durchsetzen, das ist eine Kapitulationserklärung.
Daran zu glauben, dass alle Menschen zu allen Zeiten nur das Beste für ihre Mitmenschen im Sinn haben, das wäre verwegen, aber darauf zu vertrauen, dass mit einer erträglichen "Fehlerquote" letztlich doch etwas erreicht werden kann, das dem Sinn neuer Vorgaben einigermaßen entspricht, das halte ich sehr wohl für möglich.
5. Der negative Einfluss des Staates
Da höre ich Milton Friedmann aus Ihnen sprechen - und schlage vor, doch einfach den Bürger als den "Shareholder" des Staates ins Auge zu fassen und seine Nichtteilnahme an Hauptversammlungen, sein nicht ausgeübtes Stimmrecht, seine Blindheit bei der Bestimmung der Aufsichtsräte einmal zu kritisieren. Der Staat ist doch kein selbstständiges Wesen. Der Staat ist unser aller Konstrukt - und wenn dem nicht so sein sollte, dann muss das geändert werden.
Ich kann mich nun einmal mit der Anarchie nicht anfreunden. Mit mehr bürgerlicher Mitwirkung an staatlichen Entscheidungen schon.Ich habe auch an anderer Stelle schon diese Staatsschelte und den Angriff auf das "gesetzliche Zahlungsmittel" als Machtbasis des Staates gelesen. Die Kritik ist schlicht falsch. Daran ändern weder die Ideen von Paul C. Martin noch die Entnationalisierungs-Szenarien Hajeks etwas. Und zum Beweis brauchen wir noch nicht einmal den Euro als (nichtnationales) Zahlungmittel betrachten.
Noch gibt es Gemeindeordnungen in Deutschland, die es zulassen, Hand- und Spanndienste von den Bürgern zu fordern.
Da ist der Anfang. Nicht im Geld. Macht existierte lange vor dem Geld und sie existiert auch heute noch vollständig ohne Geld. Dass Macht natürlich auch versteht, mit dem Geld gut umzugehen, ist eine Eigenschaft der Macht, nicht des Geldes.
6. Gutes Geld, schlechtes Geld
Geld stinkt nicht.
Wenn mir zu der gesamten Betrachtung ein Gegensatzpaar einfällt, dann dieses:"Zu wenig Geld - zu große Vermögen". Darin liegt die Quelle der meisten gesellschaftlichen Probleme - und darin liegen, so glaube ich, auch die Lösungsansätze.
Lieber Herr Kreutzer!
Zu Ihrem Paukenschlag Nr. 14 habe ich eine Verständnisfrage. Bei der Erklärung der Umverteilung führen Sie unter "Schritt 3 Sparen" aus:
Nach Durchlaufen der Umverteilungsschritte a) bis c) ist die Zahlungsmittelmenge bei den Haushalten ohne nennenswertes Vermögen von anfänglich 29 Prozent durch (hauptsächlich indirekte9 Steuern um 14 Prozentpunkte auf 15 Prozent gesunken, dann aber um 31 Prozentpunkte auf 46 Prozent wieder angehoben worden. Dem Staat verbleiben 10 Prozent, die Wirtschaft hat 22 Prozent zur Finanzierung geplaner Investitionen, das sind insgesamt 78 Prozent der Zahlungsmittel, die mit hoher Wahrscheinlichkeit im nächsten Schritt der Wirtschaft wieder als Umsätze zufließen.
Unklar ist , welcher Anteil der Einkünfte aus Vermögen und Unternehmensgewinnen in Konsum umgesetzt werden.
Ich habe dies so verstanden, dass es sich bei den 78 Prozent Zahlungsmitteln um alle Einkünfte aus Löhnen und Gehältern handelt zuzüglich den aus Gewinnen finanzierten Investitionen. Die übrigen 22 Prozent Zahlungsmittel sind Gewinne und Vermögenseinkünfte.
Differenz zwischen erster und zweiter Verteilung
Wenn ich die einzelnen Prozentwerte addiere, entsteht zwischen den Gewinnen und Vermögenseinkünften aus der zuerst vorgenommenen Verteilung und dieser letzten Verteilungsrechnung eine Differenz von 1 Prozent, denn bei der ersten Verteilung lagen diese Einkünfte noch bei 23 Prozent, bei der zweiten nur noch bei 100 minus 78 Prozent.
Erläuterung der 1% Differenz
Wer spart aus welchen Mitteln?
Bei der Ermittlung der Sparquote nehmen Sie dann Bezug auf 78 Prozent der Zahlungsmittel. Wie kommt dieser Wert zustande? Die o.a. 78 Prozent können es ja nicht sein, denn diese enthalten die 22 Prozent Investitionsmittel der Wirtschaft.
Wieviel sparen die Reichen?
Wenn ich für Deutschland ein BIP von 2.200 Milliarden Euro unterstelle lägen die Einkünfte aus Gewinnen und Vermögen bei 506 Milliarden Euro (23 Prozent). Wenn die Sparquote bei 8 Prozent der gesamten Zahlungsmittel liegt, ergäbe sich ein Sparvolumen von 176 Milliarden Euro. Diese Summe erscheint mir verdammt niedrig im Vergleich zu den 506 Milliarden Einkünften aus Gewinnen und Vermögen, denn die 8 Prozent beinhalten ja auch noch die Sparleistungen der Haushalte ohne nennenswertes Vermögen. Summa summarum müssten die Reichsten dann über 330 Milliarden Euro für Konsum ausgeben, wenn die Sparquote tatsächlich nur 8 Prozent betragen sollte.
Erläuterungen zur Sparquote
Bitte geben Sie mir eine kleine Denkhilfe, damit ich über die Osterfeiertage nicht an meinem fehlenden Intellekt verzweifeln muss!
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein Frohes Osterfest und verbleibe mit besten Grüßen
Erläuterungen von Egon W. Kreutzer
Hallo Herr KreutzerIch schrieb vor kurzen eine kritische Mail an die ödp da die bei uns mit im Rathhaus sitzen.
Es ging darum das unser regionaler Energieversorger ohne jede Kritik mit ins Bürgerbüro eingezogen ist. Die haben da tatsächlich einen eigenen Schalter. Direkt neben den Anderen, wo man seinen Personalausweis verlängern kann oder, und das ist viel interessanter, wo man sich an und ummelden kann bei einem Wohnungswechsel. Da braucht man nicht groß suchen, im Dschungel der Anbieter auf dem freien Markt. Ich bekam dann einen netten Anruf vom Fraktionsvorsitzenden der ödp mit dem ich dann die Sachlage diskutiert habe. Wenigstens haben die aus der Fraktion direkt reagiert. Das fand ich schon positiv. Na ja, ich hab auch wieder dick aufgetragen von wegen ob sich unsere Demokraten an so was nicht mehr stoßen und das mit dem geschmäckle usw.
Zum Paukenschlag:
Luftschlösser, Lottospielen und der Zinseszins
Diese drei Worte beschreiben bereits die gesamte Situation! Die Luftschlösser die gebaut werden um von den wirklichen Problemen abzulenken - man könnte ja gezwungen sein/werden sie zu lösen, wenn man sie erkennt. Die tatsächliche Lotterie als Brot und Spiele fürs Volk um die Hoffnung und die Träume der Menschen aufrecht zu erhalten (Das Wort Gehirnwäsche fällt mir dazu wieder ein)
Und der Zinseszins? Ja, das passt natürlich gut zu den Glaubenssätzen. Aber das ist ein Jahrtausende altes Problem! Wenn wir schon beim Glauben sind war es nicht dieser seltsame Nazarener, der die Tische der Geldwechsler und Zinswucherer im Tempel umstürzte und die Betrüger dann fort jagte?
Das ist gleichnishaft würde unser alter Pfaffe jetzt sagen
Für Sie, weiterhin das Allerbeste
Sehr geehrter, gern gelesener Herr Kreutzer,habe mir gerade mal dann aber doch etwas länger Ihren neuesten Kommentar durch die Hirnwindungen ziehen lassen. Und in erster Linie bleibt mir wieder einmal nur die Verwunderung darüber, wie gut Sie auch die kompliziertesten Themen zu formulieren vermögen. Erneut meine Gratulation für dieses beneidenswerte Talent Ihrerseits!
Was mir bei der Lektüre aber dann doch auffiel, war, daß mir kaum jemand anderer in meinem Bekannten- & Freundeskreis einfällt, der diese, Ihrerseits richtige Denkweise vom eigenen Standpunkt aus - nachzuvollziehen fähig wäre. Grund genug, um mich selbst nach den Ursachen dafür zu hinterfragen und Ihnen hier meine diesbezüglichen Bedenken soweit mir überhaupt möglich mitzuteilen.
1.) Sie und ich, aber auch die 'upgedateten' Spezialisten aus der Neurologie, sind uns darin sicherlich einig, daß jedes Gehirn im Grundprinzip nichts anderes ist als eine biologische Alarmanlage. Die 'Schaltungen' lauten also "bekannt = kein Alarm!" und "unbekannt = Alarm!" (CHARLES DARWIN kann sich bestätigt fühlen!)
Diese 'Schaltungen' laufen parallel mit den Erkenntnissen der Streßforschung, die zwischen "EU-Stress = Freude, Entspannung, Harmonie u. Sex" bzw. "DIS-Stress = Flucht, Kampf, Anspannung, Mobilisierung der Kraftreserven, Steigerung des Reaktionsvermögens durch Einschränkung des Denkvermögens" unterscheidet. Die jeweiligen Begleitreaktionen, wie z.B. Veränderung des Hautwiderstandes, des Blutgerinnungsfaktors u.ä. nicht zu vergessen. Lasse ich jetzt aber weg.2.) Jedes Gehirn denkt, indem es 'ver-GLEICH-t', ob mit real konfrontierten, multiplen Wirklichkeitsmomenten oder aber mit bereits vorhandenen Erfahrungswerten aus der Vergangenheit. Im ersten Fall handelt es sich um eine 'bewußte Differenzierung', im zweiten Fall um eine 'ER-Kenntnis' dank 'zuvor erlernter ER-innerung'.
3.) Als biologisches System, ist (auch) unsere biologische 'Alarmanlage' dahingehend ausgelegt, um mit einem Mindestmaß an Energie Optimales erreichen zu können. Hierzu ist es jedoch notwendig, möglichst schnell eine 'Ent-SCHEIDUNG' fällen zu können, was aber ein möglichst hohes Maß an 'Selbstbewußtsein' und 'emotionalem Selbstvertrauen' voraussetzt, was den meisten Menschen aber fehlt.
Leider sind sich die meisten Eltern (oder andere allzu ungeeignete Erziehungsberechtigte) dessen nicht bewußt, daß sich das Erlernen des 'Sich-entscheiden-Könnens' nach dem gleichen Prinzip vollzieht wie das 'Laufenlernen'. Und, daß es ebensoviel, wenn nicht noch mehr Zeit benötigt, bis man es letztendlich beherrscht. In beiden Bereichen können späteres 'Stolpern' und 'Hinfallen' bzw. 'Fehleinschätzungen' und 'Fehlentscheidungen' natürlich nicht völlig ausgeschlossen werden.4.) Wurde diese 'Ent-SCHEIDUNG-sfähigkeit' während der dafür maßgeblichen Entwicklungsphase aus welchen Gründen auch immer behindert und daher nicht 'energiesparend' ausgelegt, besteht die Gefahr, daß der Denkende (=Vergleichende, '2-felnde') sich nicht zu ent-SCHEIDEN vermag und energetisch erschöpft zu 'ver-2-feln' droht. Als 'Rettungsring', der sich dann 'rettend' anbietet, könnte man die landläufige 'Ignoranz' ansehen.
Mit diesem 'Raster' im Kopf, fällt mir bei Ihrem »Paukenschlag« auf, daß die Vergleichswerte, die die meisten Menschen mit auf den Weg bekommen oder auf diesem gefunden haben, einem Verständnis entgegenstehen und die wenigsten schon einmal darüber nachgedacht haben, was »Geld« - von seiner Geschichte her überhaupt ist.
Ich habe in meinem Leben (auch) noch keinen Menschen kennengelernt, der mir den Begriff »D-Mark« oder »EURO« hätte begrifflich erklären können. Keiner war gedanklich selbst dazu in der Lage, die »D-Mark« mit 'GeMARKung' in Zusammenhang zu bringen oder den »EURO« flächenmäßig mit »Europa«. Selbst das allerseits benutzte, oft mit Neid besetzte Attribut »reich« wurde nicht mit dem immobilen Begriff »REICH« (phantasiebegabt) in Verbindung gebracht. Insofern fehlen den meisten derer, die ich bislang kennengelernt habe, die begrifflichen Grundvoraussetzungen, um hirngerecht über die Funktion des GELDES sachgemäß nachdenken zu können. Oder anders ausgedrückt: der in Punkt 2.) zum Ausdruck gebrachte Hirnfunktion fehlen bereits im 'DENK-ansatz' die zu einem 'Ver-GLEICH' notwendigen Maßstäbe, was zum einen zu keinem eigenen, verläßlichen 'Standpunkt' in Sachen »Geld« führen kann bzw. zu keiner nachfolgenden, zweckdienlichen, ökonomischen und eigenen 'Ent-SCHEIDUNG' in diesem Bereich.
Zurück zu Ihrem 'Paukenschlag':
So sachlich richtig und für mich auch nachvollziehbar Sie Ihre 'Be-DENKEN' beschrieben haben, so sehr »be-2-fel« ich, ob die beim 'gemeinen' Leser vorhandenen 'Ver-GLEICH-swerte' ein eigenes 'Ver-STA(e)ND-nis' ermöglichen.
Der Grund liegt meines Erachtens nach eben darin, daß neben der Unkenntnis des 'geldlichen' UR-Sinns die 'populäre' Perspektive (inkl. der eigenen Erfahrungen m. Geld) für ein Verständnis mit demjenigen, aus der Perspektive eines 'Staatsapparates' - nicht übereinstimmen können, weil wenn selbst so praktiziert dem 'Letzten, den die Hunde beißen', dann droht im schlimmsten Fall das Gesetzbuch 'um die Ohren gehauen' zu bekommen.
Nochmals vielen Dank für Ihre horizonterweiternden Gedanken zu einem leider sehr unvollkommen bzw. konträr besetzten Wissensgebiet, das uns aber allen tagtäglich irgendwie 'von der Hand' geht. In Einzelfällen sogar bis hin zur »Privatinsolvenz«.
Von Herzen auch Ihnen und den Ihren 'Frohe Ostern'
zum Artikel "Paukenschlag No 14"