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Der Wolf und die sieben Geißlein,
oder
"
Achtung! Die Mc Kinseys sind im Arbeitsamt!"

Ein Kommentar von Egon W. Kreutzer
zur Einschaltung des Beratungsunternehmens Mc Kinsey bei der Gestaltung der Personal-Service-Agenturen
(17.9.2002)

 

Die Hartz Kommission hat vor vier Wochen ihren Abschlußbericht vorgelegt. Nun denken offenbar andere weiter. Gerster und Riester, das erscheint noch selbstverständlich. Über die Bertelsmann-Stiftung wundert sich nur, wer nicht bemerkt hat, daß die Arbeit der Hartz-Kommission von eben dieser Stiftung intensiv begleitet wurde. Aber daß nun ausgerechnet das Beratungsunternehmen Mc Kinsey über die Ausgestaltung der Personal Service Agenturen nachdenkt (SZ vom 17.9. Seite 6), ist mehr als verwunderlich, es ist eigentlich ein Skandal. Mc Kinsey Partner Kraljic, Duzfreund von Peter Hartz, saß zwar schon mit in der Kommission und hat am Konzept mitgewirkt, wohl auch kaum, ohne auf die Ressourcen seines Unternehmens zurückzugreifen, doch wenn man sieht, welche Umsätze dem Berater jetzt bei der Reorganisation der Bundesanstalt für Arbeit und der Gestaltung der Personal Service Agenturen winken und welche inhaltliche Einflußnahme sich damit für ein Unternehmen eröffnet, das "soziale Sicherheit" immer nur als "Lohnzusatzkosten" buchstabiert, dann sollten verantwortungsbewußte Sozialpolitiker aller Fraktionen schnellstens die Notbremse ziehen!

Mc Kinsey und andere Vorreiter der Verbetriebswirtschaftung der Gesellschaft haben in den letzten Jahrzehnten ganz intensiv und erfolgreich daran gearbeitet, die Renditen ihrer Klienten zu verbessern. Dies gelang in fast allen Fällen in erster Linie durch Maßnahmen zur Senkung der Personalkosten. Dadurch wurde eine Spirale in Gang gesetzt, die von Runde zu Runde ein immer weiteres Ausdünnen der Belegschaften, eine stetige Rücknahme von sozialen Errungenschaften, die Zunahme von Leistungsdruck und Überstunden und den inzwischen schmerzlich wahrnehmbaren Verlust von Binnenkaufkraft nach sich zog.

Daß wir uns nicht mißverstehen: Wirtschaftlicher Fortschritt ist nicht schlecht. Mit geringerem Aufwand mehr und Besseres zu erzeugen, das nähert uns Schritt für Schritt einem Fernziel der Menschheit an, nährt und stärkt die Gewißheit, daß wir dem Schlaraffenland, dem Paradies auf Erden in kleinen Schritten näher kommen könnten. Aber leider haben Mc Kinsey & Co. in der Vergangenheit immer dafür gesorgt, daß die Arbeitnehmer (Arbeitslose eingeschlossen) von den Segnungen des Fortschritts, vom neuen Paradies ausgeschlossen blieben.

Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
>>Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II
<<
von Egon W. Kreutzer
.............unbedingt lesenswert!

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Mc Kinsey ist weltmeisterlicher Tipgeber für die Privatisierung von Gewinnen und die Sozialisierung von Verlusten. Wäre es anders, gäbe es den gesuchten Profitsteigerungsberater nicht. Aber soll nun ausgerechnet dieses Unternehmen, das unbestreitbar maßgeblich zur Vernichtung von Millionen von Arbeitsplätzen mit beigetragen hat, das maßgeblich dafür mitverantwortlich ist, daß die Zahl der Beitragszahler in der Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung so bedrohlich zurückgegangen ist, jetzt für ein millionenschweres Honorar vom Staat damit beauftragt werden, das Feinkonzept für die Hartz'schen Personal-Service-Agenturen zu entwickeln?

Nur weil Mc Kinsey nach einer Vorstudie die fragwürdige Behauptung aufstellt, Leiharbeit schaffe feste Arbeitsverhältnisse?

Auch wenn das so klingen soll: Durch die Übernahme eines Leiharbeiters entsteht kein Arbeitsplatz! Es ist doch reiner Zynismus, wenn Mc Kinsey erklärt, bei einem Verdrängungseffekt von 50% (2 Leiharbeitsplätze vernichten einen festen Arbeitsplatz), sei der Weg in die Leiharbeit bei positiver Beschäftigungsbilanz noch kostenneutral. Dabei wird doch nur unterstellt, daß die Leiharbeiter nur zur Hälfte tatsächlich verliehen werden, denn jeder verliehene Leiharbeiter verdrängt ein festes Beschäftigungsverhältnis, weil er zwangsläufig eine Stelle einnimmt, die sonst ein Festangestellter (auch mit Probezeit oder Befristung!) ausfüllen könnte. Herrliche Zeiten für Unternehmer, wenn man den Arbeitslosen nicht mehr einstellen und entlohnen muß, weil man ihn vom Staat als Leiharbeiter fast geschenkt bekommt.

Doch kostenneutral ist das Ganze nur bei einer statischen Betrachtung. Im Gefolge der vom Staat geförderten Billig-Konkurrenz einer fast beliebig rekrutierbaren Zwangs-Leiharbeiterschaft muß das Lohnniveau in Deutschland innerhalb kurzer Zeit insgesamt sinken - mit allen negativen Folgen für die Staatskassen. Es kann gar nicht anders. Das rechnet Ihnen jeder Mc Kinsey Junior Consultant, wenn's sein muß auch ganz ohne Laptop, an fünf Fingern vor. Und einen Weg zurück wird es nie mehr geben, weil wir uns den nicht mehr leisten können, wenn weite Teile des Beitragsaufkommens der Arbeitslosenversicherung erst einmal dauerhaft unter den Consultants und den privaten Betreibern der PSA's aufgeteilt sind.

Hartz und seine Kommission, das war eine lustige Posse, ein mit großem Pomp inszenierter Taschenspielertrick, um die Arbeitslosenstatistik künftiger Jahre zu retuschieren, weit mehr und weit unverschämter als unter Jagodas Führung, der es zwar zuließ, daß Vermittlungserfolge aufgebauscht wurden, aber die bewährte Zählweise für die Gesamtzahl der Arbeitslosen kontinuierlich beibehielt.
Doch wenn jetzt der Wolf "Mc Kinsey" gebeten wird, nach Kräften mitzuhelfen, die vier Millionen Geißlein zu halbieren, dann wird aus einem harmlosen Wahlkampfspektakel unversehens blutiger Ernst.

Mc Kinsey würde doch auf Basis rein betriebswirtschaftlicher Erwägungen vermutlich auch den Wiedereinstieg in den Sklavenhandel befürworten und ein juristischer Gutachter, der mögliche rechtliche und moralische Bedenken dagegen entkräftet, wäre wohl auch zu finden.

Die von Mc Kinsey zu schaffende PSA ist zweifellos ein großer Schritt auf dem Weg dorthin. Viel mehr als der Schutz der grundgesetzlich garantierten Menschenrechte wird dem Arbeitslosen künftig nicht mehr bleiben. Hoffen wir, daß sich das Opfer lohnen wird und wenigstens die Aktienkurse wieder steigen.

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