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5 Milliarden Euro zur Finanzierung der Steuersenkung,

was soll die ganze Aufregung?

ein Kommentar von Egon W. Kreutzer, 17.07.2003


Rechnet man die Zins-Belastung unserer Enkel und Urenkel aus, die durch eine schuldenfinanzierte Steuersenkung in Höhe von 5 Milliarden Euro entsteht, dann kommen wir auf rund 3 Euro pro Kopf und Jahr bzw. auf rund 6 Euro pro Beschäftigtem und Jahr. Das kann bei höheren Zinssätzen auch bis zu 10 Euro pro Jahr und Beschäftigtem bedeuten, aber kaum mehr.

Ist das wirklich unvertretbar, wie es die Union, allen voran Roland Koch, aber auch so manche VertreterIn der Grünen behauptet. Ist das nicht ganz im Gegenteil ein sehr geringer Preis dafür, dass die Karre aus dem Dreck gezogen, der Konsum angekurbelt, neues Wachstum und der heißersehnte konjunkturelle Aufschwung geschaffen wird?

Der Skandal ist fürwahr nicht der Plan des Finanzministers, lächerliche 5 Milliarden Euro Schulden mehr aufzunehmen, als bisher geplant, der Skandal ist in der Höhe der bereits vorhandenen Schulden begründet und in der Tatsache, dass unser gesamtes Wirtschaftssystem zusammenbricht, wenn wir aufhören, immer mehr Schulden zu machen.

Betrachten wir das Phänomen Schulden einmal etwas näher:

Staat, Unternehmen und private Haushalte im Wirtschaftgebiet der Bundesrepublik Deutschland sind nach offiziellen Statistiken bei den deutschen Banken und Sparkassen, den Versicherungen und den Bausparkassen mit rund 3 Billionen Euro verschuldet. Privat- und Auslandskredite, festverzinsliche Wertpapiere der öffentlichen Hände und der Industrie sowie Darlehen aus dem grauen Kapitalmarkt kommen hinzu und wenn man auch den Grundbesitz einbezieht, der seinen Miet- und Pachtzins fordert, kann davon ausgegangen werden, dass in Deutschland jährlich alleine für Zinsen der Betrag von etwa
600 - 700 Milliarden Euro aufgebracht werden muss.

Dem gegenüber steht ein Bruttoinlandsprodukt von rund 2,1 Billionen Euro. Die Wirtschaftsleistung erreicht also gerade noch das 3-fache der Zinsbelastung oder, anders ausgedrückt, fast 35 % dessen, was in Deutschland erwirtschaftet wird, fließt letztlich als Zinszahlung auf die Konten der Kapitalgeber.

Zinsen werden, anders als die Mehrwertsteuer, nirgends gesondert ausgewiesen, doch wir wissen, dass die öffentlichen Haushalte sich über Steuern und Abgaben finanzieren und damit die Gelder für ihre Zinszahlungen aufbringen. Unternehmen rechnen Zinsen, auch Steuern und Abgaben in ihre Preise ein und Arbeitnehmer müssen zusehen, dass ihr Netto-Lohn bzw. Gehalt ausreicht, um die Zinsen der selbst aufgenommenen Kredite zahlen zu können, dieweil sie über die Preise aller Produkte und Leistungen die sie erwerben, wiederum die Zinslasten der Unternehmen tragen.

Es ist also durchaus nicht abwegig zu behaupten, daß unter allen Strichen von jedem Euro, der irgendwo in einer Ladenkasse klingelt, am Ende 30 bis 35 Cent irgendwo einem Konto als Zinsen gutgeschrieben werden.

Weil die Vermögen in der Republik höchst ungleich verteilt sind, entfällt aber nur ein ganz kleiner Teil dieser Zinsen auf die Sparverträge und Lebensversicherungen der normalen Arbeiter- und Angestelltenhaushalte und in den allermeisten Fällen ist die Zinsgutschrift aus angespartem Vermögen deutlich kleiner, als die Zinslast, die dem gegenübersteht.

Erst wenn das Geldvermögen des einzelnen privaten Haushalts nach Abzug eventuell vorhandener Schulden eine Größenordnung von etwa 200.000 Euro erreicht und durchschnittliche Zinsen abwirft, kann bei sparsamer Haushaltsführung erwartet werden, dass sich Zinserträge und versteckte Zinszahlungen aufheben. Die eigentlichen Nutznießer des Geldsystems, die Netto-Zins-Empfänger finden wir erst unter den Besitzern von Geldvermögen deutlich über 200.000 Euro und diese Grenze verschiebt sich stetig weiter nach oben.

Warum ist das aber so?

Warum gelingt es nicht, die Kredite nach und nach zurückzuzahlen und aus der Zinsfalle zu entkommen?

Leben wir wirklich ständig über unsere Verhältnisse und büßen mit den Zinsen der Gegenwart für die hemmungslose Konsumlust der Vergangenheit?

Die Antwort ist unglaublich und trotzdem ganz einfach:

Ohne Schulden gibt es kein Geld.

Um an Geld zu kommen, gibt es tausend Wege, aber alle haben den gleichen Ausgangspunkt. Egal objemand eine Bank ausraubt, im Lotto gewinnt, sein Erbe antritt, gegen Lohn oder Gehalt arbeitet, ob der Opa seiner Enkelin fünf Euro schenkt oder ob der Händler am Abend in der Ladenkasse viele schöne Scheine findet oder der Industriebetrieb auf seinen Konten die Zahlungseingänge seiner Kunden verbucht, nichts von alledem wäre möglich, hätte nicht irgendwann vorher jemand das Geld geliehen, einen Darlehensvertrag unterschrieben und sich verpflichtet, das Geld zurückzuzahlen und bis dahin dafür Zinsen zu zahlen.
Natürlich hat er es dann ausgegeben. Man leiht sich Geld ja nicht, nur um es zu haben, und nachdem er es ausgegeben hat, ist das Geld für den neuen Besitzer tatsächlich zum unbelasteten Guthaben geworden, aber trotzdem gibt es hinter jedem Guthaben jemanden, der für dieses Geld Zinsen zahlt und der sich verpflichtet hat, es irgendwann auch zurückzugeben.

Und weil das für die Zinszahlung benötigte Geld bei der Auszahlung von den Darlehensgebern üblicherweise nicht mitgeliefert wird, muss bald irgendjemand wieder einen Kredit aufnehmen, damit nicht nur die Tilgungsraten, sondern auch die Zinsen bezahlt werden können.

Wenn wir aufhören, uns zu verschulden, selbst wenn wir nur aufhören, uns immer höher zu verschulden, geht uns das Geld aus. Das ist dann Deflation.

Mehr und detailliertere Informationen über das Geld finden Sie HIER (Sonderseite Geld).

Eichel macht also nur, was völlig unvermeidlich ist. Er macht neue Schulden, bevor das Geld zu Ende ist. Ob das nun den Aufschwung bringt, oder nicht, ist beinahe schon nebensächlich, denn in Wahrheit tut er nichts anderes, als den unvermeidlichen Zusammenbruch des Währungssystems um eine halbe Woche hinauszuschieben.

Viel länger als 3 Tage reichen fünf Milliarden nämlich nicht, um die laufend fälligen Zinsen zahlen zu können - von Tilgung ganz zu schweigen.


a


* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg



Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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