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Ostereier
am 13. April ist Gründonnerstag

Kommentar zu den allerorten wahrnehmbaren Vorbereitungen
auf ein christliches Fest
Egon W. Kreutzer
7. März 2006

 

Bis Gründonnerstag sind es noch gut fünf Wochen, bis zum Ostersonntag fast sechs, aber irgendwie werden die Eier schon jetzt gelegt.


Als bewährter Osterhase hat sich dieser Tage wieder einmal

Norbert Walter,
der altgediente Chefvolkswirt der Deutschen Bank zu Wort gemeldet:

"Die Löhne müssen für Ältere sinken können, anstatt nach dem Senioritätsprinzip immer weiter zu steigen"

Walter will glauben machen, die Löhne älterer Beschäftigter müssten sinken, damit sie der niedrigeren Produktivität älterer Menschen entsprechen. Nur dann könnten sie in Lohn und Brot bleiben oder einen neuen Job finden.
Vorsichtshalber macht er jedoch Ausnahmen:
In Berufen, in denen Erfahrung und Wissen ganz entscheidend seien - was, wie Norbert Walter glaubt, für das Management zutrifft - könnten die Ältesten die höchsten Gehälter beziehen.


Da kann der nächste Eierleger nicht mehr an sich halten.

7,50 Euro Mindestlohn führt zu "gigantischer" Jobvernichtung

Roland Koch
hat sich mit dieser bemerkenswerten Erkenntnis zu Wort gemeldet, um der SPD zu widersprechen, die - wie Koch gehört haben will - die Meinung vertritt, dass eine Arbeit erst dann "menschenwürdig" sei, wenn ihr Lohn ohne zusätzliche staatliche Hilfen die Existenz sichere. Da irrt Roland Koch natürlich. Schließlich hat die SPD in der Rot-Grünen Koalition einiges dazu getan, dass immer mehr Menschen von dem, was sie verdienen, nicht mehr leben können.


Doch nachdem Koch dieses Prachtei vorgelegt hat, kann

Dieter Althaus
nicht mehr an sich halten und katapultiert sein Osterei mitten in den Verdi-Streik: Er fordert einen deutlichen Personalabbau im öffentlichen Dienst und die 42-Stunden-Woche für die Angestellten des Öffentlichen Dienstes.

"Aus Sicht der neuen Länder, wo schon immer 40 Stunden gearbeitet wurde, wirkt das zähe Festhalten an den 38,5 Stunden im Westen geradezu lächerlich."

So meint der gestrenge Landesvater und verweist darauf, dass seine Staatsdiener in Thüringen längst 42 Wochenstunden dienen.


Nach soviel neoliberalkonservativchristlichunionsdemokratischem Geschwätz fehlt irgendwie eine ausgleichende, sozial- und gerechtigkeitsorientierte Stimme.


Es muss ein alter, noch nicht vollständig abtrainierter Reflex gewesen sein, der

Franz Müntefering
dazu bewegt hat, zu glauben, er könne der Meute Paroli bieten, und, mit frisch übermalten Eiern aus der letzten Saison noch einmal ins Fettnestchen zu treten.

Mit seiner "Initiative 50 plus" will er den Älteren helfen, ihre Beschäftigungschancen zu verbessern. Doch schon die Begründung zeigt, wes Geistes Kind er wirklich ist:

Dadurch soll das Renteneintrittsalter deutlich erhöht werden.

Schaffen will er das, indem er - wen verwundert das - den Arbeitgebern Zuschüsse zahlt und ihnen den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung erlässt.
Die Bundesagentur für Arbeit findet diese Pläne übrigens sonderbar, denn das alles gäbe es - so oder so ähnlich - schon längst, nur nützt es nichts.

...und das war dann ein Eigentor zu viel.


Sie sehen,

die vorösterliche Stimmung im Lande ist bombig.

Dass die kriegsentscheidenden BND-Agenten in Bagdad an manchen Abenden in den Nachrichten mehr Sendezeit belegen als die Vogelgrippe, wundert mich stark. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die einzige im Bewusstsein der Gesamtbevölkerung hängen gebliebene Großtat Gerhard Schröders - nämlich die Entscheidung, die Bundeswehr nicht in die Invasionsarmee der Willigen einzureihen - schnellstmöglich und mit aller zur Verfügung stehenden Feuerkraft der Massenmedien aus dem kollektiven Gedächtnis getilgt werden müsse. Fragt sich nur warum?

Geht es darum, in der langfristigen Strategie den Sozis schon heute die Chancen für die nächsten Wahlen zu verhageln, oder geht es kurzfristig mehr darum, die Teilnahme deutscher Soldaten am nächsten imperialen Feldzug zu erleichtern, nach dem Motto:

Der Schröder hat ja auch mitgemacht, heimlich und verlogen halt, Frau Merkel sagt dem Volk von vornherein die Wahrheit ...


Es war ja auch bombig schön zu sehen, wie unser Oberbundesköhler am Ende des ZDF-Dresden-Opus - kaum dass die Frauenkirche in Trümmern lag, schon wieder eine neue, noch schönere Frauenkirche eingeweiht hat. Da hat es mir endgültig leid getan, eingeschaltet zu haben.

Ich weiß ja nicht, ob Sie sich den Zweiteiler zu Gemüte geführt haben, für den wochenlang im Vorfeld die Werbetrommel gerührt wurde - wenn nicht, es war sowieso nur ein bis zur Unkenntlichkeit verunstaltetes Remake.

 

 

 

Das Original "Vom Winde verweht", mit seiner authentischen Südstaatenatmosphäre, den lebendigen, vielseitigen Charakteren, mit einer erkennbaren und glaubhaften Handlung und einer spannungsbetonten Regie, war um ein Vielfaches besser als dieser mit 10 Millionen Euro Gebührenaufwand produzierte Langweiler, der nichts und niemandem gerecht wurde - außer dass er gezeigt hat, dass Krieg so schlimm nicht ist. Ein Anti-Kriegsfilm war das jedenfalls nicht.


Nun sind wir - die wir nicht selbst dabei waren - wieder ein bisschen abgebrühter.
Wir wissen jetzt, dass wir ja schließlich auch bombardiert worden sind, dass das zwar mordsmäßig wild ausgesehen hat, dass am Ende aber die meisten doch überlebt haben.
Damit wissen wir nun auch, dass wir uns um diejenigen, die jetzt dran sind, mit dem Bombardiertwerden, gar keine Gedanken machen brauchen. Vor allem, weil es immer noch die Amis und die Briten sind, die - allen voran - weltweit mit Bomben und Raketen gegen den Terrorismus und für die Demokratie eintreten, können wir ganz beruhigt sein. Das sind die Guten. Bei uns hat es schließlich auch funktioniert, das mit der Demokratisierung nach dem Krieg.

Vielleicht sollten wir wirklich auch mitmachen. Schon aus Dankbarkeit.


Einer der auch machen will, und sich vorher nicht lange mit Ausprobieren aufhalten will, ist

Ronald Pofalla.
Der will den Kombilohn, also die staatliche Hilfe zur Aufrechterhaltung und Ausweitung menschenrechtswidriger Beschäftigungsverhältnisse, verbindlich und bundesweit zum 1. Januar 2007 einführen. Ohne Wenn und Aber für alle unter 25- und über 50-jährigen Langzeitarbeitslosen - und vor allem will er konsequent von Leistungskürzungen Gebrauch machen, wenn sich wer weigert.



Noch ein Osterhase hatte seinen großen Auftritt, ein echtes Glanzlicht -
aus dem tiefsten Bayern meldet sich

Kurt Falthauser.

Den Namen sollten Sie sich merken, wenn Sie ihn bisher noch nicht kennen. Er hat ein Zauberkunststück vollbracht, das ihm so leicht keiner nachmacht:

Kurt Falthauser ist nämlich bayrischer Finanzminister und sein Zaubertrick hat dazu geführt, dass Bayern 2006 einen Haushalt ohne Neuverschuldung vorlegen kann.


Dass heißt nun nicht, dass Bayern keine Schulden machen wird. Das geht nicht. Wie soll denn die Tilgung der Altschulden finanziert werden, wenn nicht durch neue Schulden? Aber der Schuldenberg soll in 2006 wenigstens nicht wachsen. Das ist Rekord, denn seit vor dreißig Jahren begonnen wurde, die Haushalte der Bundesländer statistisch zu erfassen, ist so etwas noch nie und in keinem Bundesland vorgekommen.

Wie hat er das geschafft?

Nun, das erste Ei, das Kurt Faltlhauser aus dem Zylinder holt, heißt "Schiebung". Dringend notwendige Restaurierungsarbeiten an Gebäuden und Straßen werden in die Zukunft verschoben. Das spart heuer. Später wird's dann teuer.

Das zweite Ei ist schon ein echtes bayrisches Kabinetts- bzw. Kabarettsstückchen. Bayern hat sich nämlich 760 Millionen Euro "bei sich selbst" geliehen. Der Freistaat besitzt einen so genannten "Grundstock" aus Aktien, Gebäuden und Grundbesitz, aus dem diese Dreiviertel-Milliarde Neuverschuldung geholt wurde. Dass diese Neuverschuldung nicht als Neuverschuldung gezählt wird, ist das, was in Bayern unter der Rubrik "Hund samma scho!" verbucht wird, denn schließlich muss das Geld im Laufe von vier Jahren zurückgezahlt werden. Aber wenn es der Fassadenschönheit dient, dann darf der bayrische Finanzminister das, vor allem aber, weil es der bayrische Ministerpräsident so will - und potemkinsche Dörfer sind in Bayern noch nie gesichtet worden.

Dann hat der Faltlhauser noch ein paar echt wertvolle Eier aus dem Safe geholt und unser bayrisches Tafelsilber verscherbelt. 1,2 Milliarden Euro hochträchtig dividendentragendes Volksvermögen (E-ON Anteile), wurden gegen 1,2 Millionen papierenes Bargeld eingetauscht, und die sind im laufenden Haushalt - einmalig - und danach nie wieder als Entlastung zu sehen.

Dass Faltlhauser Kredite des Freistaats an die Flughafen München GmbH und die Flughafen Nürnberg GmbH mit insgesamt 412 Millionen Euro zurückgefordert hat, ist gerade noch verzeihlich,

der Oberhammer sieht aber so aus:

In vergangenen Haushaltsjahren war der Finanzminister ermächtigt, Kredite in bestimmten Größenordnungen aufzunehmen. Die wurden in den jeweiligen Haushaltsjahren nicht völlig ausgeschöpft. Nun schlägt Faltlhauser zu und nimmt 500 Millionen Euro in der Vergangenheit genehmigter, aber noch nicht aufgenommener Schulden auf - zählt die aber, weil sie ja schon früher genehmigt waren, heuer nicht als Neuverschuldung, obwohl es genau das ist.

Noch eine Information für zahlenverliebte Statistiker:

Der Landeshaushalt Bayerns beläuft sich auf rund 35 Milliarden Euro jährlich, die hier angewendeten, nicht beliebig wiederholbaren Tricks belaufen sich auf insgesamt knapp 2,9 Mrd. Euro oder gut 8 Prozent der Haushaltssumme.

Wie oft er den Trick mit dem ausgeglichenen Haushalt noch wiederholen kann, ist offen. Faltlhauser selbst meint, in 2007 und 2008 hätte er noch die Chance, über weitere Tafelsilberaktionen so auszukommen, dass er - nach bewährter Methode - von den Schulden, die er macht, keine als richtige Neuverschuldung ausweisen muss. Danach allerdings braucht Bayern wieder Wachstum - oder eine andere Lösung.


Während also allerorten als Osterhasen verkleidete Raubritter ihre Eier in die Nester legen und hoffen, dass der Michel drauf reinfällt, wie Schneewittchen auf den geschönten Apfel, haben wir beschlossen, tugendsam zu bleiben und den Freunden unserer Seite eine echte Freude zu machen.

 

Osterei No. 1 - der Online-Fortsetzungsroman im Internet

 

 

 

 

Vor ein paar Tagen haben wir damit begonnen, das Buch "Der Goldesel" als Online-Fortsetzungsroman ins Netz zu stellen. Die beiden ersten Folgen sind bereits erschienen - und von nun an kommt - ein halbes Jahr lang - jede Woche eine neue Folge hinzu. Hier geht es direkt zur ersten Folge: http://www.ewk-verlag.de/GEFolgeA1.html

 

Das ist nun aber eher ein Buch für Erwachsene.
Was tun für unsere lieben Kleinen?


 

Osterei No. 2 - die als Kinderbuch verpackte Spende für den WWF

 

Sie könnten am Gründonnerstag damit punkten, dass Sie den "Hasen Donnerstag"
ins Nest legen ("Der Hase Donnerstag und die anderen Tiere aus dem Wäldchen hinter dem Mond")
Das ist ein Hardcover-Buch, gebunden, nicht geklebt, hat viele schöne farbige Zeichnungen und sehr schöne, intelligente Texte zum Vorlesen ab vier Jahren, aber durchaus auch zum Selberlesen bis sieben oder acht.
Dass dieses ziemlich aufwändig hergestellte Buch nur 11,95 Euro kostet, ist im Prinzip schon die reine Osterfreude für den Geldbeutel des Schenkers - dass davon aber immerhin noch 2 volle Euro als Spende an den WWF gehen, um dessen Naturschutzarbeit zu fördern, macht den Hasen Donnerstag zu einer der bestmöglichen, nichtessbaren Nestfüllungen, die wir uns vorstellen können.

Besuchen Sie die Hase-Donnerstag-Sonderseite!
http://www.ewk-verlag.de/F_WWF.html



Ostereier No. 3, 4, 5 - das, was Sie sich ruhig gönnen könnten, weil Sie sich ja sonst nichts gönnen ...

Aber auch sonst hat der EWK-Verlag noch einen ganzen Strauß bunter Eier im Programm, die sich durchaus auch Erwachsene ins Osternest legen dürfen.

Neu erschienen in den letzten Monaten sind

 

 

 

Das zweite große Feuer, ein Fantasy-Zeitreise-Parallelwelten Thriller von Samuel Blome,

 

 

 

 

 

Fremde Augen in meinem Gesicht, die beeindruckende Schilderung der Auseinandersetzung mit einer schweren Krankheit, von Ulrike Andrea Brocke,

 

 

 

 

 

 

Glücklich, wie ein vergessener Schuh, der humorvoll vorgetragene Bericht vom Endstadium einer Ehe, von Anna Stern

 

Schauen Sie einfach mal wieder vorbei: http://www.ewk-verlag.de

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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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