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Betreff: SZ-Klima-Serie - Carl Amery, ein extra Gärtlein für die Umwelt
Datum: Freitag, 29. Juni 2001 11:52

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit Interesse und nicht ohne Selbstbestätigung habe ich Ihre Klima-Serie verfolgt. Der heutige Beitrag von Carl Amery bedarf aber wohl einer nicht ganz so pessimistischen Gegenstimme. Ich würde mich freuen, wenn die nachstehende Replik als Lesermeinung veröffentlicht werden könnte, bitte aber zumindest darum, diesen Brief an Carl Amery an den Adressaten weiterzuleiten.

Mit freundlichen Grüßen
Egon W. Kreutzer


Ein Extra-Gärtlein für die Umwelt

Lieber Carl Amery,
Sie sagen uns, es sei schlimm.

Aber wie Sie es sagen, in bitterer, aller Hoffnung vollständig entsagenden Resignation, das macht es nur noch schlimmer. Was hilft es, der Versuchung der Resignation nachzugeben, die sich im letzten intellektuellen Aufbegehren zumindest noch darin gerechtfertigt sehen will, das unausweichliche Ersticken der Unvernünftigen an der Unvernunft richtig vorhergesagt zu haben.

Ein schaler Triumph. Ein Triumph, der nicht den Sieg der eigenen Einsichten und Ideen krönt, sondern sich nur daran weidet, den Untergang zutreffend prognostiziert zu haben.

Christen und Humanisten sind nicht die Weltmeister in den resignativen Disziplinen und auch nicht durchwegs so naiv, daß sie´s nur gern ein bißchen anders hätten.

Christen können im Angesicht der sich ankündigenden Apokalypse in der Petrischale immer noch Trost beim Gott des vorchristlichen Hiob suchen und Humanisten propagieren weder Resignation noch Suizid. Wenn Sie aber Ihre in das Extra-Gärtlein gepflanzte Resignation nicht als Unkraut begreifen wollen, sondern in Anlehnung an Frau Margulis, die ganze Menschheit als Unkraut definieren, dann nähern wir uns auch sprachlich an die Denkqualität an, die "Spinner, Uhu´s, Ratten und Schmeißfliegen" hervorgebracht hat.

Wir haben dem Egoismus zu viel Platz gegeben auf diesem Planeten und wir haben es versäumt, dem Egoismus ein nützliches Ziel zu geben. Wir erleben daher heute Entwicklungen in denen sich unwidersprochene Geld-Ethik und leichtfertig hingenommene Analysten-Moral als Ursache und Wirkung zugleich präsentieren.

Wir sind, statt dem christlichen Ideal eines geläuterten, über die Zwänge der Evolution hinauswachsenden "Neuen Menschen" nachzujagen, im Überschwang einer noch immer nicht abgeschlossenen "Aufklärung" nur wieder auf das Grundprinzip des hemmungslosen, dominanzstrebenden Wachstums zurückgefallen, dessen Folgen in der Petrischale grundsätzlich verheerend sind.

In der realen Welt, die trotz der Evolution noch belebt ist, endet dieses Verhalten meist im Kompromiss eines veränderten Öko-Systems mit bisweilen nur strukturell veränderter Arten-Gemeinschaft.

Wir sind heute wissend genug, und haben uns die Werkzeuge erschaffen, um den Weg der weiteren Entwicklung mit zu beeinflussen.

Es wäre gut, fänden wir - trotz aller bedrohlichen Zeichen an der Wand - zu der Weisheit, und zu der Kraft, die Wahl des Weges durch Visionen und Utopien in aller Zuversicht mit zu gestalten.

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