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Glühbirnenfieber

Auch wenn Franz Alt*) meint, wir Deutschen bräuchten eben Verbote:

Glühbirnen zu verbieten, ist in erster Linie dennoch
kopfloser Aktionismus.

 


Kommentar
zum plötzlichen Ende der Debatte
um den CO2-Ausstoß der Personenkraftwagen
Egon W. Kreutzer
27. Februar 2007

 

Die Glühbirne spendet Licht und Wärme. Aber keine einzige Glühbirne setzt CO2 frei.

 

Nicht der Konsument,
der am Ende der Stromleitung
hinter dem Zähler sitzt
und sich an der Glühlampe wärmt,
verschmutzt die Umwelt,
sondern die Energiewirtschaft,

welche den Strom erzeugt.

 

Und dabei ist es wiederum ganz egal, ob der Strom nun in Glühlampen, Energiesparlampen, Schlagbohrmaschinen, Wäschetrocknern, Klimaanlagen oder Heizlüftern verbraucht wird. Je mehr erneuerbare Energien, insbesondere Wasser-, Wind- und Sonnenenergie als Primärenergie zum Einsatz kommen, desto niedriger ist die Schadstoffbelastung der Stromerzeugung. Sonnenkollektoren belasten die Umwelt überhaupt nicht mit CO2 - trotzdem kann man Glühlampen damit zum Leuchten bringen.

Bei Automobilen ist das anders.

Da verschmutzt nicht der Mineralölkonzern die Umwelt**), wenn das Auto bewegt wird, sondern der Fahrer.
Und das tut er in starker Abhängigkeit von seinem persönlichen Fahrstil.

Es braucht sich also niemand zu wundern, dass das lächerliche Glühlampenthema just in dem Augenblick auf den Tisch kam, als die Debattte um den CO2-Ausstoß der Automobile deutscher Hersteller gerade begonnen hatte, interessant zu werden. Noch weniger braucht man sich zu wundern, dass seit der wundersamen Entdeckung der Glühlampe als Klimakiller niemand mehr ernsthaft über die automobilen Abgase reden wollte.

Ich will nun beileibe nicht bestreiten, dass Energiesparen ein wichtiger Beitrag zum Ressourcen- und Umweltschutz ist, ganz und gar nicht.

Doch der Hütchenspielertrick, mit dem die gerade noch beim Verkehr und bei der Automobilindustrie erkannte Mitschuld an der Klimakatastrophe dort vollständig verschwunden ist und nun stattdessen die relativ unschuldige Glühlampe dem Energiehunger der großen und ganz großen Limousinen geopfert werden soll, trägt schon recht groteske Züge.

Das beginnt damit, dass das ursprünglich rein deutsche Problem der spritfressenden Pkw-Flotten der deutschen Hersteller in das gesamteuropäische Glühlampenproblem verwandelt wurde. Mit einer halben Milliarde Europäer kann schließlich - glühlampenmäßig - weit mehr Strom- und CO2-Ersparnis ausgerechnet werden, als nur mit den 82 Millionen Deutschen.

So tönt Sigmar Gabriel denn auch stolz, es ließen sich, durch ein europäisches Glühlampenverbot jährlich 25 Millionen Tonnen CO2 einsparen.

Diese Zahl liegt - so jedenfalls meine überschlägliche Nachrechnung - durchaus im Bereich des Möglichen, jedenfalls wenn angenommen wird, dass der dafür verbrauchte Strom zu 100% aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird, während die industriellen Großverbraucher ganz überwiegend mit klimafreundlicherem Strom aus Kernkraft beliefert werden. Die Zahl entspricht also der Wahrheit, aber sie ist eben nicht die ganze Wahrheit, sondern nur ein sehr kleiner Teil davon.

25 Millionen Tonnen pro Jahr, das bedeutet, dass jeder einzelne Europäer täglich mit rund 136 Gramm CO2 aus der Stromerzeugung für den Glühlampenbetrieb an der Verschmutzung der Atmosphäre beteiligt ist.

Das ist ungefähr so viel CO2, wie ein einzelner Pkw ab dem Jahr 2010 pro gefahrenem Kilometer ausstoßen dürfte, könnte man die diesbezügliche Selbstverpflichtung der Automobilindustrie aus dem Jahre 1998 noch ernst nehmen.

Doch die allermeisten Pkws in der EU setzen auf jedem einzelnen Kilometer deutlich mehr als diese 136 Gramm frei. Selbst die derzeit angebotenen Neuwagenmodelle kommen durchschnittlich noch auf 172 Gramm CO2 pro Kilometer.

Kann man das denn vergleichen?

So direkt natürlich nicht, aber man kann durchaus vergleichbare Zahlen ausrechnen.

Während jeder Europäer mit Hilfe der Glühlampen täglich für den Ausstoß von 136 Gramm CO2 verantwortlich ist, setzt der gleiche Europäer***) mit Hilfe seines Pkws jeden Tag durchschnittlich 3,6 Kilogramm CO2 frei.

Das ist das 25-fache!

Oder - anders ausgedrückt:

Alle europäischen Glühlampen miteinander verursachen nur 4% der CO2-Menge, die von den Pkws emittiert wird.

 

Dass die Industrie ihrer freiwilligen Selbstverpflichtung von 1998, zur Einhaltung der Klimaziele des Kyoto-Protokolls den CO2-Ausstoß ihrer Pkws auf durchschnittliche 140 g pro Kilometer zu senken ganz selbstverständlich nicht nachgekommen ist, wurde von der Politik nur ganz fix andiskutiert. Dann ging alles ganz schnell:

Sigmar Gabriel erkannte, dass es "...abseits der Realität" sei, von Luxuslimousinen deutscher Hersteller ernsthaft die Einhaltung solcher Grenzwerte zu fordern - und zack: Da lag aber auch schon die Glühlampe auf der Schlachtbank.

Spritfresser und Klimakiller kann ein deutscher Umweltminister nicht verbieten, jedenfalls nicht, wenn sie von der deutschen Automobilindustrie hergestellt werden. Das ist eine Nummer zu groß. Aber Glühbirnen - Glühbirnen - das geht. Das wird auch für die Leuchtmittelhersteller billiger, wenn sie sich von einer kompletten Technologie trennen können und der Staat als Buhmann für die ärgerlichen Reaktionen der Konsumenten freiwillig in die Bresche springt. Widerstand aus der Wirtschaft ist jedenfalls nicht zu fürchten.

Und so werden wir demnächst europaweit früh um fünf, wenn es eigentlich erst vier ist, aber aus den gleichen, an den Haaren herbeigezogenen Energiespargründen Sommerzeit veranstaltet wird, im flimmernden Licht von "Neonröhren mit Schraubsockel" den Tag beginnen - und an der Ölrechnung werden wir merken, dass die eingesparte****) Wärme der Glühlampen durch vermehrte Ölverbrennung im Heizkessel ausgeglichen worden ist.

Letztlich werden wir künftig jede einzelne Lampe - wenn sie endgültig erloschen ist - ordnungsgemäß als Sondermüll entsorgen, damit das hochgiftige Quecksilber, was in jeder Energiesparlampe enthalten ist, nicht in die Umwelt gelangt.

Wir jedenfalls wissen das - und halten uns daran.

 Am besten wäre allerdings, nicht mehr auszuatmen.

Mit der Atemluft emittiert die "Verbrennungsmaschine Mensch" jeden Tag ungefähr 1kg CO2 pro Person in die Atmospäre. Das sind - auf Europa bezogen - 182 Millionen Tonnen pro Jahr, menschliche, vollbiologische CO2-Erzeugung.

Netter Nebeneffekt: Wer nicht mehr atmet, schaltet auch keine Glühbirne mehr ein.
Pech allerdings für die Automobilindustrie: Wer nicht mehr atmet, kauft nämlich auch kein Auto mehr.



 



*) Franz Alt setzt sich in bewundernswerter Weise für den Umweltschutz und das Energiesparen ein.

An dieser Stelle hat er für meine Begriffe aber etwas zu schnell auf eine raffinierte Steilvorlage reagiert. Die Glühlampe verbieten - das kann doch wohl nicht alles gewesen sein...

Franz Alt sagte zum Glühlampenverbot:

Es ist leider eine Tatsache, dass wir Deutsche selbst bei einem einfachen Sachverhalt wie der Glühbirne erst Verbote brauchen, um halbwegs zur Vernunft zu kommen.

Das gleiche gilt beim Tempolimit
Warum halten wir uns nicht ohne Gesetz daran? Oder beim Kauf kleinerer, umweltfreundlicherer und energiesparenderer Autos. Überall wäre viel Geld zu sparen. Trotzdem wollen wir erst zu unserem Glück gezwungen werden. Wir sind mit Lippenbekenntnissen Weltmeister im Umweltschutz, aber tatsächlich läuft freiwillig fast gar nichts.

Erst ein simples Verbot ist oft die beste Lösung. Die Deutschen sind nach wie vor obrigkeitsgläubig - zum Beispiel als "bekloppte Birnenkäufer"



**) Was nicht heißen soll, Mineralölkonzerne leisteten nicht auch einen eigenen Beitrag zur Umweltverschmutzung und - Zerstörung

***)Autos fahren durchschnittlich 15.000 km pro Jahr - und auf jeweils zwei Europäer entfällt im Mittel ein Pkw - daraus rechnen sich bei 175 g CO2 pro km die 3,6 kg pro Europäer und Tag

****) Was immer vollkommen aus der Rechnung herausgelassen wird: Glühlampen brennen nur dann, wenn wir Licht brauchen. Licht brauchen wir besonders dann, wenn die Tage kurz sind. Dann sind aber auch die Außentemperaturen besonders niedrig. In Deutschland dürften, übers Jahr gesehen, nur etwa 15 Prozent der Zeit, in welcher der Durchschnitt der Bevölkerung künstliche Beleuchtung einsetzt, in Zeiten fallen, in denen die Außentemperaturen über 20 Grad Celsius liegen. Glühlampenwärme ist also nicht einfach nur Abwärme. Sie ersetzt zu einem hohen Anteil Heizenergie.


 

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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre weist Wege in eine gerechtere Zukunft.

Brandneu: Band IV - Kritik und Überwindung des aggressiven Eigentums.
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