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Über den Tag hinaus

Egon W. Kreutzer
12. Oktober 2006

 

Wir erleben heuer das, was Nichtmeteorologen gerne einen "Goldenen Oktober" nennen.

Das Jahr, das aus langem Winter beinahe sprunghaft in große Hitze übergegangen war, um uns gleich darauf mit Dauerregen zu überschütten, zeigt uns in diesen Tagen, wie schön und angenehm der Herbst sein kann.
Von dieser guten Stimmung getragen, habe ich mich aufgerafft, einige Themen anzugehen, die eher wichtig, als dringend sind, und daher, zu Unrecht, von den täglichen Aufregungen immer wieder in den Hintergrund gedrängt wurden. Gerade die guten Nachrichten, die erfreulichen Entwicklungen, die lobenswerten Menschen werden übergangen, wenn schlechte Nachrichten vorliegen, bedrohliche Entwicklungen sich abzeichnen oder Bösewichte ihre Spielchen treiben. Aber es gibt sie, die guten Nachrichten und erfreulichen Entwicklungen - und dieser Aufsatz soll mit den guten Nachrichten beginnen.



 
Der Nachhaltigkeitsbericht

Ein paar Tage Urlaub, verbunden mit dem Versuch, Spuren von Vorfahren aus dem 17. Jahrhundert zu finden, führten meine Frau und mich Ende September nach Niederösterreich ins Pielachtal.








Eine Landschaft - zum Verlieben!

Grüne Täler zwischen Hügeln und Bergen. Schlösser, Burgen, Ruinen - Dorfkirchen und Wirtshäuser, freundliche Menschen, Sonnenschein.



Mit dem nicht ganz unbegründeten Vorurteil ausgerüstet, Österreich sei nichts anderes, als ein großes, zentraleuropäisches Disneyland, mit schönen, großen und sauberen Tourismusfassaden, hinter denen die Folgen der maßlosen Ressourcenausbeutung nur mühsam verborgen werden, waren wir aufgebrochen.

Zurückgekehrt sind wir mit der Gewissheit, dass es neben dem Österreich der alten Klischees und des neuzeitlichen DJ Ötzi auch ein anderes Österreich und einen anderen österreichischen Tourismus gibt.

 

Beschert hat uns diese Erkenntnis Herr Johann Weiss vom Steinschalerhof in Warth/Rabenstein.

Ein freundlicher Gastgeber, der sich Zeit für seine Gäste nimmt - kein beflissener Hotelier mit eingebauter Small-talk-Platine, schon gar kein von Finanzinteressen getriebener Tourismusmanager, sondern ein richtiger Mensch - mit ausgeprägtem Charakter. Ich habe in den paar Tagen, die wir in seinem Haus verbringen durften, die Überzeugung gewonnen, dass er die treibende Kraft (und damit ein Segen) für die Entwicklung des Tourismus in seiner Region ist. Voller Respekt vor der Umwelt, voller Überzeugung, dass nachhaltiges und regionales Wirtschaften - über den Tag hinaus gesehen - mehr Erfolg, vor allem aber mehr Befriedigung bringt, als alle kurzfristig angelegte Profitmaximierung - und wenn sie noch so erfolgreich sein sollte, setzt er ein Konzept um, das selten, wenn nicht einmalig ist.

Gerne setze ich hier einen Link auf seine Homepage.
Zum einen, damit Sie sich den dort hinterlegten Nachhaltigkeitsbericht eines mittelständischen Hotelbetriebes ansehen und daraus Anregungen für, und vor allem Zuversicht in das Machbare gewinnen - zum anderen, damit Sie den Steinschalerhof eventuell in Ihre eigene Urlaubsplanung mit einbeziehen. Selbst sehen und erleben ist schließlich immer noch überzeugender, als nur im Internet surfen.
http://www.steinschaler.at



 
Der kostenlose Hausaufgaben- und Referate-Service


Es gibt teure, professionelle Seiten, von denen man gegen Gebühr so ziemlich alles downloaden kann, was Schüler und Studenten als Problemlösung für die Hausaufgaben brauchen können.

Eine solche Seite als kostenlosen Service aufzubauen, Schüler und Studenten zu bitten, ihre Arbeiten online zu stellen, um anderen Schülern und Studenten zu helfen, die eigenen Arbeiten zu erledigen, das ist ein guter Gedanke, der, über den Tag hinaus, in vielfacher Weise Früchte tragen wird.
Ich würde mir wünschen, dass diese Seite vor allem einen regen Zustrom von Gebern findet, und dass jeder, der sich dort bedient, sich im Gegenzug verpflichtet sieht, auch eines Tages selbst einen Beitrag zum Ausbau dieser Seite zu leisten.


Hier ist die Adresse http://www.referat-biografie.de/


Vom gleichen Initiator wird übrigens auch ein von den Nutzern gepflegter Internet-Such-Katalog betrieben. Den finden Sie hier http://www.cdbb.de/



 
Härtefall

Selbst hart vom Schicksal getroffen, aber deswegen nur um so kräftiger motiviert, über den Tag hinausschauend an einer Veränderung der Gesellschaft zum Besseren mitzuwirken - das ist Detlev Rochner.

Sehen Sie sich ruhig einmal auf seinen Seiten um. Rochner schreibt hart, bisweilen derb, aber wie heißt es so schön: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil! Ein geflügeltes Wort, das über den Tag hinaus seine Gültigkeit behalten hat.

 

Hier geht's zur Härtefallfamilie: http://www.haertefallfamilie.de/



 
Respekt

Wenn ein erwachsener Sohn mit seinem Vater ernsthaft und beileibe nicht nur oberflächlich über die Probleme dieser Welt diskutiert, ohne dass sich Alt und Jung unversöhnlich gegenüberstehen, dann zeugt das von großem Respekt.

Ein regelmäßiger Besucher meiner Seiten, der stets den konstruktiven Dialog sucht, hat mir jüngst von einem Gespräch mit seinem Vater berichtet. Ich habe gerne darauf geantwortet, und glaube, dass der Inhalt dieses Austausches von allgemeinem Interesse sein könnte:


Lieber Herr Kreutzer,

wenn ich mit meinem Vater die Entwicklungen in unserem Land diskutiere und ihn davon zu überzeugen versuche, dass es "die Wirklichkeit" in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt, sondern, frei nach Albert Einstein, die Theorie bestimmt, wie wir die Wirklichkeit betrachten, antwortet er mir immer, dass ja auch die Ideen von Egon W. Kreutzer eben bloße Theorien seien und mit der politischen und wirtschaftlichen Realität leider nichts zu tun hätten.

Was Politiker und Wirtschaftsexperten angesichts der Probleme bei Arbeitslosigkeit, Rente und Staatsverschuldung vorschlagen würden, sei angesichts der Konstruktion und der Mechanismen des Kapitalismus und der ihn stützenden internationalen Verträge und Verbindungen das einzig Machbare. Wenn eine Volkswirtschaft dem Kapital keine attraktiven Anlagemöglichkeiten mehr böte, würde es sich eben eine andere Volkswirtschaft suchen, deren Rahmenbedingungen hinsichtlich Kosten und Steuern höhere Renditen versprächen, als andere. Der Staat sei demnach gezwungen, diese Rahmenbedingungen im Wettbewerb mit anderen Staaten so zu verändern, dass weiterhin investiert würde und damit die Arbeitsplätze erhalten blieben. Zöge sich das Kapital, egal ob aus dem Inland oder aus dem Ausland, zurück, würden die Fabriken schließen und die Menschen säßen auf der Straße. Diesem Szenario die Möglichkeit eines eigenen, zins- und tilgungslosen Geldes, welches die Wirtschaftskreisläufe trotzdem aufrecht erhalten könne, gegenüberzustellen, sei reine Utopie. Ein solches Land würde international geächtet werden und könne seine Außenhandelsbeziehungen komplett vergessen.

Deutschland sei in seiner jetzigen Situation zudem zwingend auf die Erfolge im Export angewiesen. Immerhin würden rund 25 Prozent unserer Wirtschaftsleistung exportiert werden. Was wäre, wenn der daraus erzielte Überschuss plötzlich drastisch zusammenschrumpfen würde, Deutschland vielleicht eine ausgeglichene Handelsbilanz aufzuweisen hätte, oder gar eine negative? Genau dies wäre nämlich die Folge einer Verschlechterung der Investitionsbedingungen. Kürzere Arbeitszeiten, mehr Kündigungsschutz, höhere Löhne und Renten wären nur durch höhere Besteuerung des Kapitals und eine völlig andere Sozialgesetzgebung finanzierbar. Unter solchen Bedingungen würden dann aber die Exportrenditen rasch sinken und das Kapital würde sich ruck zuck zurückziehen und die Leute würden ganz ohne Einkommen dastehen. Dies wiederum würde die Binnenkaufkraft noch weiter schmälern mit der Folge, dass neben den Arbeitslosen aus dem nicht mehr existierenden Exportgeschäft noch weitere Arbeitslose aus dem schwächelnden Binnenmarkt den Staat belasteten, die weiteren Folgen könne man sich leicht ausmalen.

Natürlich sei die jetzige Abhängigkeit vom Kapital und dessen Renditezielen im Grunde die Vorstufe zur Sklaverei, teilweise sogar schon offene Sklaverei (Hartz IV, 1-Euro-Jobs, Niedriglöhne, etc.). Doch welche konkrete Maßnahmen könnte eine Regierung jetzt ergreifen, ohne die Investionsbereitschaft der Unternehmen zu verringern und den Staatshaushalt in keynesianischer Manier über Gebühr zu belasten? Die Vorschläge eines Heiner Flassbeck, eines Peter Bofinger oder eines Albrecht Müller laufen ja in eine solche Richtung: Lasst den Staat mehr Geld ausgeben, damit das Kapital seine Renditeziele erreichen kann (das wird so allerdings nicht formuliert), dann wird die Konjunktur schon wieder anspringen und anschließend können wir die eingesetzten Kredite schon irgendwie wieder zurückzahlen.

An genau diese Art von Politik hat mein Vater jedoch noch gute Erinnerungen. Er kann sich noch gut an Kanzler wie Erhard und Kiesinger erinnern, die bedingungslos an ihren Keynes glaubten und mit ihrer Politik den Monetaristen den Weg ebneten und uns damit im Grunde die heutige Politik eingebrockt haben.

Irgendwie kann ich meinen Vater verstehen. Wenn nur eine Abkehr von der kapitalistischen Geldwirtschaft wirkliche Erlösung bringen kann, wie soll die Regierung eines Staates in einer durch und durch kapitalischen Welt einen eigenen Weg einschlagen, der nicht ins Verderben führt, sondern durch seine Gangbarkeit und Zielführung anderen Staaten als Vorbild dienen könnte und würde?

Mit besten Grüßen

 


Ich habe diesen Text eine Weile auf mich wirken lassen und dann geantwortet:

 

Lieber Herr T.


Sie haben einen weisen Vater.

Weise, weil er sich mit vielen neuen Ideen auseinandersetzt, weise, weil er sie an seiner Lebenserfahrung misst und bewertet, weise, weil er aus diesem Prozess heraus bereit ist, sich zu positionieren und einen Rat zu geben.

Ich freue mich immer, wenn ich einem derart weisen Menschen begegne.
Dass ich Ihrem Vater dennoch nicht recht gebe, hat nun nicht automatisch zur Folge, dass ich - den Gesetzen der Logik folgend - als töricht gelten müsste.
Weisheit ist eine Eigenschaft, die erst mit zunehmendem Alter, bei breitem Erfahrungsschatz und lebhaftem Interesse erworben wird. Weisheit ist jedoch in aller Regel konservativ, bewahrend und gewohnheitsmäßig skeptisch.

Beginnen wir mit der Frage, ob eine Theorie (meinetwegen meine Theorien) etwas mit der Realität zu tun hat, oder nicht.

Ihr Vater hat sich in aller Weisheit in der Realität eingerichtet. Er kennt sie wohl, doch hält er sie für zu stark, um verändert zu werden.
Ich habe mich ebenfalls in dieser Realtität eingerichtet (ich bin schließlich nicht töricht), ich kenne sie wohl, ich weiß dass sie stark ist, aber auch, dass sie nicht optimal ist, und ich glaube daran, dass die Geschichte der Menschheit eine Geschichte eines sehr langsamen, in Wellen kommenden Fortschritts ist. Viele alte Realitäten dieser Welt sind längst überwunden. Gottseidank! Warum sollen nicht auch die aktuell herrschenden Realitäten überwunden werden können, wenn das Bewusstsein der Menschheit reif genug ist, um sie über Bord zu werfen?


Dann die Thematik der Sachzwänge.

Politiker haben stets die Freiheit, internationale Verträge und Verbindungen zu verändern, ggfs. sogar aufzukündigen. Politiker sind doch nicht die Wahrer eines wie auch immer gearteten Status quo, sondern die Entwickler der Staaten. Wenn ihr Vater prinzipiell recht hätte, müsste das römische Imperium immer noch Bestand haben. Hat es aber nicht.

Die vermeintliche Macht des Kapitals

Kapital ist nichts.
Kapital ist vollkommen wertlos.
Es kommt überhaupt nicht darauf an, Kapital anzulocken, sondern ausschließlich darauf, Geld bereitzustellen.
Das ist ein himmelweiter Unterschied.
Diesen Unterschied zu verstehen, und seine Konsequenzen absehen zu können, ist eine große Herausforderung. Sie erschüttert die Grundfesten einer im Dunst des Kapitalismus gereiften Weisheit.
Kapitalansammlungen entstehen doch nicht durch Leistung und fairen Handel, sondern durch Betrug und Übervorteilung.
Es sind die Kapitalansammlungen, die das Geld binden und die Realwirtschaft strangulieren.
Der Kapitalist, der mit seinem Kapital das Land verlässt, kann doch in Wahrheit nichts von den Ressourcen mitnehmen. Was er mitnimmt, sind allenfalls Ansprüche, und die kann man einfrieren oder streichen. Das gehört inzwischen zum akzeptierten Sanktionsarsenal der UN, warum sollte es einem vernünftig geführten Staat nicht möglich sein, sich auf ähnliche Weise gegen die Auszehrung durch Heuschreckenschwärne zur Wehr zu setzen?

Die Mär von der Notwendigkeit des Exports

Deutschland ist wahnsinnig. Seit Jahrzehnten exportiert es mehr, als es importiert.
Deutschland tauscht folglich Leistungen gegen Ansprüche, die es niemals einlöst.
De facto ist es nicht Deutschland, das die Ansprüche gegen Schuldner im Ausland ansammelt, es sind international agierende Unternehmen und Anleger, die sich mit den durch den deutschen Export erworbenen Ansprüchen irgendwo auf der Welt "reale Werte" einkaufen, im Lande bleibt vom Exportüberschuss nichts, bestenfalls Inflation.
Ein Zurückfahren der Exporte bis an die Höhe der Importe wäre den Deutschen, Deutschland und der gesamten Weltwirtschaft von Nutzen.

Den Deutschen, weil sie bei nachweislich höchster Produktivität noch mehr Freizeit genießen könnten, ohne deshalbe auf irgendetwas verzichten zu müssen.
(Der Exportüberschuss ist doch gleichzeitig ein Importdefizit! Exportüberschuss heißt doch, dass Produkte ohne jegliche Gegenleistung - nur gegen "Schuldscheine" geliefert wurden)

Deutschland, weil der auf dem Weltmarkt entstandene Druck auf die Löhne nachließe, was zu höheren Einkommen, folglich höheren Staatseinnahmen und zu besserer finanzieller Ausstattung der Sozialkassen führen würde. (Das klingt so kurz vollkommen verrückt, ist aber logisch!)

... und der Weltwirtschaft tun ausgeglichene Zahlungs- und Handelsbilanzen gut - das steht jedenfalls sogar in den offiziellen Lehrbüchern.

Fakt ist: Der Exportüberschuss, und die Bedingungen, unter denen er gegen die Konkurrenz (aus z.T. Entwicklungsländern) hergestellt werden muss, sind Schuld an der Schwäche des Binnenmarktes. Noch mehr Export ist nur über noch weniger Binnenkaufkraft zu erzielen, deshalb muss unser Sozialsystem für den Export geopfert werden. Wer, über lange Jahre in Folge, beständig wachsende Exportüberschüsse erzielt, lebt unter(!) seinen Verhältnissen und muss seine Situation immer weiter verschlechtern, wenn die Konkurrenz "aufholt".

Keynes I

Defizit-spending ist besser, als die Tilgung von Staatsschulden.
Nur die Herstellung einer ausreichenden Geldversorgung ohne Verschuldung ist besser als defizit-spending.
Letzteres ist möglich. Es braucht nur den politischen Willen.


Keynes II

Die Wirkung der Staatschulden auf die Bürger wird vollkommen falsch dargestellt.
1,5 Billionen Euro zu durchschnittlich 5 Prozent, das sind 75 Milliarden Zinsaufwand pro Jahr, pro Bundesbürger monatlich 76,22 Euro.
Erhöht man die Schulden massiv, um Beschäftigung herzustellen (es gibt im Lande massiven Bedarf, der zusätzliche Beschäftigung ermöglichen würde, gäbe es nur genug Geld) passiert doch etwas höchst Positives!

Nehmen wir ein 100 Milliarden Konjunkturprogramm - verteilt über vier Jahre. Das kostet 5 Milliarden zusätzliche Zinsen, also pro Nase und Monat gerade einmal 5 Euro. Damit könnten rund 1 Million neuer Arbeitsplätze geschaffen werden. Echte Vollzeitarbeitsplätze mit vernünftigem Einkommen.

1 Million Hartz IV Empfänger weniger - das spart schon mehr, als die 5 Milliarden zusätzlicher Zinsen! Wo also ist das Problem?

Die Beschäftigungsquote verbessert sich, das BSP steigt, die Kosten der sozialen Sicherungssysteme sinken, die Einnahmen des Staates wachsen - und eventuell gibt es auch ein bisschen Inflation, was die Tilgung bestehender Schulden erleichtert. Letztlich ist der reguläre Ausgang aus dem Zinseszinsirrsinn sowieso nur die Inflation, und nichts anderes.

Aus Angst, den Vermögenden irgendwann die letzten drei Nullen streichen zu müssen, sollte eine Volkswirtschaft nicht erdrosselt werden. Genau das aber geschieht derzeit in Deutschland.
 
Alles in Allem

Es gilt, zu allen Zeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen. Es ist einfach nicht wahr, dass immer nur die falschen Entscheidungen möglich sind.

Es gilt stets, Veränderungen mit der gebotenen Vorsicht und Behutsamkeit durchzusetzen, um Unruhen zu vermeiden. (Ich bin mir sicher, wäre man gegen das Kapital so rigoros vorgegangen, wie man seit 2002 gegen die Bevölkerung vorgeht, wir hätten längst einen Putsch erlebt.) Behutsame Veränderungen haben gegenüber Revolutionen große Vorteile.

Es gilt aber auch, die eigenen Stärken und Interessen zu erkennen und zu beachten.
Deutschland ist innerhalb Europas zweifellos die wirtschaftlich stärkste Macht. Trotzdem lassen wir uns von längst als falsch und gefährlich erkannten Euro-Stabilitätskriterien zum finanzpolitischen Hanswursten machen, statt diesen Pakt einfach aufzukündigen und jedem anderen EU-Staat freizustellen, aus dem Euro-System auszutreten, wenn ihm der deutsche Weg nicht passt.

Die EU ist doch nicht Gott. Die Kommissare sind keine Erzengel.
Die EU, das ist bei Licht betrachtet doch zunächst einmal Deutschland. Ohne Deutschland wäre sie vollkommen funktionsunfähig und zum Sterben verurteilt. Was also hindert uns daran, unsere Interessen ebenso zu vertreten, wie alle anderen auch?
 
Lieber Herr T.,

bitte grüßen Sie Ihren Vater von mir - und wagen Sie es, über das Maß seiner Weisheit hinauszuwachsen. Ich wünsche Ihnen und uns allen, dass auch Ihnen einer nachfolgen wird, der die Grenzen unserer Möglichkeiten, weise zu handeln, erneut ausweitet - auch wenn wir das dann nicht mehr so ganz verstehen werden.

Mit besten Grüßen



 
Die Experten über den Exportweltmeister

Das DIW - ein Institut voller Experten für die deutsche Wirtschaft - geht davon aus, dass Deutschland auch 2006 wieder Exportweltmeister werden wird. Schon in den ersten sechs Monaten wurden Waren im Werte von 432 Milliarden Euro exportiert - 13 Prozent mehr, als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.
Allerdings weisen die Experten des DIW darauf hin, dass einige Branchen, z.B. die Elektroindustrie, Gefahr laufen, den Anschluss zu verlieren, während Automobilbau, Chemie und Maschinenbau nach wie vor der Motor der Industriekonjunktur seien.
Das DIW erkennt auch, dass der Export mit sinkenden Lohnstückkosten und der Verlagerung der Vorproduktion ins Ausland "teuer erkauft" wird, verweigert sich aber (noch?) der Erkenntnis, dass ein dauerhafter Exportüberschuss für die Volkswirtschaft insgesamt mehr von Schaden, denn von Nutzen sei. Stattdessen wird dazu aufgerufen, die Investitionen in Forschung, Entwicklung und Humanressourcen zu verstärken um die Innovationsfähigkeit zu erhalten und den ersten Rang der Exportnationen nicht an China oder Indien zu verlieren.
Ein Blick über den jeweils jüngsten Exportrekord hinaus würde die Augen dafür öffnen, dass man Exportüberschüsse - und seien sie noch so hoch - nicht essen kann.


Ein ganz anderer Experte kommt zu ganz anderen Schlüssen. Heiner Flassbeck, Chefvolkswirt der UNCTAD, veröffentlicht auf seiner Homepage laufend seine aktuellen Aufsätze. Schauen Sie auch dort wieder einmal vorbei - dann werden Sie sich nicht mehr wundern, dass Sie ihn noch nie bei Sabine Christiansen gesehen haben.

http://www.flassbeck.de/

 




Der Winter kommt


Über den sonnigen Herbstag hinaus blicken, heißt auch erkennen zu müssen, dass bald der Winter kommen wird.
Und mit dem Winter kommt die deutsche EU-Präsidentschaft.

Angela Merkel, die angeblich wichtigste Frau der Welt, soll - so Kommissionspräsident Barroso in diesen Tagen - den Weg für den Verfassungsvertrag ebnen.

Wege ebnen ist eigentlich Sache schwerer Baumaschinen. Man braucht LKW-Ladungen grober und weniger grober Steine, Bagger, Rüttler und Walzen.

Wird Frau Merkel in der Lage sein, so viel schweres Gerät aufzufahren?


Hoffentlich nicht!

Es ist nichts darüber bekannt geworden, dass der von den Franzosen und Niederländern abgelehnte Verfassungsentwurf inzwischen auch nur im Geringsten nachgebessert worden sei. Die Einwände dagegen, ja die Sorge um ein Europa in derart schlechter Verfassung, bleiben also unverändert bestehen.

http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/14024EuropVerfassung.html

Der absolute Vorrang für die Interessen des Kapitals, der den Europäern in die gemeinsame Verfassungs geschrieben werden soll,

Angela Merkel sollte sich bewusst sein, dass die EU-Verfassung ein Schritt in eine Welt mit noch weiter eingeschränkten Wahlmöglichkeiten ist.


 
Deshalb wäre zu wünschen, dass sie
- statt mit aller Macht auf den Tag hinzuarbeiten, an dem diese Verfassung für Europa in Kraft tritt -
auch einmal die Zeit findet, in aller Ruhe und Gelassenheit
über den Tag hinauszuschauen.

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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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