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Die Föderalismusreform
und die Zulassungsvoraussetzungen
für Grundschullehrer in Bayern

 

Pfeiffer, wat is en Dampfmaschin?

Da stelle mehr uns janz dumm. Und da sage mer so: En Dampfmaschin, dat is ene jroße schwarze Raum, der hat hinten un vorn e Loch. Dat eine Loch, dat is de Feuerung. Und dat andere Loch, dat krieje mer später."

 

Bildung ist Ländersache.

Das ist - kurzgefasst - eines der wichtigen Ergebnisse der Föderalismusreform - des langen und harten Ringens köstlicher Lohn. Ganz abgesehen davon, dass die Entscheidung, die Bildung den Ländern zu überlassen, bereits eine vollkommen unverständliche ist, hat sich in diesen Tagen an der gleichen Front noch Unverständlicheres ereignet.

Das Narrenschiff, auf dem wir den Strom der Zeit hinabtriften, hat irgendwo in einem Stauraum jene Krone bereit gehalten, die sich der Bildungspartikularismus der Kultusminister der deutschen Länder jetzt aufzusetzen hat.

Fragen wir uns also, wie einst Lehrer Bömmel die Oberprima am Babenberger Gymnasium:

Also, wat is en Ländersach?

Und da sage mer so: En Ländersach, dat is ene jroße schwarze Raum, der hat hinten un vorn e Loch.
Dat eine Loch, dat is die Landesregierung. Und dat andere Loch, dat krieje mer später.

Das andere Loch ist im Zweifelsfall eine EU-Richtlinie.

Es ist unvorstellbar, aber wahr:

Will ein Deutscher, selbst ein eingeborener Bayer, in Bayern als Junglehrer an der Grundschule Dienst tun, dann muss er acht Semester an einer Hochschule studiert und zusätzlich zwei Jahre Referendariat als praktische Ausbildung an einer Schule absolviert haben.

Die berufsspezifische Ausbildung kostet den Junglehrer also 6 Lebensjahre.

Erst dann, so glaubt man in Bayern, ist er reif, um an bayrischen Grundschulen mit bayrischen Grundschülern arbeiten zu dürfen.

Zu Beginn des Schuljahres 2006/2007 wurden in Bayern aber 41 Junglehrer angestellt, die lediglich drei Semester an einer pädagogischen Akademie studiert, und damit gerade mal ein Viertel der Ausbildungszeit durchlaufen haben, die in Bayern eigentlich Vorschrift ist.

Aber bayrische Vorschriften gelten eben nur für bayrische oder deutsche Junglehrer. Die 41, um die es geht, sind aber Österreicher - und für die gilt in Bayern nicht das bayrische Recht, das vom bayrischen Landtag, wie es der Brauch gebietet, mit großer Mehrheit von den gewählten Volksvertretern der CSU gegen die Stimmen der Opposition verabschiedet wird, sondern eine EU-Richtlinie, für die es weder ein Parlament, noch eine Opposition, schon gar keine CSU, sondern nur einen Kommissar braucht.

Die EU-Richtlinie, die den Bayern in diesen Tagen 41 österreichische Lehrer mit österreichischer Kompaktausbildung beschert hat, besagt, dass Kandidaten aus allen EU-Ländern, die in ihrem Heimatland an Grundschulen unterrichten dürfen, bei der Besetzung freier Stellen an Grundschulen in jedem anderen Mitgliedsland der EU zu berücksichtigen sind, sofern sie der Landessprache ausreichend mächtig sind. Und, der bayrischen Sprache ist ein Österreicher allemal mächtig ...

Das, so meine ich, hätten wir ohne Föderalismusreform genau so geschafft.

Wer noch lachen kann, sollte jetzt in ein homerisches Gelächter ausbrechen, oder für immer Trübsal blasen.


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