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Kurz- und langfristige
Vor- und Nachteile

Kritisches Nachtarocken
anlässlich der Verleihung
des Nobelpreises an Edmund S. Phelps

Egon W. Kreutzer
10. Oktober 2006

 

Edmund S. Phelps erhielt den diesjährigen Nobelpreis für Wirtschaft.
Hier finden Sie die offizielle Begründung des Komitees (engl.): http://nobelprize.org/nobel_prizes/economics/laureates/2006/info.pdf

Das Fazit seiner mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Theorie über die Beziehungen zwischen Beschäftigungsgrad, Preisstabilität und Wachstum wird von den Medien in diesen Tagen verkürzt, aber sinngerecht, so gezogen:

Kurzfristige Vorteile werden mit langfristigen Nachteilen erkauft.


Nicht, dass dem widersprochen werden müsste. Es lassen sich durchaus Beispiele finden, die für diese Behauptung sprechen:

Phelps setzt mit seiner Theorie auf der Idee des englischen Statistikers Phillips (Phillips-Kurve) auf, der zu beweisen versuchte, dass sich Vollbeschäftigung und Inflation gegenseitig bedingen.

Phelps geht einen Schritt weiter. Er glaubt, dass es einen zusätzlichen Faktor, nämlich "die Erwartungshaltung" gäbe, dass also bereits die Erwartung steigender Löhne und Preise zur Inflation führe, die so lange anhalte, bis erwartete und tatsächliche Inflation übereinstimmen.

Arbeitslosigkeit ist nach Auffassung Phelps primär die Folge eines nicht funktionierenden Arbeitsmarktes, der jedoch durch Inflationsbekämpfung saniert werden könne.

Aus alledem resultiert die Auffassung, welcher offenbar auch der ansonsten von mir geschätzte Prof. Hickel anhängt, es gäbe - analog zum natürlichen Zins - auch so etwas wie eine "natürliche Arbeitslosenquote"

 

Ich fürchte, es wird noch vieler Jahre des Forschens und vieler Nobelpreise für Wirtschaft bedürfen, bis die Makroökonomen weltweit die Erkenntnis akzeptieren, dass Arbeitslosigkeit generell dann entsteht, wenn die Geldversorgung der Realwirtschaft gestört ist.

Eine Störung der Geldversorgung der Realwirtschaft liegt dann vor, wenn Bedarfe unbefriedigt bleiben, weil sie wegen Geldmangels bei den Bedarfsträgern nicht nachfragewirksam werden können, während gleichzeitig Leistungspotentiale brach liegen, weil ihre Leistungen, trotz bestehenden Bedarfes, aus Geldmangel nicht nachgefragt werden. Das ist die Situation, die wir in Deutschland seit Jahren erleben:

Der Dachdecker möchte arbeiten, die Schüler würden gerne im Trockenen sitzen, doch das Dach der Schule bleibt undicht und der Dachdecker bleibt arbeitslos. Bedarf und Leistungspotential kommen nur aus einem einzigen Grund nicht zusammen: Weil das Geld fehlt.


Im Modell des Herrn Phelps ist lediglich der Arbeitsmarkt gestört, eine Fehlfunktion, die durch Inflationsbekämpfung behoben werden können soll.

Aber welche Erwartungshaltung lässt sich ins Phelps'sche Formelwerk einsetzen, die uns diese Störung des Arbeitsmarktes beschert haben könnte?

Besteht in Deutschland womöglich die Erwartung steigender Preise und Löhne, welche die Gewinnaussichten der Unternehmen und die Nachfrage derart negativ beeinflusst? Leiden wir gar bereits unter einer, aus der Erwartung geborenen, unerträglichen Inflation, die bekämpft werden müsste?

Es sieht nicht danach aus.

 

Kann es sein, dass - wenn sich Phelps Theorie der Wirkung der Erwartungshaltung bestätigen sollte - derzeit die Erwartung sinkender Preise und Löhne bestehen muss? Kann es sein, dass heute nichts hergestellt wird, weil erwartet wird, die Arbeit morgen billiger einkaufen zu können? Kann es sein, dass heute nichts nachgefragt wird, weil die Erwartung besteht, in Kürze billiger einkaufen zu können?

Dann böte dies jedem promovierten Nationalökonomen die Chance, Phelps Ideen weiterzuentwickeln und eine weitere, nobelpreisverdächtige volkswirtschaftliche Generalformel zu kreieren:

Langfristige Vorteile führen zu kurzfristigen Nachteilen.

Schließlich sind auch dafür Beispiele zu finden:

 

Kann dieser Widerspruch bereits der Weisheit letzter Schluss sein?

Es ist hilftreich, gelegentlich den Sandkasten der Modellbildung zu verlassen und die Realität in Augenschein zu nehmen. Da sieht es nämlich, ganz unabhängig von den im Modell betrachteten Variablen "Beschäftigungsgrad", "Inflation" und "Erwartungshaltung" so aus:

Wer nicht bereit ist,


Wer jedoch zu alledem bereit ist, auch dazu, zur Deckung seines Finanzbedarfes Zinsen zu zahlen,
der muss trotzdem erst noch die Bank finden, die ihrerseits bereit ist, ihm einen Kredit zu geben...


Hier liegen die Ursachen für die Störung der Geldversorgung der Realwirtschaft.

Alexander Czerny hat in einer beachtenswerten Analyse aufgezeigt, wie der akute Geldmangel in Deutschland durch Kreditzurückhaltung der Banken hervorgerufen wurde und seine Ausarbeitung als Gastbeitrag auf diesen Seiten zur Verfügung gestellt. Aus aktuellem Anlass sei noch einmal ganz explizit darauf hingewiesen.

Die Zahlen und Diagramme seiner Ausführungen geben ganz konkret Auskunft über die Ursachen der Arbeitslosigkeit und der Schwäche des Binnenmarktes. Czerny versucht nicht, innerhalb eines geschlossenen makroökonomischen Sandkastensystems die Weltformel der Ökonomie zu finden - er hat mit seiner pragmatisch-empirischen Sichtweise die Ursachen außerhalb des Sandkastens der klassischen Nationalökonomie gefunden und sichtbar gemacht.

Hier der Link zu seinen Gastbeiträgen auf den EWK-Seiten. Alexander Czernys Analysen


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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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