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Die
furchtbaren Folgen einer katastrophalen demografischen Entwicklung

Die Argumente der "demografischen Kampagne" muss man nicht fürchten, diejenigen, die sie vortragen, schon.

Egon W. Kreutzer
06. Mai 2004


Die deutsche Bevölkerung schrumpft jährlich um rund 120.000 Menschen.
Weil nämlich rund 840.000 Sterbefällen nur rund 720.000 Geburten gegenüberstehen.

 

...und das Bruttosozialprodukt bleibt gleich - in Wahrheit wächst es sogar immer wieder noch ein bisschen.

Ja?

 

Da sollte doch eigentlich Jahr für Jahr für jeden Einzelnen ein bisschen mehr Wohlstand, ein bisschen mehr Lohn, ein bisschen mehr Rente übrig bleiben.

Ist aber nicht!

Stattdessen spart uns unsere Obrigkeit kaputt, verscherbelt bald auch noch das letzte Staats- (=Volks-) Vermögen und erklärt, dass dieses Volk selbst daran schuld sei, weil einfach viel zu wenig Leute sterben (im Original: "...immer älter werden") und weil außerdem viel zu wenig geboren werden.

Da passt doch irgendetwas nicht zusammen.

 

Die Experten erklären das immer ganz fix weg:

"Wer einfach Bevölkerung und Bruttosozialprodukt gegenüberstellt", sagen sie uns, "der übersieht die strukturellen Probleme im Detail, insbesondere das Rentnerproblem. Immer mehr Alte müssen von immer weniger Jungen mitgeschleppt werden, da müssen doch entweder die Beiträge ins Unermessliche steigen oder die Renten ins Bodenlose sinken."

Stimmt das?

Tatsächlich kann man davon ausgehen, dass die Zahl der Rentner jährlich um rund 160.000 wächst.

Gehen wir davon aus, dass Menschen üblicherweise sterben, wenn sie schon alt und in Rente sind, während die Mehrzahl der Menschen, die geboren werden, zu diesem Zeitpunkt noch sehr jung und vom Rentenbeginn weit entfernt sind, dann ist es zulässig, einfach zu unterstellen, die rund 840.000 Todesfälle pro Jahr würden direkt zum Absinken der Rentnerzahl führen. Daraus entsteht folglich eine Entlastung der Rentenkassen um die Altersbezüge von 840.000 Altrentnern.

Allerdings wachsen jährlich auch rund 1 Million Neurentner nach, so dass sich die Zahl der Rentner unter dem Strich um jährlich rund 160.000 Menschen erhöht.

Wie wirkt sich das nun auf den Wohlstand im Lande aus?

Nun, von 1 Million Menschen, die das Renteneintrittsalter erreichen, waren vorher etwa 800.000 erwerbstätig und bekommen ab sofort - wenn's hoch kommt - noch 60 Prozent ihres früheren Nettogehaltes aus der Rentenkasse. Die anderen 200.000 waren aus verschiedensten Gründen nicht erwerbstätig und bekommen deswegen auch weniger Rente, nehmen wir an, durchschnittlich die Hälfte dessen, was die Erwerbstätigen erwarten dürfen. Dies durchgerechnet ergibt, dass diese Million frisch verrenteter Menschen die Gesellschaft nur noch ungefähr 45 Prozent dessen kostet, was sie vorher an Lohn und Arbeitgeberbeiträgen zur Sozialversicherung gekostet haben.

Weil allerdings nur 840.000 gestorben, aber 1 Million Neurentner hinzugekommen sind, erhöhen sich die Ausgaben der Rentenkasse tatsächlich und zwar um die Renten von 160.000 Menschen, was einem Mehraufwand von etwa 0,8 Prozent entspricht.

Haben die Experten also recht?

Solange man nur die Rentenkassen betrachtet schon. Die Wirtschaft allerdings ist, wenn man die Überlegung an dieser Stelle abschließen will, gleichzeitig 1 Million Lohn- und Gehalts- und Lohnnebenkostenverursacher losgeworden und spart damit rund das 13-fache dessen ein, was die Rentenkasse mehr braucht.

Da sollte sich eigentlich das bisschen Mehrbedarf der Rentenkasse leicht finanzieren lassen.

 

Die Experten erklären diesen Gedanken immer ganz fix weg.

Wenn man nur die Bewegung der Rentner betrachtet, kann man sich natürlich kein richtiges Bild von den furchtbaren Wirkungen der demografischen Entwicklung machen. Schließlich verändert sich doch nicht nur die Zahl der Rentner, es verändern sich auch alle anderen Zahlen. Insbesondere darf nicht vergessen werden, dass die verrenteten Mitarbeiter durch Neueinstellungen ersetzt werden müssen, was natürlich auch wieder zu einem Anwachsen der Löhne und Lohnnebenkosten führt.

Stimmt das?

Nun, wenn wir uns von der Betrachtung der Rentner ab und den Nichtrentnern zuwenden, dann stellen wir fest, dass die Zahl der Nichtrentner jährlich um rund 280.000 sinkt.

Die Rechnung ist einfach. 1 Million geht in Rente, aber nur 720.000 kommen per Geburt hinzu.

Die absoluten Zahlen sehen so aus, dass von den 82,5 Millionen Bundesbürgern knapp
20 Millionen 60 Jahre und älter - also "Rentner" - sind, während rund 62,5 Millionen Menschen als Nichtrentner unter uns leben. Eine Zahl die jährlich um 280.000 sinkt, was einerseits bedeutet, dass sich das Verhältnis von Rentnern zu Nichtrentnern schleichend verändert, von rund 32 Prozent derzeit, um jährlich rund 0,4 Prozent steigend, so dass tatsächlich in 10 Jahren nur noch 1,76 Nicht-Rentner auf einen Rentner kommen, während es heute noch rund 2,125 sind.

Aber den Experten ist das schon wieder zu pauschal.

Die dramatischen Veränderung in der Altersgruppe der Erwerbsfähigen, die müssten wir betrachten, wenn wir die nahende Katastrophe erkennen wollen.

O.k.: Von 62,5 Millionen Nichtrentnern sind rund 15 Millionen Kinder sowie Jugendliche in Ausbildung. Wenn wir die Bevölkerungsbewegungen innerhalb der Gruppe der Nichtrentner verfolgen, können wir feststellen, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen jährlich um 720.000 Neugeborene wächst, während sie gleichzeitig um etwa 950.000 Menschen sinkt, die nach Abschluss ihrer Ausbildung in das Berufsleben eintreten (möchten).

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen nimmt also derzeit jährlich um rund 230.000 Personen ab, während die Zahl der Rentner um jährlich 160.000 zunimmt.

Per Saldo nimmt also die Zahl der nicht im erwerbsfähigen Alter (Kinder, Jugendliche und Rentner) befindlichen Menschen jährlich um 70.000 ab.

Das ist doch eigentlich schon wieder ein schönes Zwischenergebnis.

Die Bundesrepublik Deutschland ist eines der dichtest besiedelten Länder der Welt. Mit 230 Menschen pro Quadratkilometer hocken wir zwischen Rhein und Elbe gut acht Mal so dicht aufeinander, wie die US-Amerikaner zwischen Atlantik und Pazifik.

Dazu kommt als Nebeneffekt:
Wenn es jährlich 70.000 unproduktive Menschen weniger gibt, dann brauchen die auch weder Nahrung, noch Kleidung, noch Wohnung - also auch kein Geld.

Die Experten erklären diesen Gedanken immer ganz fix weg.

Es kommt doch nicht darauf an, wieviele Menschen im nicht-erwerbsfähigen Alter sind, sondern darauf, wie viele im erwerbsfähigen Alter sind, weil es genau die sind, die immer weniger werden, aber alle anderen mit versorgen müssen.

Stimmt das?

Die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter erhöht sich derzeit alljährlich noch um rund 950.000 Menschen, die aus der Gruppe der Kinder und Jugendlichen in die Altersgruppe der Erwerbsfähigen hineinwachsen und sie vermindert sich gleichzeitig um die rund 1 Million Neurentner, die wir bereits näher betrachtet haben.

Per Saldo kommt es also jährlich zu einer Minderung der Zahl der erwerbsfähigen Menschen um rund 50.000.

Aber in Kombination mit der Erkenntnis von gerade eben heißt das:

Die Gruppe der Menschen im erwerbsfähigen Alter nimmt jährlich um 50.000 ab, während die Gruppe der Menschen im nicht erwerbsfähigen Alter jährlich um 70.000 Menschen abnimmt.

Wieder sieht es so aus, als bliebe das Verhältnis nahezu konstant, mit einem ganz leichten Trend zur Verbesserung. Die Gruppe der nicht Erwerbsfähigen schrumpft etwas schneller, als die Gruppe der Erwerbsfähigen.

Die Belastung für den Unterhalt der nicht erwerbsfähigen Bevölkerungsgruppen, müsst sich also doch eigentlich für den einzelnen Erwerbsfähigen leicht verringern.

 


Die Experten erklären diesen Gedanken immer ganz fix weg.


Erwerbsfähig heißt doch noch lange nicht, dass auch jeder arbeitet. Da gibt es Faulenzer und Drückeberger zu Hauf, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, Zivis, Knackis, Langzeitkranke, Aussteiger. Gelänge es, die zum Arbeiten zu bewegen, dann bräuchte die Rente nicht gekürzt, die Selbstbeteiligung bei den Krankheitskosten nicht erhöht, die Pflegeversicherung nicht reformiert, die Zumutbarkeitsregelungen für Bezieher Arbeitslosengeldes II nicht gestrichen, der Kündigungsschutz nicht aufgehoben, das Bundesbankgold nicht verkauft, die Beamten nicht auf 42 Wochenstunden verpflichtet und die Steuern nicht noch weiter vereinfacht und gesenkt werden.

Stimmt das?

O.k., es stimmt.

Von 47,5 Millionen erwerbsfähigen Menschen sind nur rund 38 Millionen tatsächlich auch erwerbstätig. Die restlichen 9,5 Millionen verteilen sich auf rund 5,5 Millionen arbeitssuchende Arbeitslose und weitere rund 4 Millionen Menschen, die dem Arbeitsmarkt aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zur Verfügung stehen.

O.k., es stimmt.

Diese 38 Millionen Erwerbstätigen sind es, die den ganzen großen Rest mitversorgen müssen, da haben die Experten schon recht.

Aber ist das auch richtig, gerecht und unabänderlich?

Kommen wir einfach noch einmal zum Ausgangspunkt der Betrachtung zurück:

Eine leicht schrumpfende Bevölkerung schafft eine leicht wachsende wirtschaftliche Leistung. Daran hat sich bei allem Hin- und Herrechnen nichts verändert.

Wenn unter diesen eigentlich kaum zu übertreffenden Bedingungen einer langsamen und kontinuierlichen positiven Entwicklung überall das Geld knapp wird, dann kann das doch nur bedeuten, dass der Bevölkerung der Ertrag ihrer Arbeit vorenthalten wird, und zwar um so mehr, je mehr es gelingt, die Zahl der für die Erstellung der Leistung erforderlichen Menschen und deren Ansprüche (Lohn, Gehalt, Gesundheit, Rente, Schulen, Theater, Schwimmbäder, Straßen, Parks, usw.) zu senken.

Würden nicht einige wenige Schmarotzer den gesamten Produktivitätszuwachs als ihren persönlichen Gewinn vereinnahmen, würde stattdessen der Ertrag der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung auch nur annähernd gerecht verteilt, es könnte allen Deutschen Jahr für Jahr ein kleines bisschen besser gehen.

Wer aber einerseits die Menschen in die Arbeitslosigkeit schickt und dem Rest der Beschäftigten mit tatkräftiger Unterstützung der Regierung die Löhne drückt, wer so den Löwenanteil des Ertrags der volkswirtschaftlichen Gesamtleistung in die Taschen weniger Reicher und Superreicher lenkt, der braucht Experten, die stets in der Lage sind, jede vernünftige Argumentation fix wegzuerklären, weil ohne solcheVolksverdummung die unanständige Bereicherung ruchbar würde und die Betrogenen beginnen könnten, ihr Recht einzuklagen.

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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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