Impressum
 Home alle Kommentare alle Leserbriefe  Stichwortsuche  Startseite Geld 


Egon W. Kreutzer, Schrobenhausener Str. 15, 86556 Kühbach-Unterbernbach

Zweiter Offener Brief zum Stellenabbau in Deutschland
veröffentlicht im Internet unter http://home.knuut.de/EWKberater/Meinung/14005OffenerBriefHartz2.html, als e-mail an den Verteiler meines Newsletters versandt, sowie dem Forum Demokratische Linke (Forum DL21), dem LabourNet sowie dem Betreiber der Site "Feldpolitik" zur weiteren Veröffentlichung und Verbreitung angeboten am 12. Februar 2004


Herrn Dr. Peter Hartz
Volkswagen AG
Berliner Ring 2

38440 Wolfsburg

 

Freitag, 13. Februar 2004

Halbzeit


Sehr geehrter Herr Dr. Hartz,

Anfang Oktober 2002 erklärten Sie in einem vielbeachteten Interview mit dem Stern :

"Ich bleibe dabei, dass wir mit einer Projektkoalition aller Profis der Nation die Zahl der Arbeitslosen bis zum 30. Juni 2005 um zwei Millionen senken können."

Ein Jahr später, am 2. Oktober 2003, habe ich mich mit einem offenen Brief an Sie gewandt und um eine aktuelle Einschätzung der eingetretenen und noch zu erwartenden Wirkungen der nach Ihnen benannten Gesetze gebeten. Eine konkrete Antwort blieb aus, stattdessen erhielt ich aus Ihrem Hause den Hinweis auf eine öffentliche Veranstaltung in Berlin, die zum einjährigen Vorliegen der Vorschläge eine Zwischenbilanz gezogen habe, deren Ergebnisse ich bei Prof. Schmid oder Prof. Jann anfordern könne.

Am 25. November 2003 teilte mir das Institut des Prof. Schmid mit, dass in diesem Jahr (2003) nicht mehr mit der Veröffentlichung des Berichtes "1 Jahr Kommission Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" gerechnet werden könne. Ich habe ihn bis heute nicht erhalten. Was bleibt mir anderes übrig, als mich erneut an Sie persönlich zu wenden?


Die Hälfte der verfügbaren Zeit ist verstrichen, doch Fortschritte sind nicht zu erkennen.

Seit dem 2. Oktober 2002 - und das sind heute genau 500 Tage - führe ich eine Statistik über Arbeitsplatzvernichtung und Stellenabbau in Deutschland. Bis zum 30. Juni 2005 bleiben weitere 503 Tage, um den von Ihnen versprochenen Abbau der Arbeitslosigkeit in die Wege zu leiten. Ziemlich genau ein Jahr nachdem Sie meines Wissens letztmals öffentlich bekundet haben, es sei möglich, die Zahl der Arbeitslosen bis zum 30. Juni 2005 um 2 Millionen zu senken, hatte die Zahl der in Deutschland zum Abbau freigegebenen Arbeitsplätze die Millionengrenze übersprungen. Seitdem sind wieder vier Monate vergangen.

Am fünfhundertsten Tag der Zählung - zur Halbzeit also - verzeichnet meine Statistik mehr als

1.570.000 abgebaute bzw. zum Abbau vorgesehene Arbeitsplätze.

Den jeweils aktuellen Stand dieser Statistik finden Sie, wenn Sie diesem Link folgen. Meine Statistik gibt keinen Hinweis darauf, dass sich das Tempo des Stellenabbaus vermindern würde, im Gegenteil, die bekannt gewordenen Personalplanungen der Unternehmen und der öffentlichen Arbeitgeber weisen eindeutig auf einen weiter beschleunigten Stellenabbau und damit - trotz Ich-AG und Mini-Jobs - auch auf eine weitere Zunahme der Arbeitslosigkeit hin.

Soweit zu meiner Statistik, die zwar in ihrer Art einzigartig, aber durchaus nicht die einzige Statistik zum Thema ist.

Das über jeden Zweifel erhabene Statistische Bundesamt sagt uns, die Beschäftigung sei rückläufig. Die Bundesagentur für Arbeit weist derzeit rund 4.6 Millionen Arbeitslose aus und die begleitenden Meldungen aus den Medien legen die Annahme nahe, dass die den Zahlen aus dem Jahr 2002 vergleichbare Arbeitslosenzahl wohl eher bei 6 Millionen liegen dürfte, würde sie weiterhin nach der Zählweise aus den Zeiten Jagodas und unter Verzicht auf jene neuen, rigiden Maßnahmen zur Aberkennung des Arbeitslosen-Status, die Florian Gerster eingeführt hat, ermittelt.

Da ich annehme, dass Sie die offziellen Zahlen nicht bestreiten wollen, erlaube ich mir die Frage:

Warum, Herr Dr. Hartz, melden Sie sich zur Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nicht mehr zu Wort?

Glauben Sie wirklich, mit der bloßen Ablieferung der Konzepte sei der Job getan? Glauben Sie wirklich, alle Umsetzungsprobleme könnten ausschließlich auf Unfähigkeit oder Unwilligkeit der mit der Realisierung beauftragten Menschen zurückgeführt werden? Oder glauben Sie an die finsteren Mächte und an die vom Kanzler immer wieder bemühten, ominösen "Veränderungen in den ökonomischen Grundlagen", die selbst der eigenen Partei nicht zu vermitteln waren?

Sehen Sie inzwischen nicht auch die tatsächlich vorhandenen Schwächen der Konzepte?

 

Meine Prognosen in Bezug auf die Wirkung der sog. "Hartz-Konzepte" sind bisher weit gehend eingetroffen.

Die allererste stammt vom 24. Juni 2002 und nahm den von Anfang an erkennbaren Plan einer in erster Linie "statistischen" Problemlösung auf's Korn. Die letzte stammt vom 2. Oktober 2002 und erklärt, dass es unmöglich sein wird, eine funktionierende Projektkoalition aller Profis der Nation herzustellen. Alle von mir verfaßten Kommentare zum Hartz-Konzept sind über den hier gesetzten Link zu erreichen.

Glauben Sie mir, es freut mich wirklich nicht, Recht behalten zu haben, aber niemand kann übersehen, dass Ihre Prognosen nicht eingetroffen sind und dass das große Ziel des Abbaus der Arbeitslosenzahlen auch nicht annähernd erreicht werden kann.



Ich appelliere daher erneut an Sie:

Sehr geehrter Herr Dr. Hartz,

falls Sie inzwischen neue Erkenntnisse gewonnen haben, aus denen heraus Sie heute zu anderen Urteilen und anderen Vorschlägen kommen, als sie von der Kommission vorgelegt und von der Regierung in Gesetzestexte gegossen wurden, dann melden Sie sich zu Wort!

Es ist höchste Zeit, alle Kraft darauf zu konzentrieren, Deutschland als jenen demokratischen und sozialen Bundesstaat zu erhalten, den die Verfassung gebietet. Wir dürfen nicht weiter tatenlos zusehen, wie Deutschland endgültig zum beliebigen Standort für die Geschäfte "vaterlandsloser" Global Player verkommt, oder diesem Trend sogar noch Vorschub leisten.

Es wäre schön, Sie - nach allen Mühen und Plagen, nach allen Irrungen und Wirrungen, nach allem Streit und aller Polemik - auf der Seite der Verteidiger des Artikel 20, GG zu wissen.

 

Mit besten Grüßen

Egon W. Kreutzer


 

a


* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
Viele grundsätzliche Einsichten und Forderungen finden Sie in
"Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre".
Packender, spannender, verständlicher ist Wirtschaft kaum zu beschreiben. Informieren Sie sich hier.
"Ich freue mich sehr über Ihr Interesse und möchte Sie gerne auf weitere Angebote meiner Site aufmerksam machen - bitte sehen Sie sich um!" Mehr Aktuelles, alle Leserbriefe, alle Kommentare
die Statisitk zum Stellenabbau in Deutschland

Grundlagenwissen Geld - "...Geld ist nicht einfach da!"
kontakt/feedback
Newsletter bestellen
Der Patient ist die Lösung
Ein radikal vernünftiges Konzept zum Gesundheitswesen
..und weil die Ratio nicht immer weiterhilft: Besuchen Sie bitte auch die magische Welt der Zauberstabmanufaktur. Wir fertigen auusschließlich individuelle, handgearbeitete Einzelstücke für höchste Ansprüche.