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Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
den schickt er in die weite Welt...

Kommentar zur bevorstehenden
Entsendung deutscher Streitkräfte
in das Krisengebiet im Nahen Osten


Egon W. Kreutzer
19. September 2006

 

 

Der Marschbefehl für 2.400 deutsche Soldaten wird den Mitgliedern des Deutschen Bundestages bereits heute zur Beratung vorgelegt. Die namentliche Abstimmung ist für morgen vorgesehen.

Es ist beschämend, dass Angela Merkel dafür viel leichter eine Mehrheit finden wird, als für den vergleichsweise harmlosen Gesundheitsfonds.



Hurra, es ist soweit!

Wie einst die Lehrbuben zu Beginn ihrer Ausbildungszeit nur die einfachsten Arbeiten verrichten durften, um sich Jahr für Jahr an größeren Aufgaben zu bewähren, bis sie am Ende als Gesellen freigesprochen wurden, hat auch die Deutsche Bundeswehr innerhalb weniger Jahre Schritt für Schritt die anerkannten Regeln des internationalen Kriegshandwerks erlernt.

Durfte sie zunächst nur beobachtend daneben stehen, war es ihr doch schon bald vergönnt, auch einmal selbst den Besen zu schwingen, und mit Lazaretten und schwerem Pioniergerät die Späne, die andere beim Hobeln hinterlassen hatten, wegzufegen. Auf dem Balkan hat die Bundeswehr geübt, wie es ist, sich im fremden Land dauerhaft einzugraben und dabei die Fähigkeit zur Selbstverteidigung erworben. In Afghanistan ist sie nahe daran, sich tatsächlich im Landkrieg bewähren zu dürfen, doch wahrscheinlich wird sie, wenn sich das Parlament nicht in den Weg stellt, schon vorher wirkliche Verantwortung übernehmen dürfen.

Hurra?

"Hurra!" ist ein so unamerikanischerJubelruf, dass er gegenwärtig vom Rahmen der "political correctness" nicht gedeckt ist. Folglich sind unsere Politiker, statt fröhlich "Hurra!" zu rufen, in ihren verbalen Äußerungen ganz von bescheidener Dankbarkeit erfüllt, endlich die Verantwortung übernehmen zu dürfen, die dem wiedererstarkten Deutschland zufällt. Sie sind stolz, endlich der Welt und den Verbündeten beweisen zu können, dass Deutschland sich nicht länger darauf beschränken will, seinen finanziellen Beitrag zu leisten, wenn irgendwo auf der Welt ein Krieg zur Erhaltung des Friedens unvermeidlich geworden ist, sondern dass es endlich wieder in der Lage ist, solche friedlich-robusten Kriege auch selbst, mit eigenen Soldaten und eigenen Waffen auszutragen.


Hurra?

Der geplante Einsatz der Marine vor den Küsten des Libanon, um den zunächst Israel, dann - auf dem Umweg über die Vereinten Nationen - auch der Libanon gebeten hat, wird deutsche Soldaten mitten hineinführen in jenes Pulverfass, an dem in der Vergangenheit deutsche Außenpolitiker versuchten, als Vermittler die glimmenden Lunten auszutreten, an denen im Nahen Osten fürwahr kein Mangel herrscht.

Nun sagt man uns - seit Clausewitz, der Krieg sei nichts anderes, als die Fortsetzung der Politik, nur eben mit anderen Mitteln.

Im konkreten Fall heißt das wohl:

Nachdem der geläuterte Straßenkämpfer Joschka Fischer das diplomatische Parkett verlassen hat, stiefelt nun der promovierte Jurist Franz-Josef Jung aufs Feld der Ehre. Statt der Diplomaten agieren Generäle, welche - statt Akten - endlich Fakten produzieren sollen. Vorbei ist es mit dem Versuch, die wünschenswerten Formen des "Sich-Vertragens" in Verträgen niederzuschreiben. Vor dem Vertragen soll nun erst einmal das Schlagen kommen, weil wieder einmal behauptet wird, man müsse erkannte Unverträglichkeiten zwischen vermeintlich abgrenzbaren und in Gute und Böse unterscheidbaren Teilen der Menschheit mit militärischer Gewalt aus der Welt schaffen, weil sich die zarte Blume des Friedens anders nicht bewahren lässt.

Nach ausreichenden Verlusten auf beiden Seiten wird auch darauf wieder unausweichlich die Einsicht folgen, dass genau das vollkommen unmöglich ist - doch auch diese Einsicht wird nach zehn, zwanzig, fünfzig oder spätestens sechzig Jahren wieder vergessen sein.

Erfahrung ist erfahrungsgemäß nicht übertragbar.

 

Hurra?

Es scheint, dass die Bundeswehr recht unbekümmert in diesen schönen Friedenseinsatz hineingeschoben wird. Alles erinnert an ein Schachbrett, auf dem ein Anfänger den Bauern von c2 nach c4 bewegt, ohne zu ahnen, dass der Gegner nur auf die Chance gelauert hat, ihn "en passant" kassieren zu können.

Das Schachbrett hat 64 Felder - und die Küste des Libanon ist nur eines davon, vermutlich sogar nur ein Teil eines Teiles eines Feldes.

Zu glauben, man könne mit robustem Auftrag vor der libanesichen Küste munter zwischen der israelischen und der syrischen Hoheitszone hin und her schippern, anzunehmen, es gäbe außer jenem schmalen Streifen Meer, außer den dorthin entsandten deutschen Schiffen und den abzuwehrenden Waffenschmugglern nichts, worauf man achten müsste, zeugt bestenfalls von strategischer Unfähigkeit.

Doch wer glaubt das wirklich?

Doch nur diejenigen Konsumenten von Bild, BamS und Glotze, die immer noch so funktionieren, wie es die Propagandamanager erwarten. Jene, die zügig glauben, was man ihnen vorsetzt, und es genauso zügig auch wieder vergessen, jene die treu und unerschütterlich und gegen jeden Beweis bezweifeln, was sie bezweifeln sollen, und nicht zu vergessen jene, die ihr schwarz-rot-goldenes Fähnchen immer noch am Auto spazieren fahren, als Signal ihrer Zustimmung zur Fortsetzung der WM - gegebenenfalls auch mit anderen Mitteln ...

Weder Beck noch Müntefering, weder Stoiber noch Merkel dürften sich Illusionen über den Sinn und Zweck dieses Einsatzes machen.

Der Iran, um den es geht, hatte die Hisbollah im Libanon, wie einen Springer in Position gebracht, um einen Angriff auf den Iran zu einem nicht unerheblichen Risiko für Israel zu machen.

Israel hat es lediglich übernommen, den Gegner von diesem Feld zu vertreiben. Nur Israel war in der Lage, das zu rechtfertigen. Jeder andere Staat hätte für seinen Einmarsch eine Begründung finden müssen, deren Fadenscheinigkeit noch weit über den von Israel benutzten Vorwand hinausgegangen wäre. Doch das erste Ziel ist erreicht. Die Hisbollah ist aus ihren militärischen Stellungen so weit vertrieben, dass von ihren Waffen für Israel keine direkte Gefahr mehr ausgeht.

Nun kann das Spiel weitergehen. Die erreichte Position muss zwar gehalten werden, aber dazu braucht es keine israelischen Soldaten. Nach der erfolgten Bedrohung und Vertreibung des gegnerischen Springers reicht es vollkommen, das umstrittene Feld von einem hurtig hinzugezogenen Bauern absichern zu lassen.

 

Hurra?

Den allgemein zugänglichen Quellen zufolge, soll es einziger Auftrag der Bundesmarine sein, Waffenlieferungen an die Hisbollah zu unterbinden.

Das klingt anders, als die anfänglichen Formulierungen. Da hieß es noch, es gelte eine Friedenstruppe aufzustellen, um die Waffenruhe zu kontrollieren und zu sichern.

Das klang so, als sollten deutsche Soldaten die Aufgabe erhalten, sich als Teil der Friedenstruppe neutral zwischen den Libanon und Israel zu stellen, Verletzungen der Waffenruhe zu beobachten und - ein robustes Mandat vorausgesetzt - auch zu unterbinden.

Friedrich Schiller enthüllte diese Art,einen militärischen Auftrag klammheimlich zu verändern, in seinem Schauspiel "Wallenstein" mit dem schicksalhaften Satz: "Vor Tische las man's anders!"

Niemand, der in der Lage ist, Zeitung zu lesen, kann noch annehmen, dass die deutsche Marine als neutraler Wächter eines Waffenstillstandes zum Einsatz gelangt.

Die deutsche Marine wird zwar als "Friedenstruppe" antreten, aber als "Partei" agieren. Sie wird ausschließlich dazu beitragen, die Versorgung der Hisbollah (und letztlich auch des Libanon) mit Waffen und Gerät zu kontrollieren, zu erschweren und nach Möglichkeit zu unterbinden. Doch weder ein deutsches Schiff, noch sonst ein Truppenteil der Friedenstruppe wird auch nur ansatzweise versuchen, Waffenlieferungen an Israel zu kontrollieren, zu erschweren oder gar zu unterbinden.

Faktisch stellt sich der Einsatz der deutschen Marine als ein Einsatz zur Sicherung Israels dar.

Für Israel ist damit die Bedrohung durch die vom Iran gesteuerte Hisbollah auch nach dem Rückzug aus dem Libanon erheblich vermindert. Für die USA ist damit ein schwerwiegendes Hemmnis im Kampf gegen die Achse des Bösen entfallen.


Und für Deutschland?

Es steht glücklicherweise nicht zu befürchten, dass die deutschen Marineeinheiten in nennenswerte Kampfhandlungen verwickelt werden.

Vielleicht muss einem uneinsichtigen Kapitän ein Schuss vor den Bug gesetzt, vielleicht sogar ein verdächtiger Frachter versenkt werden. Vielleicht muss auch ein Schlauchboot abgeschossen werden, das sich einem deutschen Schiff schnell und mit unklaren Absichten nähert.


Die eigentliche Konsequenz wird Deutschland aber erst dann zu spüren bekommen, wenn es wieder um die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln geht. Dann hat Deutschland seine Unschuld verloren. Es hat sich positioniert, ist vollwertiges Mitglied in der Koalition der Willigen geworden - und es wird so behandelt werden.


Von aller Welt - und für sehr lange Zeit.




Nachbetrachtung


Es war ein weiter Weg von der Kapitulation der deutschen Wehrmacht über die Wiederbewaffnung und die Wiedervereinigung der Bundeswehr mit der NVA bis zu diesem "Kampfeinsatz".

Es war ein weiter Weg für jene friedfertigen Menschen, die sich vom sturen "Nie wieder Krieg" auf dem mühsamen Weg über die humanitäre Hilfe in Uniform und die zum Teil seit vielen Jahren laufenden Einsätze im Mittelmeer, am Horn von Afrika, auf dem Balkan, in Afghanistan, im Kongo und im Sudan bis zu diesem nun bevorstehenden Einsatz durchgebissen haben, der es endlich wieder ermöglicht, deutsche Soldaten da einzusetzen, wo die Wahrung des Friedens den robusten Einsatz der Waffen erfordert.

Dem Grundgesetz, das den Einsatz der Bundeswehr auf die Verteidigung Deutschlands im Angriffsfall beschränkt, hält man entgegen, es sei veraltet und werde den neuen Bedrohungen nicht gerecht. Gegen eine Vielzahl nicht detonierter Kofferbomben und Bombenattrappen, sowie gegen die weithin im Verborgenen operierenden Hintermänner des Terrors müsse Deutschland eben auch am Hindukusch - oder vor der Küste des Libanon verteidigt werden.
Man könne sich schließlich nicht darauf beschränken, unter Deutschland nur das geografische Gebilde in den Grenzen von 1990 zu sehen, sondern müsse auch die Interessen Deutschlands in und an aller Welt berücksichtigen.

Die Gelegenheit ist günstig. Wer jetzt nicht zuschlägt, verpasst die letzte Chance.

 

Der Friede sei mit Euch, Männer!

Muss wirklich jede Generation die immer gleichen Lehren aus dem Leid immer neuer Kriege ziehen?
Reicht denn wirklich nicht aus, was in vielfacher Wiederholung in den Geschichtsbüchern steht?

Die Lehren, die der Papst aus der Geschichte gezogen hat, lassen die Hoffnung schwinden.
Mit seiner aufsehenerregenden Vorlesung in Regensburg hat er jedenfalls nicht zu Frieden und Versöhnung beigetragen, als er sich - weit über das von den Medien in den Vordergrund geschobene Zitat hinaus - vorsorglich von jenem Gott, an den die Muslime glauben, distanzierte.

Benedikt Ratzinger erklärte dem Auditorium in Regensburg in salbungsvollen Worten, wesentliche Züge des Charakters seines Gottes seien von griechischen Philosophen ersonnen worden. Deshalb sei dieser, der christlich-griechische Gott, ein rationaler, vernunftbegabter, seiner - zwar göttlichen, aber dennoch - Logik folgender, folglich verlässlicher und berechenbarer Gott. Dem Gott der Muslime hingegen fehle der griechische Einfluss, so sei er ein unberechenbarer, irrationaler, nicht der Logik folgender Gott, dessen Handeln unvorhersehbar und nicht berechenbar sei.

Was soll sich der einfache Christenmensch dabei wohl denken?



Der Papst hat mit seinen Ausführungen nicht nur Lessing - der mit seinem "Nathan" die Idee, Juden, Christen und Mohammedaner seien Kinder des gleichen, einen Gottes, verdeutlichte - zum Sozialschwärmer abqualifiziert, sondern zugleich auch ganz unmissverständlich seinen Glauben an die Überlegenheit des Christentums betont.

Benedikt Ratzinger hat selbstverständlich nichts von alledem zum Ausdruck bringen wollen, was die Menschen in aller Welt herausgehört haben. Seine Rede sollte eine Ermahnung zum Gewaltverzicht im internationalen Wettbewerb der Kulturen sein - weder eine Beleidigung des Islam, noch eine Rechtfertigung für gewaltsame christliche Bekehrungsversuche in Vergangenheit und Zukunft.


Nun bedauert er, dass man ihn so missverstehen konnte.

Was er gesagt hat, und dass er es nicht anders - nicht unmissverständlicher - gesagt hat, bedauert er bislang nicht.


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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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