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Gedanken zum Jahreswechsel
2005
- 2006

Ungekürzt, mit allen Abschweifungen.

Egon W. Kreutzer
am 19. Dezember 2005



Die Aufregungen sind kleiner geworden.
Kleiner noch, als die Opposition.

Geräuschlos regiert die Große Koalition vor sich hin.

Hier ein bisschen Gekappel um die Folter gegen den Terror, da ein bisschen Getue um Gerhards Russenjob, aber sonst ...

 

 

Stille Nacht - Heilige Nacht.
Als läge eine dicke Wattewolke um und über Berlin.

Alles schläft. Alles.

Nur in den Türmen der Deutschen Bank (in Frankfurt/M) brennt Licht, und hinter den geschlossenen Gardinen tanzt Josef Ackermanns Schatten wie das erwischte Rumpelstilzchen wütend durch die Vorstandsetage. Für ihn ist die Weihnachtsstille nur die Ruhe vor dem Sturm. Strohimmobilien zu Gold spinnen - das war die Absicht. Doch nun ist der sechs Milliarden schwere Immobilienfonds ‚Grundbesitz Invest' in den Schlagzeilen. Anleger wollen in Scharen ihr Geld zurück, bekommen nichts, und müssen hilflos mit ansehen, wie gleichzeitig die Filetstückchen aus dem Fonds verscheuert - und dabei von den unersättlichen Bankern schon wieder dicke Provisionen abgezogen werden.

Aber auch schon vor diesem nur mühsam unter der Decke gehaltenen Skandal haben viele Menschen gefragt, wie lange es noch dauern wird, bis der Crash kommt.
Manche glauben, man könne das ausrechnen. Wenn schon nicht auf Tag und Stunde, so doch wenigstens monatsgenau.

Manche haben versucht, es auszurechnen, und laut und marktschreierisch Prognosen abgegeben - und auch Ratschläge - und haben sich - Prognosen und Ratschläge - von ihren Auftraggebern fürstlich honorieren lassen.

Andere, weniger prominente Propheten, nehmen nichts dafür, geben Prognosen und Ratschläge kostenlos ab, in der Hoffnung eines Tages behaupten zu können, sie hätten es exakt vorhergesagt.

Manche behaupten, der Crash würde nicht ‚vorher', sondern mit Absicht ‚hervor'
-gesagt.

Ich wünschte mir, ganz unabhängig vom Termin, der Crash käme gar nicht.

 

Erste Abschweifung

Die Verwendung des Wortes 'Crash' geht mir einigermaßen leicht von der Hand und/oder über die Zunge.
Ich weiß, als guter Deutscher könnte man auch 'Krach' sagen, aber das ist leider nicht eindeutig. Man müsste das einengen, auf Börsenkrach, will man nicht in Gefahr geraten, einfach nur von 'Lärm' zu reden. Andererseits ist ‚Börsenkrach' aber auch wieder nur ein Teil dessen, was als Crash auf uns zukommt, wäre also immer noch falsch. Da ist 'Crash' doch ausnahmsweise einmal das bessere Deutsch. Oder?

Was mir im Zusammenhang mit der Fußball-Weltmeisterschaft und der Sprachbeherrschung besonders aufstößt, ist der Begriff 'Ticket'. Warum werden nicht Eintrittskarten verkauft, oder einfach nur Karten? Warum findet kein ordentlicher 'Kartenvorverkauf' statt, sondern dieses groteske Gerangel um Tickets?

Was unterscheidet Fußball von Schauspiel oder Oper? Bekommt Angela Merkel ihre Karten für den Ring geschenkt, oder lässt sie sich mit 'Wagner-Tickets' nach Bayreuth locken? Sprachforscher sollten versuchen festzustellen, ob das schnöde englische ‚Ticket' als Synonym für ‚Eintrittskarte' nur bei Proletenveranstaltungen, wie eben Fußball oder Eisrevue, verwendet werden darf, während die edlere ‚Karte' den Ereignissen von gesellschaftlichem Rang vorbehalten bleibt?

Für solche Ereignisse von hohem gesellschaftlichem Rang gibt es für den Halbadel der nicht geladenen, zahlenden Gäste übrigens immer noch die ‚telefonische Kartenvorbestellung'. Wählt man die Rufnummer der telefonischen Kartenvorbestellung, dann wird am anderen Ende entweder besetzt sein, oder sich jemand melden und sich nach Reservierungswünschen erkundigen.

Tickets hingegen kann man über die ‚Hotline" bestellen. Eine Hotline benutzen ist viel besser, als einfach nur telefonieren. Die Hotline ist der heiße Draht, das rote Telefon. Man braucht nicht extra wählen. Man hebt ab - und ist prompt mit dem kompetentesten Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums, wenn nicht gleich mit dem Präsidenten verbunden ...

Eine ‚Ticket-Hotline' ist jedoch etwas ganz anderes. Erstens muss man wählen, wie beim ganz normalen Telefon auch. Zweitens ist man dann nicht etwa mit einem kompetenten Gesprächspartner verbunden, sondern direkt in der Vorhölle der telekommunikativen Gebührenerhebungstechnik gelandet. Von cleveren Geldschneidern programmierte, gebührenpflichtige Warteschleifen mit nervtötenden Melodien und Ansagen lassen jeden Anrufer so lange hängen, wie es nach den Erkenntnissen der Verhaltensforscher gerade noch zumutbar ist - auch wenn sonst überhaupt niemand in der Leitung ist.

Wichtig ist, was der wartende Anrufer glaubt. Und der soll glauben, dass die Tickets so begehrt sind, dass er von Glück sagen kann, wenn überhaupt noch eines für ihn abfällt ...

So ist der Anrufer schon euphorisiert, bevor der sachunkundige Bedienstete (Agent) des Anrufzentrums (Call-Center) sich meldet, die ihm vorgeschriebenen Fragen und die ihm vorgeschriebenen Antworten mit dem ihm vorgeschriebenen Maß an Höflichkeit, gelegentlich sogar mit professioneller Freundlichkeit, vom Bildschirm abliest.

Zur Fußball-WM hat man nun noch einen Anglizismus aus der Rumpelkammer geholt. Die sogennanten Wollondiers (Volunteer) sind allgegenwärtig.
Geldgeile Fi-Fa-Funktionäre haben es tatsächlich geschafft, mit der Illusion, einen (olympischen?) Augenblick des Dabeiseins erhaschen zu können, so viele Menschen völlig kirre zu machen, dass die sich nun in hellen Scharen freudig darum reißen, unentgeltlich die niedersten Dienstleistungen im Umfeld der Stadien zu vollbringen. Die von den Gemeinden vorsorglich beantragten Ein-Euro-Jobber sind völlig überflüssig. Da kann Frau Merkel ruhig auch die Ich-AG pünktlich zum WM-Jahr sterben lassen. Wo's Wollondiers gibt, da lass dich ruhig nieder ...

Schiedsrichter sterben übrigens, samt den Schiris, auch aus. Übrig bleiben nur die Räfferies.

Robert Hoyzer war übrigens Räfferie und Raffschiri. Diese Kombination ist illegal.

Ende der ersten Abschweifung.

 

 

Ich wünschte mir wirklich, der Zusammenbruch käme nicht.

Zusammenbruch drückt viel klarer aus, was gemeint ist - und womöglich reden nur deshalb so viele vom Crash, weil sie lieber gar nicht so genau wissen wollen, was sie damit meinen.

Der Zusammenbruch, das in sich Zusammenfallen - das ist nicht nur das Gegenteil von Aufbau und Wachstum. Das wäre schließlich nichts anderes, als jener langsame Prozess des Verfalls, mit dem wir uns seit geraumer Zeit einigermaßen arrangiert haben. Nein, der Zusammenbruch ist die einigermaßen plötzliche Verwandlung alles dessen, was vorher aufgebaut worden ist, in einen einzigen großen Trümmerhaufen.

Nebenbei: Niemand käme auf die Idee, den Zusammenprall zweier Fahrzeuge als deren Zusammenbruch zu bezeichnen. Auf Newgerman ist aber auch das schlicht ein Crash. Crash + Test = Crash-Test. Der Crash-Test bewahrt den Nimbus der Beherrschbarkeit der Technik. Der Crash-Test offenbart, was vom Car oder vom Vehicle nach dem Crash noch übrig bleibt - und, Dummy-sei-Dank, lässt sich damit sogar herausfinden, welche Altersgruppen mit welcher Art von Fahrzeugen in welche Crashszenarien verwickelt werden müssten, um per Crash die Korrektur jener Szenarien zu ermöglichen, die von der Demografie als das Menetekel des unmittelbar bevorstehenden Aussterbens der Deutschen an die Wand gemalt werden.

 

Zweite Abschweifung

Ich weiß ja nicht, wie Ihnen das geht, wenn Sie am Montagmorgen um halb acht in der völlig überfüllten U-Bahn von der Schlagzeile Ihres Lieblings-Massenblattes aufgefordert werden, sich flugs mit einem andersgeschlechtlichen Partner zusammenzutun, um möglichst schnell noch ein Kind in die Welt zu setzen, bevor die Deutschen aussterben.

Ich halte diese Parolen für einigermaßen hirnrissig.

Stellen Sie sich einfach einmal vor, die gesamte Landfläche der Erde wäre genauso gefährlich dünn besiedelt, wie Deutschland. Bestünde dann vielleicht die Gefahr, dass die gesamte Menschheit ausstürbe?

Weit gefehlt! Vorausgesetzt, man könnte in allen Ländern dieser Welt so viele Menschen auf engstem Raum zusammenquetschen, wie in Deutschland, wir hätten eine Weltbevölkerung von rund 30 Milliarden Menschen. Das Fünffache dessen, was heute schon ein unlösbares Problem scheint

Und trotzdem schämen sich Politiker und Rattenfänger aller Farbschattierungen nicht, wenn sie ausgerechnet die Deutschen zu mehr Kindern aufrufen und dabei den Eindruck vermitteln, sie stünden kurz davor, die Wiedereinführung des Mutterkreuzes zu fordern (in Bronze beim dritten, in Silber beim fünften, in Gold beim achten und jedem weiteren Kind).

Der neue deutsche Gebärwahn steigert sich bis zu der vollkommen blödsinnigen Aussage, Kinder würden nichts kosten, sondern sogar 77.000 Euro einbringen, pro Stück, und wenn schon nicht den Eltern, so doch wenigstens dem Staat.

Das Ifo-Institut des allseits beliebten Professors Hans-Werner Sinn hat den überaus sinnigen Versuch unternommen, die "Fiskalische Bilanz" eines Kindes aufzustellen, zu analysieren und zu interpretieren.

Herausgekommen ist, so die offizielle Mitteilung des ifo Instituts vom 15. Dezember 2005:

Wer ein Kind in Deutschland nach geltendem Recht aufzieht,
transferiert ein kleines Vermögen an den Staatshaushalt.

Dem liegt folgende 'Berechnung' zugrunde:

Ein im Jahre 2000 geborenes, absolut durchschnittliches Musterkind wird bis zu seinem Tod 77.000 Euro mehr an Steuern, Sozialabgaben, Gebühren und Bußgeldern in die Staatskasse einzahlen, als der Staat an öffentlichen Leistungen zur Aufzucht des Kindes beisteuert.

Das Ifo Institut spricht im Text zwar von "Erziehung", statt von "Aufzucht", aber die Perversität des Gedanken erschließt sich - meine ich - besser, wenn man auch sprachlich die Nähe zur Rentabilität von Agrarsubventionen, zu Rinderbergen und Schweinezyklen herstellt, mit denen sich Wirtschaftsforscher sonst so beschäftigen.

Begründet wird die aberwitzige Aussage damit, dass dieser Überschuss sich in erster Linie daraus ergäbe, dass das Kind - wenn es denn erst im Berufsleben stünde und Lohn erhielte - in ganz erheblichem Umfang auch Beiträge zur gesetzlichen Renten- und Krankenversicherung zahlte.

Von dieser Erkenntnis aus bekommt das Sinn-Institut (George Orwell hätte seine Freude daran) dann endlich die Kurve und lässt durchblicken, worum es wirklich geht. Alles ist nur hingerechnet, um wieder einmal mit neuer Munition gegen die umlagefinanzierte Rente schießen zu können, alles nur hingebogen, um ein neues, verlogenes Argument dafür zu schmieden, warum die Altersvorsorge der Bevölkerung endlich den Profitgeiern der Versicherungswirtschaft überantwortet werden muss.

Das blödsinnige Auseinanderdividieren von Kindern und Älteren bezieht seinen ganzen Hans-Werner daraus, dass sich damit ein gar nicht existentes Generationenproblem an die Wand malen lässt.

Wer ein Menschenleben weniger mit Sinn, dafür aber mit mehr Verstand betrachtet, dem erschließt sich spontan, dass der Mensch sowohl als Kind, wie auch im Alter auf die Hilfe und Unterstützung der Gesellschaft angewiesen ist, während er in der Zeit zwischen Ausbildung und Rente üblicherweise produktiv genug ist, um seinerseits seinen Teil zur Unterstützung von Kindern und Alten beitragen zu können.

Der von Sinn widersinnig hergerechnete Überschuss löst sich bei dieser Betrachtung in Nichts und Wohlgefallen auf.

Ende der zweiten Abschweifung.

 

Wir waren bei den Volksuntergangsdemografen stehen geblieben.

Es gibt da zwei unterscheidbare Sorten, samt der üblichen Mischformen.

Die einen fürchten nur, dass sie irgendwie zu kurz kommen könnten,
wenn 2.050 niemand mehr da sein wird, der für ihre Renten aufkommt.

Die anderen fürchten gleich das Schlimmste,
nämlich das vollkommene Aussterben des deutschen Volkes.

 


Beide fürchten grundlos, bzw. das Falsche.

Die einen sollten nicht fürchten, dass kein Geld mehr da sein wird, sondern allenfalls, dass niemand mehr da sein könnte, der die Leistungen erbringt, die sie sich von ihrem Rentengeld kaufen wollen.

Man kann - auch als Rentner und selbst mit den bestmöglichen künstlichen Zähnen - Geld nicht essen. Weder das Geld aus der umlagefinanzierten Rente, noch das Geld aus der kapitalgedeckten Rente ist zum menschlichen Verzehr geeignet.

Man kann nur das essen, nur davon leben, was die dann berufstätige Generation zu leisten in der Lage ist.

Beschäftigt sich die berufstätige Generation auch 2050 noch damit, ganz überwiegend für den Export zu produzieren, statt für die Bedürfnisse der eigenen Bevölkerung, und sollte der bis 2050 noch zu erwartende Produktivitätsfortschritt weiterhin nur den Anteilseignern zugute kommen, könnte es tatsächlich eng werden.

Abgesehen davon, dass 2050 sowieso erst lange nach dem Crash beginnt - und von daher mindestens so unkalkulierbar ist, wie es 1950 von 1905 aus war - selbst wenn alles so bliebe, wie es heute ist, wäre es mit mehr Kindern nur noch enger.


Jeder Mensch, der zusätzlich ernährt werden muss, ob noch Kind oder schon Arbeitsloser, macht die Lage für die Rentner schwieriger - und die wenigen Berufstätigen, die es 2050 im ersten Arbeitsmarkt der Niedriglöhner noch geben wird, werden sich sträuben, von dem Wenigen, was ihnen die Global Player zum Leben lassen, auch noch einen Großteil an die Rentner abgeben zu müssen.

Also wäre es doch besser, wenn die überflüssigen, von niemandem benötigten ALG II Empfänger von morgen, heute gar nicht erst geboren würden, oder?

Die anderen, diejenigen, die fürchten, die Deutschen stürben aus, sollten sich zunächst einmal ganz nüchtern die Frage stellen, was das überhaupt ist, ein Deutscher.

Sind das diejenigen Menschen, die auf dem geografischen Gebiet, das heute Deutschland heißt, seit Jahrhunderten ansässig sind, dann gibt es davon eher zu viele. Fünf Mal so viele, wie durchschnittlich auf dieser Welt auf der gleichen Fläche leben.

...und diejenigen Demagografen, die ‚Deutsche' ganz anders verstehen, nämlich nicht als Angehörige einer solchen, auf einem Raum zusammenlebenden, Kultur-, Werte- und Traditionsgemeinschaft, die sich gemeinsam entwickelt hat und gemeinsam weiterentwickeln sollte; diejenigen die ‚Deutsche' als eine ganz spezielle und besondere ‚Rasse' ansehen, und - wie die Hunde-, Kaninchen- oder Nackthalshühnerzüchter ihre Tiere - jeden Deutschen und jede Deutsche am liebsten bei jährlichen Zuchtschauen penibel darauf untersuchen würden, ob ihnen auch alle Rassemerkmale in der erforderlichen Dominanz vererbt worden sind, die sollten sich zuerst ernstlich fragen, wie perfekt sie und ihre Einbläser diesen Merkmalen eigentlich selbst entsprechen. Und dann, wenn sich die Perfekten erkannt und gefunden haben, sollten sie sich klar machen, welch völlig irrelevanten Bruchteil der deutschen Bevölkerung sie ausmachen, und dass sie verdammt froh sein müssen, dass sie selbst die Rassisten sind - und nicht der überwiegende Rest der Bevölkerung.

Es ist natürlich wahr, mit 1,3 Kindern pro Frau schrumpft die Bevölkerung.
Langsam, aber stetig.

Es ist auch wahr, dass - wenn dauerhaft nur 1,3 Kinder pro Frau geboren werden (und davon mehr als höchstens 23 Prozent männlich sind) - die Alterspyramide für alle Zeiten auf dem Kopf stehen wird.

Doch wer zweifelt denn tatsächlich noch ernsthaft daran, dass es hauptsächlich die berechtigte Angst vor dem Zusammenbruch und die bereits spürbaren Folgen der offensichtlichen Überbevölkerung Deutschlands sind, was die Fortpflanzungsfreude trübt?

Was fehlt, ist die Aussicht auf ein lebenswertes Leben in einer intakten Umwelt.

Was fehlt, ist das Vertrauen in die Integrität der Gesellschaft, die, wie schon lange nicht mehr, zur Klassenbildung und Entsolidarisierung neigt.

Was fehlt, ist zunehmend auch das Vertrauen in die Freiheitsgarantien, in den Schutz der Grund- und Menschrechte.
Nicht nur, dass die westliche Hegemonialmacht immer offener zur Schau trägt, dass sie gewillt ist, jeden aufkeimenden Rivalen gewaltsam niederzuhalten, auch das stille Einverständnis der eigenen Politiker, der furchtsam-vorauseilende Gehorsam, und als Höhepunkt (nicht highlight) der in der Adventszeit vom leibhaftigen Innenminister eingestandene und als sinnvoll und unverzichtbar bezeichnete Nießbrauch deutscher Behörden an Folter und Menschenrechtsverletzungen in Guantanamo und anderswo - das kann doch nur darauf hindeuten, dass auch in Deutschland über kurz oder lang Unrecht und Willkür, Gewalt und Barbarei wieder zur Normalität gehören werden.

Wie kann dieser Ungeist mit dem Versprechen, ein paar Euro ‚Vatergeld' auszuwerfen, das übrigens dem gleichen Ungeist entspringt, vertrieben werden?

Politikerreden mit dem Appell zu forcierter Fortpflanzung haben keinerlei aphrodisierende Wirkung und vor dem Hintergrund der Realität unserer Zeit wirken sie einfach nur lächerlich.

Seltsam ist, dass niemand lacht.

 

 

Es liegt vermutlich an der Angst vor dem Crash.

So ein Zusammenbruch kommt übrigens nicht von alleine. So ein Crash wird angezettelt. Genau so, wie kleine Kinder, die noch nicht in der Lage sind, selbst etwas aufzubauen, mit großer Begeisterung versuchen, wenigstens das, was Eltern oder ältere Geschwister (für sie) aufgebaut haben, schnellstmöglich und vollständigst zu zerstören, gehen in aller Welt unreife Menschen ans Werk und zerstören das, was andere (für sie) aufgebaut haben, in der irrigen Annahme, Konstruktion und Destruktion seien die gleichwertigen Seiten ein und derselben Medaille.

So kann es nicht weitergehen.

Wird es besser?
Wird es schlechter?
Wissen Sie es nicht?

 

Dritte Abschweifung

Das Wesen der Demografie und der Demagografen wurde bereits gestreift.

Warum also sollten wir nicht auch den Demoskopen ein paar Zeilen widmen?

Auf diese Frage (!) hätten die üblichen 1043 zufällig ausgewählten und damit für die Bevölkerung der Bundesrepublik repräsentativen Befragten voraussichtlich so geanwortet:

 Ja, das steht den Demoskopen zu

 33,3 %

 Ja, das kann nicht schaden

 22,2 %

 Halte ich für überflüssig

 11,1 %

 Nein, nein, nein!

 22,2 %

 Ich weiß nicht

 9,9 %

 Sonstiges

 1,3 %


Das ist allerdings nur so genanntes statistisches Rohmaterial. Damit arbeiten Demoskopen. Veröffentlichen darf man so etwas nicht. Zunächst muss die Aussage verifiziert werden. Am besten dadurch, dass man feststellt, wie viele der Befragten überhaupt wissen, was Demoskopie ist.

Dazu wird die folgende, subversive Fragetechnik eingesetzt:

Welche Aussagen über die Demoskopie sind richtig?
Es können mehrere Antworten angekreuzt werden.

a) Demoskopie wurde früher nur unter Vollnarkose vorgenommen. Heute zahlt die Krankenkasse nur noch örtliche Betäubung.

b) Demoskopie liefert brauchbare Befunde.

c) Demoskopie ist die Kunst, aus kleinen Stichproben große Wahrheiten zu destillieren.

d) Die Erfolge der Demoskopie rechtfertigen durchaus, dass sie zunehmend andere Erkenntnismöglichkeiten verdrängt.

e) Ich selbst bin noch nie befragt worden.

Wer a) ankreuzt, hat ein mangelhaftes Fremdwortverständnis und verwechselt Demoskopie offensichtlich mit Gastroskopie oder Kolonskopie oder Ösophagogastroduodenoskopie oder sonst einer medizinischen Diagnosemaßnahme.

Wer b) oder d) ankreuzt, hat keine Ahnung und will mit seiner Zustimmung nur gefallen

Wer c) ankreuzt, weiß vermutlich genau, was Demoskopie ist, steht ihr jedoch spöttisch skeptisch gegenüber.

Gewertet werden daher nur diejenigen Antworten zu Frage 1, die von denjenigen Befragten gegeben wurden, die nun ausschließlich die Antwort e) angekreuzt haben. Diese glauben, sicher zu wissen, was Demoskopie ist, ohne dass ihr Urteil durch eigene Erfahrungen getrübt wäre, und, was wichtig ist, sie neigen nicht zu Späßen.

Nach dieser Korrektur sieht das Zwischenergebnis dann so aus:

 Ja, das steht den Demoskopen zu

 44,4 %

 Ja, das kann nicht schaden

 11,1 %

 Halte ich für überflüssig

 11,1 %

 Nein, nein, nein!

 22,2 %

 Ich weiß nicht

 9,9 %

 Sonstiges

 1,3 %

Es hat sich, wie erkennbar ist, eine deutlich erhöhte Zustimmung zur Demoskopie herausgestellt, als es das Rohmaterial hätte erwarten lassen.

Mit Hilfe einer bestätigenden Kontrollfrage, mit der die Eingangsfrage in einer invertierten Frageweise wiederholt wird, können nun Irrtümer und vorsätzliche Täuschungen aus der Antwort 1 eliminiert werden.

Halten Sie es für überflüssig, sich mit der Arbeit der Demoskopen zu beschäftigen?

 Nein, das wäre den Demoskopen gegenüber ungerecht

 33,3 %

 Nein, das würde unserem Demokratieverständnis schaden

 22,2 %

 Halte ich für überflüssig

 11,1 %

 Ja, ja, ja!

 22,2 %

 Ich weiß nicht

 9,9 %

 Sonstiges

 1,3 %

Nach der Auswertung und Aufbereitung kann dem Fernsehzuschauer am Donnerstagabend mitgeteilt werden:

Zwei Drittel der Deutschen halten die Demoskopie für wichtig und unverzichtbar,
weitere 22 Prozent stehen ihr zumindest positiv gegenüber.
Von den übrigen Befragten wussten 9,9 Prozent nicht, was Demoskopie ist,
der Rest hatte sich noch keine Meinung dazu gebildet.

Sollten Sie dieses Ergebnis nicht intuitiv nachvollziehen können, würde die Berufswahl ‚Demoskopin' bzw. ‚Demoskop' für Sie fraglos im Fiasko enden.

Ende der dritten Abschweifung

 

Wie geht es weiter?

Natürlich hätte man die Demoskopen auch bitten können, herauszufinden, wie viele Prozente der Bevölkerung keine Angst vor dem Crash haben, oder wie viele Prozente glauben, Franz Beckenbauer sollte sich bei der nächsten Wahl zur Bundeskanzlerin als Kandidat aufstellen lassen, oder wie viele Prozente der Meinung sind, Gerhard Schröder hätte tatsächlich die vorzeitige Neuwahl nur deshalb angestrebt, damit er rechtzeitig frei ist, wenn Putin mit dem Job als Aufsichtsratsvorsitzender für die Gasrohrgesellschaft daherkommt.

Wenn man sich ernsthaft ansieht, was heutzutage von Demoskopen alles erfragt wird - und welcher Blödsinn in den großen demoskopischen Fernseh-Volksabfragen (Wer war der größte Deutsche? Was ist mein Lieblingsbuch? Wer ist der Superstar?) ergründet wird, dann erhellt sich das Wesen der zeitgenössischen Demoskopie.

Demoskopen finden eigentlich nur noch heraus, in welchem Maße sich das Volk mit welchen Teilen der veröffentlichten Meinung hat anfüllen und infizieren lassen. Demoskopie ist das Instrument, mit dem der Wirkungsgrad der Propaganda auf zwei Nachkommastellen genau gemessen werden kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Demoskopie ist so wichtig, dass sich sogar der ehemalige Bundespräsident mit all seiner ehemaligen Reputation hinstellt, und schelmisch droht: "Aber sagen Sie hinterher nicht, es hätte Sie niemand gefragt!"

Das ist fast so peinlich, wie Norbert Blüms Werbeauftritt als Pharmazwerg, nur Blüm hat damit inzwischen wieder aufgehört. Weizsäcker lässt sich weiterhin ganz ungeniert vor den Karren der unverschämtesten und manipulativsten Umfrage stellen, die es je gab.

Es ist unmöglich, die dort gestellten Fragen schlüssig so zu beantworten, dass der Befragte am Ende nicht als Befürworter der Reformpolitik, als Anhänger des Wachstumswahns und als masochistischer Selbstausbeuter mit Vorbildfunktion erkannt und gezählt werden kann. Propaganda und Demoskopie sind endlich untrennbar ineinander verrührt.

Schon wer mitmacht, ist Deutschland.
Dabeisein ist alles.

Da kann es doch eigentlich gar nicht mehr zu Crash kommen.

Oder sind selbst 82 Millionen Lemminge noch fähig, zu irren?

 

Vierte Abschweifung

Das, was da in Berlin so still und verbissen vor sich hin regiert, hat sich ja, nach Kohl und Schröder, schon wieder das gleiche Ziel gesetzt und will sich schon wieder daran messen lassen. Die Arbeitslosenzahlen müssen runter.

Kontinuität kann so schön sein.

Eine alte Volksweisheit unterscheidet Dumme und Kluge daran, dass die Dummen immer wieder den gleichen Fehler machen, während die Klugen sich immer neue Dummheiten einfallen lassen. Wenn das stimmt, ist Kontinuität sicherlich bekömmlicher. Da weiß man wenigstens, was man hat.

Vor allem muss beim Lob der Kontinuität bedacht werden:

Weder Kohl noch Schröder haben es bis zum Crash geschafft.

Wir sind also weiterhin sicher. Wir sind Deutschland - und vielleicht auch ein bisschen Bluna. Nur weiter so - und wir werden auch dieses Mal davonkommen.

Ende der vierten Abschweifung

 

Für die Betreiber von Dampfkesselanlagen wie für die Betreiber von Kraftwagen aller Art ist - sofern Dampfkessel oder Kraftwagen in Deutschland amtlich zugelassen sind - der Technische Überwachungsverein ein altbekannter, lieber Freund und Helfer. (Wer kennt schon noch Friedrich Rückert und den Kupferstecher?)

Es gibt wohl kaum jemanden, der nicht wenigstens einmal im Leben mit schlotternden Knieen, neben der Grube stand, in welcher der Prüfingenieur mit unbestechlichem Blick und spitzem Schraubendreher die Rostschicht an den tragenden Teilen der Uraltkarosse zu durchdringen suchte, um dann, zu guter Letzt, für zwei weitere Jahre den begehrten Stempel zu gewähren - oder auch nicht.

So schlimm der Zustand des Fahrzeuges auch sein mag, noch einmal zwei Jahre TÜV, das lässt jeden Automobilisten in Jubel ausbrechen. Wird hingegen der Stempel versagt, ist der Jammer groß.

Dabei ist der TÜV, entgegen einem weit verbreiteten Irrtum nicht prüfend tätig, um in seiner ganz speziellen Nische jede Möglichkeit zu nutzen, um bei geringem eigenem Aufwand unersättlich am Geldbeutel der Bürger zu saugen - nein, der TÜV ist, bezogen auf den Straßenverkehr und andere technikbasierte Veranstaltungen, die zentrale Unfallverhütungsmaßnahme überhaupt. The TÜV fights (mindestens ebenso verbissen prophylaktisch) the Crash, as GWB fights his selffulfilling prophecy of Terrr and Terrrsm.

Wer auch immer versucht, mit einem rollenden Schrotthaufen Deutschlands Straßen zu verunsichern, wird - vorausgesetzt er hat nicht das Glück, sein Gefährt in Polen, Estland, Portugal oder in der Slowakei zulassen zu können - früher oder später vom TÜV an der Weiterfahrt gehindert.

Ganz am Rande
und ohne wirklich
abzuschweifen:

Was spräche denn
dagegen, wenn
jeder ausländische
LKW beim erstmaligen
Überschreiten der
deutschen Grenze
zwangsweise vom
deutschen TÜV untersucht
werden müsste und von
da an regelmäßig wieder,
wenn die für maximal
12 Monate erteilte
Plakette abgelaufen ist?

Lautes Jammern
über den Zustand
ausländischer LKWs
hört sich ja gut an,
aber warum tut niemand
wirklich etwas dagegen?
Den Platz für den TÜV
gibt es an jedem
Grenzübergang.
Arbeitslose Ingenieure,
die man zum TÜV-Prüfer
umschulen könnte, hat
die Republik genug.

Aber entweder will man
das nicht, oder man darf
es nicht. Wobei das
Nichtdürfen zu den ganz
seltsamen Phänomenen
unserer Republik
gehört.

Wer also, als braver Deutscher, keine ordentliche Beleuchtung am Fahrzeug hat, demnach in der Dunkelheit nicht sehen kann, wo es hingeht, darf nicht weiterfahren.

Das hat garantiert schon so manchen Crash verhindert.

Wer als braver Deutscher ein Auto fährt, dessen Fahrwerkskomponenten - vom Lenkrad bis zum Reifenprofil - so miserabel sind, dass nicht sichergestellt ist, dass das Fahrzeug den Lenkbefehlen des Fahrers auch bestimmungsgemäß folgt, der muss die Karre stehen lassen.

Selbst wer als braver Deutscher ein Fahrzeug mit defekter Bremsanlage beim TÜV vorfährt, wer also im Bedarfsfall nicht in der Lage wäre, vor einem Hindernis zum Stehen zu kommen, darf nicht weiterfahren, solange der Mangel nicht behoben ist.

 

Fünfte Abschweifung

Da drängt sich die Analogie doch förmlich auf. Regierungs-TÜV!
Das wärs doch.

Da hätte der Crash doch keine Chance mehr.

Politiker, Wirtschafts- und Gewerkschaftsführer sowie Wirtschaftsweise, deren Weitblick im Dunkel der verwirrenden Umstände gerade bis zum nächsten Quartalsbericht bzw. zum nächsten großen Verfallstermin reicht, müssten wegen grober Mängel an der Beleuchtungsanlage in die Fachwerkstatt.

Politiker, Wirtschafts- und Gewerkschaftsführer, die einen für richtig erkannten Weg nicht durchsetzen können, müssten wegen erheblicher Mängel am Fahrwerk so lange zur Nachuntersuchung erscheinen, bis der Fehler behoben ist.

Politiker, Wirtschafts- und Gewerkschaftsführer, die nicht in der Lage sind, das Tempo ihrer Reformen zu drosseln oder gar ganz anzuhalten, wenn sonst der Crash droht, müssten die rostige Karre ihrer verfehlten Ideologie stehen lassen und zu Fuß nach Hause gehen.

Stellt sich die Frage, ob der totale Zusammenbruch der Wirtschaft, der Crash also, überhaupt noch kommen kann,

 

Die Deutschen haben seit jeher einen Hang zum Größenwahn.

Der Zusammenbruch der Weltwirtschaft kann doch nicht von den Repräsentanten einer - global gesehen nachrangigen - Standortverwaltung aufgehalten werden, die ihre Gesetze im Paket als Franchise-Nehmer aus Brüssel bezieht, die jede ihrer Handlungen vor EU-Kommissaren und dem EuGH verantworten muss, die weder ihren Haushalt frei gestalten kann, noch den Hauch einer Chance hat, die notwendigen währungspolitischen Maßnahmen zu ergreifen. Nein! Wie denn?

 

Ende der fünften Abschweifung

 

 

Es ist gut, den TÜV zu haben. Aber auch der TÜV ist nicht allmächtig. Selbst der real existierende, leibhaftige Technische Überwachungsverein, stößt in seinem Streben, Unfälle zu verhindern, an Grenzen.

Der TÜV kann zwar die Verkehrstauglichkeit des Fahrzeugs feststellen, er kann sogar die theoretischen und praktischen Kenntnisse von Menschen über das korrekte Verhalten im Straßenverkehr testen und dann einen Führerschein erteilen, oder nicht - aber er kann niemanden davon abhalten, sich -- mit oder ohne Führerschein -- in ein mehr oder minder verkehrstaugliches Fahrzeug zu setzen, damit loszufahren und -- absichtlich oder unabsichtlich -- einen kleinen, einen großen, oder gar einen gigantischen Crash zu verursachen.

 

Wenn der Crash kommt, dann nicht, weil die Sicherungs- und Kontrollsysteme unzureichend sind, nicht weil die Kontrolleure korrupt, nicht weil die Sicherungen überbrückt, nicht weil die Bremsen verrottet sind - es genügt, dass ein einziger Hasardeur sich die Macht verschafft, den Kurs und das Tempo zu bestimmen und diesen Kurs und dieses Tempo rücksichtlos gegen jeden Widerstand solange durchzusetzen, bis ein stabiles Hindernis der Amokfahrt ein Ende bereitet.

Wenn wir die Welt in diesen Tagen betrachten, müssen wir feststellen, dass weit mehr Hasardeure auf den Straßen unterwegs sind, als wir uns als Konfirmanden jemals hätten träumen lassen, und dass jeder dieser Hasardeure in wahnsinniger Selbstüberschätzung darauf vertraut, dass ihm auch das massivste Hindernis zu guter Letzt ausweichen und den Zusammenprall - schon aus Eigeninteresse vermeiden wird.

 

Der Zusammenbruch, der uns bevorsteht, ist kein schicksalhaftes Geschehen, dem ebensowenig auszuweichen ist, wie einem auf die Erde zurasenden Asteroiden.

Der Zusammenbruch, der uns bevorsteht ist nicht das Produkt einer Verkettung unglücklicher Umstände, nicht ein dummer, unvorhersehbarer Zufall.

Die Gründe für den Zusammenbruch, der uns bevorsteht, können exakt beschrieben werden. Die Verantwortlichen für den bevorstehenden Zusammenbruch könnten ohne große Mühe namentlich benannt werden. Der Zusammenbruch, der uns bevorsteht, könnte sogar vermieden werden, wollte man ihn nur vermeiden ...

Der drohende Zusammenbruch ist die konsequente Folge unseres fehlkonstruierten Geldsystems. Verantwortlich sind dafür diejenigen, die dieses Geldsystem eingeführt und legalisiert haben und diejenigen, die trotz des erkennbar davon ausgehenden Unrechts und Unheils nicht wagen, es zu verändern.

Der Zusammenbruch beginnt damit, dass die fälligen Forderungen der Gläubiger, die durch Zins und Zinseszins beständig und vor allem exponentiell wachsen, die Menge des zur Befriedigung von Forderungen verfügbaren Geldes dauerhaft übersteigen.

In der dann ausbrechenden Phase der erzwungenen Sparsamkeit und des Konsumverzichts werden die Schuldner sich nach und nach von ihren Sachwerten trennen, ohne damit jedoch wirklich eine Chance zu haben, die Forderungen der Gläubiger nachhaltig zu befriedigen.

Im Gegenteil.

Sparsamkeit und Konsumverzicht führen nur zur weiteren Verknappung der umlaufenen Geldmenge. In den Kreisläufen der Realwirtschaft wird die Arbeit folglich immer billiger, auf Teilmärkten sinken sogar die Preise. Mit immer geringeren Einkünften der Bevölkerung sinken aber auch die Steuereinnahmen und die Kassen der Sozialsysteme leeren sich. Spart nun auch der Staat forciert, ist die Deflation perfekt.

Immer schneller wechseln die Sachwerte den Besitzer, während das dafür gezahlte Geld immer schneller zu den Großgläubigern zurückkehrt.

Jetzt gehen reihenweise Unternehmen in die Insolvenz, weil sie im Zangengriff von Schuldenlast einerseits und fehlender Kaufkraft andererseits nicht überleben können. Die Beschäftigten werden in die Arbeitslosigkeit geschickt. Mit jedem geschlossenen, zerlegten, demontierten Unternehmen wird die Fähigkeit der Menschen, für ihren Unterhalt zu sorgen, zerstört.

Diesen Punkt haben wir in 2005 unbestreitbar erreicht.

 

Lediglich die Unternehmen der Exportindustrie bleiben so lange rentabel, wie sich irgendwo auf der Welt noch Abnehmer für deren Erzeugnisse finden.

Diese Abnehmer importieren jedoch nicht nur die billigen Waren, sie importieren gleichzeitig auch den Crash. Billige Importe führen zwangsläufig zu wachsender Arbeitslosigkeit, Arbeitslosigkeit führt zu Geldmangel, und Geldmangel führt zu den wohlbekannten Problemen, die im Crash enden.

Kurz vor dem totalen Zusammenbruch stehen auf der Seite der Gläubiger immer noch gigantische Forderungen, während bei den Schuldnern praktisch nichts mehr zu holen ist. In dieser Endphase überbieten sich die Gläubiger mit ihren riesigen - aber schon wertlosen - Geldmengen damit, auch noch den letzten Rest an Sachwert vom Markt zu holen. Dies ist die Phase der Hyperinflation, in der endlich auch einmal die Arbeiter Millionen und Abermillionen in der Tasche haben, aber nur um erstaunt feststellen zu müssen, dass man sogar als Milliardär ganz elendiglich verhungern kann.

 

Sechste und letzte Abschweifung

Als Junge von acht, neun Jahren hatte ich einen Schatz von Not- und Inflationsgeld, einen ganzen Schuhkarton voll. Kleine Scheine mit riesigen Zahlen. Ich habe Schusser und kleine Spielzeugautos eingetauscht, um an diese Scheine zu kommen, von denen eine eigenartige Faszination ausging - und irgendwann habe ich sie verschenkt und weitergetauscht, weil mir klar geworden war, dass sie keinerlei Wert hatten. Zu keiner Zeit.

Begriffen habe ich dabei nichts. Das Elend und die Not, die der Zusammenbruch der Weltwirtschaft mit sich brachte, war diesen Notgeld-Scheinen nicht anzusehen. Und die Antworten auf meine Fragen waren nur Überschriften: Inflation und Währungsreform.

Ende der sechsten Abschweifung

 

 

Aber warum rege ich mich eigentlich auf?

 

Die Aufregungen in Deutschland sind doch endlich kleiner geworden. Kleiner noch, als die Opposition.

Geräuschlos regiert die Große Koalition vor sich hin. Hier ein bisschen Gekappel um die Folter gegen den Terror, da ein bisschen Getue um Gerhards Russenjob, aber sonst ...

Stille Nacht - Heilige Nacht. Als läge eine dicke Wattewolke um und über Berlin.
Alles schläft. Alles.

Nur in den Türmen der Deutschen Bank (in Frankfurt/M) brennt Licht, und hinter den geschlossenen Gardinen tanzt Josef Ackermanns Schatten wie das erwischte Rumpelstilzchen wütend durch die Vorstandsetage.
Viele Menschen fragen sich, wie lange es noch dauern wird, bis der Crash kommt. Manche glauben, man könne das ausrechnen. Wenn schon nicht auf Tag und Stunde, so doch wenigstens monatsgenau.

Nun melden die Bankenverbände am 19. Dezember 2005, es sei "verstärkter Kapitalabfluss" festzustellen. Der Genossenschaftsverband Bayern erklärt, es würden inzwischen nicht mehr nur große Vermögen abwandern. Die Kapitalflucht hätte ein erschreckendes Ausmaß erreicht und gehe inzwischen durch alle sozialen Schichten. Mittlerweile würden sogar schon Sparbücher mit weniger als 10.000 Euro ins Ausland transferiert.

 

Schuld daran sei, so heißt es beruhigend, nichts anderes als die seit dem 1. April in Deutschland erlaubte Kontenabfrage durch Finanz- und Sozialämter.

 

Machen Sie sich Ihren eigenen Reim darauf.

Auf Euro lautende Sparbücher in Österreich helfen eben so wenig, dem Zusammenbruch zu entkommen, wie die trügerische Hoffnung, Anteile an Immobilienfonds seien "im Grunde" genau so sicher, wie ein eigener Acker.

Aber dass zugleich auch der Goldpreis steigt, macht nachdenklich.

 

Machen Sie sich Ihren eigenen Reim darauf.

 

Alles Gute für 2006,
rutschen Sie gut rein - und vor allem, kommen Sie gut durch!

 

Ihr
Egon W. Kreutzer

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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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