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Prügelknabe Ackermann


Verdünnte Wahrheit verdummt


Ein Kommentar mit Nachrichtencharakter
von Egon W. Kreutzer
vom 2. Mai 2005

 

Es ist ja nicht so, dass man Mitleid haben müsste.

Der Chef der Deutschen Bank ist zwar auch nur ein Angestellter, den Launen und Wünschen der Anteilseigner schutzlos ausgesetzt, von Versagensängsten geplagt und in der Runde der großen Banker dieser Welt immer noch einer der kleinsten, aber andererseits verdient Acki auch ganz ordentlich Geld dabei und lässt keinen Augenblick die Vermutung aufkommen, dass ihn - bei seiner bisweilen schmutzig wirkenden Arbeit - Gewissensbisse plagen. Man könnte eher neidisch werden, wenn man sein freudig strahlendes Jungenlachen sieht und merkt, dass es echt ist. Dem Mann macht Spaß, was er tut. Er geht in seiner Arbeit auf. Er zeigt Leistung aus Leidenschaft und reckt seinen auf 33 Grad gesteigerten Ertragswinkel stramm nach oben.

Nein, man müsste eigentlich kein Mitleid haben,

aber andererseits sollte man doch einmal ernsthaft versuchen zu verstehen, warum Josef Ackermann nicht verstehen kann, dass nun ausgerechnet auf ihm herumgehackt wird.

Ausgerechnet wegen jener lächerlichen 1.920 Stellen, die er dieses Jahr in Inland abbauen will, zieht ganz Deutschland über ihn her. Nun ja, nicht ganz Deutschland, aber die einmal ausgebrochene mediale Lynchpsychose lädt so unwiderstehlich zum Mitmachen ein, dass nur ganz hartgesottene Business-Krieger noch wagen, dem gehetzten Geldfuchs in Treue fest klammheimlich die Daumen zu drücken.

Wie auch immer Herr Ackermann es geschafft hat, sich so unbeliebt zu machen - diese Schelte hat er nicht verdient.

 

Die ganze Wahrheit

Die ganze Wahrheit?

Das ist ein hoher Anspruch, der wohl nie zu erfüllen ist, aber ein bisschen mehr Wahrheit, als diejenige, dass es eine Schande ist, knapp 2.000 Leute in Deutschland und weitere 4.400 im Rest der Welt auf die Straße zu setzen, nur um die Eigenkapitalrendite noch über die im ersten Quartal schon erreichten 33 Prozent hinaus zu steigern - ein bisschen mehr Wahrheit sollte schon sein.

 

1. Die Wahrheit

über den Stellenabbau bei der Deutschen Bank

In meiner Statistik über Stellenabbau und Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland gibt es zur Personalpolitik der Deutschen Bank folgende Erkenntnisse:


28.07.2003

Zwischen dem Ende des Jahres 2.000 und Ende Juli 2003, also im Verlaufe von zweieinhalb Jahren, hat die deutsche Bank weltweit rund 20.000 von ehedem 90.000 Stellen gestrichen. Am 28. Juli 2003 ließ die Bank verlauten, man wolle nun jeden einzelnen Prozess, der in der Bank abläuft, auf den Prüfstand stellen um im großen Stil Outsourcing zu betreiben. Externe Dienstleister bzw. Menschen in Niedriglohnländern sollten die Aufgaben von bis zu 5500 inländischen Bankangestellten übernehmen. Das Dementi ließ nur kurz auf sich warten. Es kam so schwammig daher, wie ein Dementi nur schwammig daherkommen kann:

"Zu sagen, wir gliedern 5500 Stellen aus, wäre eine grundverkehrte und falsche Botschaft."

Was angesichts des geplanten Abbaus von 5.500 Stellen die richtige Botschaft gewesen wäre, wurde leider nicht gesagt.

 

05.02.2004

Anfang Februar 2004 meldet die Bank für die 3 Monate Oktober bis Dezember 2003 einen Gewinn nach Steuern in Höhe von 436 Millionen Euro. Der Konzerngewinn für das Gesamtjahr 2003 beläuft sich damit auf 1,4 Milliarden Euro. Der Verwaltungsaufwand konnte um 11 Prozent (2,1 Milliarden Euro) auf 17,3 Milliarden Euro gesenkt werden, der Sparkurs wird fortgesetzt. Aus den Vergangenheitszahlen und aus der Aussage, der Sparkurs werde (unverändert) fortgesetzt, war der Schluss zu ziehen, dass die Deutsche Bank in 2004 in Deutschland weitere 8.000 Stellen abbauen wollte.

23.11.2004

Im Spätherbst 2004 verkündet die Bank einen weiterem Arbeitsplatzabbau in der Größenordnung von 3.000 Stellen. Vor allem in Stabsstellen sollen Überkapazitäten festgestellt worden sein. Betroffen sind also voraussichtlich das Kredit-Risikomanagement, die Rechts-, Personal- und IT-Abteilungen. Dazu wurde ergänzend ausgeführt, die Deutsche Bank habe die deutsche Belegschaft seit Ende 2001 von 41.191 Mitarbeitern (48 Prozent der Gesamtbelegschaft) auf 27.330 Mitarbeiter Ende September 2004 (41 Prozent der Gesamtbelegschaft) reduziert.


20.01.2005

Die Bank will bis Ende 2006 von derzeit 27.330 auf nur noch 25.410 Mitarbeiter in Deutschland schrumpfen.

 

Der Beitrag der Deutschen Bank
zur Arbeitslosigkeit in Deutschland seit dem 1. Januar 2000

Die Deutsche Bank beschäftigte Anfang des Jahres 2000 in Deutschland 51.273 Menschen. Das derzeit offizielle Personal-Ziel für Ende 2006 liegt bei 25.410 Mitarbeitern.

Das ist ein Abbau von 25.863 Arbeitsplätzen,
die glatte Halbierung der Beschäftigtenzahl
und immerhin ein halbes Prozent aller in Deutschland gezählten Arbeitslosen.

 

 

2. Die Wahrheit

über den Erfolg der Arbeitsmarktpolitik seit 2002

Josef Ackermann ist nicht der einzige, der sich nach Kräften bemüht, seinen Aktionären hohe Gewinne zu verschaffen, und er ist nicht der einzige, der sich bemüht, dieses Ziel durch die Vernichtung von Arbeitsplätzen zu erreichen.

Einige wenige Menschen werden sich vielleicht noch erinnern können:

Im Jahre 2002, im Vorfeld der anstehenden Bundestagswahl, gab es seltsame Aktivitäten. Die Bertelsmann Stiftung koordinierte den massiven Einsatz von Mc Kinsey (einer US-Unternehmensberatungsgesellschaft mit Ableger in Deutschland) und etlichen anderen Unternehmensberatern. Ihr Ziel: Ein Generalkonzept zur Entmachtung der Gewerkschaften, zum Abbau möglichst aller Arbeitnehmerrechte, zur massiven Senkung der Löhne und der Lohnnebenkosten, zur totalen Flexibilisierung der Arbeitszeit, zur massiven Leistungskürzung bei der Arbeitslosenversicherung und darüber hinaus alles das, woran sich neoliberale Ausbeutergehirne Tag und Nacht ergötzen können. (Es tut mir leid, Herr Hundt, wenn Sie jetzt schon wieder kotzen müssen, aber ich fürchte, dass hängt damit zusammen, dass Sie ganz einfach nie genug bekommen können, oder?)

Ein paar mehr Menschen werden sich erinnern,

dass Peter Hartz als Vorsitzender einer Kommission, die "Hartz-Kommission" genannt wurde, in dieser Zeit vollmundig erklärte, man müsse nur die von ihm vorgeschlagenen Maßnahmen umsetzen, damit es besser würde und Gerhard Schröder könne sich dabei auf die Profis der Nation verlassen.

Was die wenigsten noch zusammenbringen ist,

dass eben dieser Peter Hartz, Personalvorstand bei VW, seinen Namen hergab, um die unsäglichen Mc Kinsey Konzepte als Segen für Deutschland zu verkaufen und dass er sich nicht scheute, die Halbierung der Arbeitslosenzahl in Deutschland von seinerzeit 4 Millionen auf nur noch 2 Millionen vorherzusagen. Dieser wunderbare Effekt war noch dazu exakt terminiert: Auf den 30. Juni 2005.

Bis dahin sind es noch zwei Monate.

Die Vorschläge sind umgesetzt, die verheerenden Folgen für den Sozialstaat, der angeblich zerschlagen werden musste, um den Rückgang der Arbeitslosigkeit zu ermöglichen, sind nicht mehr nur die Befürchtungen weitsichtiger Kritiker sondern längst bösartige, schmerzhafte, grausame Realität.

Die Zahl der gezählten Arbeitslosen liegt heute um drei Millionen höher, als von Peter Hartz für den Sommer 2005 versprochen. Sie liegt um volle drei Millionen höher, obwohl inzwischen in mehrfacher Hinsicht anderes gezählt wird.
Zwischen dem von Anfang an haltlosen Hartz-Versprechen und den offiziellen Zahlen liegt der Faktor 2.5.

Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit ermittelt neben der offiziellen Arbeitslosenzahl sogar noch eine Zahl der tatsächlich Arbeitslosen und kommt auf 6,5 Millionen.
Zwischen dem von Anfang an haltlosen Hartz-Versprechen und der Zahl des Chefs der BA liegt der Faktor 3,25.

Andere Menschen, die auch rechnen können und die Augen noch etwas weiter offen halten, als Herr Weise, kommen auf bis zu 8 Millionen.

Das ist das Vierfache dessen, was Hartz versprochen hat und wofür die Rot-Grüne Regierung unter dem Beifall von Industrie und Kapital und unter anfeuernden Rufen der schwarz-gelben Opposition den Sozialstaat zugrunde reformiert hat.

Trotzdem saßen gestern Abend, am 1. Mai 2005, Herr Döpfner (Springerpresse), Herr Homm (Hedgefonds-Manager) und Herr Niebel von der FDP bei Sabine Christiansen und beklagten unisono, das sei längst noch nicht genug, sondern gerade einmal der Anfang.

Ich frage mich dann immer, der Anfang wovon?

 

 

3. Die Wahrheit

über die Arbeitsplatzvernichtung durch Politiker

Die aus Medienberichten gespeiste und keineswegs vollständige Statistik der Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland, welche Insolvenzen, angekündigten und absehbaren Stellenabbau umfasst, weist seit Beginn der Erfassung am 2. Oktober 2002 den Stand von rund 2,6 Millionen abgebauter Stellen aus.

Ein Großteil davon ist durch Sparentscheidungen der verantwortlichen Politiker von Bund, Ländern und Gemeinden ausgelöst worden.

Es folgt eine kleine, keineswegs vollständige Aufzählung

Bundesrepublik Deutschland,
es ist beschlossene Sache, die Wochenarbeitszeit der 300 000 Beamten des Bundes wird von 38,5 auf 40 Stunden verlängert. Ziel: 3,9 Prozent der Stellen sollen wegfallen. Das kostet 11.700 Jobs

 11.700

Bundesrepublik Deutschland,
aus 285.000 Soldaten und 128.000 zivilen Beschäftigten sollen bis 2010 (Agenda Struck?) 250.000 Soldaten und 75.000 Zivilbedienstete werden. 200 Standorte werden künftig auf die kasernierte Kaufkraft verzichten müssen. Rein wirtschaftlich betrachtet eine Katastrophe, vor allem, wenn das gesparte Geld den Menschen und der Wirtschaft nicht auf anderen Wegen wieder zufließt. Das kostet alleine beim Bund 88.000 Jobs

 88.000

Baden-Württemberg, altes reiches Südstaaten-Bundesland,
eine Milliarde Euro soll im Landeshaushalt 2004 eingespart werden. Immer noch zu wenig, um einen verfassungsgemäßen Etat aufzustellen. Fraktionschef Günther Oettinger, CDU, kündigte Stellenstreichungen in der Landesverwaltung an. Allein durch die Erhöhung der Wochenarbeitszeit ließen sich 3000 Stellen einsparen. (Angela Merkel, ebenfalls CDU, glaubt allerdings, dass die Erhöhung der Wochenarbeitszeit Arbeitsplätze schafft. Im Ländle weiß man's besser.)
Die Erhöhung der Wochenarbeitszeit ist nicht genug. Zusätzlich werden landesweit 700 Stellen bei der Polizei eingespart.

 3.000
700

Bayern, reicher Freistaat
mit Sitz in München. Im Oktober 2003, gleich nach der Wiederwahl Stoibers zum Ministerpräsidenten gab das Management des Freistaats bekannt, dass aus Kostengründen in den nächsten Jahren 12.600 Stellen gestrichen werden müssten.

 12.600

Brandenburg, neues Bundesland,
Anfang 2000 hatte das Land noch 66.253 Stellen im Plan. Ende 2006 sollen es noch 55.542 sein und bis Ende 2007 soll Brandenburg mit 53.818 Landesbediensteten auskommen. Dazu kommt noch eine Bildungsoffensive der Dritten Art: Bis zum Jahre 2011 sollen 6000 Lehrerstellen abgebaut werden. Das Bildungsministerium hat dazu mit der Gewerkschaft GEW vereinbart, dass angestellte Lehrer zu günstigen Bedingungen vorzeitig aus dem Schuldienst ausscheiden können. Neben dem Wechsel in andere Bundesländer werden auch Abfindungen bis zu 50 000 Euro angeboten und Altersteilzeit mit Ausgleich der Rentenminderung oder Rente ab 60 in Aussicht gestellt. In der Landesregierung stehen dafür bis zum Jahr 2011 insgesamt 132 Millionen Euro zur Verfügung. Hinzu kommt, dass die Landesbediensteten zusätzlich auf bis zu 7,5 Prozent ihres Gehalts verzichten müssen und dafür bis zu drei Stunden wöchentlich weniger arbeiten. Darauf einigten sich Landesfinanzministerin Dagmar Ziegler und die Gewerkschaften des Öffentlichen Dienstes. Vollbeschäftigte Arbeitnehmer in der Landesverwaltung werden - sozial gestaffelt - zwischen einer halben und drei Stunden pro Woche weniger arbeiten und dafür Gehaltseinbußen zwischen 1,25 Prozent und 7,5 Prozent hinnehmen. Ziegler erklärte mit Blick auf gestrichenes Urlaubs- und gekürztes Weihnachtsgeld bei Beamten, damit würden Landesangestellte und Beamte gleich behandelt. Geht man von einer mittleren Kürzung um 2 Stunden bzw. 4% aus, entspricht diese Maßnahme einem weiteren Stellenabbau von rund 2.400 Arbeitsplätzen.

 12.435
6.000
2.400

Bremen, Hansestadt und altes Bundesland,
auch in Bremen soll weniger Polizei für mehr Geld in der Kasse sorgen. Von ca. 2415 Stellen sollen 115 wegfallen.

 115

Hamburg, Hansestadt und altes Bundesland,
der Landesbetrieb Krankenhäuser (LBK) wird in 2004 561 Stellen streichen, bis 2006 werden insgesamt 1500 Stellen abgebaut

 1.500

Hessen, altes Bundesland,
Roland Koch verordnet Hessen ein "brutalstmögliches" Sparprogramm. Im Haushalt 2004 werden 1,03 Milliarden Euro eingespart, alle Gebühren um zehn Prozent erhöht, alle freiwilligen Ausgaben und Subventionen um ein Drittel gekürzt. Für sämtliche Bereiche der Landesverwaltung gilt ein Einstellungsstopp, alleine 1000 durch Pensionierung frei werdende Lehrerstellen werden 2004 nicht besetzt. Insgesamt sollen 10.000 Stellen entfallen. Für Beamte gibt es Einschnitte beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Koch machte nach eigenen Aussagen für den Haushalt als erster hessischer Ministerpräsident von der in der Verfassung vorgesehenen Richtlinienkompetenz Gebrauch. Er beschloss demnach Einschnitte gegen den Willen seiner Minister. Nachdem Roland Koch in landesherrlicher Machtvollkommenheit seine Beamten zum Jahresbeginn auf die 42-Stunden-Woche verpflichtet hatte, sorgte er sich bald darauf um die Gerechtigkeit und verordnete auch den Angestellten und Arbeitern die 42-Stunden Woche. 60.000 Arbeiter und Angestellte hat Hessen. Die geforderte Mehrarbeit entspricht 5.000 Planstellen.

 10.000
5.000

Mecklenburg-Vorpommern, neues Bundesland,
per "Personal-Überleitung von oben" sollte den Landkreisen im Zuge der Aufgabenübertragung vom Land auf kommunale Behörden auch die Personalkosten aufgehalst werden. Dahinter steckt die Absicht, die Beschäftigtenzahl in Ministerien und Landesbehörden von 40 000 mittelfristig auf 30 000 zu senken..

 10.000

Niedersachsen, altes Bundesland,
Niedersachsen steht finanziell vor dem Kollaps. Die Präsidentin des niedersächsischen Landesrechnungshofes, Martha Jansen, will noch schneller sparen, als Christian Wulff. Dessen Einsparpläne über 6.750 Stellen reichen nicht aus, um die Finanzlöcher zu stopfen. Ab sofort müssten jährlich 2 060 Stellen im Landesdienst gestrichen werden, verlangte sie. Die Stellen der rund 14 500 Verwaltungsbeamten und 12 000 Lehrer, die bis 2010 in Pension gehen, müssen nach Auffassung des LRH per Einstellungsstopp eingespart werden. Mit Arbeitszeitverlängerung auf 45 Wochenstunden, Abschaffung der Altersteilzeit für Lehrer und anderen Mitteln soll erreicht werden, dass die notwendige Arbeit von weniger Menschen geschafft wird. Wir glauben, dass Frau Jansen richtig gerechnet hat und dass es - mangels politischer Fantasie - auch so kommen wird. Niedersachsen wird 26.500 Arbeitsplätze vernichten.

 26.500

Nordrhein-Westfalen, altes Bundesland,
auch NRW hat ein Sparprogramm. Der Haushalt 2004 soll gegenüber dem lfd. Budget um 2,1 Milliarden Euro zurückgefahren werden, 2005 sollen es 2,9 Milliarden weniger sein. Förderprogramme müssen um mehr als 1/3 gekürzt werden, Landesbediensteten werden längere Arbeitszeiten verordnet und im Gegenzug die Zulagen gekürzt. Gesetzliche Leistungen wie im Schienennahverkehr und bei der Schulfinanzierung werden beschnitten. Natürlich nimmt die Regierung auch den Verlust von Arbeitsplätzen billigend in Kauf. Jürgen Rüttgers hat nun angekündigt, in der Landesverwaltung darüber hinaus noch 10.000 Stellen streichen zu wollen und nur die Bereiche Bildung, Polizei und Finanzverwaltung auszunehmen. Da kein ernsthafter Zweifel am Wahlausgang in NRW besteht, wird er seine Pläne umsetzen dürfen. In NRW gibt es 308.000 Stellen in der Landesverwaltung. 10.500 tragen heute schon den kw-(kann wegfallen)-Vermerk. Rüttgers muss also, wenn er mehr sparen will, als es die bisherige Regierung vorgesehen hat, zusätzliche 10.000 Stellen einsparen. Selbst wenn die CDU die Wahl verlieren sollte, hat jede andere Regierung nach dieser Vorlage die beste Begründung für eigene Pläne zu forciertem Stellenabbau. In Summe sind also wohl 20.500 Arbeitsplätze von Landesbediensteten in NRW akut abbaugefährdet. Vom bereits erfolgtem Abbau der letzten Jahre gar nicht zu reden.

 20.500

Saarland, kleines, altes und armes Bundesland,
endlich hat auch das Saarland sein Sparprogramm mit einem Einsparvolumen von 136 Millionen Euro. Die Meldung des Saarländischen Rundfunks gab leider keine Auskunft, über die damit verbundenen Einsparungen im Personalbereich - wir schätzen jedoch, dass es ohne den Abbau von mindestens 2,500 Stellen nicht funktionieren kann.

 2500

Sachsen-Anhalt, neues Bundesland,
noch ist das nur eine Finanzprognose der SPD und keine Regierungserklärung, doch die Zahlenbasis ist wohl korrekt und daraus werden von allen großen Parteien die gleichen Schlüsse gezogen. Weil das Land spätestens ab 2008 keine neuen Schulden mehr aufnehmen soll, um die Zinsausgaben zu begrenzen, müssen bis 2020 ca. 30.000 Stellen gestrichen werden.

Wahnsinn mit Methode! So wird das Land noch weniger attraktiv, die Einnahmen gehen noch stärker zurück und in 2021 macht dann der Letzte das Licht aus!

 30.000

Thüringen, neues Bundesland,
in seinem Kampf für mehr Arbeitslosigkeit ist Dieter Althaus nun noch erfolgreicher, als schon im September 2004 zu erkennen war. Sollten damals nur 7.000 Landesbedienstete eingespart werden, sind es inzwischen 7.400 geworden.

 7.400

Alleine die hier aufgelisteten Sparpläne von Bund und Ländern, die alle in der Umsetzung schon mehr oder weniger weit vorangekommen sind, summieren sich auf 250.000 vernichtete Arbeitsplätze. Verantwortlich sind dafür nicht Unternehmer oder Anteilseigner, sondern Politiker, die in letzter Zeit so oft das Lügenmärchen verbreiten, die Politik könne keine Arbeitsplätze schaffen. Fragt sich, warum die Politik dann so viele Arbeitsplätze im Öffentlichen Dienst vernichten kann und wer die in der Vergangenheit geschaffen hat.

Was aus den Mitarbeitern der privatisierten Staatsbetriebe geworden ist, mag sich mancher Politiker nicht mehr zurechnen lassen - doch das Verscherbeln des Tafelsilbers hat ebenfalls einige Hunderttausend Arbeitsplätze gekostet. 100.000 Stellen hat alleine die Telekom seit 1995 gestrichen, kaum weniger die Bahn und die Post tut alles, um bei diesen Zahlen mitzuhalten.

Sehen wir noch einmal genau hin und fragen wir uns, wofür Josef Ackermann derzeit Prügel bezieht:

 Arbeitslosenzahl Frühjahr 2005 nach Angaben des Herrn Weise

6.500.000

100.00 %

 Arbeitslosenzahl Frühjahr 2005 nach offizieller Statistik

5.000.000

 76,90 %

 Arbeitsplatzvernichtung Statistik seit 2. Oktober 2002 (per 30.04.05)

 2.585.000

 39,80 %

 Arbeitsplatzvernichtung durch Politiker in Bund und Ländern

 250.000

 3,85 %

Arbeitsplatzvernichtung Deutsche Bank Inland (seit 2000)

 25.863

 0,40 %

 Josef Ackermanns Plan für 2005

 1.920

 0,03 %



 

4. Die Wahrheit

über das eigentliche Problem

Wahr ist, dass Deutschland - dem Staat Deutschland und den öffentlichen Kassen insgesamt - nicht etwa der Wirtschaft, das Geld ausgegangen ist.

Wahr ist, dass dem Großteil der deutschen Bevölkerung, den Arbeitern und Angestellten, den Beamten und Soldaten, den kleinen Unternehmern in Handwerk und Handel das Geld ausgegangen ist.

Wahr ist aber auch, dass die Reichen auf dieser Welt und die Reichen in Deutschland ständig reicher werden, während Staaten und Bevölkerung zunehmend in die Armut gleiten.

Wahr ist, dass die Reichen inzwischen so reich sind, dass sie das viele Geld, dass ihnen aus Unternehmensgewinnen, Zinserträgen, Spekulationsgewinnen, Miet- und Pachteinnahmen ständig zufließt auch beim allerbesten Willen überhaupt nicht mehr ausgeben können. Jedenfalls nicht für Prunkvillen, Privatjets, Luxuskarossen, Champagner, Kaviar und Liebesdienste - also nicht für Waren und Leistungen, aus deren Herstellung ein Arbeiter Lohn oder ein Angestellter Gehalt bezieht.

Wenn sie es ausgeben, dann für freundliche und feindliche Übernahmen, für Optionsscheine, für Hedge-Fonds, für Aktien- und Währungsspekulationen, für das Zusammenkaufen von Sachwerten, für den Erwerb von Patenten und anderen Rechten.

Wenn sie es ausgeben, dann geben sie es untereinander weiter, aber der Staat und die Bürger sehen nichts mehr davon.

Das Geld ist weg.

Es ist in einem so unglaublichen Maße weg, dass es gar keinen Sinn macht, noch zu investieren und Wachstum zu erzeugen. Das Geld, dass damit zu verdienen wäre, können die vielbeschworenen Investoren gar nicht mehr verdienen.

Sie haben es doch schon!

 

Das Geld ist in einem so erschreckenden Maße weg, dass es nur noch darum geht, auch noch das letzte bisschen Geld zu finden und einzusacken. Dazu muss man sparsam sein.

Deswegen ist Ackermann sparsam.

 

Wenn sogar die Banken kein Geld mehr in Umlauf bringen - obwohl das ihre Aufgabe ist, sondern bei höchsten Gewinnen Personal entlassen, um auch noch das letzte bisschen Geld als Gewinn zurückzuhalten, dann sollte der Staat die Geldversorgung übernehmen, statt dumm und dämlich mitzusparen, bis die Deflation im katastrophalen Crash endet.

Die Hartz Gesetze sind uns von Mc Kinsey geschrieben worden.

Wölfe fressen Schafe.



Eine Reform, die diesen Namen verdient, muss bei der Geldversorgung der Realwirtschaft ansetzen.


Die Begründung dafür liefert
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III
Das Buch über das Geld

Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III ist mehr als nur die gedruckte Fassung der auf den "Sonderseiten Geld" vorgestellten Aufsätze.

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Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band III ist ein wichtiges, eigenständiges Werk, dessen Wert weit über die bereits veröffentlichten Einzel-Aufsätze hinaus geht.

Band III
erscheint im Juni 2005 und kann schon jetzt zum vorteilhaften Subskriptionspreis bestellt werden.

Mehr darüber finden Sie hier.


a


* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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