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Spiegel online
berichtete über die verheerenden Arbeitslosenzahlen im Januar 2003
mit dem Artikel

Abbruch Ost
Von Carsten Matthäus

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,233869,00.html

Dazu mein Leserbrief vom 6. Februar 2003

Gefangen im Irrtum

 

Solange die eine Schlußfolgerung heißt: "Wir brauchen mehr Wachstum!", und die andere, ergänzende Schlußfolgerung lautet: "Wir müssen sparen!", ist eine Besserung für Wirtschaft und Arbeitsplätze nicht in Sicht.

Man kann Wachstum nicht herbeisparen.

Das sollte sich als Erkenntnis allmählich in den Köpfen der Verantwortlichen festsetzen. Dass Wachstum außerdem nicht Selbstzweck sein darf, dass unsinniges Mengenwachstum und damit Ressourcenvernichtung nach Möglichkeit vermieden werden sollte, hat uns der Club of Rome schon vor dreißig Jahren aufgezeigt.

Dabei wäre die Lösung so einfach.

Mit einer gesetzlich vorgeschriebenen Verkürzung der Wochenarbeitszeit auf ungefähr 27 Stunden und gleichzeitig einem totalen Verbot von Überstunden, wären Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit auf einen Schlag beseitigt. Mit dem Knappheitsgut Arbeitskraft würde der Arbeitsmarkt eine ungekannte Flexibilität und Mobilität erleben. Arbeitsplätze würden da entstehen, wo es noch Arbeitslose gibt, also z.B. genau in den Gebieten der neuen Länder, die bisher von den Investoren verschmäht wurden.

Mit dem Verschwinden der Arbeitslosigkeit ergäbe sich eine neue Kassenlage in den öffentlichen Haushalten und in den Sozialkassen, selbst wenn die Arbeitszeitverkürzung nicht mit vollem Lohnausgleich erfolgen sollte. Voller Lohnausgleich wäre aber durchaus möglich, wenn nur der überflüssige Ramsch-Export wegfiele, mit dem der Standort Deutschland sich anheischig macht, auf dem Weltmarkt mit den Produkten von Entwicklungsländern zu konkurrieren. Nur um eine schnelle Umsatzrendite für einen unverantwortlichen Global Player zu erzielen. Sobald dieser volkswirtschaftlich nicht nur unsinnige sondern sogar extrem schädliche Dumping-Export aufhört, könnten wir uns für die Versorgung des auch weiterhin hochpreisigen Binnenmarktes die mit einer Arbeitszeitverkürzung verbundene, sehr geringfügige Kostenerhöhung durchaus leisten.

Allerdings sinkt dabei der Gewinn derjenigen großen Kapitalgesellschaften, die in Deutschland nichts sehen, als einen beliebigen Standort unter vielen möglichen Standorten, Gesellschaften, die möglichst nirgends Steuern zahlen und deren Interesse am deutschen Sozialsystem dem Interesse des Fuchses gleicht, der um den Hühnerstall schleicht. Es geht doch heute hauptsächlich darum, den steten Geldstrom, den die deutsche Bevölkerung in der Rentenversicherung, in den Krankenkassen und in der Arbeitslosenversicherung zur eigenen Sicherheit fließen läßt, anzuzapfen und umzulenken. Der Sozialstaat ist nicht das Hemmnis, er ist die Beute!

Alle jetzt diskutierten Reformen, die im Kern nichts als radikalen Sozialabbau wollen, haben nur das Ziel, mit Produkten "made in germany" auf den Weltmärkten höhere Gewinne zu erzielen.

Es geht nicht mehr darum den einzelnen Arbeiter auszubeuten.
Es geht um den ganzen verdammten Standort Deutschland.

 

Egon W. Kreutzer
Schrobenhausener Str. 15
86556 Kühbach Unterbernbach

Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
>>Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II
<<
von Egon W. Kreutzer
.............unbedingt lesenswert!

Eigendruck, Selbstverlag

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