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Banken- und Geldkrise

mein erster Aufsatz, der sich der Banken und Geldkrise widmet, stammt aus dem Jahre 2002.

Es handelt sich dabei um einen Leserbrief an den Spiegel, den ich in mehreren Fassungen abgegeben habe, um damit über eventuell erforderliche Kürzungen weitgehend selbst entscheiden zu können. Dieser Leserbrief steht seitdem online und erfreut sich, nachdem "Bankenkrise" in den letzten Monaten zum allgemein gebräuchlichen Stichwort und damit auch zum Suchbegriff bei google & Co. geworden ist, zunehmender Beliebtheit.

Natürlich empfehle ich Ihnen, auch diesen Leserbrief - im Abstand von über fünf Jahren noch einmal zu lesen, mehr aber empfehle ich Ihnen meine jüngeren Aufsätze zum Thema

Die aktuellen Aufsätze

Das Beben der Märkte, Teil 1, August 2007
Das Beben der Märkte, Teil 2, Oktober 2007
Die Banken-Dollar-Airbus-Krise, November 2007
Estate - real estate - Hypo Real Estate, Januar 2008

Nur ein Börsencrash?, Januar 2008
Die Welle, März 2008

...und natürlich will ich Ihnen nicht verschweigen, dass ich zum Verständnis der Wirtschaft, sowohl der globalen, wie auch der regionalen, unter betriebs- und volkswirtschaftlichen Aspekten nach und nach vier Bücher geschrieben habe.

Zusammen bilden Sie

Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre.

Ob das die richtige Lektüre für Sie ist, können nur Sie selbst entscheiden.
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Und hier der Leserbrief aus dem Jahr 2002 - sage niemand, es sei alles völlig überraschend gekommen...


Von: "EWK_...der_Unternehmerberater" <EWKberater@knuut.de> An: <leserbriefe@spiegel.de> Betreff: Heft 42/2002 Kassieren und abhauen Datum: Montag, 14. Oktober 2002 18:39 Sehr geehrte Damen und Herren, Ihre Autoren Pauly und Reuter haben ein spannend zu lesendes Sittengemälde vom Niedergang des wahrscheinlich zweitältesten Gewerbes der Welt erstellt, das nur einen kleinen Schönheitsfehler hat: Die eigentlichen Ursachen der Finanz- und Wirtschaftskrise bleiben unter dem Impasto barocker Lebensfreude, der Schilderung kleinerer und größerer Orgien fast vollständig verborgen und werden auch durch die Enthüllung der dümmlichen Denkblasen maßloser Selbstüberschätzung von Analysten und Beratern keineswegs erkennbar. Es ist schwer, diesem sehr breit angelegten Artikel gerecht zu werden, ohne die Grenzen der Rubrik "Leserbriefe" vorsätzlich zu sprengen. Daher habe ich mir die Mühe gemacht, meinen Kommentar in vier Fassungen mit unterschiedlichen Komprimierungsgraden abzuliefern.

Mit allerbesten Grüßen
Egon W. Kreutzer



Zuerst, ganz ordentlich, die nachträglich entstandene: Zusammen - Fassung
(ca. 55 Worte/480 Zeichen)

Nicht die Banker sind die Ursache: Unser Geldsystem selbst läßt die Wirtschaft unter seiner unvermeidlichen, exponentiell wachsenden Schuldenlast zusammenbrechen. Nur das "Einschießen" frischen Zentralbank-Geldes, das von niemandem zurückgezahlt und verzinst werden muß, könnte die Irrsinns-Spirale unterbrechen. Geburtsprämien für Neugeborene, gezielte Projektförderung im ökologischen, sozialen oder kulturellen Bereich sind nur Beispiele für viele sinnvolle Anlässe.



dann die ursprüngliche Lang-Fassung
(ca. 800 Worte/5600 Zeichen)

Kassieren und abhauen

Christoph Pauly und Wolfgang Reuter zeichnen Banken und Banker - nicht ohne Schadenfreude - als eine von der eigenen Gier eingeholte, wilde Horde von Glücksrittern und machen glauben, damit die Schuldigen des weltweit zu beobachtenden wirtschaftlichen Niedergangs ausgemacht zu haben. Zum Beweis sehen sich die Autoren allerdings veranlaßt, die augenscheinliche Binsenweisheit zu verkünden, das Bankwesen würde so funktionieren, daß die einen dort ihr übriges Geld einlegen, damit die Bank dieses, als Mittler und Treuhänder, danach an diejenigen ausreichen kann, die Geld nachfragen. Leider ist es völlig anders.

Geld erscheint im real existierenden Geldsystem nur und erst dann als Guthaben auf einem Bankkonto, wenn vorher eine Geschäftsbank einen entsprechenden Kredit vergeben hat. Es kommt kein Geld in den Kreislauf, dem nicht ein Kredit zugrunde liegt. Wer dies bezweifelt, mag vor dem Weiterlesen versuchen herauszufinden, wie es kommt, daß es den Zentralbanken auch mit größten Mühen nicht gelingt, das Wachstum der Geldmenge gezielt und zuverlässig zu beeinflussen. Weil es Geld nur gegen Kredit gibt - auch das Bargeld wird von den Notenbanken nur verliehen - ist alles Geld zu jeder Zeit mit Zinsen belastet. Zinsen, zu deren Bezahlung unweigerlich neues Geld, also neuer Kredit in die Welt gesetzt werden muß. Es gibt in unserem Finanzsystem keine Geldguthaben, denen nicht Schulden in gleicher Höhe gegenüberstünden, auch für das Bargeld, das wir in unseren Taschen mit uns herumtragen, werden laufend Zinsen fällig. Es sind diese Zinsen, und nichts sonst, was uns zwingt, ein ständiges, längst unsinniges und überflüssiges Wachstum anzustreben und damit immer mehr und immer schneller die wertvollen Rohstoffreserven in Konsum-Müll zu verwandeln.

Mit den Verträgen von Maastricht haben sich die Mitgliedstaaten der EU verpflichtet, die Staatsverschuldung zu reduzieren. Es gab in den öffentlichen Haushalten zunächst überraschend gute Ergebnisse, doch langsam aber sicher wird nun ein unerwarteter Mechanismus erkennbar: Wenn die Schulden verschwinden, verschwindet automatisch auch das Geld und im Extremfall bleibt am Ende nicht mehr übrig, als jene 1,9 Milliarden Mark "Kopfgeld", die im Juni und August 1948 als Initialzündung für das Wirtschaftswunder im Nachkriegsdeutschland ausgegeben worden waren.

Zinssenkungen, nach denen, trotz bereits sehr niedriger Zinsen, immer noch laut gerufen wird, helfen weder in Japan noch in den USA noch in Europa. Niedrige Zinsen sind zwar ein Anreiz, sich zu verschulden, aber sie sind deshalb noch lange kein ausreichender Anreiz, die nachgefragten Kredite auch zu vergeben. Das kostet nämlich Geld und zwar mindestens a) den Verwaltungsaufwand und b) die Verluste aus dem Kreditausfallrisiko. Von daher ist es nur folgerichtig, wenn heute zu beobachten ist, wie die Banken versuchen, sich im Personalabbau gegenseitig zu übertreffen und dabei mit dem Feigenblatt "Basel II" eine nie gekannte Risikoscheu zelebrieren. Doch ohne neuen Kredit schwindet das Geld schnell dahin. Weil die Banken mit der Kreditvergabe Geld aus dem Nichts schöpfen und es nur durch Soll und Habenbuchungen auf den Konten darstellen, löst sich das Geld durch die gegenläufige Buchung bei der Tilgung auch wieder in Nichts auf. Es geht nicht anders!

Die Spekulationsblase, die wir in den letzten Jahren wachsen und platzen gesehen haben, war kaum mehr, als die verzweifelte Reaktion eines mit hohen Zinskosten belasteten "reifen" Systems auf einen Geldbedarf, der, wegen der zwangsläufigen Verlangsamung des Wachstums der realen Wirtschaft, aus deren Gewinnen alleine nicht mehr befriedigt werden konnte. Der Zusammenbruch des internationalen Finanzsystems kündigt sich an. Wir sind mitten in der Bankenkrise, stehen vor dem Zusammenbruch von zigtausenden von Unternehmen und vor vier Millionen Arbeitslosen in Deutschland und wollen nicht erkennen, daß die nächste Weltwirtschaftskrise schon begonnen hat.

Es gäbe eine Lösung, aber ich fürchte, für diese Lösung fehlt der Politik die Kraft.

Diese Lösung heißt: Geld. Frisches Geld. Unverzinstes Geld. Geld, das nicht als Darlehen, sondern als Geschenk, als verlorener Zuschuß in den Markt gegeben wird. Geld das zinsfrei im Umlauf ist und zinsfrei im Umlauf bleibt, weil ihm keine Schuld, kein Kredit gegenübersteht. Warum sollen nicht die Eltern jedes Neugeborenen von der EZB ein Geschenk in Höhe von 10.000 Euro bekommen? Warum sollten nicht wichtige Projekte der Ökologie und der sozialen Gerechtigkeit, für die einfach nur das Geld fehlt, mit verlorenen Zuschüssen aus EZB-Geldschöpfung gefördert werden?

Wetten, daß unsere Flaute schnell überwunden wäre, daß die Schulden rapide abnähmen, daß die Arbeitslosigkeit sich wieder in sinnvolle Vollbeschäftigung wandeln würde? Dieser Vorschlag hat nur einen Haken: Bestehende Geldvermögen würden geringfügig an Wert verlieren und auf Dauer wäre es wohl nahezu unmöglich, durch seriösen Geldverleih noch Zinserträge zu erzielen. Daher steht zu befürchten, daß sich niemand finden wird, der den Mut hat, eine solche Lösung ernsthaft anzustreben. Lieber läßt man das System zusammenbrechen, um es danach nach dem gleichen Muster neu aufzubauen und wieder sechzig- siebzig Jahre lang laufen zu lassen, bis zum nächsten Zusammenbruch.

Schließlich funktioniert es immer wieder. Die Transaktionen zur Veränderung der Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden und anderen, langfristig werthaltigen Sachen wurden mit Hilfe des Geldes ausgeführt und die neuen Eigentumsverhältnisse haben Bestand, völlig unabhängig vom Geldsystem, dem sie ihr Entstehen verdanken.

 


Die erste Kurzfassung
(ca. 450 Worte/3300 Zeichen)

Wer Geld hat, gibt es der Bank, die es - als Mittler und Treuhänder - an den verleiht, der es gebrauchen kann. So schildern Chr. Pauly und W. Reuter das Funktionieren des Bankwesens. Diese Auffassung von Geld ist naiv und gefährlich, weil sie glauben macht, am Geld selbst läge es nicht, wenn es finanzielle und wirtschaftliche Probleme gibt. So ist die Schilderung der Krise des Finanzwesens in dem Artikel "Kassieren und abhauen" zwar sicherlich korrekt recherchiert und anschaulich farbig geschildert, bleibt aber zu oberflächlich da, wo es darum geht, wirkliche Ursachenforschung zu betreiben.

Dazu muß zuallererst mit dem mittelalterlichen Geldbegriff aufgeräumt werden, dem die beiden Autoren offenbar noch anhängen. In unserem Geldsystem ist der Kredit der Vater des Geldes. Weil die Banken mit der Kreditvergabe Geld praktisch aus dem Nichts schöpfen und es lediglich durch Buchungsvorgänge auf Konten darstellen, löst sich Geld durch Tilgung wieder auf. Dies gilt letztlich auch für das Bargeld, daß sich die Geschäftsbanken für den Bedarf ihrer Kunden von der Zentralbank leihen müssen und es deshalb schnellstmöglich zurückgeben, sobald die Kassenbestände den Betrag übersteigen, der für den geregelten Geschäftsbetrieb erforderlich ist.

Aus dieser Feststellung lassen sich drei wichtige Folgerungen ableiten:

1.) Weil Geld, um zu existieren, geliehen werden muß, muß jedem Geldguthaben
eine Geldschuld gegenüberstehen. Die aus den Geldschulden erwachsenden Zinsbelastungen können nur durch zusätzliches Geld (also neue Schulden) bedient werden. Unser Geldsystem wächst also zwangsläufig und exponentiell.

2.) Weil Geld, das zur Tilgung von Schulden verwendet wird, sich rückstandslos auflöst und vollständig verschwindet, ist der ständige Ersatz alter Schulden durch neue Schulden zwingend erforderlich, wenn die Wirtschaft nicht an fortschreitendem Geldmangel ersticken soll.

3.) Weil das Herstellen von Geld durch Verleihen teuer ist - es fallen einerseits Verwaltungskosten an und andererseits muß das Ausfallrisiko getragen werden - wird ein niedriger Zinssatz zwar zu steigender Nachfrage nach Geld führen, nicht aber unbedingt auch zu einer steigenden Bereitschaft, Geld bereitzustellen.

Alle Probleme und Auswüchse unseres Wirtschafts- und Finanzsystems, angefangen von der Notwendigkeit eines immer unsinnigeren Produktions- und Konsumwachstums, bis hin zu Spekulationsblasen und Crash-Szenarien an den Finanzmärkten, lassen sich von diesen einfachen Weisheiten aus als zwangsläufige Prozesse im langfristigen (60-70 Jahre) Konjunkturzyklus erklären.

Die einzige Lösung, dem jetzt wieder drohenden totalen Zusammenbruch der Weltwirtschaft zu entgehen besteht darin, mit dem Ausstieg aus der Geldschöpfung durch Kredit zu beginnen, indem frisches Geld als Geschenk bzw. verlorener Zuschuß, ohne Tilgungsverpflichtung oder Zinsbelastung auf den Markt kommt. Man könnte z.B. den Eltern jedes Neugeborenen einen Betrag von 10.000 Euro schenken oder z.B. wichtige und sinnnvolle Projekte der Ökologie direkt mit solchem Geld finanzieren und damit die endlose Schuldenspirale wirksam unterbrechen, ohne dabei gleichzeitig die völlige inflationäre Vernichtung bestehender Geldvermögen einzuläuten. Lediglich die Fähigkeit des Geldvermögens, sich durch Zins zu vermehren, würde leiden, was wohl Grund genug sein wird, diesen Ausweg nicht zu suchen.



Zuletzt die noch kürzere, eventuell gerade noch machbare Druck - Fassung
(ca. 220 Worte/1600 Zeichen)

Es ist längst nicht mehr so, daß Banken das Geld verleihen, das ihnen zur Aufbewahrung übergeben wird. Im Gegenteil! Die Geschäftsbanken schöpfen Geld durch Kreditvergabe praktisch aus dem Nichts und stellen es durch entsprechende Buchungen auf den Konten dar. Also ist alles Geld zinsbelastet. Zins und Zinseszins erzwingen das unaufhörliche, exponentielle Wachstum von Geldmenge und Schuldenberg. Früher oder später reicht die Ertragskraft der realen Wirtschaft, deren Wachstum mit dem Wachstum der Zinslast nicht Schritt halten kann, nicht mehr aus und die nackte Not zwingt dazu, das nötige Kleingeld für Zins und Tilgung in der Spekulation zu erwirtschaften. Das funktioniert, wie wir gesehen haben, für kurze Zeit, danach folgen, je nach wirtschafts- und finanzpolitischer Weichenstellung, entweder Rezession und Inflation oder Rezession und Deflation.

Ein Ausweg bestünde darin, für bestimmte positive Projekte, Geldgeschenke der Zentralbank - ohne Zinslast und ohne Rückzahlungsverpflichtung - in den Markt zu bringen (z.B. Geburtsprämie für Neugeborene, Finanzierung sinnvoller Umweltschutzvorhaben, etc.). Die davon ausgehende Inflationsgefahr ist gering und sehr gut beherrschbar. Daß allerdings die Fähigkeit von Geldvermögen, sich durch Zinserträge zu vermehren, schnell verloren gehen würde, dürfte ausreichen, daß sich stattdessen der aktuelle Trend, die Geldvermögen immer schneller in Sachwerte einzutauschen, verstärken wird, bis die nächste Weltwirtschaftskrise eine neue Währungsreform hervorbringt und das alte, gerissene Spiel mit dem naiven Glauben an das Geld von vorne beginnen kann.



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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre weist Wege in eine gerechtere Zukunft.

Brandneu: Band IV - Kritik und Überwindung des aggressiven Eigentums.
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