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Die Zahl des Tages?

Ein Kommentar von Egon W. Kreutzer
zur Arbeitsmarktsituation in Deutschland
21. Februar 2006

 

35.919

 

Heute, am 21. Februar 2006 ist meine Statistik zum Stellenabbau in Deutschland um 35.919 vernichtete Arbeitsplätze angewachsen.
(Link zur Statistik am Schluss dieses Kommentars)

Das klingt - im Vergleich zu jenen 1.750 Stellen bei Elektrolux in Nürnberg, von denen die Medien uns seit Wochen bis zum Erbrechen berichten - erstens sehr viel und zweitens vielleicht sogar irgendwie unglaubwürdig.

Doch so viel ist das gar nicht.

Es handelt sich um die gesammelten Meldungen aus vier Kalendertagen. Samstag, Sonntag, Montag - und heute, Dienstag, in einer Zahl. Dass sich alles auf heute konzentriert, weil die drei Tage vorher praktisch nichts zu melden war, das gehört zu den statistischen Zufälligkeiten. Ich komme noch darauf zurück.

 

Der größte Teil dieser 35.919 am 21. Februar erfassten Arbeitsplatzvernichtungen, nämlich 31.500 absehbar vernichtete Jobs, sind direkt dem Wirken der Bundesregierung zuzuschreiben.

Es ist überhaupt aufregend, zu verfolgen, wie viele Stellen der Bund, die Länder und die Kommunen schon kaputtgeschlagen haben und noch kaputtschlagen wollen, um ihre Haushalte zu sanieren. Auch darauf komme ich noch zurück.

 

Zunächst möchte ich - in diesem Zusammenhang (!) - auf die Bemühungen eingehen, das Renteneintrittsalter für die erwerbstätige deutsche Bevölkerung durchgängig auf 67 Jahre anzuheben.

Die rührenden Bemühungen vereinzelter SPD-Politiker um früh verschlissene Dachdecker lenken dabei eher vom Thema ab, als sie nützlich sind.

Dass die Rente mit 67 nur einen Zweck hat, nämlich die effektiv ausgezahlten Renten zu senken, ist jedermann klar. Dass dies sein muss, um die Rentenversicherung und die zuschusspflichtige Staatskasse zu retten, wird behauptet und offenbar von so vielen Menschen in diesem unserem Lande willig geglaubt, dass man vor der Weitsicht derer, die darauf bauen, sich auf so viel Dummheit und Desinteresse verlassen zu können, ehrfürchtig den Hut ziehen muss.

Das Bruttosozialprodukt wächst.

Es ist seit 1949 ununterbrochen gewachsen, und es wächst stetig weiter. Weniger zwar, als angeblich nötig ist, um neue Arbeitsplätze zu schaffen, aber es wächst.

Die Bevölkerung schrumpft.

Sie schrumpft um ungefähr 120.000 Menschen jährlich, weil jährlich ungefähr 120.000 Menschen mehr sterben, als geboren werden.

Im Zusammenhang gelesen kann das nur bedeuten:

Immer mehr geschaffene Güter und Leistungen auf der einen Seite stehen auf der anderen Seite immer weniger Menschen gegenüber. Das sollte doch eigentlich dazu führen, dass jeder einzelne Jahr für Jahr etwas mehr vom Kuchen abbekommt, weil der Kuchen größer wird - und weil weniger davon essen.

Haben Sie davon bisher etwas bemerkt? Nein?
Und wie erklären Sie sich das?

 

Ist das Bruttosozialprodukt eine irreführende Zahl?

Es gibt eine Reihe von aufgeblasenen Dummschwätzern, die wider besseres Wissen lauthals hinausposaunen, das Bruttosozialprodukt (oder Bruttoinlandsprodukt - was nahezu identisch ist) sei ja nur scheinbar gewachsen. In Wahrheit würden ja die Autos in Deutschland gerade noch zusammengebaut, während alle Einzelteile aus allen möglichen Ländern dieser Welt angeliefert und bei uns nur noch zusammengeschraubt werden, so dass unser Bruttoinlandsprodukt eigentlich ein aufgeblasener Ballon sei, mit nichts als heißer Luft drin.

Ist eine solche Erklärung erst einmal in die Welt gesetzt, geniert sich kein Politiker, kein Verbandsfunktionär und schon gar kein Journalist mehr, diesen Blödsinn brühwarm weiter zu erzählen, und dann wird er an den Stammtischen als Wahrheit verkündet, und bevor es zu spät ist, sagt am Ende auch noch der Gewerkschaftsfunktionär, um sein Einknicken bei der Tarifverhandlung und seine Angst vor dem Streik zu kaschieren: "Es gibt ja auch gar nichts zu verteilen. Das deutsche Bruttosozialprodukt ist ja der reine Selbstbetrug, in Wahrheit sind darin die Leistungen von Polen, Tschechen, Ungarn und Österreichern schon viel größer, als der deutsche Anteil."

Lüge! Die Importe sind im BIP nicht enthalten.

 

Sind dann vielleicht die Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung falsch?

Unsere Politprominenz hört nicht auf, sich in tränenumflorten Reden über die veränderte demografische Entwicklung zu ereifern, nur um uns schon heute die Lasten für eine absolute fiktive Bevölkerungssituation in 2050 aufzubürden. Doch wer sich davon nicht kirre machen lässt, erkennt bei näherem Hinsehen eine völlig andere Lage.

Die Bevölkerung Deutschlands ist nämlich, nach den Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden in den 14 Jahren von 1991 bis 2004 jährlich durchschnittlich um rund 200.000 Menschen gewachsen (!), insgesamt waren das knapp 2,8 Millionen Menschen bzw. 3,5 Prozent.

Allerdings: In 2003 ist die Bevölkerung tatsächlich um 5.000, in 2004 um 31.000 Menschen gesunken - und wenn das so weiter geht, werden irgendwann tatsächlich in erkennbarem Maße weniger Menschen in Deutschland leben, als heute.

Dass "die Deutschen" im Gegensatz zur "deutschen Bevölkerung" seit langem weniger werden - um durchschnittlich 94.000 pro Jahr seit 1991, um durchschnittlich rund 120.000 pro Jahr seit 2001, ist eine in der Vergangenheit durch Zuwanderungsströme überdeckte Entwicklung, die jedoch mit unserer Betrachtung, nämlich der Verteilung des in Deutschland von der deutschen Bevölkerung erwirtschafteten Bruttoinlandsproduktes auf eben diese Bevölkerung, nichts zu tun hat.

Setzt man jene 3,5 Prozent Bevölkerungszuwachs seit 1991 ins Verhältnis zum Wachstum des Bruttoinlandsproduktes, dann kommt man, als ein von den Medien irgendwie ganz anders informierter Durchschnittsbürger, zu der überraschenden Erkenntnis, dass das Bruttoinlandsprodukt im Vergleichszeitraum (von 1991 bis 2004) preisbereinigt (!) um 660 Milliarden Euro, also um 42 Prozent und damit 12 Mal stärker gewachsen ist, als die Bevölkerung.

Der Zuwachs an Wohlstand, der sich für jeden Einzelnen bei gleicher Verteilung der in Deutschland erbrachten Mehrleistung rechnerisch ergibt, lässt sich leicht ausrechnen. Jeder einzelne Bundesbürger, jeder Rentner, jeder Arbeitslose, jedes Kind - aber auch jede Gemeinde, jedes Bundesland, ja sogar der Bund selbst sollten sich heute mindestens um ein gutes Drittel mehr leisten können, als vor 14 Jahren.

Haben Sie davon etwas bemerkt? Nein?
Stellen Sie fest, dass Sie sich eher weniger leisten können, dass es ihren Nachbarn ebenso geht, dass die öffentlichen Kassen nie so leer waren, wie heute ...?

Nun, da haben unsere Vorbeter noch eine Erklärung für uns:

Die Herausforderungen der Globalisierung sind es, denen wir uns zu stellen haben. Dabei ist die Globalisierung gut, sie wird uns allen Wohlstand, Glück und Segen bringen, aber - wie in der richtigen Kirche auch - eben erst wenn wir gestorben sind. Bis dahin müssen wir - im doppelten Wortsinne - einfach "dran glauben".

Weil wir im härter werdenden internationalen Wettbewerb bestehen müssen, heißt es, müssten wir alle den Gürtel enger schnallen.

Dass es nur der Export ist, der unsere Wirtschaft überhaupt am Laufen hält, und dass der bloß nicht auch noch wegbrechen darf, wird uns eingeblasen, und wieder plappern es alle nach. Alle Politiker, alle Verbandsoberen, ja sogar der Gewerkschaftsfunktionär erklärt mit einem Schulterzucken, das sei eben die Globalisierung, und entweder, wir arbeiten jetzt 2 Stunden länger, ohne Lohnausgleich, und verzichten auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, oder wir sitzen auf der Straße, weil eben Globalisierung ist.

Dabei sind wir so wettbewerbsfähig auf den internationalen Märkten, dass es kracht.
Wir haben im letzten Jahr 160 Milliarden Euro mehr exportiert, als importiert. Mit unseren deutschen Exporten bestreiten wir ganz alleine weit über 10 Prozent des grenzüberschreitenden Welthandels und alleine unser Exportüberschuss macht 3 Prozent des Welthandels aus.

Dabei stellen wir noch nicht einmal 1,4 Prozent der Weltbevölkerung. Glauben Sie mir, unter den übrigen 98,6 Prozent gibt es sehr viele, die trotz weitaus geringerer Löhne, weitaus geringerer sozialer Standards, weitaus geringerer Umweltschutzauflagen meilenweit davon entfernt sind, uns gegenüber wettbewerbsfähig zu werden. Es ist eher umgekehrt: Die deutsche Wettbewerbsfähigkeit auf den Exportmärkten zwingt die gesamte Konkurrenz dazu, die Arbeitsbedingungen in den eigenen Ländern ebenfalls zu verschlechtern, wenn sie nicht ganz und gar von der deutschen Exportwirtschaft an die Wand gedrückt werden will.

Und was haben wir denn davon, Exportweltmeister zu sein?
Ist es nicht so, dass die Deutschen schuften, und die Empfänger sich ins Fäustchen lachen, weil wir uns für unsere Leistung mit ihrem Geld bezahlen lassen, ohne dass wir jemals mit ihrem Geld bei ihnen einkaufen gehen, um uns einen reellen Gegenwert für das zurückzuholen, was wir geliefert haben?

Und außerdem, wer kassiert denn den ganzen Überschuss? Die Arbeiter und Angestellten in den Fabriken? Die Handwerker, die Verkäuferinnen, die Bauern und Fischer überall im Lande? Bekommt der Staat etwas davon ab?

Nein.

Globalisierung ist ein Spiel der Global Player. Denen ist Deutschland vollkommen egal. Auch wenn sie ihren Sitz in Deutschland haben, interessiert sie nur, wie sie dadurch, dass sie weltweit Menschen gegeneinander in eine unsinnige Konkurrenz hetzen, einen zusätzlichen Gewinn für sich beanspruchen können. Und sie bringen nicht nur Menschen in Konkurrenz zueinander, sondern ganze Staaten. Sie sorgen innerhalb der EU dafür, dass der größte Nettozahler den Aufbau der Billigkonkurrenz in den neuen Beitrittsländern erst finanziert und sich anschließend als "rote Laterne" beschimpfen lassen muss. Das gleiche Spiel wird aber auch weltweit, weit über die Grenzen der EU hinaus gespielt, und statt sich dagegen zur Wehr zu setzen, unterschreiben unsere Politiker eine Vereinbarung nach der anderen, und schreiben es sogar in die europäische Verfassung, dass dem freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und vor allem Kapital keine Grenzen gesetzt werden dürfen.

 

 

So, und nun komme ich zurück auf den Anlass dieses Aufsatzes.

 

Heute ist meine Statistik um 35.919 vernichtete Arbeitsplätze angewachsen. Wer die Statistik kennt, weiß, dass darin seit dem 2. Oktober 2002 alle tatsächlich vernichteten Arbeitsplätze, alle von Insolvenzen betroffenen Arbeitsplätze und alle Ankündigungen für künftige Arbeitsplatzvernichtung aufgenommen werden, sobald sie bekannt werden und absehbar ist, dass sie auch eintreffen werden.

In den 1.238 Tagen, die diese Statistik jetzt alt ist, ist sie auf die Summe von 3,5 Millionen vernichteter Arbeitsplätze angewachsen. Ein Teil davon wird erst noch verloren gehen, aber ein großer Teil ist auch tatsächlich schon verschwunden.

Durchschnittlich pro Tag mehr als 2.800.

Die 36.000 von heute sind also im Grunde nur eine kleine Spitze in einem kontinuierlichen Prozess, der seit über drei Jahren Woche für Woche den Verlust von 20.000 Arbeitsplätzen, jeden Monat den Verlust von 88.000 Jobs mit sich bringt.

Die Tendenz ist wieder steigend. Waren es 2004 noch 846.100, stieg die Jahressumme in 2005 auf 1.079.500 und seit Angela Merkel das Amt des Bundeskanzlers übernommen hat - das sind jetzt 91 Tage, ist die Statistik um 367.396 vernichtete Arbeitsplätze angewachsen - und wenn man das hochrechnet, dann kommt man bereits auf die erschreckende Zahl von fast 1,5 Millionen pro Jahr.

Viel wichtiger ist dieser Tage aber, dass Herr Schäuble irgendwie einen Grund findet, die Bundeswehr im Inneren einzusetzen. Sollte man ihm nicht empfehlen, den Versuch zu unternehmen, die Vogelgrippe von der Fußball Weltmeisterschaft fernzuhalten? Um jeden Spatz, der einem Stadion auf weniger als 50 Kilometer nahe kommt, vom Himmel zu holen, könnte man jede Menge Awacs-Aufklärer fliegen lassen und das gesamte Arsenal von Boden-Luft-Raketen über das die Bundeswehr verfügt, zum Wohle der guten Sache und der Terrorismusbekämpfung verballern. Steinbrück wird in seinem Haushalt schon noch ein paar Milliarden auftreiben, um die Wiederbeschaffung zu finanzieren.

Viel wichtiger ist dieser Tage jedoch auch, dass Herr Steinbrück seinen Haushalt saniert. Das ist aber kein Widerspruch. Die Wirtschaftsweisen haben nämlich ergänzend vorgeschlagen, die Unternehmenssteuern weiter nach unten zu reformieren, damit ausländische Global Player für die Ausbeutung inländischer Arbeitskräfte möglichst weniger Steuern zu bezahlen haben, als irgendwo anders auf der Welt, damit wir im Wettbewerb der Standorte die Nase vorne haben.

Das soll ungefähr 40 Milliarden Euro bringen. Nicht für die Staatskasse, nicht für den Bundeshaushalt - nein, da werden die Milliarden fehlen. Nur für die Unternehmer.

Herr Steinbrück muss dafür die Beamten länger arbeiten lassen, Herr Steinbrück muss die Zuschüsse für den Nahverkehr zusammenstreichen und die Bahn bestmöglich verscherbeln. Dass daraus massenhaft Entlassungen resultieren nimmt Herr Steinbrück nicht zur Kenntnis. Das ignoriert er einfach. Soll doch der Müntefering für Jobs sorgen. Herr Müntefering muss deswegen die Alten zwei Jahre länger auf die Rente warten lassen und Frau Schmidt muss eine Liste machen, auf der die billigen Medikamente aufgelistet sind, die den Kassenpatienten verordnet werden müssen, wenn der Arzt nicht Honorarkürzungen hinnehmen will.

 

31.500 der heute gemeldeten 35.919 Arbeitsplatzverluste gehen auf das Konto öffentlicher Arbeitgeber.

Nimmt man alles zusammen, was in Bund, Ländern und Gemeinden an Arbeitsplatzvernichtung betrieben wird und rechnet man die Streichungen bei Post,Telekom und Bahn, als den ehemaligen Staatsbetrieben auch der Politik an, nimmt man die Bundesbank und die Landesbanken und weitere staatsnahe Organisationen dazu, auch den Abbau der Personalstärke bei der Bundeswehr, der ja Zivilbeschäftigte und Soldaten gleichermaßen trifft, dann sind die öffentlichen Hände in ihrer Gesamtheit der weitaus größte Arbeitsplatzvernichter der Republik.

...und ausgerechnet die bekennen sich mehrheitlich und schamlos zur Forderung nach der Rente mit 67.

 

So lange sie sicher sein können, dass ihnen die Wähler ihre Begründungen abnehmen, werden sie weitersparen und weiter reformieren.

Bis zur Rente mit 99, zur Praxisgebühr von 1.000 Euro, bis hin zu den Null-Euro-Jobs für alle arbeitsfähigen Männer und Frauen zwischen 14 und 98 Jahren. Auch eine Abgeordneten-Versorgungsreform könnte es geben, damit der Abgeordnete in eigener Verantwortung Diäten und Aufwandsentschädigungen in Abstimmung mit seinem Anlageberater selbst festlegen kann. Dazu kommt die zweihundertdreiundreißigste Reformkorrektur zur Rechtschreibreform, in der die Schreibstümper beschließen, wegen erwiesener Reformunfähigkeit des Deutschen, fortan Englisch als Amts- und Landesprache festzulegen, und als Dreingabe wird die Sommerzeit künftig vom 1. Januar bis zum 30. Dezember gelten, aber dafür werden die Uhren während dieser Zeit um volle sechs Stunden vorgestellt.

 

Nun könnten Sie meinen:

"Jetzt übertreibt er aber!"

 

Dazugebe ich Ihnen zwei kleine Hinweise:

1. Der ganz allgemeine Hinweis

Hätten Sie vor zehn Jahren geglaubt, dass wir innerhalb von nur zehn Jahren dahin kommen, wo wir heute sind?

 

2. Der auf die Arbeitsplatzvernichtungsstatistik bezogene Hinweis

Das deutsche statistische Bundesamt und die Bundesagentur für Arbeit führen ja auch so manche Statistik.

Diese Statistiken über die Erwerbstätigkeit der Deutschen sind im Internet in einer ganzen Reihe nicht voll kompatibler Einzelstatistiken versteckt, aber wenn man ein bisschen mitrechnet, dann ist das Bundesamt zu folgenden Erkenntnissen gelangt:

2002 gab es 39.096.000 Erwerbstätige in Deutschland
2005 gab es 38.783.000 Erwerbstätige in Deutschland

Das sind nur 313.000 weniger, und das sieht verdammt danach aus, als sei meine Statistik der Arbeitsplatzvernichtung eine maßlose Übertreibung.

 

Das Bundesamt ist aber auch zu der Erkenntnis gelangt, dass die Zahl der Erwerbstätigen, wegen der Ich-AGs und anderer Hartz-Maßnahmen eine Verschiebung hin zur Selbständigkeit aufweist.

2002 gab es 35.135.000 Arbeitnehmer in Deutschland
2005 gab es 34.671.000 Arbeitnehmer in Deutschland

Das sind schon 464.000 weniger, aber es sieht immer noch danach aus, als sei meine Statistik der Arbeitsplatzvernichtung eine ordentliche Übertreibung, doch richtig spannend wird es erst, wenn man die schwieriger zu findenden Zahlen über die sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze heranzieht, denn darin sind Mini- und Ein-Euro-Jobber und die ganze Scheinbeschäftigungswelt der Hartz-Reformen nicht enthalten.

Diese Zahlen werden von der ehemaligen Bundesanstalt und jetzigen Bundesagentur für Arbeit gepflegt. Danach sieht es so aus:

Okt. 2002 gab es 27.772.000 sozialversicherungspflichtige Jobs in Deutschland
Jun. 2005 gab es 26.114.000 sozialversicherungspflichtitge Jobs in Deutschland

Das ist ein Unterschied von 1.658.000 Jobs - und das in einem Zeitraum von 2,5 Jahren, oder 11 Quartalen. Verlängert man den bis ins erste Quartal 2006 auf einen Betrachtungszeitraum von 14 Quartalen kann der Verlust rechnerisch mit 2,1 Millionen sozialversicherungspflichtiger Jobs angenommen werden.

Dabei ist ein weiterer wichtiger Effekt zu beachten:

Innerhalb der sozialversicherungspflichtigen Jobs nimmt die Zahl der Vollzeitbeschäftigten ab, und die Zahl der Teilzeitjobs steigt steil an. Gab es Ende 2002 noch insgesamt 27.571.000 sozialversicherungspflichtige Jobs, waren davon noch 23.316.000 echte Vollzeitstellen. Schon 2004 war die Zahl der Vollzeitstellen auf 22.213.000 gesunken, hatte sich also um rund 5 Prozent reduziert, die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse fiel insgesamt in diesem Zeitraum aber nur um 4 Prozent. Daraus kann ganz grob geschlossen werden, dass etwa ein Fünftel der Verluste an Vollzeitstellen durch den Aufbau von Teilzeitstellen kaschiert werden. Nimmt man an, dass die Teilzeitstellen durchschnittlich auf 50% der Arbeitszeit der Vollzeitstellen ausgelegt sind, dann ergibt sich dadurch ein weiterer, kaschierter Stellenabbau von 10 Prozent, so dass von den öffentlich zugänglichen Statistiken seit Oktober 2002 ein tatsächlich vollzogener Abbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung um etwa 2,3 Millionen nachgewiesen wird.

...und damit lässt sich meine Statistik absolut harmonisieren.

In den von mir ausgewiesenen 3,5 Millionen sind ungefähr 600.000 bis 800.000 Stellen enthalten, deren Abbau zwar beschlossen und verkündet, aber noch nicht vollzogen ist. Unter anderem die heute gemeldeten 30.000 Stellen bei der Bahn, die für das gesamte Jahr prognostizierten 80.000 Stellen im Handwerk, der Abbau von Beamtenstellen durch die Arbeitszeitverlängerung, die über vier bis fünf Jahre reichenden Abbaupläne bei Post und Telekom und viele ähnliche. Den tatsächlich erreichten Abbau-Stand festzustellen ist dabei nahezu unmöglich, solange nicht in Geschäftsberichten oder anderen Veröffentlichungen wieder aktuelle IST-Zahlen gemeldet werden.

Etwa 100.000 Stellen habe ich als vernichtet gemeldet, weil ich die Wirkung von Arbeitszeitverlängerung, Lohnkürzungen und ähnlichem, in Stellenverluste umgerechnet habe.

Die restliche Differenz ist erstaunlich klein und liegt zwischen 300.000 und 500.000 Stellen. Das werden wohl die in den 1.238 Tagen seit Beginn meiner Statistik-Erfassung neu geschaffenen Arbeitsplätze sein. Zwischen 240 und 400 pro Tag - bei weitem nicht ausreichend, um den fortschreitenden Arbeitsplatzverlust auch nur annähernd auszugleichen.

Das stört Herrn Steinbrück aber nicht.

Der hat die Bahn jetzt abgehakt und sucht nun nach weiteren Milliarden im Haushalt des Arbeitsministers Müntefering.

 

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Zur Statistik Stellenabbau

...und wenn Sie wieder einmal in eine Diskussion über die Werte meiner Statistik verwickelt werden, dann können Sie durchaus auf das hier gelieferte Argumentationsmaterial zurückgreifen.

Und wenn Ihnen das nicht genügt - im EWK-Verlag - einen Mausklick von hier - finden Sie im Bereich Sachbuch gute und weiterführende Literatur - und falls Sie von den Sachthemen die Nase voll haben - Belletristik, Spass- und Kinderbücher gibts da auch: EWK-Verlag


 

a


* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels

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