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Von: "EWK_...der_Unternehmerberater" <EWKberater@knuut.de>
An: <briefe@tv-hoeren-und-sehen.de>
Betreff: Oskar Lafontaine; Geht Deutschland Pleite?
Datum: Dienstag, 23. April 2002 17:54

Sehr geehrte Damen und Herren von der tv-Hören-und-Sehen-Redaktion,

wenn Oskar Lafontaine auch nicht verrät, was Politik und Wirtschaft jetzt dringend tun müssten, sondern sich statt dessen behäbig in volkswirtschaftlichen Gemeinplätzen ergeht, so hat er doch in der Grundaussage recht: Wohlstand braucht Kaufkraft!

Aber wer sagt, daß die Bevölkerung einer Industrienation Wohlstand braucht?

Es dämmert die Erkenntnis, daß international operierende Unternehmen und das international operierende Kapital dabei sind, die nationalen Festungen bürgerlichen Wohlstands zu schleifen. Wer nur dem eigenen Vermögen verpflichtet ist, und als Global Player seine Chancen da nutzt, wo sie sich auftun, hat kein Interesse an der Sanierung der Kanalisation in Hamburg und nur ein Verkäufer-Interesse an der kriegstauglichen Ausrüstung der Bundeswehr. Wieso sollte der Global Player Wert darauf legen, daß die staatliche Rentengarantie in Deutschland erhalten bleibt? Wieso sollte der Global Player eine Gewinnminderung deshalb hinnehmen wollen, weil in Deutschland Armut durch Sozialhilfe gemildert wird? Und so kann der Global Player an wachsendem Wohlstand breiter Bevölkerungsschichten auch nur so lange interessiert sein, wie sich dadurch seine Gewinnerwartungen nicht verschlechtern.

Diese zynische Betrachtungsweise ist inzwischen längst zur weit verbreiteten Handlungsmaxime geworden und die Politik hat sich, tief in der Schuldenfalle sitzend, eindeutig an die Seite der Wirtschaft gestellt und wird mithelfen, Unternehmergewinne gegen die Ansprüche der Arbeitnehmer, der Rentner und aller sozial Schwachen zu verteidigen.
Längst wird eine neue, nächste Rentenreform gefordert, längst ist klar, daß das Arbeitslosengeld massiv gekürzt werden soll, schon lange wird darum gerungen, die Ausgaben für die medizinische Versorgung zu kürzen.

Es spricht nichts dagegen, einen ausgeglichenen Bundeshaushalt anzustreben. Es spricht allerdings viel dagegen, so zu "steuern", daß letztlich nur erreicht wird, den "Standort Deutschland" - unser überbesiedeltes und überbelastetes Land - im Gewinn-Interesse gerade derjenigen Unternehmen, die sich brüsten, in Deutschland keine Steuern zu zahlen, zum Dumpingweltmeister umzuwandeln.

Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
>>Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II
<<
von Egon W. Kreutzer
.............unbedingt lesenswert!

Eigendruck, Selbstverlag

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Wir sind in eine gefährliche Abhängigkeit geraten, weil wir als Staat und als Bürger der Mobilität und Flexibilität von sekundenschnell umschlagenden Kapitalströmen nichts entgegensetzen können, außer genau den Regelwerken, die wir, in der Hoffnung, zu den Gewinnern zu gehören, Schritt für Schritt dem wahnwitzigen Experiment eines völlig unkontrollierten, freien Welthandels opfern.

Mit besten Grüßen

Egon W. Kreutzer

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