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5. Buch Mose, Kap. 25,4

Du sollst dem Ochsen, der da drischt,
nicht das Maul verbinden

Über die Qualität des politischen Personals,
mögliche Ursachen und mögliche Abhilfe

 

Ein Kommentar zum sinnvollen Zeitvertreib
zwischen Wahltag und Regierungsbildung

von Egon W. Kreutzer
23.09.2005

 

Moses, einer der Gründerväter einer der erfolgreichsten Vereinigungen der Menschheit, war wohl ein ziemlich weiser Mann. Auch der hier zitierte, eine, einzige Satz aus den fünf Büchern, die sein Leben und Werk, seine Einsichten und Werte überliefern, hat die Zeit bis heute völlig unbeschädigt überdauert:

"Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden."

Ich will diesem Satz noch einen ganz anderen, völlig trivialen Satz zur Seite stellen. Eigentlich ist es nur eine Redewendung aus meiner fränkischen Heimat:

"Gfrassn hammsa, wie die Scheunadrascho!"

Ins Hochdeutsche übertragen hört sich das so an: "Die haben gefressen, wie die Scheunendrescher." Auch in dieser eher neuzeitlich-bäuerischen Redewendung kommt also bildhaft die Erfahrung zum Ausdruck, dass anstrengende Arbeit hungrig macht - und dass Menschen, die anstrengende Arbeit tun, auch starke Esser sind.

Nun sind Angela Merkel und Gerhard Schröder, Christian Wulff und Edmund Stoiber, Joschka Fischer und Guido Westerwelle, Petra Pau und Lothar Bisky weder Ochsen noch dreschende Bauernknechte, es sind - neben zwei, drei Dutzend anderen, die bekanntesten Vertreter jener Berufsgruppe, die sich in Deutschland "Spitzenpolitiker" nennen lässt.

Wer in unseren Politikern hehre Lichtgestalten sieht, deren einziges Ziel darin besteht, das Beste für unser Land und seine Menschen zu erreichen - ganz egal, welche Vorstellung der einzelne nun von diesem "Besten" hat - dessen Einstellung verrät nichts anderes, als dass er den eigenen Altruismus vollkommen unreflektiert auf die von ihm gewünschten politischen Leit- und Führungsfiguren projiziert.

Fatal ist, dass es eben diesen Leit- und Führungsfiguren gerade recht ist, wenn ihre mehrmals täglich frisch gewaschenen weißen Westen vom Wahlvolk als Projektionsfläche für ein solches, uneigennütziges Helden- und Gutmenschentum benutzt werden. Fatal ist, dass sie selbst in nicht enden wollenden Diskussionen - in öffentlichen und nicht öffentlichen Debatten - immer neuen Zweifel an der Angemessenheit ihrer Diäten, Aufwandsentschädigungen und Pensionen säen. Dass sie sich untereinander jeglichen Mehrverdienst - egal aus welcher Quelle - und jeglichen zusätzlichen Vorteil mit neidischer Freude vorwerfen, um dem Wähler den Unterschied aufzuzeigen, zwischen den schmarotzenden Volksschädlingen in der Partei X und den Ehrenfrauen und Ehrenmännern der Partei Y.

Das alles ist Schwachsinn, der endlich vom Publikum dieser Schmierenkomödie, von den aufgeklärten Wählern nämlich, beendet werden sollte.

 

Ein Blick zurück auf Moses.

Der hat mit dem Ochsen ein starkes und ausdauerndes Nutztier gewählt, um die schwere Arbeit des Dreschens zu erledigen. Und er hat ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass man diesem starken Tier ganz selbstverständlich erlauben muss, sich die notwendige Nahrung, ohne einschränkende Maßnahmen, direkt vom bearbeiteten Erntegut abzuzweigen.

Heute hätte Mose vermutlich gesagt:


"Du sollst dem Mähdrescher, der da mäht und drischt, nicht den Tankdeckel zuschweißen."

Was hilft es dem Bauern, wenn ihm der Ochse beim Dreschen verreckt, was hilft es ihm, wenn der Mähdrescher wegen Spritmangel mitten auf dem Feld stecken bleibt und sich keinen Zentimeter mehr bewegt? Das hilft gar nichts. Der Versuch, auf diese Weise Kosten zu sparen, ist der reine Schwachsinn.

Doch die Versuchung, den fressenden Ochsen als Verschwender hinzustellen, ist groß!

Der Esel wird sich anbieten, mit weniger Futter auszukommen, dann wird der Hund den Esel unterbieten, die Katze den Hund und zuletzt kommt die Feldmaus und unterbietet die Katze.

Dass weder Maus, noch Katze, noch Hund, noch Esel in der Lage sind, die Leistung des Ochsen zu erbringen, tritt im politischen Grabenkampf um Wählerstimmen solange in den Hintergrund, bis Mäuse, Katzen, Hunde und Esel gewählt - und die letzten Ochsen endgültig vergrault sind.

 

Wenn wir im Bild bleiben, wenn wir mit Dreschen Arbeit meinen, schwere Arbeit - und wenn wir mit den Ochsen jene meinen, die gutmütig und ausdauernd und fähig genug sind, diese schwere Arbeit über viele Jahre zu erledigen, dann müssen wir erkennen, dass schwächere Tiere eben nicht geeignet sind, diese Arbeit zu leisten, auch wenn sie mit weniger Futter auskommen.

Dass andererseits die kraftstrotzenden, aber aggressiven Stiere, absolut nicht geeignet sind, diese Art Arbeit zu leisten, darf dabei allerdings auch nicht unbeleuchtet bleiben. Unser Staat ist ein träges Gebilde. Das ist gut so. Achtzig Millionen Menschen müssen sich auf einigermaßen stabile Zustände verlassen und einrichten können, da sind Heißsporne mit Hau-Ruck-Programmen, die von heute auf morgen alles über den Haufen werfen, fehl am Platze - und wenn ihre Ideen noch so gut, ihre Visionen noch so fantastisch sind.

Was wir brauchen sind Kraft und Zuverlässigkeit - getragen von breiter Akzeptanz.

Für das, was der Staat (also wir) seinen Politikern im Parlament, seinen Ministern und selbst dem Kanzler zu zahlen bereit ist, bekommt man in der freien Wirtschaft - in der gleichen Abstufung - einen tüchtigen Abteilungsleiter mit Prokura, den Direktor einer Fabrik mit ein paar hundert Arbeitern, vielleicht ein Vorstandsmitglied einer unbedeutenden, nicht börsennotierten Aktiengesellschaft - aber keinen wirklichen Spitzenmanager.

Dabei stehen, um wieder im Bild zu bleiben, auch bei den großen Wirtschaftsunternehmen mehr zuverlässige, kräftige "Ochsen" in der vordersten Linie, als wilde kraftstrotzende Stiere. Es sind die gleichen Kaliber von Führungskräften, mit ähnlichen Eigenschaften und Fähigkeiten, die es in der Wirtschaft und in der Politik ganz nach vorne bringen.

Es sollte niemanden wundern, wenn es beide auch verstehen, unter allen Strichen vergleichbare Einkünfte zu erzielen.

Den Wirtschaftsführer stellt man den Kindern als Vorbild hin.

Weil er so viel verdient.

 

Den Politiker, dessen Nebengeschäfte und Zusatzeinkommen und Vergünstigungen ruchbar werden, fordert man zum Rücktritt auf.

Nun, ich will nun weiß Gott nicht der Korruption und der Bestechlichkeit das Wort reden. Ich will auch nicht, dass über alle möglichen Nebeneinkünfte, woher auch immer sie stammen, mit welchen Gegenleistungen auch immer sie verbunden sind die Generalamnestie einer ausgleichenden Gerechtigkeit verhängt wird.

Das wäre vollkommen falsch.

Mir geht es darum, den Politikern, allen voran denjenigen, die in der Regierung Verantwortung tragen, aber auch denen, die als Parlamentarier in den Ausschüssen gute und wichtige Arbeit leisten, den Anreiz zu geben, genau diese Arbeit besonders gut zu erledigen, weil es sich für sie persönlich lohnt!

Warum sollte nicht das Parlament zu Beginn jeder Legislaturperiode über die Ziele der Regierung und der einzelnen Ressorts beschließen und an den Zielen bemessene "Gewinnausschüttungen" dafür festlegen?

Warum sollte ein Arbeitsminister nicht um so mehr Geld bekommen, je mehr Beschäftigte das Land hat und je mehr diese durchschnittlich verdienen?

Warum sollte ein Sozialminister nicht um so mehr Geld bekommen, je preiswerter die dem Stand der Kunst entsprechende medizinische Versorgung allen Bürgern verfügbar gemacht werden kann?

Warum sollten Verteidigungs- und Außenministerium nicht gemeinsam an der Minimierung des Risikos kriegerischer Auseinandersetzungen arbeiten und ihre Entlohnung an den eingesparten Ausgaben für Verteidigung bemessen werden?


Ich will es bei diesen wenigen Beispielen bewenden lassen, um der Diskussion Spielräume zu geben. Hauptsache, die Grundidee ist dadurch klarer geworden.

Ich glaube nämlich, dass bei einer solchen, an festgelegten Zielen und dem Grad der Zielerreichung bemessenen Vergütungen für das politische Spitzenpersonal niemand mehr auf die Idee käme, man könne diese wichtigen, hochdotierten und für das Land so lohnenden Aufgaben irgendwelchen politischen Halbstarken überlassen, nur weil sie versprechen, den Job für weniger Geld zu tun.

Das Volk würde laut nach den besten Ochsen rufen - und die kämen.
Von überall her.
Weil sie endlich auch in der Politik ihren Fähigkeiten entsprechend gutes Geld verdienen könnten, ohne sich klammheimlich mit Beraterverträgen und Schmiergeldzahlungen, mit Gefälligkeiten und Vergünstigungen die einigermaßen angemessene Alimentierung verschaffen zu müssen.

Ich habe nichts dagegen, wenn der Kanzler von 82 Millionen Deutschen mehr als doppelt so viel Geld verdient, wie der bestbezahlte deutsche Konzernlenker - und sich das auch entsprechend "heraushängen" lässt. Erst wenn sichtbar wird, dass gute Leistung, nach den Vorgaben des vom Volk gewählten Parlaments, auch überaus gut honoriert wird, braucht sich ein deutscher Kanzler den Wirschaftsführern und ihren Geldgebern nicht mehr als Genosse der Bosse anzubiedern, um überhaupt gehört zu werden. Erst dann ist er nämlich das, was er sein sollte:

Der demokratisch legitimierte, vom Parlament kontrollierte, aber eben auch allgemein aktzeptierte
BOSS.

Vom Reiheneckhaus her ist es unmöglich, Menschen wie Piech, Pierer und Pischetsrieder ins Boot holen.

Darüber könnten wir alle nachdenken, bevor der nächste Kanzler sich anschickt, unser Korn zu dreschen - statt ungeduldig immer weiter die gleiche bange Frage zu stellen: Wird es nun er, oder sie; kommt Ampel oder Jamaica, rotschwarz oder schwarzrot...

 


Etwas weiter ausgeholt und in einem anderem Gesamt-Zusammenhang habe ich diese Problematik übrigens bereits in "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band I" behandelt. Hier der Link auf die Kapitel 65 und 66.


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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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