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zum Neuen Jahr

- 2003 -
Ein Jahr des Krieges und anderer struktureller Probleme


von Egon W. Kreutzer
(30.12.2002)


Die Welt fürchtet sich vor dem Neuen Jahr.

Wir, die Menschen in Deutschland, fürchten uns in besonderem Maße. Krieg, Wirtschaftskrise und weiter wachsende Arbeitslosigkeit stehen uns bevor und daß uns das wildgewordene Klima auch in 2003 mit einem Jahrhundert-Orkan, einer Jahrhundert-Flut oder -Hitzewelle überraschen wird, ist ebenso vorherzusehen, wie der nächste Gift-Hormon-Futter- und Nahrungsmittelskandal. Ob die Regierung, die - kaum gewählt - nach Demoskopenurteil schon kaum noch Anhänger hat, das Jahr überstehen wird, ist ungewiß. Ob man sich vor einer großen Koalition nicht noch mehr fürchten müsste, als vor dem Weiterregieren der kleinen, beschäftigt hierzulande die Gemüter aller Kassandras, vom bierseligen Stammtischbruder bis hin zu den aalglatt diskussionsgewandten und faszinierend nichtssagenden TV-Polit-Talk-Profis.

Es scheint fast so, als sei die allernächste Zukunft kaum weniger erschreckend, als der Ereignishorizont eines schwarzen Loches, hinter dem alles, was uns einst stolz und zuversichtlich, stark und vertrauensvoll, gewitzt und wagemutig sein ließ, verschwinden muß, ja in weiten Teilen schon verschwunden ist, während wir, in Panik starr, nur darauf warten, daß wir selbst der Urgewalt der Schwerstkraft anheimfallen und eingehen in ein zeit- und geschichtsloses Nirwana, das uns von seltsam unsichtbaren bösen Mächten als unser Schicksal so beschieden wurde.

Ist das die Wahrheit, die ganze, die reine, und nichts als sie?
Kann es sein, daß wir, die Menschen des einundzwanzigsten Jahrhunderts, die wir alles zu wissen glauben und daher wissen, daß wir nichts mehr zu glauben brauchen; daß wir aufgeklärten Menschen uns vor unsichtbaren, bösen Mächten fürchten, daß uns das nächste Jahr - nichts als ein neuer Zeitabschnitt - tatsächlich Bedrohung und Gefahr sein kann? Wohl kaum.


Die Schuld an unserer Furcht dem Neuen Jahre zuzuweisen, ist nichts als ängstliche Verlogenheit.

Es fehlt der Mut, die Wahrheit auszusprechen, weil wir damit diejenigen beim Namen nennen müßten, vor denen und vor deren Macht wir uns fürwahr nicht grundlos fürchten.

Kein "Schicksal" hat je zum Schwert gegriffen, um tausende von Freunden und sogenannten Feinden in einem Kriege gleichermaßen zu vernichten. Es war nicht "das Schicksal", das Bomben und Granaten regnen ließ in den beiden großen Kriegen des vergangenen Jahrhunderts. Es war nicht eine dem Jahre 1939 innewohnende, dunkle Macht, die in Polen einmarschierte und es war nicht eine unabwendbare Laune des Jahres 1945, die Hiroshima in Schutt und Asche legte.

So wird es auch diesmal nicht "das Jahr 2003" sein, das den Krieg dahin trägt, wo er seit Jahren abwesend war und es wird nicht "der Krieg" sein, der Soldaten und Zivilisten, Kasernen und Wohnungen, Bunker und Schulen zermalmt. Es werden - wie immer - Waffen sein, die von Soldaten eingesetzt werden und die Soldaten werden Befehlen gehorchen, die von denen gegeben werden, die den Tod und die Zerstörung wollen, um ihre Ziele zu erreichen. Ziele, die dabei durchaus ehrenwert sein können.

Doch auch hier ist dringend anzumerken: Das Motiv ändert nichts am Ergebnis!

Dies gilt für den Krieg, der mit Waffen und Gewalt ausgetragen wird ebenso, wie für jene Form der Auseinandersetzung zwischen Menschen, bei der die Aneignung fremden Landes und fremder Güter nicht mit Gewalt, sondern unter dem Mantel friedlichen Handelns und wirtschaftlichen Austauschs vor sich geht. Für jene Auseinandersetzung, die auf diesem unserem Globus auf der einen Seite den schier unendlichen Reichtum weniger Familien und Clans ermöglicht und andererseits 800 Millionen Menschen an den Rand des Hungertodes drängt. Auf dem Schauplatz dieser Auseinandersetzung ist nicht mehr die Rede von bösen Mächten und vom schicksalhaften Lauf der Zeit, auf diesem Schauplatz wird uns heute das nicht minder ominöse Lied von den "strukturellen Problemen" gesungen, unter denen gerade unser Land so schrecklich leide.

Wer vermag sich der suggestiven Kraft dieses Begriffes zu entziehen? Wer wagt es, gegen alle offizielle Lehre zu verkünden, daß diese "strukturellen Probleme" vom gleichen Holz sind, wie "das Schicksal", "die bösen Mächte" und "der Krieg? Daß die vorgebliche Unlösbarkeit struktureller Probleme und die unsäglich dreisten Vorschläge und Versuche zu ihrer Lösung sich nur deshalb gegenseitig fast bis zum Beweis verstärken können, weil sie auf ein "Nichts" zielen, auf ein Phänomen, das in der realen Welt nicht existiert. Ein "Nichts" aber, kann nichts bewegen, nichts entscheiden, nichts beeinflussen, soweit sind wir uns - trotz PISA - unseres Wissens sicher.

So wird es auch im Jahr 2003 nicht das "strukturelle Problem" sein, das in Deutschland weitere Arbeitsplätze vernichtet, Stellen abbaut und alle Wirtschaftsweisen glauben läßt, niedrigere Löhne seien geeignet, das strukturelle Problem zu mildern.

Es wird nicht das "strukturelle Problem" sein, das die Kosten im Gesundheitswesen ansteigen läßt, stärker als die Beiträge wachsen, und das im Kreis der Kommission das große Wort führt und der Ministerin einzureden versucht, eine längere Lebensarbeitszeit vermindere sowohl die Ausgaben der Renten- als auch der Kranken- und Pflegeversicherung.

Es wird nicht das "strukturelle Problem" sein, das weiterhin die Einkünfte aus Vermögen und Kapital vor steuerlichen Lasten schützt und dafür sorgt, daß die kleinen Leute nicht nur alle Lasten tragen, sondern daß die gleichen kleinen Leute sich auch mit immer kleineren Löhnen - am besten gleich freiwillig in einem Niedriglohnsektor - zufrieden geben müssen, damit mit niedrigen Löhnen die Arbeitsleistung auf den Weltmärkten billig verschleudert werden kann, um das Vermögen der Reichen durch einen völlig überflüssigen Exportüberschuß zu vermehren, statt den Produktivitätszuwachs endlich in weniger Arbeit, mehr Qualität und mehr Wohlstand für alle umzuwandeln.

Es ist nicht das "strukturelle Problem", das weiterhin auf alles Geld Zinsen fordert und dazu zwingt, um die Zinsen entrichten zu können, unweigerlich neue Schulden aufnehmen und neue Zinslasten akzeptieren zu müssen. Es war kein "strukturelles Problem", das mit der Zinswirtschaft den Zwang zu unersättlichem Wachstum in die Welt gebracht hat, der uns dazu antreibt, in ohnmächtigem Wüten wertvolle Rohstoffe immer schneller und in immer größeren Mengen in verkonsumierten Müll zu verwandeln.

Nein!

Es gibt kein schicksalhaft in die Weltenläufte eingreifendes "strukturelles Problem", dem wir, das Volk, unsere Arbeit und unser Erspartes, unsere Freizeit und unseren Frieden hingeben müßten, um es - wie den Drachen in der Sage - mit einem schweren Opfer für ein kleines Weilchen zu besänftigen.

Es sind Menschen. Einzelne, namentlich bekannte Menschen, die daran verdienen. Menschen, die daran soviel verdienen, daß sie sich Vermögen anhäufen können, die nach Milliarden Euro zählen. Menschen, die sich in Wirtschaftsmagazinen*) ganz ungeniert als die Reichsten ihres Landes feiern lassen und sich gleichzeitig mit politischer Schützenhilfe zur Wehr setzen, wenn ein Gewerkschaftler es wagt, sie reich zu nennen und dabei bezweifelt, daß dieser ganze Reichtum mit hinreichender sozialer und gesellschaftlicher Verantwortung erworben sei und auch so verwaltet und verwendet werde.


Die große, absolute Mehrheit der Bevölkerung in unserem demokratischen Lande soll nach dem Willen dieser Menschen nun für weniger Lohn und weniger Rente mehr und länger arbeiten. Der großen, absoluten Mehrheit der Bevölkerung unseres Landes ist die Finanzierung der öffentlichen Aufgaben fast vollständig aufgebürdet, während jene, die den Frieden stören, sich solcher Pflichten mehr und mehr entledigen. Die große, absolute Mehrheit der Menschen, die in unserem demokratischen Lande leben, soll auf die Errungenschaften der Sozialgesetzgebung und der Sozialsysteme, die über lange Jahre mit vielen Mühen aufgebaut und in harten Auseinandersetzungen errungen wurden, nun - mir nichts, dir nichts - aus Gründen "struktureller Probleme" ersatzlos verzichten.

Nicht etwa, weil wir weniger produziert, weniger geleistet, weniger auf die Beine gestellt hätten, als in den Jahren vorher. Nein! Die Bundesrepublik hat noch nie soviel exportiert wie im letzten Jahr, den eigenen Bedarf bei weitem überdeckt - ein Überfluß, von dem der kleine Mann jedoch nach Kräften ferngehalten wird.

Wir sollen verzichten, weil die Menschen, die sich hinter der Mär der "strukturellen Probleme" verbergen, die sich als "Global Player" längst vollständig vom Nationalstaat - auch von der Wunderkuh Europa - losgesagt und sich entsolidarisiert haben, die weltweit mit Menschen und mit Arbeitsplätzen, mit Geld und Darlehen, mit Löhnen und Preisen ihr Monopoly spielen, wie unreife, nimmersatte Kinder, das so wollen. Wir sollen verzichten, weil diese Menschen glauben, daß ihr Anteil am Kuchen noch zu vergrößern wäre, wenn wir anderen alle nur den Gürtel etwas enger schnallen würden.

Die Politik ist den Einflüsterungen der Globalisierungs- und Kriegsgewinnler fast vollständig erlegen. Das zeigt sich am Handeln der Regierung und an den Vorschlägen ihrer Kommissionen und auch die Opposition will, mehr noch, als die Regierung, dem Wahlvolk erklären, daß Wachstum a) nötig sei und sich b) durch mannigfachen Verzicht herbeisparen lasse.

Niemand fragt danach, wem das so "Ersparte" denn zustünde und mit welcher Begründung.

Wir brauchen weder Wachstum, noch längere Lebensarbeitszeit. Wir brauchen keinen Krieg gegen den Irak und wir brauchen keine staatlich organisierte Zwangs-Leiharbeit.
Wir brauchen die Einsicht der großen, absoluten Mehrheit in unserem Lande, daß unsere Arbeitsleistung völlig ausreicht, um allen - vom Baby bis zum Greis - ein sorgloses Leben in Gesundheit und Wohlstand zu ermöglichen, ohne daß es dazu weiteren Wachstums bedürfte.

Ich will diese Worte zum Neuen Jahr 2003 nicht mit Theorie und Faktenwissen überfrachten. Vieles, was hier nur gestreift und skizzenhaft angerissen ist, habe ich in früheren Stellungnahmen und in den beiden Bänden meiner Wirtschaftslehre ausführlicher beleuchtet und begründet, aber ich will diesen Artikel nicht beenden, ohne Sie alle dazu aufzufordern, sich endlich als einen Teil der großen, absoluten Mehrheit in unserem demokratischen Lande zu begreifen und Ihnen zurufen:

Wir haben die Kraft, das Jahr 2003 zu gestalten. Es sind nicht finstere Schicksalsmächte, nicht der Krieg und nicht die strukturellen Probleme, die das Jahr formen werden, solange wir, die Menschen, es nicht wollen und es nicht zulassen. Unser Land ist ein starkes Land, das mit seinen Menschen weit mehr hervorbringt, als nötig wäre, um alle Aufgeregtheiten wegen angeblicher "struktureller Probleme" beruhigt vergessen zu können. Wir dürfen nur nicht länger zulassen, daß der Reichtum unseres Landes, den wir mit unserer Arbeit geschaffen haben und Jahr für Jahr weiter schaffen, immer weniger denen zugute kommt, denen er eigentlich zusteht!

Unser Land ist eine Demokratie und in jeder Partei hat die Basis die große, absolute Mehrheit. Nutzen wir unsere Mehrheit, wo immer wir stehen, um den Lauf der Zeit im Neuen Jahr zum Besseren zu wenden. Ohne Sozialabbau und ohne Wohlstandsverzicht und vor allem ohne Krieg. Es ist möglich!

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen
ein gutes, ein besseres Neues Jahr 2003

Ihr
Egon W. Kreutzer

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Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
>>Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II
<<
von Egon W. Kreutzer
.............unbedingt lesenswert!

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