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Pressefreiheit
im Januar nutzten die Medien die ihnen gewährte Freiheit in einem überwältigenden Maße dazu,
die deutsche Bevölkerung mit Informationen über
Eine Französische Atomschlagsoption, Zwei BND-Agenten, achtzig Vogelgrippetote und 1.750 Electrolux-Mitarbeiter im ehemaligen AEG-Stammwerk zu Nürnberg zu versorgen.

Meinungsfreiheit
ich nutze nun die mir gewährte Freiheit dazu, zwischen den vordergründigen Meldungen und den Hintergründen kommentierend hin und her zu springen. Es gibt Befürchtungen, ich könnte damit zu weit gehen.
Hier ist der Aufsatz:



Die friedlich-befriedende Nutzung
der Atomkraft
und weitere ermutigende Szenarien

Kommentar zum Zeitgeschehen im Januar 2006
von Egon W. Kreutzer
23.01.2006

 

Sie haben gar nicht so viele davon, die Franzosen.

Nur rund 300 atomare Sprengköpfe, so heißt es, stehen unserem europäischen Nachbarn links des Rheins zur Verfügung. Die in Schuss und abschussfähig zu halten, kostet den französischen Staat Jahr für Jahr rund 3,6 Milliarden Euro. Frieden ist teuer.

Da ist es nicht verwunderlich, wenn die französische Staatsführung - vor dem Hintergrund absehbar sinkender EU-Agrarsubventionen - auch nach außergewöhnlichen Möglichkeiten sucht, militärische Betriebskosten zu senken. Nun wird sogar die völlige atomare Abrüstung erwogen.

Der naive Durchschnittsbürger mag vielleicht glauben, zur wirkungsvollen Abrüstung genüge es, die Dinger einfach zu zerlegen, das spaltbare Material in Brennstäbe für Atomkraftwerke umzuwandeln und von dem erzielbaren Verkaufserlös ein paar schicke Hubschrauber anzuschaffen - doch so einfach ist die Welt nicht.

 

Was würde wohl der BND dazu sagen?

Ganz gewiss sitzt auch in Paris eines jener erfolgreichen Agentenpärchen des Bundesnachrichtendienstes (im internen Sprachgebrauch sogenannte "Doppelagenten") in einer konspirativen Wohnung hoch über der Seine und wartet. Wartet auf eine Anfrage aus dem Pentagon. Wartet darauf, endlich mitteilen zu dürfen, wo die französische Regierung ihre Massenvernichtungswaffen versteckt hat.

Deutschland wird ja schließlich nicht nur an seiner Ostgrenze am Hindukusch verteidigt, wo Osama bin Laden sein ruchloses Spiel mit den immer noch vermissten Massenvernichtungswaffen des Irak treibt, nein, auch an der Westflanke sind wir verwundbar - vor allem, wenn da der ramponierte Präsident eines insgesamt verfassungsfeindlichen Volkes (wer hat denn die EU-Verfassung abgelehnt?) beim Versuch, das Gesicht zu wahren, mit entschlossener Eloquenz von seinen Massenvernichtungswaffen spricht.

Wer im Deutschen Bundestag - egal ob als Regierung oder als Opposition - das Gefühl haben will, es gäbe einen deutschen Einfluss auf das Weltgeschehen, der muss - heute fester und unerschütterlicher denn je - an die kriegsentscheidende Kraft von zwei oder drei BND-Mitarbeitern glauben.

Die atomare Abrüstung Frankreichs nach konventionellem Muster würde diesen frommen Traum zerstören. Der BND hätte ein ganz erhebliches Problem, unter derart veränderten Bedingungen seine Zuverlässigkeit und damit Deutschlands Weltmachtrolle zu erhalten. Noch wissen unsere cleveren Jungs dort in Paris wahrscheinlich auf den Zentimeter genau, wo die Franzosen ihre Nukes gebunkert haben - aber wenn die nun "angeblich" abgebaut und demontiert würden, dann finge der ganze Ärger wieder von vorne an. Haben sie nun noch welche, oder nicht? Wenn ja, wie viele und wo? Natürlich müsste man davon ausgehen, dass sie noch welche haben - alles andere wäre mehr als naiv - aber dann muss man auch wissen wo, sonst haut der große Freund seine Cruise Missiles wieder einmal voll in die Hochzeitsgesellschaft - wieder ganz ohne den erhofften Bunker unter dem Tanzboden.

Und wenn der präzise chirurgische Schlag wegen unzulänglicher Koordinaten zwei, drei Mal hintereinander schief gehen sollte, dann schöpft der große Freund Verdacht.

Hat der BND, haben die zwei verdammten - wie immer kriegsentscheidenden - Deutschen in Paris eine geheime Verabredung mit den Franzosen? Wollen sie die Ziele nicht preisgeben? Droht Gefahr für die ganze freie Welt? Entsteht gar eine neue Achse des Irgendwas?

 

Nein, so geht das nicht. Man kann Atomwaffen nicht "einfach so" wieder aus der Welt schaffen. Das glaubt niemand, das gibt nur Ärger.

Wenn man Atombomben glaubhaft und beweiskräftig loswerden will, dann muss man sie zünden. Und das muss man vorher ankündigen, damit es auch jeder mitbekommt und von der ersten Explosion an - von 300 aus - 'runterzählen kann bis auf Null. Erst dann ist abgerüstet. So oder so.

 

Das ist wie mit Mitarbeitern.

Wenn man Menschen glaubhaft und beweiskräftig loswerden will, dann kann man doch nicht damit anfangen, noch lange zu überlegen, ob man sie nicht noch anderweitig beschäftigen könne, ob man nicht lieber hier investiert, statt dort, ob man nicht auch an ihnen wenigstens noch ein bisschen verdienen könnte ...

Wenn man Mitarbeiter nicht mehr brauchen will, dann muss man kündigen.
Betriebsbedingt und unerweichlich.

Sonst glaubt das doch keiner. Sonst heißt das doch, das ganze sei ein Taschenspielertrick, um Tarifverträge zu umgehen, um in langen Jahren erworbene Besitzstände zu knacken, um die Ausbeutung noch raffinierter, noch intensiver, noch profitabler zu betreiben.


Das haben die Herren von Electrolux erkannt.

Ende März 2005 verkündeten sie, dass sie die Hälfte ihrer 23 Standorte in Hochlohnländern schließen werden. Auch Nürnberg und Rothenburg könnten davon betroffen sein.

Das haben die Politiker und Gewerkschafter vollkommen verschlafen. März 2005, da war Schröder noch Kanzler, da hatte es gerade jenen wunderbaren "Jobgipfel" gegeben
http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/14031DasistdochderGipfel.html
auf dem zwar nichts für die Schaffung von Jobs, dafür aber die Senkung der Körperschaftssteuer beschlossen wurde. Wer wollte in dieser Aufbruchstimmung Negatives über die erklärten Freunde des deutschen Volkes, die rundum hofierten ausländischen Investoren sagen?

Dass von den 1.750 Arbeitsplätzen in jenem Werk, das heute von Nostalgikern so gerne als AEG-Stammwerk bezeichnet wird, mindestens die Hälfte, nämlich 875 hopps gehen würden, wurde damals nur in meiner Statistik über Arbeitsplatzvernichtung und Stellenabbau in Deutschland prognostiziert.

Ein Vierteljahr später hatte Herr Rüttgers eine Wahl gewonnen, Gerhard Schröder warf den Büttel hin und verlangte nach Neuwahlen und nach der Bestätigung seines verheerenden wirtschafts- und sozialpolitischen Kurses.
http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/14036Newpoliticalwirrness.html
Wieder keine Gelegenheit, sich um 1.750 Jobs in Nürnberg zu kümmern.

Prompt kam aus der schwedischen Electroluxzentrale eine neue, präzisere Ankündigung. Am 10.06.2005 habe ich die 1.750 Stellen als endgültig verloren in meine Statistik aufgenommen. Niemand, der damals mit offenen Augen durch die Welt ging, konnte daran noch zweifeln. Doch Friedhofsruhe in der Politik, Friedhofsruhe in den Gewerkschaften, Friedhofsruhe in Nürnberg.

 

Warum auch aufregen?

In den drei Monaten von April bis Juni 2005 war deutschlandweit der Verlust von 268.000 Arbeitsplätzen beschlossen und verkündet worden. Sehen Sie sich einfach noch einmal im Archiv um:
http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/12700garchiv18.html
Die Größenordnung von 1.000 und mehr in Deutschland abzubauenden Arbeitsplätzen
erreichten in diesem Quartal:

 

Frankfurter Sparkasse - FraSpa

 900

Lanxess (Ex-Bayer-Chemie-Ausgründung)

 1.000

T-Mobile

 1.200

Siemens VDO

 1.200

Spar, Einzelhandelskette

 1.262

AXA Versicherungen

 1.378

Nord LB

 1.900

Bundesbank

 1.958

Commerzbank

 2.000

Grohe

 2.000

IBM

 2.500

Audi

 2.500

Charité

 3.000

MAN Fahrzeugbau

 3.000

Brandenburg, Bundesland

 3.677

Bosch

 4.000

Sachsen-Anhalt, Bundesland

 5.500

Nordrhein-Westfalen, Bundesland

 18.700

Steinkohle, durch beschleunigten Subventionsabbau

 20.000

Zuckeranbau und -Verarbeitung, wegen neuer EU-Zuckerrichtlinie

 22.000

Alu- und Stahlerzeugung, wegen Vattenfalls Energiepreispolitik

 25.000

Karstadt-Quelle

26.000

Handwerk insgesamt

 62.500

   
   

 

Also, da war das Electrolux-Werk in Nürnberg doch gar nicht wahrzunehmen.

Warum ausgerechnet jetzt, wo das neue Werk in Polen in Betrieb genommen ist, also zum dümmstmöglichen Zeitpunkt gestreikt wird, ist nicht nachzuvollziehen. Wenn es einen geeigneten Zeitpunkt für Maßnahmen gegeben hätte, dann wäre das im April 2005 gewesen. Heute kann man damit eigentlich nur noch versuchen, erfolgreich den Beweis zu führen , dass jeder "Streik an sich" völlig zweck-, sinn- und nutzlos ist.

Aber Rotkäppchen will ja bis zuletzt ganz fest daran glauben, dass der Wolf sein Freund ist.

Auch wenn es schon gefressen ist, träumt es noch davon, genau dadurch dem feschen Jägersmann die Chance zu geben, zum Helden zu werden, und dass der den Wolf erlegen und sie befreien und heiraten und hoppsassa ...

 

Traumtänzer.

Wahr ist, am 29.06.2005 - also zu dem Zeitpunkt, als definitiv klar war, dass die 1.750 Jobs verloren gehen, hatte die Statistik der Arbeistplatzvernichtung den Stand von 2,775 Millionen erreicht. Seitdem sind rund 200 Tage vergangen. Der Endstand lautet nun 3,440 Millionen.

Das entspricht einem Zuwachs von 3.300 verlorenen Jobs pro Tag, an jedem verdammten einzelnen Tag dieser knapp sieben Monate.

Ist es da nicht zum Kotzen, dass in den Medien seit mindestens vier Wochen über nichts anderes berichtet wird, als über die vergleichsweise lächerlichen (Entschuldigung, Kollegen in Nürnberg, das geht wirklich nicht gegen euch!) 1750 Ex- AEG- Jobs?

 

Aber wir sprechen über Abrüstung.
Chirac will Atombomben entsorgen -

und der Iran bietet sich für diese Form der forcierten Abrüstung geradezu an.

Nicht nur, dass die Franzosen über viele lange Exiljahre jenen Herrn Khomeni aufbewahrt und gehätschelt haben, der zum Begründer des islamischen Gottestaates wurde, weil sie meinten, ihn brauchen zu können, um im richtigen Augenblick den Schah zu stürzen - und dass der dabei unerwartet eingetretene Kontrollverlust nun wirklich endlich korrigiert werden sollte, nein, es gibt noch viele weitere positive Aspekte.

Die haben nämlich viel Platz, die Iraner,

und nicht viel gemacht, aus ihrer Wüste. Wenn man einigermaßen vorsichtig um die paar großen Städte herumbombt, dann kommen zwei Drittel der Iraner mit dem Schrecken davon. Das sind dann immer noch gut 40 Millionen, das sollte - im Angesicht der weltweiten Überbevölkerung - vollauf genügen. Gut, vermutlich werden die Israelis ebenfalls noch ein paar ihrer 200 Sprengköpfe entsorgen wollen, und GWB wird es sich nicht nehmen lassen, den roten Knopf für den Erstschlag auf die alte Siemens-KWU-Atomruine in Bush-here eigenhändig bis zum Anschlag in die Konsole zu rammen, aber da muss man eben koordinieren.

So schlimm wird es schon nicht werden.

Japaner gibt es schließlich auch noch rund 130 Millionen, trotz Hiroshima und Nagasaki, und trotz der Vogelgrippe, die ihre Todesopfer ja bekanntlich ganz überwiegend in Asien gefordert hat.
Wenn also selbst der Einsatz atomarer Waffen und die Vogelgrippe gemeinsam die vitale Lebenskraft der Völker im Nahen und Fernen Osten bisher nicht zu brechen vermochten, warum sollte dann ein bisschen Krieg im Iran ein Fehler sein? Die Menschheit geht dadurch nicht unter.

Und schließlich heißt ein kluges Wort:


Wehret den Anfängen!

Da kann der Anfang noch so klein sein - wer suchet, der findet. Es reicht doch der Verdacht. Was ist aus einem kleinen Verdacht nicht schon alles an Unglück entstanden. Der bohrt und nagt doch, so ein Verdacht, der lässt dich nicht mehr ruhig schlafen. Da könnte doch ..., und wenn ..., was dann?

Also kommt es primär darauf an, jeglichen Verdacht ausrotten. Mit allen zu Gebote stehenden Mitteln, konventionellen, und anderen, wie es J. Chirac so feinsinnig formulierte. Erst wenn der letzte Verdacht ausgeräumt ist, ist auch die Bedrohung ausgeräumt.

In der Quantenmechanik ist das Prinzip anerkannt (und gottseidank kennt sich Angela Merkel mit Physik besser aus als ihr Vorgänger):

Einzig alleine vom Beobachter und seiner Erwartungshaltung hängt es ab, ob ein Teilchen, oder eine Welle, oder gar nichts erscheint. Bush hat das intuitiv drauf. Dick Cheney und Tony Blair schaffen das auch ganz mühelos: Der Verdacht schafft die Fakten - nicht umgekehrt.

Wie käme es sonst zu der Einschätzung, die wirkliche Bedrohung der Menschheit sei und bleibe der internationale Terrorismus, dessen Tonbänder und Videos alle paar Wochen alle 6 Milliarden Menschen in Angst und Schrecken versetzen?

Diese einzige, letzte Bedrohung, die sich gegen die freizügige Nutzung der Öl- und Gasreserven der Global Player ebenso wendet, wie gegen die Freiheit des Kapitals, die Brüderlichkeit des Reichtums und die Gleichheit der Haltungsbedingung der globalen Humanressourcen, diese Bedrohung kann und muss eingedämmt werden.


Wehret den Anfängen!

Noch kann dem Iran bewiesen werden, dass auch seine Souveränität dort endet, wo die Freiheit des großen Freundes und der Willigen beginnt. Am Sinn dieses Kampfes zu zweifeln, das ist eine gefährliche Mixtur aus Dummheit und Defätismus. Denken Sie an Heisenberg und die Unschärferelation! Wo ein Verdacht ist, werden Fakten geschaffen - nicht umgekehrt!

Nach dem gleichen Motto, "Wehret den Anfängen!", kämpfen wir ja schließlich auch gegen die Vogelgrippe. Die mediale Ausbeute der Vogelgrippe ist der Ausbeute aus der unternehmerischen Entscheidung des Electolux-Vorstandes mindestens ebenbürtig.
(Mediale Ausbeute: volkswirtschaftlicher Wachstumsfaktor, gibt das Verhältnis zwischen dem Volumen der Ursprungsinformation und der durch Wiederholung und Nachplappern transportiertern Gesamtinformationsmenge an, ausgedrückt in Kilo-, Mega- und Giga-Kerner)
Die Vogelgrippe hat inzwischen den Wert von 800 Giga-Kerner erreicht und bläht sich weiter mit unvermindertem Tempo auf.

Weltweit sind in den Jahren 2004 und 2005 tatsächlich insgesamt 80 Menschen an der Vogelgrippe gestorben - mehr waren es nicht! Aber hält uns das davon ab, die gesamte Weltbevölkerung unaufhörlich zu warnen? Hält uns das davon ab, unsere klügsten Köpfe, soweit sie nicht anderweitig gebraucht werden, mit dem Kampf gegen die Vogelgrippe zu betrauen und ihnen, auf einer einzigen Geberkonferenz, gleich 1,9 Milliarden Dollar zur Verfügung zu stellen?


Das ist doch phantastisch!

Dass so viel Geld für so wenig Vogelgrippe aufgebracht wird, gibt aber auch einen Einblick in die wahren Dimensionen der globalen Abwehrschlachten. Dass 1,9 Milliarden USD für 80 Vogelgrippeopfer ausgegeben werden, muss doch in der Extrapolation zeigen, wie viel mehr uns die Verteidigung von Freiheit und Demokratie und allen anderen Grundwerten, des großen Freundes wert sein müssen. Das lässt sich mit Geld alleine gar nicht mehr ausdrücken. Da geht es dann auch um abstrakte Werte. Wir werden wohl - bis auch der letzte Verdacht ausgeräumt ist - Abschied nehmen müssen von jeglicher Gefühlsduselei und wohl auch als Deutsche endlich fest zu unseren Verbündeten zu stehen haben. Es wird Grausamkeiten geben, das lässt sich im Krieg nicht vermeiden, aber das doch nur, damit es später nie mehr solcher Grausamkeiten bedarf. Nehmen wir diese Last freudig auf uns. Tragen wir die verdachtsausräumenden Sprengköpfe mitten hinein in alle Schurkenstaaten dieser Welt. Unser Gott wird - wie immer - mit uns sein.


Hier noch ein paar kleine Nebenrechnungen:

Nach nur 80 Vogelgrippetoten stehen zur Vermeidung weiterer Opfer 1,9 Milliarden Dollar zur Verfügung. Das ist einerseits zwar immer noch recht wenig:

Frankreich, zum Beispiel, kann seine Atomstreitmacht damit gerade ein halbes Jahr über Wasser halten, den USA reicht das noch nicht einmal zwei Tage lang, um ihren siegreichen Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu finanzieren,

aber andererseits ist das ein ganzer Haufen Geld:

Umgerechnet hat nämlich jedes einzelne Vogelgrippeopfer eine Spende der Weltgemeinschaft in Höhe von knapp 24 Millionen Dollar eingeworben.

 

Klar, solche Summen kann man sich natürlich nicht bei allen Arten von Opfern aller möglichen Malaisen leisten. Da wären wir schnell pleite. Da muss man bedächtig wählen, sonst wird das nichts. Klotzen kann man eben nur, wenn es gilt, den Anfängen zu wehren - nicht, wenn das Kind schon im Brunnen liegt.

Stellen Sie sich vor,

man wollte den gleichen Aufwand wie zur Bekämpfung der Vogelgrippe auch zur Bekämpfung des Hungers betreiben.

Da käme man nicht weit, mit 1,9 Milliarden Dollar.

Schließlich verhungern jedes Jahr rund 9 Millionen Menschen.

Jeden Tag ... v e r h u n g e r n ... ungefähr 25.000 Menschen.

Wie will man da noch helfen?
Wo doch jetzt schon kein Geld mehr da ist.

 

Und wenn man mit dem Hunger erst anfängt, wo will man da noch aufhören?
Die meisten Menschen sterben doch sowieso, früher oder später. Das lohnt sich schlicht nicht.

 

Mit der Vogelgrippe ist das anders.

Da werden jetzt die privaten Tierbestände vernichtet. Da wird Platz geschaffen für großzügiges Denken, für Massentierhaltung unter vorzüglicher tierärztlicher Aufsicht, da wird ein Markt geschaffen, für Hormone und Antibiotika, als Masthilfsmittel und zur Krankheitsprophylaxe, da ist ein wirtschaftlicher Aufschwung in Sicht, mit der begründeten Hoffnung, dass sich dieses wunderbare, wandlungsfähige Virus eines Tages auch tatsächlich von Mensch zu Mensch übertragen lässt und dass es damit noch eine zweite medizinische Aufschwungswelle auslöst, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Da muss man doch vorne dabei sein, da lohnt es sich, zu investieren.

 

Gut,

wenn Ihnen der Hunger wichtiger ist, als die Vogelgrippe, dann spenden Sie halt!


Was ankommt, können Sie dann im Fernsehen betrachten - jedenfalls den Ausschnitt, den die Kamera gezeigt bekommt. Falls das Wetter gut ist, und die Hubschrauber fliegen, und die Dörfer erreichbar sind ...
Wir haben in jedem Teil der Welt Korrespondenten, die schnell und unbürokratisch sowohl auf den Ausbruch von Katastrophen, wie auf die Ankunft erster Hilfsgüter zu reagieren gelernt haben.

 

In Wahrheit ist das doch naiv.

Professionelles Spendensammeln ist ein Geschäft, bei dem es nur auf die Gewinne der Spendeneinwerber ankommt. Die Höhe dieser Gewinne ist davon abhängig, wie viel gesammelt wird - und davon, wie viel davon an die Bedürftigen abgegeben werden muss. Wenn dreißig, vierzig, oder noch mehr Prozent Ihrer Spende bei der Drückerkolonne bleiben, die ihnen den heruntergerissenen Spendensammler an die Haustür schickt, wenn weitere 10, 15 oder 20 Prozent als Verwaltungskosten bei der Hilfsorganisation hängen bleiben, die Sie eigentlich unterstützen wollten, und sich am Ende bewaffnete Banden und korrupte Beamte in den Empfängerländern den Großteil der durchgekommenen Spendenmittel unter den Nagel reißen, dann sind Sie doch am Ende - Verzeihung - ebenso verarscht, als hätten Sie Ihr Geld gleich einem fiktiven Friedenssicherungsfonds der US-Army überwiesen, der sich - seinen Statuten zu Folge - zur Aufgabe gemacht hat, sowohl die Entwicklung, wie auch den Einsatz von Landminen aller Güteklassen weltweit da zu verhindern, wo US-amerikanische Interessen davon nicht beeinträchtigt werden.

 

Nein, so wird das nichts.

Was wir miteinander sinnvoll bekämpfen können, ist der Terror. Dass sich dabei gleichzeitig eine einzigartige Chance der atomaren Abrüstung ergibt, hat uns Jacques Chirac gerade deutlich gemacht.

Wir können nur hoffen, dass auch die USA, China, Pakistan, Indien, Großbritannien, Russland und die Israelis sich an diesem globalen Abrüstungsspektakel beteiligen.

Sollte der Platz dafür im Iran nicht reichen - unseren in 172 Ländern der Welt stationierten BND-Doppelpacks wird es keine Mühe bereiten, ergänzende Deponiegelände auszuweisen.

 

So, und nun machen Sie sich nicht gleich in die Hosen.

Das hat auch für Sie Vorteile. Ist der internationale Terrorismus nämlich erst einmal mit der Kraft der Nuklearwaffen besiegt, gibt es automatisch auch keinen Hunger mehr, auf der Welt. Sie müssen sich also nicht mehr ängstlich fragen, ob Ihre Spende auch bei den Bedürftigen ankommt - es wird keine mehr geben.

Alles was möglicherweise bleibt, ist die Bedrohung der letzten Albatrosse durch die Vogelgrippe.


 

Wenn Sie mir auf meinem verschlungenen Weg durch die medialen Kulissen, mit denen die Bühne des politischen Handelns in einen sichtbaren und einen unsichtbaren Teil getrennt wird, gefolgt sind, wird es Sie nicht überraschen, wenn ich diesen Aufsatz mit einigen wenigen Gedanken zum Thema Überbevölkerung beschließe.

 

Unsere Welt trägt derzeit rund 6,3 Milliarden Menschen.

Das ist viel, es ist möglicherweise schon die Grenze dessen, was mit unseren derzeit geübten Verhaltensweisen möglich ist.

Irgendwann werden wir uns - global - auf Bevölkerungsziele einigen und ihre Einhaltung kontrollieren müssen, wenn der Kollaps der Humanpopulation vermieden werden soll. Eigentlich sollten wir klüger sein, als Bakterien in der Petrischale, die sich so lange vermehren, bis die verfügbare Fläche gefüllt und die Nährlösung verbraucht oder vergiftet ist. Doch es sieht nicht so aus.

Was sich derzeit auf unserem Globus abspielt, ist der Kampf um die Reste der Nährlösung. Er wird mit immer größerer Härte und unter immer windigeren Vorwänden geführt.

 

Dabei unterscheidet sich die militärische Kriegsführung in ihren Wirkungen in nichts von der wirtschaftlichen Kriegsführung.

Menschen, die weder als Arbeitskräfte gebraucht werden, noch in der Lage sind, ihre Rolle als profitversprechende Konsumenten auszufüllen, wandern gnadenlos als "Überbevölkerung" auf den Misthaufen der Weltgeschichte.

Man braucht die Iraner nicht,
um das Öl des Iran zu fördern und zu verbrennen.
Sie sind überflüssig.

Man braucht die Nürnberger AEG-Belegschaft nicht,
um Waschmaschinen zu bauen,

und man braucht sie nicht, um Waschmaschinen verkaufen zu können. Ein Land, das sich darauf spezialisiert hat, die Leistungen seiner Menschen zu exportieren, kann auf jeden Bewohner verzichten, der nicht direkt oder indirekt export-produktiv ist.

Nach einigermaßen verlässlichen Quellen gibt es in Deutschland derzeit nur noch 26,6 Millionen sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse. Die braucht man scheinbar noch. Wollte man den Produktionsfaktor Arbeit in dieser Größenordnung behalten und geht man in schönstem neoliberalen Realzynismus davon aus, dass die Menschen in diesem Land von der Geburt bis zum 20 Lebensjahr überwiegend in Ausbildung stehen und dann bis zum 60. Lebensjahr eingesetzt werden können, braucht man weitere 13,3 Millionen Kinder und Heranwachsende, um den Nachschub sicherzustellen. Hinzukommen, wenn man aus lauter Gefühlsduselei an der überholten Lebensabend-Romantik festhalten will, weitere 12 Millionen Rentner.

Das sind in Summe rund 51,9 Millionen Menschen. Zum Ausgleich krankheitsbedingter Ausfälle und schwangerschaftsbedingter Leistungseinschränkungen sollte ein pauschaler Zuschlag von 5 Prozent genügen. Dann sind das 54,5 Millionen. Dazu kommen etwa zwei Drittel der weiterhin erforderlichen, nicht sozialversicherungspflichtigen Beamten, gibt 57,2 Millionen, und wenn man das auffüllt, mit den Freiberuflern und Selbstständigen, den Unternehmern und den Anlegern, die den Rahm abschöpfen, dann ist Deutschland mit 60 Millionen Menschen bestens bedient.

 

Der Rest ist Überbevölkerung.

Doch zwischen der zynischen Fiktion und der Realtität des Jahres 2006 klafft kaum eine Lücke. Lassen Sie uns addieren:

Arbeitslose mit Anspruch auf Arbeitslosengeld I

 1,65 Millionen

Arbeitslose und Nichterwerbsfähige im ALG II Bezug

 
7,65 Millionen

Arbeitslose in "Umschulungen" etc.   1,48 Millionen
Mitglieder von Bedarfsgemeinschaften denen der eigene Anspruch verweigert wird

 
1,80 Millionen

   
Summe erfasster und von staatlichen Sparmaßnahmen getroffener Überflüssiger

 
12,58 Millionen

Was noch fehlt, auf den IST-Bestand von 82 Millionen Menschen der deutschen Bevölkerung, das sind immer noch zu viele Kinder und Heranwachsende und natürlich - von wegen Lebensabendromantik - immer noch viel zu viele Rentner.

Die Zusammenhänge zwischen Arbeitslosigkeit und Überbevölkerung, und die Funktion der Sozialkassen in diesem Spannungsfeld habe ich in meinem Buch "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre - Band II" - auch unter dem Aspekt globalisierten Wirtschaftens - ganz ausführlich beschrieben. Es befasst sich außerdem mit den großen Verheißungen des Kapitalismus - von "Chancengleichheit" bis "Wohlstand für alle" - und mit der Frage, warum diese Verheißungen immer weniger erreichbar erscheinen. Aber das Buch begnügt sich nicht mit Analyse und Kritik, es weist auch einen gangbaren Ausweg. Sie sollten es lesen - und selbst etwas tun. Es ist möglich.

So ist es zum Beispiel ein wunderbarer Erfolg, dass es Bolivien gelungen ist, nachdem dem Land von der Weltbank die Liberalisierung der Wasserversorgung aufgezwungen worden war und der amerikanische Konzern "Bechtel Group Inc. Corporation" 1999 die Konzession zur Wasserversorgung erhalten hatte, diesen Schröpfkopf in diesen Tagen wieder abzuschütteln. Binnen weniger Wochen waren seinerzeit die Wasserpreise um 200 Prozent gestiegen, es kam zu landesweiten Aufständen und nach Monaten heftiger Auseinandersetzung zunächst zur Flucht der Bechtel-Manager, zur Aufhebung der Konzession- und dann zu einer Schadensersatzklage gegen das Land wegen der "Verweigerung des freien Marktzuganges".
Bolivien hat Bechtel nun abgeschüttelt. Es wird auch keine Schadensersatzzahlungen geben.

 

Wer nun glaubt, Südamerika ist weit, der irrt!

Auch von der EU wird die "Liberalisierung des Wassersektors" ultimativ gefordert - und die blöde EU schreibt das auch noch in den Verfassungsentwurf. Hier ein Auszug aus meinem Kommentar "EU in schlechter Verfassung":



Das Ende der öffentlichen Aufgaben

Versteckt im Kapitel III des Titels V des Teils III findet sich unter der Überschrift
"Gemeinsame Handelspolitik", das Bekenntnis der Europäischen Union zur vollständigen Globalisierung, Liberalisierung und Privatisierung des Welthandels.
Der Abschluss internationaler Handelsabkommen liegt demnach künftig nicht mehr bei den Mitgliedsstaaten sondern in der Kompetenz der Union und im Normalfall beschließt der Rat(!) darüber mit qualifizierter Mehrheit. Müllabfuhr, Straßenreinigung, Wasserversorgung, Kanalisation, Straßenbahn und Politessen, alles sind Dienstleistungen, die künftig dem freien internationalen Handel offen stehen sollen. Auch der Handel mit Dienstleistungen des sozialen, des Bildungs- und Gesundheitssektors unterliegt grundsätzlich der Verhandlungs- und Vertragsfreiheit des Rates.

Was das bedeutet?

Nun, stellen wir uns vor, ein malerisches Örtchen im bayrischen Voralpenland mit dem schönen Namen Niederoberauendorf betreibt zur Wasserversorgung seiner Einwohner einen Brunnen, der klares Quellwasser bester Qualität liefert, das ohne chemische Aufbereitung in das Leitungsnetz gespeist werden kann.
Ein Explorationstrupp des US-amerikanischen Nahrungs- und Futtermittelriesen ALLFOOD entdeckt diese Quelle und verlangt eine Ausschreibung für den Betrieb der Niederoberauendorfer Wasserversorgung. Die Gemeindeverwaltung meint zwar, die Wasserversorgung sei bei ihr in besten Händen und will von einer Ausschreibung nichts hören - doch ALLFOOD zieht vor Gericht und bekommt Recht. Niederoberauendorf muss die Wasserversorung ausschreiben und sich selbst, als Konkurrent von ALLFOOD darum bewerben, auch in Zukunft die eigenen Bürger mit eigenem Wasser versorgen zu dürfen.
Die Gemeindeverwaltung rechnet korrekt und ermittelt einen Abgabepreis von 8.50 Euro pro Kubikmeter. ALLFOOD bietet die gleiche Leistung für 4.50 Euro an und bekommt den Zuschlag.
Hinfort tropft in Niederoberauendorf eine Mischung aus stark gechlortem Uferfiltrat vom Bodensee und Tiefenwasser aus einem Badesee in Franken aus der Leitung. Für 4.50 Euro pro Kubikmeter. Nur das gute Niederoberauendorfer Brunnenwasser gibt es in Niederoberauendorf nicht mehr. Das wird in 0,2 l Fläschchen abgefüllt und nach Dubai verschifft. Dort bringt es ALLFOOD einen Nettogewinn von ungefähr 10.000 Euro pro Kubikmeter.
Doch am Vertrag ist nicht zur rütteln. Die Wasserversorgung ist gewährleistet und der Brunnen der Niederoberauendorfer wird von ALLFOOD - wie zugesichert - ganz vorbildlich in Stand gehalten.
Weitere Beispiele ließen sich nach Belieben finden. Allen ist eines gemeinsam: Jeder Investor, der eine bisher öffentliche Dienstleistung übernimmt, will und muss damit Gewinne machen. Dies ist in aller Regel nur möglich, wenn Personal abgebaut und die Qualität oder der Umfang der Leistung eingeschränkt wird.


Wir sollten uns immer daran erinnern, dass sich die Menschen einst den Staat und die öffentlichen Einrichtungen geschaffen haben, um eine Organisation zu haben, die Aufgaben übernimmt, die man lieber nicht in private Hände legen sollte und wir sollten uns daran erinnern, dass man korrupte Strukturen in öffentlichen Haushalten entdecken und unschädlich machen, unrentable Funktionen untersuchen und durch zeckdienliche Maßnahmen auch in öffentlicher Verantwortung wieder wirtschaftlich machen kann, solange man als Bürger politischen Einfluss darauf hat.
Einen profitgierigen Unternehmer, der für sich ganz legal einen beliebig hohen privaten Gewinn abzweigt, den wird man nicht wieder los. Weder in Niederoberauendorf, noch sonstwo.

- und hier der Link zum vollständigen Aufsatz.
http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/14024EuropVerfassung.html




Vielleicht gibt es ja im Januar noch eine wirkliche Nachricht - dann melde ich mich natürlich noch einmal. Ansonsten bricht jetzt sowieso mit Macht die närrische Zeit über uns herein.

Nicht vergessen, schon am 1. März ist Aschermittwoch, danach ist Schluss mit Lustig.

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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
Viele grundsätzliche Einsichten und Forderungen finden Sie in
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