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Der patentierte Mensch

ein Kommentar von Egon W. Kreutzer

Die Süddeutsche hat heute, am 12. Juni 2002, das Thema der Bio- und Genpatente im Wirtschaftsteil erneut zur Debatte gestellt. Markus Balser, der Verfasser des Artikels "Griff nach dem Grünen Gold" beginnt mit der Gerichtsentscheidung gegen einen kanadischen Bauern, der zu 220.000 Dollar Strafe verurteilt wurde, weil auf seinen Feldern - ohne daß er ihn dort angesät hätte - patentierter Raps gewachsen war.

Wenn die Ursache tatsächlich darin lag, daß genmanipulierte Pflanzen per Pollenflug ihre patentierten Eigenschaften an das Saatgut der Nachbarn weitergegeben haben und die vom Nachbarn als unvermeidlich hingenommene Befruchtung der eigenen Pflanzen dann vom Gericht als "Diebstahl" erkannt wurde, dann gehen wir finsteren Zeiten entgegen.

Die Bedrohung der menschlichen Gesundheit, die bisher im Vordergrund der Kritik an genmanipulierten Nahrungsmitteln stand, ist offensichtlich immer noch nur das kleine Übel. Das große Übel ist es, daß es den Menschen im Allgemeinen und der verdammten Konkurrenz im Besonderen möglichst schnell vollständig verwehrt sein soll, in der Natur noch irgendeinen belebten Organismus zu finden, dessen Nutzung ohne die zwangsweise Entrichtung von Patentgebühren möglich ist.

Es ist müßig, die Frage noch einmal zu stellen, ob es denn Recht sein könne, daß ein Konzern, der für sich in Anspruch nimmt, eine Pflanze, ein Insekt, einen Pilz, ein Gen entdeckt zu haben, von da an, auf die Dauer des Patentes (und der Folgepatente) die alleinige Nutzung aller Lebewesen, die mit dem patentierten Gegenstand in Zusammenhang oder in Wechselbeziehungen stehen, für sich reklamieren darf. Das ist Recht. Recht in den USA, immer mehr wird es Recht auch in Europa und vielerorts sonst auf der Welt ist auch schon längst nur noch das Recht, was die Konzerne fordern. Die Begründungen für dieses Recht sind - wie so oft - rein wirtschaftlicher Natur und dienen nichts anderem, als dem Schutz von Investitionen, was heißt: dem Schutz exorbitanter Gewinne.

Weil während der Laufzeit eines Patentes auch die weitere Forschung am patentierten Lebewesen nur mit Zustimmung des Patentinhabers und gegen Zahlung von Lizenzgebühren gestattet ist, werden Folgepatente des erstmaligen Patentinhabers den Schutz der sprudelnden Gewinne weit über die gesetzlich beabsichtigte Laufzeit des Patentschutzes hinaus gewährleisten.

Stellen wir uns also vor, die lange geforderten Landreformen kommen endlich. Dort, wo bislang Großgrundbesitz für die dauerhafte Armut der Bevölkerung sorgte, darf nun jeder ein eigenes Grundstück angemessener Größe bewirtschaften: Es funktioniert wieder nicht, weil die Groß-Genpatent-Besitzer mit den Lizenforderungen für die Nutzung ihrer Patente schon wieder den Schröpfkopf angesetzt haben.

Lassen wir uns doch nicht von den Sprüchen der Pharma-Industrie verwirren, die behauptet, die Entwicklung eines Medikamentes sei so teuer, daß die Kosten nur dann wieder hereingespielt werden könnten, wenn eine Absicherung durch Patente auf Gene, Pflanzen, Lebewesen erfolgt. Der Schutz von Produkten und Verfahren hat dafür bisher gereicht und würde - da habe ich gar keinen Zweifel - dafür auch weiterhin ausreichen!

Das Ziel sind nicht neue Medikamente, das Ziel ist nicht die Versorgung immer größerer Menschenmassen auf diesem Globus mit Nahrungsmitteln:

Das Ziel ist die totale Kontrolle über die Ernährung der Menschen.

Es soll niemand mehr ein Brot essen dürfen, auf das nicht Lizenzgebühren für das Getreide fällig wären, niemand soll mehr ein Schnitzel essen dürfen, auf das nicht Lizenzgebühren für ein paar Schweinegene zu entrichten sind, und niemand soll ein Bier, eine Limonade, einen Wein trinken dürfen, wenn nicht vorher die Lizenzgebühren an die Food-Multis geflossen sind.

Und weil wir schon dabei sind, patentieren wir Stück für Stück auch gleich den Menschen selbst. Irgendwann, in nicht allzuferner Zukunft, werden die Eltern eines Neugeborenen, bevor das Kind erstmals die Brust bekommen darf, einen Betrag von nicht unter 10.000 Euro zu überweisen haben, für die Nutzung der Patente (von der Geburt bis zur Volljährigkeit), die die General Gen & Drug Company an der menschlichen Magensäure - rassenübergreifend - hält.
Man wird ein paar Gene isolieren und patentieren, die für die Fähigkeit logischen Denkens unabdingbar sind und bei Eintritt in die Grundschule, wie auch bei jedem Wechsel in weiterführende Schulen, die Gelegenheit finden, die Lizenzgebühren dafür abzugreifen, wobei die Höhe von jedem Patentinhaber nach Belieben festgesetzt werden darf.

Wer, welches Volk dieser Welt, ist mit solchen Vorstellungen einverstanden? Wer würde dem seine Stimme gegeben haben, der versprochen hätte, solche Geschäftsmöglichkeiten legalisieren zu wollen?

Trotzdem sind wir praktisch soweit.
Das Urteil gegen Percy Schmeiser, Farmer in Kanada, ist ein weiterer Beleg dafür, daß die Vereinnahmung der Schöpfung durch die Geschäftemacher in vollem Gange ist.

Glauben Sie nicht auch, wir sollten endlich aufwachen und ein paar Dinge ganz grundsätzlich ändern, z.B. die Gesetzgebung über die Patentfähigkeit von Leben? Ich wäre sofort dabei!

Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
>>Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II
<<
von Egon W. Kreutzer
.............unbedingt lesenswert!

Eigendruck, Selbstverlag

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