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Von: "EWK_...der_Unternehmerberater"
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An: <leserbriefe@sueddeutsche.de>
Betreff: Heribert Prantl, "Ich bin ein Politiker", SZ
vom 29.7.02, Meinungsseite
Datum: Montag, 29. Juli 2002 11:56
Sehr geehrte Damen und Herren,
Heribert Prantl hat die Werfer des ersten und aller weiteren
Steine aufgefordert, das eigene Sündenregister aus der Perspektive
des Politikers zu prüfen. Hier meine Erkenntnisse:
Ich bin KEIN Politiker! (Gottseidank!)
Solange wir unter Politikern nur jene Parteigänger verstehen,
wie sie die parlamentarische Demokratie als gewählte Volksvertreter
hervorgebracht hat, dann will ich kein Politiker sein. Es kann
nicht gutgehen!
Die Gründe:
- Ich kann nicht glauben, daß eine einzelne Partei
für alle Probleme die beste Lösung hat, auch nicht,
daß das Gesamtprogramm einer Partei die beste Gesamtlösung
darstellen kann, müßte mich aber trotzdem und bevor
ich überhaupt Politiker werden kann, für ein Parteibuch
entscheiden.
- Ich kann nicht glauben, daß mein politischer Gegner
ein unfähiger Unmensch ist, müßte dies aber
im Wahlkampf (und immer wieder auch in ruhigeren Zeiten) lauthals
und ohne rot zu werden, behaupten.
- Ich kann nicht glauben, daß es der politischen Kultur
eines Landes dient, einen Wahlkampf ausschließlich an seiner
Medienwirksamkeit auszurichten, müßte mich aber
selbst auf ein freundliches Gesicht und ein paar schöne
Gemeinplätze reduzieren, weil es die anderen ja auch tun
und damit Erfolg haben.
- Ich kann nicht glauben, daß Fraktion und Gewissen
zum Synonym verschmelzen können, müßte aber,
um überhaupt Politiker werden zu können, zuerst einmal
den Fraktionszwang akzeptieren.
- Ich kann nicht glauben, daß es Sinn macht, einem
Politiker jeglichen materiellen Nutzen, der über die regulären
Diäten hinausgeht, zu verweigern, müßte mich
aber als Politiker entweder damit bescheiden, oder solche durchaus
auch erfolgsabhängigen Zusatzeinkommen verschweigen.
- Ich kann nicht glauben, daß gute Politik aus der
immer schnelleren Reaktion auf immer ausgefeiltere Meinungsumfragen
entstehen kann, müßte aber meine Zeit zu einem
großen Teil damit verbringen, demoskopische Zahlen zu analysieren,
anstatt die eigentlichen Aufgaben anzugehen.
- Ich glaube, wir sollten endlich
Wege suchen, um die Staatsführung mehr zu professionalisieren.
Fachkundige Minister, die als Angestellte mit klarem Kompetenzrahmen
verantwortlich Politik machen; Politik, die von einem Parlament,
das sich wieder als solches versteht, kontrolliert, aber nicht
gelähmt wird; das wäre ein (1) denkbares Modell, das
bessere Ergebnisse bringen könnte, als weiter mit Regierungen
zu leben, in denen die Posten mehr nach Neigung als nach Eignung
unter dem alle vier Jahre "zufällig" verfügbaren
Personal vergeben werden, das sich dann in der Materie mühsam
übt und sich durch allerlei Dreistigkeiten und Ungeschicklichkeiten
selbst den Ruf verdirbt, so daß der Bürger wenigstens
"circenses" hat - man gönnt ihm ja sonst nichts.
Cem Özdemir ist, weil er es versäumt hat, als Politiker
auf den allzu aufrechten Gang zu verzichten, mit dem Kopf an genau
die Latte gestoßen, unter der man in diesem, unserem Lande
mühelos durchkommen muß, will man als Politiker bestehen.
Kaum zu glauben, oder?
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Mit freundlichen Grüßen
Egon W. Kreutzer
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