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Über die Gefahren des Fliegens

eine überaus ernsthafte Betrachtung von Egon W. Kreutzer

 

Vielfältig sind die Gefahren, denen sich aussetzt, wer es den Vögeln gleichtun will und sich dazu, mit Hilfe allerlei zweckdienlichen Geräts in die Lüfte erhebt, wo er sich der Illusion hingibt, fliegen zu können, während er in Wahrheit doch nur als Nutzlast einer Flugmaschine geflogen wird.

Schon der Schneider von Ulm, der auf einem von der ballistischen Flugbahn kaum zu unterscheidenden Weg vom hohen Münster in die Donau fiel, mußte erkennen, wie schnell das Glücksgefühl vergeht, wenn man die nassen Hosen vor spöttischem Publikum herunterlassen muß.

Natürlich unterschied sich sein Fluggerät, wie es so und ähnlich im Vorspann zu dem unvergeßlichen Fröbe-Film "Die tollkühnen Männer mit ihren fliegenden Kisten" verewigt wurde, ganz immens von den heute üblichen Flugzeugen, doch die Gefahren haben sich kaum verändert, nur die Ursachen und Auslöser akuter Probleme sind vielfältiger geworden, seit Quax der Bruchpilot sich hochstaplerisch als Held der Lüfte feiern ließ.

Dabei ist es egal, ob es die von der Cateringgesellschaft gelieferten Leckerbissen sind, die den Piloten nach anfänglicher Übelkeit kurz darauf in tiefer Ohnmacht auf seinem Sitz zusammensinken lassen, während der Autopilot das Gerät solange auf Geradeausflug hält, bis der letzte Tropfen Kerosin verbrannt ist, oder ob Entführer glauben, es sei nichts leichter, als mit nichts als einer Handgranate einen neuen Kurs einzuschlagen. Es ist unwesentlich, ob es am Fahrwerk, am Triebwerk, am Höhenleitwerk oder überhaupt an einem Werk liegt, wenn am Ende die in der Blackbox gespeicherten Flugdaten ausgewertet werden müssen, denn runter kommen sie alle.
(Blackbox: engl., wörtlich übers.: "(eine) schwarze Kiste", sinnbildl. f. ein Behältnis unbekannten Inhalts/ unbekannter Funktion, nicht zu verwechseln mit "Schwarzen Kassen", "Schwarzen Schafen" und "Schwarzen Tagen")

Runter kommen Sie alle.

Diese Erkenntnis beflügelte schon den berühmten Schützen Bumm beim Feldzug anno 70/71, wenn er sich ausmalte, wie sein auf dem hohen Roß dahertrabender Kommandeur am nächsten Hindernis wie vom Katapult geschossen in flacher Flugbahn auf die Botanik zuhielt.

Runter kommen Sie alle. Das ist der bedrohlich aufmunternde Satz, der schon so manchem flugangstgeplagten Zeitgenossen als schwacher Trost mit auf den Weg gegeben wurde, vielleicht noch verbrämt mit den besten Wünschen für einen guten Hinflug.

In diesen Tagen sind die Gefahren, die dem Luftreisenden drohen, um eine weitere Variante mit hohem Suchtpotential angewachsen, vor der nicht nachdrücklich genug gewarnt werden kann:
Es handelt sich um so eine Art Moorhuhnjagd, die da veranstaltet wird. Stellen Sie es sich so vor, als flögen ganze Geschwader von Politikern aller unserer Parlamente und aller darin vertretenen Parteien in Erfüllung ihrer Amtsgeschäfte mit hoher Geschwindigkeit von links nach rechts und von rechts nach links in großem Durcheinander, gerade so, wie wir es von Parlamentariern gewohnt sind, hurtig über die wechselhaften Landschaften des Bildschirmhintergrundes hinweg.

"Ja, und", sagen Sie, "das langweilt doch!"

Und schon greifen Sie nach der Maus und machen klick und klick und klick und klickklickklick und klick und die Soundkarte bläst ein martialisches Büchsenkrachen durch die Lautsprecher, mit einem Echo dazu, als käm' der Schuß direkt aus den bayrischen Alpen, und die fliegenden Parlamentarier fallen höchst unelegant wie Kartoffelsäcke aus dem Bild heraus.

Und dann, kaum daß Sie sich eingeschossen haben, stellen sie fest, daß es für die Moorlamentarier, die von links anfliegen hundert Bonus-Punkte gibt, und für die von rechts gar keine, und, na ja, von da an treffen Sie dann endlich immer nur die Richtigen.

Im Ernst? Sie haben noch nie Moorhuhnjagd gespielt?

Wie sich das trifft! Ich zum Beispiel habe auch noch nie eine Bonusmeile privat verflogen. Ehrlich!

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