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Die Vereinten Nationen,
The United Nations,

ein "Verein" ohne Relevanz?

Kritische Fragen zur Wertschätzung der UN
von Egon W. Kreutzer (16.09.2002)

Die UN könne in diesen Tagen beweisen, ob sie von Relevanz sei, meint George W. Bush und stellt damit sich selbst, zumindest aber die USA, als oberste irdische Instanz über die Vereinten Nationen. Kein Aufschrei geht durch die Welt, niemand fragt, wo das hinführen soll, wenn ein Mitglied der UN sich so ungeniert zum Richter über den Rest der Welt aufschwingt. Man ist's auch in Deutschland zufrieden und jeder Wahlkämpfer freut sich, solange er dazu nicht zu einer Stellungnahme aufgefordert wird.

Deutschland könnte vielleicht auch wieder einmal einen Verbündeten brauchen, orakelt Herr Westerwelle, dessen chronische Abhängigkeit von großen Verbündeten, die er auch noch mit den illusionären 18% bräuchte, ihn offenbar blind und taub macht, für den Unfug, den er da redet. Ich jedenfalls hoffe sehr, daß Deutschland niemals einen Verbündeten brauchen wird, um einen Angriffskrieg zu führen!

George W. Bush will angreifen. Niemand weiß genau warum. Es ginge dem Texaner und seinen texanischen Freunden im Kabinett um das Öl der Region, meinen die einen. Er wolle seinen Vaterkomplex ausleben, dem Senior zeigen, daß er, der Kleine, es schafft, in Bagdad einzumarschieren, das vermuten andere.

Daß die Arsenale des Irak überquellen von Massenvernichtungswaffen der A, B und C - Kategorie, daß ein Angriff Saddams auf die Welt unmittelbar bevorstünde und unverzügliches Handeln vonnöten sei, das ist eine isolierte Einzelmeinung, die nur von Bush und einer Riege von Scharfmachern vertreten wird, und zwar, soweit wir das wissen können, ohne jegliche faktische Rechtfertigung, auf alle Fälle ohne den Schimmer eines öffentlich vorgetragenen Beweises. Statt dessen durften wir alle die schöne Rhetorik bewundern, mit der Bush nach der Wiederholung altbekannter, unbestätigter Verdachtsmomente triumphierend fragte: "Welche Beweise brauchen wir noch?"

In Deutschland sind es die Herren Schäuble und Stoiber, die sich von der Unionsseite aus in die Gemengelage einbringen und behaupten, eigentlich nichts anderes zu wollen, als der Kanzler, nur eben anders, ganz nach dem für die Fluthilfefinanzierung gefundenen Argumentationsmuster. Wenn man sich die Mühe macht, die vielfachen Windungen und Verwicklungen der Unionsargumentation nachzuvollziehen, kommt man unweigerlich zu dem Schluß, daß die beiden Herren Angst haben. Nicht vor Saddam Hussein, nicht vor den Terroristen von Al Quaeda. Nein, sie haben offenbar eine ganz erbärmliche Angst davor, sich beim großen Bruder George W. Bush unbeliebt zu machen.

Anstatt den unbotmäßigen Umgang des amerikanischen Präsidenten mit dem Rest der Welt vor dem Weltparlament der UN zu rügen, stimmen sie mit ein in den Chor derjenigen, die von der UN jetzt eine neue Irak-Resolution fordern, möglichst schnell und möglichst mit der Erlaubnis zum Militärschlag. Denn wenn die UN zum Heiligen Krieg aufruft, dann kann der gute Christ-Soziale die Waffen nicht ruhen lassen, das wird das Wahlvolk wohl verstehen müssen.

Leider scheint die UN nicht souverän genug, um das Ansinnen dieses großen und mächtigen, vielleicht zu großen, zu mächtigen Mannes, der seit dem gerichtlich angeordneten Ende der Stimmauszählungen weltweit als gewählter Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika akzeptiert ist, erst einmal zurückzuweisen, um sich nach eigenem Zeitplan und eigener Recherche eine souveräne eigene Meinung zu den Vorgängen zu bilden. Wenn die UN es auf sich nimmt, innerhalb der von Bush gesetzten Frist eine Entscheidung zu treffen, wird sie damit über die Aussage zum Irak hinaus auch das eigene Schicksal besiegeln. Denn Relevanz hat die UN für die Welt nur, wenn sie beweisen kann, daß sie eben nicht das willfährige Instrument des Weißen Hauses ist, als das George W. Bush sie nur zu gerne sehen und instrumentalisieren würde.

Ist es vor dem Hintergrund dieser Attacke auf die wichtigste gemeinsame Organisation fast aller Staaten dieser Welt nicht erstaunlich, daß man in Deutschland nichts besseres zu tun hat, als sich darüber zu streiten, ob ein deutscher Bundeskanzler, der sich von einem Waffengang zum Sturz Saddam Husseins klar und deutlich distanziert, dem Deutschen Volke Schaden nun zufügt oder nicht, weil er damit Möglichkeiten verspielt und die Drohkulisse beschädigt?

Wäre es im Gegenteil nicht herrlich, wenn wir von unseren Politikern in Zukunft immer öfter so klare Aussagen erhielten, auch und vor allem im Wahlkampf. Auch in außenpolitischen Fragestellungen?

Die Bibel gibt, wie in vielen anderen Fragen auch, dem Sozialdemokraten Recht:

Eure Rede sei ja, ja, oder nein, nein. Was darüber ist, ist von Übel.

Bush will Krieg. Ja, ja. Schröder will Deutschland an diesem Krieg nicht beteiligen. Nein, nein.

Wo ist das Problem?

Oder haben Sie vielleicht auch ein bißchen Angst vor George W. Bush?
Lächerlich! Wo bleibt Ihr Vertrauen in die deutsch-amerikanische Freundschaft, in die gemeinsamen Werte der freien Welt?

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