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Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland
Insolvenzen, angekündigter und absehbarer Stellenabbau seit 02.10.2002
In der Liste werden - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - ausschließlich öffentlich zugängliche Informationen aus den Medien erfaßt und ausge- wertet. Für die Richtigkeit der Angaben und für eventuelle Abweichungen vom tatsächlich eintretenden Ausmaß der Arbeitsplatzvernichtung kann keine Gewähr übernommen werden, jegliche Haftung für Schäden, die evtl. aus der Nutzung dieser Informationen entstehen, wird ausgeschlossen. copyright: Egon W. Kreutzer
02.10.2002 bis 10.08.2006

Gesamt seit 2.10.2002 (1.407Tage)

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4.002.549

zur aktuellen Statistik

Dies ist kein Kommentar, keine Meinungsäußerung - es ist eine Meldung mit Erläuterungen.

Die von mir seit dem 2. Oktober 2002 geführte Statistik der Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland hat am 10. August 2006 die
4-Millionen-Marke übersprungen.

Dies ist ein geeigneter Anlass, um wieder einmal die Zielsetzung, die Systematik, die Aussagekraft und die Schwächen dieser Dokumentation in Erinnerung zu rufen.


Zielsetzung

1. Anfänglich

Mit der Statistik zur Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland wurde ursprünglich kein anderes Ziel verfolgt, als die völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen von Peter Hartz, den Mitgliedern der Hartz- Kommission, der damaligen Bundesregierung, der Experten und Verbandsfunktionäre zu konterkarieren, die allesamt besagten:

Wenn die in den Hartz-Modulen vorgeschlagenen Maßnahmen 1:1 umgesetzt werden, wird die Zahl der Arbeitslosen innerhalb von zweieinhalb Jahren, exakt bis zum 30. Juni 2005 um 2 Millionen reduziert.

Damals, am 2. Oktober 2002, begann ich nicht nur diese Statisitik zu führen, ich veröffentlichte auch den Aufsatz "Heiliger Hartz", der hier nachzulesen ist. http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/12769%20HeililgerHartz.html

Damals ging ich davon aus, die Statistik für einige Monate, höchstens ein Jahr zu führen.

2. Heute

besteht kein Grund mehr, die Hartz-Module zu konterkarieren. Jedermann weiß heute, dass sich die Arbeitslosigkeit nicht halbiert hat.

Wer es wissen will, kann auch wissen, dass die Arbeitslosigkeit seitdem massiv gestiegen ist, dass es jedoch - dank Hartz - gelungen ist, die Zahl der offiziell als arbeitslos erfassten Menschen weiterhin unterhalb der 5 Millionen Marke zu halten.

Dass ich die Statistik dennoch weiterführe, hat seinen Grund darin, dass sehr viele Menschen regelmäßig darauf zugreifen und in ihr einen Indikator für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation der Republik sehen. Oft überlege ich mir, die relativ aufwändige Arbeit einfach einzustellen, aber ich finde keine vernünftige Rechtfertigung dafür. Peter Hartz ist längst von der Bühne gefegt, doch die Statistik, für die er den Anlass bot, ist nach wie vor von Bedeutung.


Die Zielsetzung der Statistik besteht heute darin, den fragwürdigen Meldungen über den bereits eingetretenen und in Kürze - spätestens jedoch in jedem nächsten Frühjahr - noch heftiger kommenden Aufschwung, jenen Teil der Realität entgegenzusetzen, der gerne übersehen, verschwiegen - oder doch zumindest verniedlicht wird.

Weiterhin werden täglich im Durchschnitt mehr als 2.800 Arbeitsplätze vernichtet.

Doch Medien, Politiker und Gewerkschaftsführer beschäftigen sich monatelang mit großem Engagement mit vergleichsweise so harmlosen Vorgängen, wie etwa der Schließung des einstigen AEG-Stammwerkes in Nürnberg. Das hat tatsächlich 1.750 Arbeitsplätze kostet. Aber mit dem monatelangen - sinn- und zwecklosen - Gezerre um diese 1.750 Arbeitsplätze wurde die eigentliche Dramatik des Arbeitsplatzabbaus in Deutschland - täglich 2.850, jede Woche 20.000, jeden Monat 85.000 - vollkommen in den Hintergrund gedrängt. So, als würde in der Hauptnachrichtensendung ausführlich von der Tragödie eines einzelnen brennenden Baumes berichtet, der rundum auf vielen Hektar tobende Waldbrand aber vollkommen ausgeblendet.

 

 

Systematik

1. Quellen für Meldungen und eingesetze Zahlenwerte

In die Statistik aufgenommen werden ausschließlich Informationen, über die in öffentlich zugänglichen Medien (Presse, Rundfunk, Fernsehen, Online-Publikationen) berichtet wurde. Hinweise auf Arbeitsplatzvernichtung, die von Betroffenen oder Insidern direkt an mich gerichtet werden, finden nur Berücksichtigung, wenn Sie über entsprechende Meldungen in öffentlichen Medien bestätigt werden.

Häufig werden in den Original-Meldungen keine (oder bei vernünftiger Würdigung völlig unverständliche) Angaben über die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze gemacht. Ist das der Fall, wird versucht, diese Zahlen durch ergänzende Recherchen festzustellen. Gelingt dies nicht, erfolgt eine auf der feststellbaren Datenbasis aufsetzende Schätzung. Die in die Statistik aufgenommenen Schätzzahlen werden durch den Vermerk "geschätzt" gekennzeichnet.

In Ausnahmefällen bleibt die Zahl der betroffenen Arbeitsplätze völlig offen, dann setzen wir ein Fragezeichen (?) in die Statistik und zählen nichts.


2. Komponenten der Gesamtstatistik


Die Gesamtstatistik bildet die Summe aus mehreren, höchst unterschiedlichen Faktoren, die den Arbeitsplatzabbau anzeigen. Im einzelnen sind dies:

a) Meldungen über vollzogenen Stellenabbau

Alle seit Beginn der statistischen Erfassung tatsächlich abgebauten Stellen werden, sofern sie uns bekannt werden, ggfs. auch nachträglich, in die Statistik aufgenommen.

b) Meldungen über beschlossenen oder beabsichtigten Stellenabbau

Alle Ankündigung von Unternehmen oder anderen (öffentlichen) Arbeitgebern werden zum frühestmöglichen Zeitpunkt in die Statistik aufgenommen, nämlich dann, wenn absehbar ist, dass der Stellenabbau tatsächlich eintreten wird. Häufig werden solche Ankündigungen wiederholt, in der Wiederholung modifiziert oder teilweise dementiert. Der hartnäckige Versuch, in der oft verwirrenden Widersprüchlichkeit solcher Meldungen die Übersicht zu bewahren, ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal dieser Statistik. Fehler können nicht ausgeschlossen werden, aber die Fehlerquote sollte möglichst klein gehalten werden.

c) Befürchtungen und Prognosen

Gewerkschaften, Betriebsräte, aber auch Unternehmer geben immer wieder einmal Befürchtungen und Prognosen über die künftige Personalpolitik ihres Unternehmens ab. In Landtagen und Kommunalparlamenten melden sich die Verantwortlichen der Fraktionen mit Forderungen und Visionen.
Viele solcher "Äußerungen" werden ignoriert. Wenn jedoch die gesamte Datenlage dafür spricht, dass sich die Befürchtungen und Prognosen bestätigen werden, werden auch solche Meldungen zum frühestmöglichen Zeitpunkt aufgenommen und dann später durch Konkretisierungen bestätigt. Sind Befürchtungen oder Prognosen zwar stichhaltig, aber noch nicht ausreichend akut, werden "Vorwarnungen" abgegeben.

d) Insolvenzen

Beantragt ein Unternehmen Insolvenz, wird grundsätzlich die Zahl der betroffenen Mitarbeiter in die Statistik aufgenommen. Eine Insolvenz ist ein Indiz dafür, dass die Nachfrage nicht ausreicht, alle am Markt befindlichen Wettbewerber am Leben zu erhalten. Alle hoffnungsvollen Äußerungen von Inhabern, Geschäftsführern und Insolvenzverwaltern über die Möglichkeit der Weiterführungt erweisen sich in der Mehrzahl der Fälle als reine Wunschträume und Zweckoptimismus. Da die Insolvenz als solche höheres Medieninteresse erweckt, als der dem Insolvenzantrag folgende Sterbeprozess, der sich über Monate und Jahre hinziehen kann, halten wir die Verlustmeldung für die Gesamtbelegschaft zum Zeitpunkt der Stellung des Insolvenzantrages für gerechtfertigt.

e) Äquivalenzwerte

Es gibt eine Reihe von Methoden, bei unveränderter Belegschaft Maßnahmen zu ergreifen, die - bei anderer Herangehensweise auch zu Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt hätten führen können. Arbeitszeitverkürzungen lassen sich direkt in Stellenabbau umrechnen. Lohnkürzungen wirken auf die Kaufkraft der Belegschaft ebenfalls wie Arbeitsplatzabbau.

Arbeitszeitverkürzung
Wenn die Stundenleistung der Beschäftigten in dem einen Unternehmen um 10 Prozent gesenkt wird (und der Lohn entsprechend gekürzt), unterscheidet sich das in der Gesamtwirkung nicht von der in einem anderen Unternehmen beschlossenen Entlassung von 10 Prozent der Belegschaft. (Im Gegenteil, den Entlassenen stehen in der Regel Transferleistungen (ALG I, ALG II) zu, die Arbeitszeitverkürzung schlägt voll auf die Löhne durch).

Arbeitszeitverlängerung
Arbeitszeitverlängerung verhindert die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze. Arbeitsplatzverlängerung ist folglich der "prophylaktische" Abbau von Arbeitsplätzen. Arbeitszeitverlängerung läuft dem Ziel, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren, entgegen.

Lohn-/Gehaltsminderung
Löhne und Sonderzahlungen zu kürzen, ist ein probates Mittel, um Gewinne zu steigern und Haushalte zu sanieren. Die Personalkosten vermindern sich genau so, als hätte man sich von Mitarbeitern getrennt, nur erspart sich das Unternehmen die damit verbundenen Probleme. Lohnkürzungen haben zwar keine direkte Wirkung auf den Arbeitsmarkt, wohl aber auf die Kaufkraft.

In einigen signifikanten Fällen wurden solche Maßnahmen in Arbeitsplätze umgerechnet und die ermittelten Äquivalenzwerte in die Statistik eingestellt. Ein völliger Verzicht auf diese Äquivalenzwerte würde die Gesamtstatistik verfälschen.

Aussagekraft

Die Statistik über den Arbeitsplatzabbau in Deutschland hat mehrere Dimensionen, aus denen gültige Aussagen abgeleitet werden können. Es sind dies die täglichen Einzelmeldungen, die Veränderung der Durchschnittswerte und die Gesamtsumme.

1. Tägliche Einzelmeldungen

Es ist vollkommen unmöglich, alle Maßnahmen zur Vernichtung von Arbeitsplätzen zu erfasen. Ein Großunternehmen, das im Laufe der Zeit die natürliche Fluktuation nutzt, um Personal abzubauen, wird in dieser Statistik nur aufscheinen, wenn es eine entsprechende Pressemittelung herausgibt, um den Aktionären Futter für ihre Gewinnphantasien zu geben. Kleiner Unternehmen, die Entlassungen vornehmen, oder Stellen nicht neu besetzen, werden auch nur in seltenen Fällen so viel öffentliche Aufmerksamkeit erringen, dass es zu einer Meldung in den Medien reicht. Und selbst wenn ein einspaltiger Artikel im Kleinkleckersdorfer Tageblatt erscheint, die Wahrscheinlichkeit, diesen zu entdecken, ist gering.

Die täglichen Einzelmeldungen decken einen gewissen Ausschnitt der Wirklichkeit ab. Jede einzelne ist aussagekräftig genug, um vom verständigen Leser korrekt gewürdigt und eingeordnet zu werden. Vom Anspruch der "Vollständigkeit" bleibt die Statistik jedoch weit entfernt.


2. Veränderung der Durchschnittswerte

Nach fast vier Jahren reagieren die Durchschnittswerte ziemlich träge auf saisonale Veränderungen im Arbeitsplatzabbau. Vor allem der Jahreswert von etwas über 1 Million vernichteter Arbeitsplätze ist sehr stabil. Eine über Monate andauernde Veränderung der Durchschnittswerte kann aber durchaus als Trend angesehen werden. Weil die Erfassungssystematik unverändert bleibt, hat dieser Entwicklungtrend eine sehr hohe Aussagekraft, vor allem dann, wenn er mit saisonalen Einflüssen hinterlegt wird.


3. Die Gesamtsumme

Die Gesamtsumme der aus so unterschiedlichen Komponenten zusammengesetzten Statistik ist nicht ohne weiteres kompatibel zu den Veränderungen der Zahl der Beschäftigten, schon gar nicht zu den Zahlen der Arbeitslosenstatistik. Das hängt einerseits damit zusammen, dass ein Teil des bereits erfassten Arbeitsplatz-Abbaus erst in der Zukunft wirksam werden wird, andererseits damit, dass neu entstehende Arbeitsplätze nicht erfasst und gegengerechnet werden, zu einem erheblichen Teil aber auch von der demografischen Fluktuation (Zugang an Berufsanfängern, Abgang Erwerbstätiger in den Ruhestand) und den Veränderungen der Systematik der Arbeitslosenstatistik.

Unter Berücksichtigung aller angeführten Faktoren sind jedoch vergleichende Berechungen durchaus möglich und sinnvoll.


Schwächen

Die Statistik über die Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland ist zwangsläufig unvollständig. Die Dunkelziffer kann nur grob geschätzt werden, sie liegt, bezogen auf die Zahl der Fälle, sicherlich weit über 30 Prozent, bezogen auf die Zahl der vernichteten Arbeitsplätze vermutlich zwischen 5 und 10 Prozent.

Die Realisierung beschlossenen, angekündigten oder prognostizierten Stellenabbaus wird nicht gezielt verfolgt, nur gelegentlich als Konkretisierung gemeldet. Wenn die tatsächlichen Auswirkungen kleiner oder größer sind, als ursprünglich prognostiziert, oder geschätzt, kann dies mangels zutreffender Informationen meist nicht festgestellt und korrigiert werden. Die Schwankung wird, über die Gesamtstatistik gesehen, aber nicht mehr als etwa +/- 3 Prozent ausmachen.

Die Statistik ist trotz aller Bemühungen auch nicht vollkommen frei von Mehrfacherfassungen des gleichen Tatbestandes. Bei allem Bemühen, solche Fälle auszuschließen, sind sie doch - vor allem zu Beginn der Statistikführung - aufgetreten.

Der ausgewiesene Gesamtwert ist die Summe aller in Vergangenheit und Gegenwart erfassten Sachverhalte. Es gibt keine differenzierende Aussage über den Anteil des bereits realisierten und des für die Zukunft noch zu erwartenden Stellenabbaus.

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