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Über den Unterschied
zwischen
Teuerung und Inflation

Kommentar zur jüngsten
Zinserhöhung der EZB

Egon W. Kreutzer
3. August 2006

 

Heute, am 3. August 2006, hat die EZB erneut die Leitzinsen erhöht.

Mussten die Geschäftsbanken Ende letzten Jahres für die Bereitstellung von Banknoten noch zwei Prozent Zinsen p.a. an die Zentralbank entrichten, sind daraus heute volle drei Prozent geworden. Die Kosten für Bargeld sind also um fünfzig Prozent gestiegen. Folglich werden auch die Geschäftsbanken ihre Zinssätze für neue Kredite (und für laufende Kredite mir variablen Zinssätzen) anheben. Schulden machen wird teurer.

 

Warum?

Jean Claude Trichet und seine Währungsmanager halten speziell die Preiserhöhungen beim Rohöl und die geplanten Steuererhöhungen für eine Gefahr für den Geldwert und ziehen die Inflationsbremse an. Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken soll dadurch vermindert werden.

Dabei haben wir alles andere als eine Inflation.

Inflation ist eine durch die unangemessene Aufblähung der Geldmenge verursachte Geldentwertung. Wir haben aber, zumindest im Wirtschaftsraum der Bundesrepublik Deutschland, genau das Gegenteil zu beklagen. Alexander Czernys brillante Dokumentation und Analyse der rückläufigen Geldversorgung durch Kreditzurückhaltung des Bankensektors beweist schlagend das Gegenteil.

Deutschland, vor allem die deutschen Verbraucher, leiden seit Jahren unter einer verheerenden Deflation. Die Unterversorgung der Realwirtschaft mit Zahlungsmitteln zwingt die Öffentlichen Haushalte zu immer härteren Sparmaßnahmen, trägt dazu bei, dass aus purem Geldmangel immer mehr Arbeitsplätze verloren gehen, erfordert massive Kürzungen bei Löhnen, Renten und den Transferleistungen im Bereich der Sozialversicherungen. Die Finanzminister von Bund und Ländern, sowie die Kämmerer der Gemeinden sind darauf angewiesen, ein Stück Volkseigentum nach dem anderen zu verkaufen, wenn sie überhaupt noch in die Nähe eines verfassungsgemäßen Haushaltes kommen wollen,

aber die EZB bekämpft die Inflation.

 

 

Dass multinationale Konzerne ihre Monopolstellung und die Bewegungen auf den Spotmärkten nutzen, um ihre eigenen, von der vorgeblichen Preissteigerung völlig unberührten Rohstoffquellen in immer noch stärker sprudelnde Profitquellen zu verwandeln, dass die Preise für Benzin und Diesel, für Heizöl, Strom und Gas von wildgewordenen Spekulanten in vollkommen unsinnige Höhen getrieben wurden, ist legales kapitalistisches Verhalten.

Wladimir Putin hat in Russland versucht, die Ressourcen seines Landes durch die Zerschlagung des Yukos-Konzerns vor solchen erpresserischen Spielen zu schützen.

Angela Merkel tritt für die Interessen der deutschen Anleger und Investoren dadurch ein, dass sie die Haftbedingungen des in wenigen Jahren zum Multi-Milliardär aufgestiegenen Michail Chodorkowski beklagt.
(Ich frage mich immer, ob so ein Reichwerdungsprozess, auch wenn er viel länger dauert, überhaupt mit rechten Dingen zugehen kann)

 

Außer den Aktionären und wenigen hochrangigen Managern hat doch niemand etwas davon, wenn die Energiekonzerne im Geld schwimmen.

Im Gegenteil! Die Abzocke auf den Energiemärkten, denen kaum jemand auch nur ein kleines Stück weit ausweichen kann, entzieht dem Binnenmarkt nur noch mehr Geld. Die Verbraucher sind gezwungen, an anderer Stelle das einzusparen, was ihnen von den Energielieferanten aus der Tasche gezogen wird.

Veränderungen bei den Preisen der Güter im Warenkorb führen natürlich zu einer statistischen Preissteigerungsrate.

Aber die Ursache der Preissteigerungen, die wir in den letzten Jahren zu verzeichnen haben, ist Teuerung, nicht Inflation!


Die Wirkung dieser Prozesse erscheint zwar auf den ersten Blick gleich: Die Preise der Waren steigen. Aber die Ursachen dafür sind grundverschieden.

Teuerung ist die Folge einer Verknappung des Waren-Angebots
und kann nur von der Warenseite her erfolgreich bekämpft werden.

Inflation hingegen ist die Folge der Ausweitung der nachfragewirksamen Geldmenge
und vernünftige Gegenwehr ist hier nur mit Maßnahmen im monetären Bereich möglich.

Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den natürlichen Feinden des Geldes "Inflation" und "Deflation" findet sich auf meinen Internetseiten (und natürlich auch im Buch "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III, - Über das Geld - ", das im EWK-Verlag erschienen ist). Hier deshalb nur ein kurzer Abriss der Sachlage:

Teuerung ist ein Zustand, bei dem es weniger Ware für das gleiche Geld gibt.

Die Verknappung des Angebots kann unterschiedliche Ursachen haben. Eine davon ist die bauernschlaue Erkenntnis, dass ein Überangebot an Waren für den Anbieter ungünstig ist, während sich ein knappes Angebot in mehrerer Hinsicht günstig auswirkt:

Ein schlauer Bauer, der statt früher 100 plötzlich nur noch 80 Schweine aufzieht, kann seine Kosten um 20% senken. Werden diese 80 Schweine auf einem Markt angeboten, auf dem eigentlich ein Bedarf an 100 Schweinen besteht, ist zu erwarten, dass für das knappe Gut "Schweinefleisch" ein Preis erzielt wird, der so hoch liegt, dass der Gesamterlös aus dem Verkauf von 80 Schweinen sich vom Gesamterlös aus dem Verkauf von 100 Schweinen nicht nennenswert unterscheidet. Voraussetzung ist natürlich, dass möglichst viele Bauern mitspielen und keiner die Front der Fleischverknapper durchbricht. Dann hat das Ganze noch weitere wunderbare Folgen: Weil nämlich von 80 Schweinen weniger Menschen satt werden, als von 100 Schweinen, werden zusätzliche Nahrungsmittel benötigt. Es muss also insgesamt mehr Geld für die Ernährung aufgewendet werden; für andere Produkte bleibt folglich weniger Geld übrig.

Nicht anders ist es beim Öl. Hier teilen sich die OPEC und eine Handvoll großer Fördergesellschaften den Markt. Immer wieder wird versucht, das Angebot so knapp zu halten, dass der erwünschte Preis pro Barrel erzielt werden kann. Ein riesiges, weltumspannendes Kartell, das nur gelegentlich auf Grund innerarabischer Uneinigkeiten nicht ganz perfekt funktioniert.

Oder Medikamente. Es gibt zwar Zigtausende von Apotheken und Hunderte von Pharmaherstellern, doch die sind sich allen Gesundheitsreformbemühungen zum Trotz darin einig, dass in Deutschland nur hochpreisige Medikamente verkauft werden sollen. Niedrigpreisige Angebote werden künstlich verknappt, indem man ihnen die Zulassung versagt, indem man für viele Medikamente und sogar für viele Nahrungsergänzungsmittel per Apothekenpflicht die Hochpreisigkeit kontrolliert und zugleich über die staatlichen Stellen und über Desinformationskampagnen versucht, den Betrieb von preisgünstigen Internetapotheken zu verbieten.

Die Pharmaindustrie macht es vor, wie man im Wettbewerb teuer sein und bleiben kann, wenn man es nur schafft, das preiswerte Angebot knapp zu halten, bzw. zu unterdrücken.

Ähnliches ist bei den Automobilherstellern zu beobachten.Der Reimport von sehr viel billigeren, aus dem Ausland zurückgeholten Neufahrzeugen, die in Deutschland hergestellt wurden, wird nach Kräften behindert. Mit eigenen Händlernetzen, mit Garantiebedingungen und mit der Straßenverkehrszulassungsordnung wird das Angebot an preiswerten Fahrzeugen der eigenen Marke auf dem Binnenmarkt so gering gehalten, dass dem Verbraucher praktisch nichts anderes übrig bleibt, als teuer einzukaufen.


Hohe Preise sind zu erzielen, wenn es gelingt, die Konkurrenz auszuschalten, auf einem (Teil-)markt die Vorherrschaft zu erringen. Jeder Monopolist, jedes funktionierende Oligopol, jedes Kartell verspricht sich mit der Marktführerschaft nicht nur höhere Gewinne aus dem Handel, sondern auch einen überproportionalen Anteil an der im Umlauf befindlichen Geldmenge und damit eine Werterhöhung eben dieses Geldes. Inzwischen ist der Kampf um Marktanteile zu einem branchenübergreifenden Phänomen geworden. Die Telekommunikationsanbieter stehen in der Konkurrenz um die knappe Kaufkraft im direkten Wettstreit mit den Brauereien und den Ölmultis. Nahrungsmittelkonzerne verhindern mit dem überteuerten Absatz von Lebens- und Genussmitteln den Verkauf von Kühlschränken und Schnittblumen. Eine wirkungsvolle Verkaufsoffensive von VW trifft heutzutage nicht nur die Konkurrenz von Opel und Mazda, sondern ebenso die Reiserveranstalter und die Möbelindustrie.


So führt die anfängliche Teuerung auf direktem Wege zu einer Unterversorgung der Wirtschaft mit dem Tauschmittel Geld, in der Folge zu sinkenden Preisen in den nicht von Monopolen beherrschten Branchen und generell zu sinkenden Löhnen.
Das ist Deflation.

Dass die Große Koalition in Deutschland in dieser Situation zu allem Überfluss auch noch die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3 Prozentpunkte beschlossen hat, was hauptsächlich der Haushaltskonsolidierung, also letztlich wiederum der Geldverknappung dienen wird, ist ein zusätzlicher Kick zur Beschleunigung der deflationären Entwicklung.

Dies alles wird von der EZB offenbar nicht wahrgenommen.
Ihr Ziel, die so genannte "Inflations" -rate unter 2 Prozent zu halten, beruht auf einer völlig falschen Analyse.
Die neuerliche Zinserhöhung ist kontraproduktiv.


Doch die Festlegung von Geldmengenzielen und eine entsprechende Steuerung gehören nicht zu den Aufgaben, die von der EZB wahrgenommen werden.

Als ob die ausreichende Geldversorgung der Realwirtschaft völlig egal wäre.




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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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