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Hartz zerreden?

Niemals!

 

Visionäre Gedanken von Egon W. Kreutzer
im Vorgriff auf die immer noch geheimen Module

Reden wir lieber über das, was Hartz vergessen - oder doch zumindest nicht angefaßt hat. Denn trotz der einprägsamen Zahl von dreizehn sogenannten Modulen ist längst nicht alles bedacht, längst nicht alles angepackt worden, was dazu beitragen könnte, Arbeit zu schaffen. Hartz hat, daran will ich gar nicht kritteln, ein hervorragendes Konzept entwickelt, dessen Realisierung die Arbeitsverwaltung in die Lage versetzen wird, ihre ureigensten Aufgaben unter den Bedingungen von Voll- und Überbeschäftigung effizientest wahrzunehmen.

Diese besseren Zeiten werden wiederkommen und erst dann werden auch die letzten Zweifler begreifen, welches Potential wirklich in den Vorschlägen der Hartz Kommission steckt. Es wird dann fast wieder so sein, wie in den sechziger und siebziger Jahren, als der Wirtschaftswundermotor brummte und die Wirtschaft in eigener Initiative (das kann man sich heute kaum noch vorstellen!) dafür sorgte, daß auch noch der letzte arbeitsfähige Mittelmeeranrainer gegen gutes Geld angeworben, herangekarrt, untergebracht und soweit qualifiziert werden konnte, wie es die Steigerung des deutschen Wirtschaftswachstums verlangte.

Aber es gibt keinen Grund, mit der Umsetzung der Kommissionsvorschläge so lange zu warten, bis die Vollbeschäftigung zurückgekehrt sein wird! Wir können und wir sollten jetzt schon üben, damit wir die Instrumentarien auch wirklich beherrschen, wenn sie einen Sinn machen.

Schließlich treten auch so schon ganz nette Effekte auf:

Der Druck auf den einzelnen Arbeitslosen, der unter anderem mit neuen Zumutbarkeitsregeln verbunden ist, wird konjunkturelle Impulse im Verkehrswesen setzen. Das bringt Umsätze am Bahnschalter und an der Tankstelle, beim TÜV und beim Reifenhändler und auch im Übernachtungsgewerbe, wenn vier Millionen Menschen sich alle paar Tage zwecks Vorstellungsgespräch zum entgegengesetzten Ende der Republik aufmachen. Ich könnte mir vorstellen, daß alleine dadurch ein Wachstumsimpuls in zweistelliger Milliardenhöhe ausgelöst wird, wenn man die Vorschriften nur so hart anwendet, wie man es jetzt verspricht.

Und dann die Sache mit der Leiharbeit. Der Staat stellt die Leute ein und vermittelt sie an jeden, der sie haben will. Das ist endlich die ethisch einwandfreie Ausprägung des Sklavenhandels im Zeitalter des Leasingvertrages. Da hat jeder seinen festen Job, nur halt mit wechselnden Aufgaben und der Auftraggeber muß meistens noch nicht einmal dafür bezahlen, weil er doch einen sozialen Dienst an den armen Arbeitslosen leistet, die eine moralische Aufrichtung erfahren, wenn sie wieder einmal schnuppern dürfen, wie Fabrikluft riecht, während die ehemalige Stammbelegschaft schon vor dem Wirksam werden der Kündigung in die Gebräuche des Staatsverleihs eingewiesen wird. Natürlich wird keiner einen Arbeitslosen umsonst bekommen, wenn er ihn innerhalb der letzten 3 Wochen selbst entlassen hat, aber wofür gibt es denn Schachtelbeteiligungen?

Wenn auf diese Weise nur jeder vierte Arbeitslose einmal im Jahr für einen Monat arbeiten kann, dann spart das der Wirtschaft einen zweistelligen Milliardenbetrag an Personalkosten. Das schafft Exportchancen!

Aber das ist noch längst nicht alles. Jeder, der sich bisher mit schlechtem Gewissen ein paar Euro schwarz dazu verdient hat, kann sich als ICH-AG jetzt so oft erwischen lassen, bis ihm jährliche Einnahmen von mehr als 25.000 Euro nachgewiesen sind. Aber das wird niemand kontrollieren können und so kommt es statistisch gesehen zur vollständigen Abschaffung der Schwarzarbeit, durch die nach Aussagen der Handwerksverbände immerhin jährliche Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe entstanden, die es Hartztseidank in Zukunft nicht mehr geben kann.

Kein Wunder, daß mit der Schwarzarbeit auch das Schwarzgeld abgeschafft werden soll. Man muß sich mit seinem Schwarzgeld nur die modernen Ablaß-Floater kaufen und sich den Einsatz ein paar Jahre lang verzinsen lassen, bis das ganze schöne Geld völlig reingewaschen wieder zurückgegeben wird.

Amnestie, Amnestie!

Hartz verzeiht alles. Auch wenn ein Arbeitgeber versehentlich versäumt hat, einen in die Jahre kommenden Mitarbeiter rechtzeitig zu entlassen, soll ihm dieser Fehler jetzt verziehen werden. Wozu soll der Kündigungsschutz für die alten Säcke auch gut sein? Die können doch wirklich zum Job-Center, und sich so lange zu Weihnachten als Leihbischof und zu Ostern als Leihhase vermitteln lassen und zwischenzeitlich unter Aufsicht des Vermittlers Bewerbungen schreiben, bis sie endlich begreifen, daß die kräftig gekürzte Rente, die ihnen winkt, in Wahrheit ein Segen ist, gegen diesen Druck, dem der alte und teure und ewig kranke Drückeberger Dank Hartz jetzt ausgesetzt werden kann. Die Wirtschaft rechnet mit Entlastungen in zweistelliger Milliardenhöhe.

Durch die Zusammenlegung aller kommunalen Ämter im Arbeitsamt werden alle Arbeitslosen und auch diejenigen Bürger, die noch Arbeit haben, ohne aufwendige Umschulungsmaßnahmen auf ihre Zukunft als Sozialhilfeempfänger vorbereitet.

Aber die Sozialhilfe wird auch nie wieder dieser allesverschlingende Höllenschlund sein, der sie früher einmal war. Wer nichts leistet, der bekommt auch keine Leistung und leisten kann jeder, die Verleihsoftware weiß immer, welcher shareholder gerade einen Facharbeiter, einen Computerspezialisten oder einen Vorstand braucht und sie verleiht sie gerne, denn in ihren ersten Programmzeilen ist unlöschbar festgehalten, daß es die Arbeitskosten sind, die den Standort Deutschland ruinieren und daß es notwendig ist, die Arbeitskosten der Republik zu senken, zu senken, zu senken ...

Und wenn dann die Arbeitskosten bei Null angekommen sind, dann haben wir zwangsläufig wieder Vollbeschäftigung und dann hat es sich gelohnt, die Sache mit den dreizehn Modulen, oder?

Nun ja, das muß nicht sein. Es könnte sein, daß in einem anderen Land ein anderer Hartz auf die Idee kommt, daß jeder, der arbeiten darf, für dieses Vergnügen eine Art Eintrittsgeld zu zahlen hätte, bei vollem Lohnverzicht, versteht sich. Damit wäre bei uns der Faktor Arbeit im internationalen Vergleich auf einen Schlag wieder so teuer, daß sich Arbeit in Deutschland für die Arbeitgeber schon wieder nicht mehr lohnt.
Daß es da einen Bedarf gäbe, interessiert niemanden. Bedarf gäbe es auf der ganzen Welt so viel, daß wir auf Jahrzehnte die Vollbeschäftigung ausrufen könnten, aber wo Käsescheiben und Kühlschränke, Kinokarten, Knäckebrot, Kraftfahrzeuge und Kunststoffflaschen keine Gewinne abwerfen, da gibt es sie nicht.

Das gilt für Namibia und für Sachsen-Anhalt.

Weil Globalisierung ist.

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