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Hat die Währungsumstellung zu (un-)heimlichen
Preiserhöhungen geführt?

Ist der Euro ein Teuro?

ein Kommentar von Egon W. Kreutzer
(18.06.2002)

 

Die Aufgeregtheiten nehmen kein Ende, von der Bildzeitung bis zum ARD/ZDF-Morgenmagazin, von seriösen Artikeln im Wirtschaftsteil angesehener Zeitungen bis zum losen Spruch des Dummschnackmoderators im Regionalradio: Alle fragen sich, als gäbe es nichts anderes, um das Sommerloch zu füllen, ob der Euro ein Teuro sei, oder nicht.

Es scheint, daß dieses muntere Preiseraten (wieviel Mark und Pfennig hat DAS vor einem Jahr gekostet, sind Sie ganz sicher?) bis zur Wahl so weitergehen soll, denn Regierung und Opposition, Kanzler und Kandidat, lassen die öffentliche Diskussion munter laufen, ohne einzugreifen.

Dabei sind die Wirkungen des Euro im Geldbeutel (Portemonnaie schreibe ich nicht nach der neuen deutschen Rechstschreibung) der Deutschen klar und offensichtlich. Es ist alles teurer geworden, um mindestens 10% und die offizielle Preissteigerungsrate liegt trotzdem nur irgendwo zwischen 2 und 3 %.

Beides ist wahr und es ist so einfach zu begreifen, wenn man sich die Preissteigerungsdebatte vor dem Hintergrund der Lebenswirklichkeiten in Deutschland ansieht.

Da sind nämlich im Budget der Familie / des Singles sehr unterschiedliche Posten vertreten, die von der volkswirtschaftlichen Gesamtstatistik ohne Zögern in einen Topf (einen Warenkorb) geworfen werden dürfen, die in der realen Situation des einzelnen Haushalts aber völlig unterschiedliche Bedeutung erlangen.

Nehmen wir alle langfristig (meist vertraglich) festgelegten Ausgabenpositionen eines Haushalts aus der Betrachtung heraus, ignorieren wir also die Miete, die vom Euro nicht berührt wurde, die Leasingrate für das Wägelchen, den Beitrag für die Hausrat-, Haftpflicht- und Lebensversicherung, lassen wir die sowieso nicht kontrollierbare Telefonrechnung und einige ähnliche Positionen außer Acht, dann haben die meisten Menschen, Euro hin - Euro her, erst einmal den gleichen Betrag zur Verfügung, wie vorher in DM.

Waschmaschine, Fernseher, Staubsager, Schrankwand und Lattenrost entziehen sich dem Preisvergleich ebenso, wie Schuhe, Hüte und Wintermäntel. Die Preise solcher Produkte können vielleicht über einen Vergleichszeitraum von drei, vier Wochen bei verschiedenen Anbieteren verglichen werden, nach einem Jahr gibt es das ursprüngliche Vergleichsprodukt aber nicht mehr. Der Käufer weiß, daß er hier teuer und billig einkaufen kann und er kauft, je nach Geldbeutel und Laune entweder das teure oder das preiswerte oder das billige Produkt - erinnert sich vielleicht, daß der letzte Kühlschrank (vor 10 Jahren) auch nicht mehr gekostet hat - und schon fällt ein weiterer großer Teil des Warenkorbes aus der Preissteigerungsbetrachtung heraus.

Übrig bleiben genau die Produkte und Leistungen, die tagtäglich, ohne besondere Planung, dem laufenden Bedarf und Gelüst folgend, überwiegend gegen Bargeld aus dem Geldbeutel, erworben werden. Brötchen, Gemüse, Wurst, die Halbe Bier und die Pizza Margherita, die Kinokarte und, und, und ...

... und da stellt man jetzt verwundert fest, wieviel Monat noch übrig sein kann, wenn die Euros längst zu Ende sind.

Natürlich hat die Wirtschaft genau da zugelangt, wo es am leichtesten möglich war. Das Preisgefüge der kurzlebigen Konsumartikel wurde und wird mit dem Euro neu geordnet und ein durchschnittlicher Aufschlag von 10% auf ein Drittel des Warenkorbes macht eben unter dem Strich nur drei Prozent Preissteigerung - eine kleine Abwärtsbewegung der Beinzinpreise wirkt dagegen, und schon wir liegen - völlig korrekt - bei nur 2,5%!

Der Prozess der in Euro-Tarnung vollzogenen Preiserhöhungen ist aber noch längst nicht abgeschlossen; die Verwirrung der Verbraucher beginnt ja gerade erst. Langsam vergessen wir wirklich, welche Preise wir vor einem Jahr zu zahlen hatten, immer öfter verwechseln wir die Währungen und wenn wir es endlich gelernt haben werden, in Euro nicht nur zu zahlen, sondern auch zu rechnen, dann wird man uns verdeutlichen, daß die Miete, für die früher der Gegenwert von vier Glas Pils pro m² und Monat zu entrichten war, jetzt nicht plötzlich nur noch drei Glas Pils wert sein kann, oder soll der Vermieter vielleicht verdursten? Und so haben wir dann, Dank der mutigen Vorreiter in Gastronomie und Gemüsehandel, endlich wieder einmal eine Teuerungsrunde durchgestanden, ohne daß sich am Preisgefüge etwas geändert hätte.

Ganz am Rande: Selbst wenn die Gewerkschaften eine Lohnerhöhung um fünf Prozent durchsetzen sollten, was wir nicht hoffen wollen, hat sich die Teuro-Anstrengung gelohnt:

Löhne und Gehälter erreichen doch gerade noch 50% des Bruttoinlandsproduktes, da wirken 5% Lohnerhöhung nur noch mit 2,5% in den Kosten. Bleiben bei durschnittlich 10% Preiserhöhung immerhin 7,5% übrig und das vom Umsatz!

Kapitalrendite: Kaum unter 100%!

Oder kennen Sie einen Unternehmer, bei dem die Relation von Eigenkapital zu Umsatz ungünstiger ist?

Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
>>Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II
<<
von Egon W. Kreutzer
.............unbedingt lesenswert!

Eigendruck, Selbstverlag

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