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Von: "EWK_...der_Unternehmerberater" <EWKberater@knuut.de>
An: <leserbriefe@sueddeutsche.de>
Betreff: Nachhaltig wirtschaften, Nikolaus Piper, SZ vom 31.8.2002
Datum: Montag, 2. September 2002 11:49

Sehr geehrte Damen und Herren,
der Kommentar von Nikolaus Piper zum Gipfel in Johannesburg ist m.E. nicht geeignet, auf eine positive Entwicklung globaler Strukturen hinzuwirken, im Gegenteil. Es ist nicht die erste Wortmeldung des Herrn Piper,
die dazu beiträgt, mein seit über dreißig Jahren positives Bild von der Süddeutschen Zeitung zu untergraben, aber diese halte ich wieder einmal für besonders unerträglich.
Mit besten Grüßen

Egon W. Kreutzer
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Unerträglich

Alle reden jetzt über Nachhaltigkeit. Da darf Nikolaus Piper nicht fehlen. Und schneller als man sich auf seine Gedankenwelt einstellen kann, erklärt er flugs zur unteilbaren Wahrheit, daß es "natürlich unmöglich sei, die Weltbevölkerung mit erneuerbaren Ressourcen am Leben zu erhalten."

Dann schwätzt er kurz die Nachhaltigkeits-Definition der Brundtland-Kommission in Grund und Boden und erklärt kurzerhand alles zum gefährlichen und radikalen Kurzschluß, was darauf hindeutet, daß unsere heilige kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung am Hunger in Afrika und am Elbhochwasser mitschuldig sein könnte. Es folgt eine schmerzhaft gewundene Argumentation, deren Ziel über viele Zeilen völlig im Dunkeln bleibt.

Gefährliche Töne, seien in Johannesburg am Rande der Konferenz zu hören. Südafrikas Präsident, so urteilt Herr Piper, hätte "zu Recht" den Zusammenhang zwischen Armut und Naturzerstörung angesprochen, dann aber eine globale Apartheid beklagt, was leider als "kaum verhohlene Globalisierungskritik" erkannt werden müsse.

Und dann setzt Herr Piper zu einer Beweisführung an, die er sich in ihrer vordergründigen Naivität nur bei Maxeiner und Miersch und deren "Mephisto-Prinzip" angelesen haben kann.

Reichtum, so Piper, schafft ein sauberes Vorgärtlein und Reichtum kommt aus dem Wettbewerb und Verschwendung ist ein Zeichen von Reichtum und ohne Verschwendung geht es den Armen auch nicht besser und nur im ungezügelten Wettbewerb liegt die Freiheit des Einzelnen und Knappheitspreise bilden sich von selbst und wenn nicht, kommt es nur auf die sorgfältige Wahl der Instrumente an und Wasser in der Sahel Zone muß teuer sein, sonst(!) bekommen die Armen nämlich gar kein Wasser, weil es verschwendet wird und Aids läßt sich überhaupt nur bekämpfen, wenn Frauen über sexuelle Selbstbestimmung verfügen und schließlich gehört es zur ökonomischen Freiheit der Armen, daß sie ihre Produkte auf den Märkten der Reichen verkaufen können, was die Subventionen der Reichen so empörend macht, weshalb - und jetzt bringt er seine Message endlich auf den Punkt - unsere (kapitalistische) Wirtschaftsordnung nicht abgeschafft, sondern allen Menschen zugänglich gemacht werden müsse.

Da reibt man sich die Augen und fragt sich bestürzt, warum bisher noch niemand auf diese Idee gekommen ist. Einen Augenblick später erinnert man sich dann aber doch wieder daran, daß der Kapitalismus längst allen Menschen zugänglich ist, die über Kapital verfügen. Kapital, das immer diejenigen nutzen dürfen, die bei geringstem Risiko die höchsten Renditen erwirtschaften. Höchste Renditen setzen höchste Gewinne voraus. Höchste Gewinne entstehen noch immer am besten dort, wo jenseits der Grenzen der Legalität gearbeitet wird, wo der Niedriglohnsektor bei niedrigsten Standards sozialer Absicherung schon weit besser entwickelt ist, als bei uns. Um das Kapital an diese Orte und zu diesen Menschen zu transportieren, haben wir international operierende Unternehmen heranwachsen lassen, welche Menschen zynisch als human ressources bezeichnen um sie dann ebenso zu verheizen, wie alle anderen Ressorcen des Planeten auch.

Die ökonomische Gestaltung der Globalisierung darf nicht länger dem Gutdünken der sogenannten "Global Player" ausgeliefert bleiben, deren "spielerischer" Umgang mit Menschen und Ressourcen von grenzenloser Arroganz und Ignoranz geprägt ist!

Die Spielregeln, die in einer Welt von gegeneinander abgegrenzten Staaten mehr schlecht als recht funktionierten, sind in einer Welt schrankenloser globaler Beziehungen absolut untauglich geworden. Aber mit dem neoliberalen Verzicht auf Regeln ist es nicht getan. Der notwendigen Deregulierung und dem unkontrollierten Wildwuchs im Handel und in der Finanzspekulation müssen endlich neue Regeln folgen, welche die globale Wirtschaft als "globale Binnenwirtschaft" verstehen und den global agierenden Unternehmer deshalb auch in eine globale Verantwortung nehmen, so daß Umweltverschmutzung, Verschwendung knapper Ressourcen, Steuerverweigerung und ausbeuterische Arbeitsverhältnisse an jedem Ort der Welt gleichermaßen geahndet und verurteilt werden.

Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
>>Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II
<<
von Egon W. Kreutzer
.............unbedingt lesenswert!

Eigendruck, Selbstverlag

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Der Kapitalismus ist längst überall angekommen. Doch solange der Kapitalismus noch solche stramme Apologeten seiner Heilsversprechungen findet, wie Nicolaus Piper und Medien, die solche Kommentare verbreiten, braucht er sich auch vor der anmaßenden Kritik eines südafrikanischen Staatspräsidenten nicht zu fürchten. Das ist doch nichts, als kaum verhohlene Globalisierungskritik, oder?

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Egon W. Kreutzer
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