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5 + X Millionen Arbeitslose.
Da muss man nur so weiter machen,
dann werden es schon weniger.


Ein Kommentar von Egon W. Kreutzer
1. Februar 2005

Breiverderber
.
Ach, wenn es doch wenigstens viele "Köche" wären!

Auch noch so viele Köche kämen angesichts einer total versalzenen Suppe relativ schnell zu dem Schluss, dass die Suppe verdorben, ja ungenießbar ist. Denn auch unter noch so vielen Köchen fände sich einer, der den Löffel nimmt, probiert und laut und grässlich "Scheisse!" brüllt. Köche wissen schließlich, was sie tun.

Diejenigen, von denen wir uns die ganz große Suppe versalzen lassen müssen, sind keine Köche. Es sind, wenn man genau hinsieht, Poliperten und Exitiker, expertengläubige Politiker und politikhörige Experten, die sich gegenseitig stützen und so in Amt und Pfründen halten.

Seit heute ist es offiziell: In der Suppe, die man uns eingebrockt hat, schwimmen über fünf Millionen amtlich gezählte Arbeitslose. Der Wirtschaftsminister und der Arbeitsminister sind sich nach langem Disput darüber einig geworden, dass das ganz schön viele sind, sehen aber doch zugleich das Positive darin, nämlich fünf Millionen Gründe, nicht nachzulassen, mit den Reformbemühungen.

Außerdem, meint der gleiche Superminister in ressortübergreifender Rhetorik, sei nun endlich der Schleier der Verschleierung von den Arbeitslosenzahlen weggezogen, die Statistik bereinigt, die wahre Zahl an die Wand geschrieben. So, und bei Licht besehen, sei der tatsächliche Anstieg der Arbeitslosenzahlen im Januar 2005 keineswegs spektakulär -- saisonbereinigt und um die arbeitsfähigen Sozialhilfeempfänger korrigiert sogar eher moderat, was ein Zeichen dafür sei, dass der Aufschwung vor der Tür stehe und der Reformeifer nun aber wirklich bald seine Wirkung zeigen werde, man dürfe nur nicht nachlassen.

Herr Rürup, der Kassensturzexperte für alles Soziale, redet derweil davon, dass es in Wahrheit sogar noch um die 1,5 Millionen Arbeitslose mehr wären, wollte man nur alle zählen, die wirklich arbeitsfähig und arbeitswillig wären. Er kommt aber wundersamerweise ebenfalls - nur halt mit 1,5 Millionen guten Gründen mehr als Clement - zu der Auffassung, dass man, gerade weil diese große Zahl so groß, das Problem so problematisch, die Herausforderung so herausfordernd sei, nun gerade jetzt nicht nachlassen dürfte mit den Reformen. Davon lebt er schließlich, der Herr Rürup.

Grökomaz*) Hartz, der noch vor gut zwei Jahren (bis in den Oktober 2002 hinein) versprochen hatte, dass sich die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland bis zum Sommer 2005 auf zwei Millionen halbieren ließe, wollte man nur daran gehen, den Faulenzern und Drückebergern die Suppe gründlich zu versalzen, dieser Herr Hartz gibt schon lange keinen Kommentar mehr ab; mag sein, er schämt sich.

*) Größter Kommissar aller Zeiten

Aber diejenigen, die den Bürgern die salzige Hartz-Diät auf den Speisezettel gesetzt haben, ohne angesichts ihrer eigenen Diäten und Altersversorgung je in Verlegenheit zu kommen, selbst davon probieren zu müssen, reagieren auf jede neue Hiobsbotschaft, auf jedes neue Opfer der verfehlten Politik stur und uneinsichtig mit einer einzigen Formel: "Wir müssen den einmal eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen und dürfen jetzt keinesfalls nachlassen mit den Reformen." Dabei versuchen sie uns ernsthaft weiß zu machen, dass die längst versalzene Suppe einzig dadurch zu retten wäre, dass noch mehr Salz hineingeschüttet wird.

Ach, wenn es doch wenigstens viele "Köche" wären!

 

Wir werden in den nächsten Tagen von den Medien mit klugen Kommentaren und aufgeregten Talkrunden, mit den Sprechblasen der wütend fordernden Opposition und den Phrasen der mutig beschwichtigenden Regierung bestens versorgt werden. In zwei Wochen ist das Thema dann durch. Wirtschaft und Kapital, Poliperten und Exitiker sind sich dann einig, dass Deutschland nichts weiter braucht als ein paar weitere, kräftige Prisen Salz.

 

Wie recht sie haben und wie richtig die Reformen sind, war doch schon im Weihnachtsgeschäft zweifelsfrei zu erkennen.

Hat nicht der Einzelhandel von Adventssonntag zu Adventssonntag ein spektakuläres Rekordgeschäft bejubelt? Hat die umworbene Kundschaft nicht endlich wieder eingekauft, statt sich, dem Vorbild von Staat und Wirtschaft folgend, dumm und dämlich zu sparen?

Nun, heute kam auch das heraus:

Es war das schlechteste Weihnachtsgeschäft seit zehn Jahren, preisbereinigt wurden 2,7 Prozent weniger Umsatz erzielt als im Vorjahr.

Seltsam. Im Zeitalter elektronischer Kassensysteme weiß der Einzelhandel am Abend jedes Tages genau, was er umgesetzt hat. Die paar Kleinen, denen die technischen Voraussetzungen dafür fehlen, fallen einerseits nicht ins Gewicht und werden (deshalb) andererseits auch gar nicht gefragt. Die Großen, die genau wussten, dass das Geschäft miserabel läuft, haben (selbstverständlich in bester Absicht, wegen der Psychologie) falsch informiert, die Breiverderber haben es geglaubt und uns erzählt, da müsste nun doch auch der letzte Miesepeter sehen, wie gut uns die versalzene Suppe tut.

Frech gelogen. Aller Realität zum Trotz. Als wüssten wir nicht am besten, wie groß die Weihnachtsgeschenke heuer ausgefallen sind. Als wüssten wir nicht am besten, dass wir uns scharenweise das Weihnachtsgeld haben streichen lassen, nur um den Job zu behalten. Ein Wunder, dass der Rückgang trotzdem noch unter drei Prozent geblieben ist.

 

Ach wenn es doch wenigstens Köche wären!

Für einen Koch ist es eine Binsenweisheit, dass sein Restaurant um so besser floriert, je mehr Geld seine Gäste in der Tasche haben.

 

Die Erfinder, Befürworter, Verkünder und Vollstrecker der Agenda 2010 haben andere Vorstellungen.

Sie setzen auf den "armen Gast". Der Ein-Euro-Jobber soll die deutsche Wirtschaft beleben.

Den ein Euro-Jobber haben wir nun, auch die PSA und die Mini-Jobs, 7.000 Zöllner jagen Schwarzarbeiter, Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe sind abgeschafft, notfalls gibt es ALG II, aber nur, wenn die Bedarfsgemeinschaft nicht in "Sippenhaft" genommen werden kann. Die Renten sind gesunken und werden stärker besteuert. Die Krankenversicherung wird nicht mehr solidarisch von den Arbeitgebern mitgetragen und leistet den Kranken immer weniger. Kein Bundesland, das nicht den Abbau Tausender von Stellen plant und umsetzt - überall wird reformiert und gespart was das Zeug hält. Gewinnstrotzende Kapitalgesellschaften entlassen weite Teile ihrer Belegschaften, Wohltaten wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, Überstundenzuschläge und Fahrgeldzuschüsse sind flächendeckend gestrichen. Die Menschen, die noch Arbeit haben, arbeiten länger, für weniger Geld. Wer etwas zu entscheiden hat, in diesem Lande, bemüht sich nach Kräften, Löhne und Sozialkosten zu senken.

Der arme Gast ist da - der Aufschwung nicht.

 

Für einen einfachen Koch ist dieses Ergebnis nicht überraschend - er hätte es von Anfang an und ohne jeden Zweifel gerade so vorhergesagt.

Bleibt die Frage, warum es diejenigen, die sich so gerne als die Verantwortlichen bezeichnen, nicht begreifen.

Ich meine, es wäre ja nicht schlimm, einen Fehler zuzugeben. Im Gegensatz zum Koch (der durchaus fürchten muss, eingelocht zu werden, wenn er in seiner Küche einen vergleichsweise harmlosen Fehler macht und nur ein einziger Mensch wegen eines verdorbenen Essens zu Schaden kommt) erschöpft sich die gesamte Verantwortung des Politikers, egal wie viele Menschen durch ihn zu Schaden kommen, im einmaligen Aufsagen der Formel: "Ich trete zurück."

Für den Rest ist wieder der Wähler verantwortlich. Der hat das ja so gewollt.

Wer es so nicht gewollt hat, sollte sich auf die nächsten Wahlen besser vorbereiten!

Mir scheint, dass die neu gegründeten "Partei für Arbeit und soziale Gerechtigkeit - Die Wahlalternative" eine Chance bietet, den Großparteien den Rücken zu kehren, ohne sein Kreuz deshalb am links- oder rechtsextremen Rand des Spektrums machen zu müssen.

 

PS

Ich konnte mir immer gar nicht vorstellen, wie das konkret aussehen soll, wenn die Opposition verlangt, die Reformen gingen noch nicht weit genug, müssten noch härter und tiefer gehen. Doch nun bin ich klüger geworden. Vorbild für die weitergehenden Reformen könnte z.B. Russland sein. Dort liegt die Lebenserwartung der Männer bei 57 Jahren, die der Frauen bei 64 Jahren. Da trifft es sich doch gut, dass das Rentenalter für Männer nun auf 65 Jahre das für Frauen auf 60 Jahre heraufgesetzt werden soll. Das ist einerseits extrem frauenfreundlich und außerdem extrem günstig für die Entwicklung des Beitragssatzes.


 

So, und wenn Sie bis hierher gelesen haben,
und im Großen und Ganzen zustimmen,
dann möchte ich Sie dazu animieren,
(wieder) einmal in meinem Verlagsangebot zu stöbern.

Da gibt es inzwischen einiges mehr, als nur Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre in zwei Bänden.

Thomas Koudela hat in seinem 470-Seiten-Buch "Entwicklungsprojekt Ökonomie" einen einzigartigen Ansatz für eine "gute, positiv wirkende" Marktwirtschaft jenseits des Kapitalismus und seiner monopolistischen Strukturen aufgezeigt. Viele Abbildungen und Diagramme unterstützen beim "Begreifen" des durchgehend verständlich geschriebenen Textes.

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Mehr Informationen zu den hier vorgestellten und weiteren Büchern finden Sie auf den speziellen Verlagsseiten.


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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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