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Von: "EWK_...der_Unternehmerberater" <EWKberater@knuut.de>
An: <briefe@tv-hoeren-und-sehen.de>
Betreff: Heiner Geißlers neue Weltordnung
Datum: Donnerstag, 11. April 2002 10:48

Sehr geehrte Damen und Herren von der tv-Hören-und-Sehen-Redaktion,

zur Thematik "Globalisierung, shareholder value, Turbo-Kapitalismus" gibt es schon lange warnende Stimmen, doch erst mit dem Zusammenbruch der spekulativen Luftblasen der sogenannten Technologiemärkte haben sich etablierte Politiker und Gebrauchsphilosophen der Thematik angenähert, haben versucht, ATTAC und Tobin zu buchstabieren und die dabei gewonnenen, erschreckend revolutionären Einsichten in ganz kleinen Buchstaben auf die eigenen Fahnen zu schreiben.

Nach Norbert Blüm, der unter anderem den Mobilitätswahn geißelt und Carl Amery, der glaubt, es sei jetzt an den Kirchen, das Ruder herumzureißen, meldet sich als dritter, nennenswert wichtiger "Populist" nun Heiner Geißler zu Wort.

Mit seiner Besinnung auf die wohltuenden Wirkungen der sozialen Markwirtschaft widerspricht er aber nicht nur den Forderungen nach weiterer Liberalisierung und Deregulierung, nach (destruktiven) Reformen in den Sozialsystemen, wie sie von den heute maßgeblichen PolitikerInnen seiner Partei aufgestellt werden, er übersieht gleichzeitig, daß die Errichtung einer sozialen Marktwirtschaft nach Ludwig Erhards Vorbild nur in einem halbwegs homogenen und vor allem geschlossenen Markt möglich ist, dessen wirtschaftliche Außenbeziehungen sich gezielt auf preiswerte, kostensenkende Importe und profitable Exporte beschränken können. Soziale Marktwirtschaft als globales Modell ist bei Würdigung der zwischen den Staaten herrschenden Ungleichgewichte in Vermögen, Einkommen und internationalem Einfluß zwischen Reich und Arm unmöglich.

Der weltweite Marshall-Plan, den Geißler in Kenntnis dieser Unmöglichkeit als Vorbedingung fordert, wird nicht zustande kommen, solange die Interessen Amerikas es noch nicht einmal erlauben, dringend notwendige Klimaschutzvereinbarungen zu unterschreiben oder einen interationalen Strafgerichtshof zu akzeptieren. So darf Heiner Geißler im Vorfeld der Bundestagswahl am linken Rand des christlich demokratischen Horizonts seinen konservativen Humanismus beweisen, indem er Zustände, die nicht mehr zu verbergen sind, mutig benennt und beklagt und gleichzeitig Optimismus verbreitet, indem er aufrichtig wohlmeinend die Illusion nährt, die alten Ideen, die zu ihrer Zeit das deutsche Wirtschaftswunder ermöglicht haben, ließen sich heute im Recycling-Verfahren ganz einfach auf die ganze Welt anwenden.

Mehr über die Zusammenhänge des (globalen) Wirtschaftens erfahren Sie in
>>Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II
<<
von Egon W. Kreutzer
.............unbedingt lesenswert!

Eigendruck, Selbstverlag

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Denkansätze, die wirklich Lösungen versprechen, sind auch von Heiner Geißler nicht zu hören.
Schade eigentlich, denn für meine Vorstellungen, die aus der kritischen Analyse des Zustandes unserer Welt heraus nicht nur die Ursachen faßbar machen, sondern auch einen in sich runden, gangbaren Lösungsweg aufzeigen, hat sich bisher leider kein Verleger finden lassen.

Es mag daran liegen, daß die Sachzwänge des Totalen Marktes auch auf dem Buchmarkt zur Alternativlosigkeit (TINA, Amery) geführt haben, die dem bekannten Namen immer den Vorrang vor der guten Idee einräumen muß, weil der Name Verkaufszahlen (Quantität) garantiert, während niemand vorhersagen kann, ob sich die Idee (Qualität) am Ende in den Stückzahlen verkaufen wird, die notwendig wären, um den Gewinnerwartungen der Kapitalgeber zu entsprechen. Auch das ist ein starkes Indiz dafür, daß die neue Weltordnung so schnell und vor allem so einfach nicht zu haben sein wird.

Mit besten Grüßen

Egon W. Kreutzer

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