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Schuldenerlaß
für Flutopfer

ein konstruktiver Kommentar
von Egon W. Kreutzer
vom 04. 09. 2002

Ein Begriff, der uns bisher nur im Zusammenhang mit den zerrütteten Staatsfinanzen völlig verarmter Entwicklungsländer begegnete, kommt in diesen Tagen aus den Schlamm- und Schuttbergen der Überschwemmungsgebiete gekrochen und macht sich vor den Marmor-, Glas- und Edelstahlpalästen von Banken und Sparkassen breit. Ein übelriechender Gedankenbrei, der die verängstigten Banker mehr schreckt, als Graf Dracula mit einer Komposition aus Knoblauch und Weihwasser zu schrecken wäre.

Schnell erklärt der Sparkassenpräsident, daß doch niemand von ihm verlangen könne, die Spargroschen der Armen, über deren Sicherheit er wache, in einem Schuldenerlaß dahinzugeben, nein, es sei allein Aufgabe des Staates, die Folgen des Hochwassers zu bezahlen. Außerdem seien in den Überschwemmungsgebieten auch etliche Sparkassenfilialen beschädigt worden - sollten die sich vielleicht per Schuldenerlaß völlig ruinieren, statt, wie alle anderen, am Tropf des Staates zu saugen?

Die großen Banken lassen über ihre Chefvolkswirte und wenig verdächtige Professoren in den Medien verlauten, daß ein Schuldenerlaß der falsche Weg sei und daß in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation, wo der Wind den Banken sowieso schon scharf ins Gesicht bläst, ein solches Opfer nicht verlangt werden könne.

Geben wir es zu, auch uns gefällt der Begriff "Schuldenerlaß" nicht. Haben wir doch Jahr für Jahr treu und brav die Raten für die Hypotheken, das Auto und für andere Schulden bezahlt. Alle Risiken des Lebens, die uns getroffen haben, hatten wir selbst zu tragen. Den Kratzer am vorderen linken Kotflügel, die ausgeraubte Wohnung nebst Vandalismusschaden, wofür die Hausratversicherung wegen Unterdeckung nur zu einem Drittel aufkam, die Flut aus der Waschmaschine damals, bevor wir Vorsorge trafen und den Aquastop eingebaut haben - da ist über die Jahre doch auch einiges zusammen gekommen. Wer hat für uns gespendet? Wer hat uns eine staatliche Soforthilfe in bar ausbezahlt? Wer hat unsere Schulden erlassen? Und jetzt, nur weil die Schäden einmal gehäuft auftreten, sollen die dort an der Elbe alles ersetzt und alle Schulden erlassen bekommen, während wir schon wieder einmal für den Aufbau Ost aufkommen, also noch einmal die Dummen sein sollen?

Dabei ist die Katastrophe so schlimm nun auch wieder nicht. Die Bauindustrie sagt, daß die lumpigen fünf Milliarden Euro, um die es allenfalls gehen könnte, bei Weitem nicht ausreichten, um sich konjunkturell belebend auszuwirken und die Gesamtschäden, die vielleicht 15 Milliarden Euro erreichten, so sagen uns wieder die unverdächtigen Wirtschaftsprofessoren, seien im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt ein Witz, weit unterhalb der Peanuts-Schwelle - da wird die Wirtschaft nichts davon spüren, schon gar keinen Aufschwung.

Dafür gibt man keine ehernen Prinzipien auf. Dafür braucht es keinen Schuldenerlaß.

Der Kandidat verkündet im Wahlkampftaumel unermüdlich, daß niedrige Steuern wichtiger seien, als niedrige Zinsen und erklärt damit - vielleicht ohne es zu bemerken - genau das zum Staatsziel, was seit jeher nur dem Profit des Kapitals dient: "Möglichst hohe Zinseinnahmen bei möglichst niedriger Steuerlast."

 

Was veranlaßt nun unseren Kanzler, von den Banken und Sparkassen einen Beitrag zu fordern, der sich eben nicht in der Ausreichung zusätzlicher, zinsgünstiger Darlehen erschöpft. Wie kommt Gerhard Schröder auf die Idee, die Banken zum Schuldenerlaß auffordern zu dürfen?

Dafür gibt es m.E. mindestens drei sehr gute Gründe:

 

Das also sind drei gute Gründe, warum die Banken das Thema "Schuldenerlaß" intensiver überdenken und wohlwollender prüfen sollten, als sie das bisher erkennen lassen.

Wenn das nicht reicht, sollte man den Bankern klar machen, daß eine Alternative durchaus auch darin bestehen könnte, daß der Staat neues Geld bereitstellt. Frisch aus der Presse. Als Geschenk, statt als Darlehen.

Das sei im Kapitalismus undenkbar? Entschuldigung, denkbar ist es!
Sie haben es doch gerade eben auch gedacht, oder?
Denken Sie weiter, das Thema hat's in sich!

Und daß deswegen eine Inflation ausgelöst werden sollte, wo doch der Schaden so gering ist, daß er sich nicht einmal als winzige Spitze in der Wachstumskurve abzeichnen wird, das brauchen sie den unverdächtigen Professoren auch nicht zu glauben.

Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
>>Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II
<<
von Egon W. Kreutzer
.............unbedingt lesenswert!

Eigendruck, Selbstverlag

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noch ein paar Gedanken zum Geld