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Ist die Talsohle erreicht?

Meinungen zum Arbeitsmarkt

Am 16. Oktober haben wir gefragt:

Sie haben es bemerkt, die Zahl der Meldungen über Arbeitsplatzvernichtung und Stellenabbau in Deutschland geht zurück. Es sieht so aus, als sei der Arbeitsmarkt in der Talsohle angekommen.

Wie ist Ihr Eindruck? Schreiben Sie eine E-Mail

(Und das können Sie auch weiterhin)

Hier sind die Antworten, die ersten in der Reihenfolge des Eingangs - dann jeweils der jüngste Tag vorne


Sicher haben Sie Verständnis dafür, dass wir alle Antworten anonymisiert haben. Auf Wunsch stellen wir aber gerne auch einen Kontakt her (d.h. wir übermitteln dem gewünschten Partner Ihre E-Mail-Adresse)



22. Dezember
Hallo !

Also ich glaube dass es demnächst erst rund gehen wird mit weiterem Arbeitsplatzabbau.

Deutschland hat noch nicht erkannt das China noch viel mehr deutsche Arbeitsplätze vernichten wird als bisher. Immer mehr Firmen gehen den Trend die Produktion nach China zu verlagern.

Es wird sich aber in einiger Zeit bitter bereuen. Wenn man jetzt z.B. Christbaumkugeln, Spielzeug, Kleidung ... sucht.
Fast alles kommt aus China...

So kann es doch nicht weitergehen...

Michael S.


10. Dezember
Sehr geehrter Herr Kreutzer,

die Talsohle ist noch längst nicht erreicht, der Stellenabbau findet derzeit nur in unauffälligeren Regionen statt - die, die nicht offiziell gemeldet werden:
Arzt- Zahnarztpraxen zum Beispiel.

In "noch-meiner" Praxis werden 2 Vollzeitstellen gegen eine Teilzeitstelle getauscht - ich bin nach 10 Jahren dort zum 31.01.2008 gekündigt, meine Kollegin durch kürzere Betriebszugehörigkeit, ist schon fort.
Wenn ich mir die Kommentare meiner Kolleginnen in Deutschland (via Internet) so betrachte, ist es ist allen Bereichen ähnlich - erfahrene, gut ausgebildete Damen werden bestenfalls nur noch Teilzeit eingesetzt, junge frisch ausgebildete haben kaum Chancen Berufserfahrung zu bekommen, ebenfalls fast nur auf Teilzeitbasis, vorzugsweise 400€, soweit überhaupt vorhanden werden die Tarifverträge unterlaufen.

Mit freundlichen Grüssen

9. November
Sehr geehrter Herr Kreutzer,

die Tatsache, daß die Zahl der Meldungen über Arbeitsplatzvernichtung und Stellenabbau in diesem Jahr leicht zurückgeht verwundert mich aus folgenden Gründen nicht:

1.) Länder/Bund/Gemeinden:

Seit 1992 wurden im Bereich des "Öffentlichen Dienstes" etwa 40-50 % der Planstellen abgebaut. Das Ausmaß dieser Arbeitsplatzvernichtung ist für Deutschland historisch einmalig und dürfte auch weltweit nahezu beispiellos sein. Nun (Anno Domini 2007) kann schlichtweg nicht mehr in dem Ausmaße wie es üblich war "freigesetzt" werden ohne daß Justiz, Polizei, Kommunalbehörden etc. unter der Last der Aufgaben ihre Funktionsfähigkeit verlieren.

2.) Outsorcing:

Die Auslagerungsphase der Kozerne/Mittleständler nach Osteuropa ist meiner Auffassung nach seit 2002/2003 (Beitrittsländer der ersten Phase) und 2005/2006 (Beitrittsländer der zweiten Phase) abgeschlossen. Schon heute ist z. B. die Deutsche Post AG bzw. eine Tochter dieser AG gewungen Prag zu verlassen, da die Löhne seit 2004 sehr stark gestiegen sind und die Wechselkursentwicklung der tschechischen Krone (hohe Währungssteigerungen gegenüber dem Euro) die Bilanzen belasten.

3.) Industrie

Die dringend nötigen und lange aufgeschobenen Instandhaltungsinvestitionen bzw. Neuinvestitionen was Maschinen etc. wurden 2006 bzw. 2007 vorgenommen. Dies liegt daran, daß die Industrie nicht zu Unrecht steigende Preise vermutete und die Abschreibungsbedingungen sich 2008 im Rahmen der Steuerreform außerordentlich verschlechtern (Streckung der Abschreibungsdauer). 2008 wird deshalb nach menschlichem Ermessen ein eher schlechtes Jahr für die Ausrüstungsindustrie werden, was den deutschen Binnenmarkt anbelangt. Es dürften daher im nächsten Jahr in diesem Sektor weitere Entlassungswellen bevorstehen.

Dies alles ändert allerdings nichts an der Tatsache, daß die reale Arbeitslosenquote mittlerweile bei 35-45 % angelangt ist und ein solcher Zustand kurz oder lang dem gesunden Menschenverstand zufolge zum politischen und sozialen Zerfall des Landes führen wird.

Mit freundlichen Grüßen,

Gerhard K.
31. Oktober
Hallo Herr Kreutzer,

Ich besuche Ihre Website mehrere Male pro Woche und finde sie außerordentlich aufschlußreich, da sie eindrucksvoll den Arbeitsplatzabbau in Deutschland beschreibt.

Zu Ihrer Frage, ob wir die Talsohle schon erreicht haben, kann ich nur sagen, daß dies meiner Meinung nach nicht der Fall ist. Durch die Finanzkrise in USA steht der nächste Abschwung bevor und die Wirtschaftsinstitute sagen uns den Konjunktureinbruch ja schon voraus.

Ich war bei Siemens Com Enterprise, bin zur Zeit in einer Transfergesellschaft und bewerbe mich dort als 50-jähriger Dipl. Ing. (Nachrichtentechnik). Dabei spüre ich nichts von einem Aufschwung und bei Siemens wurde und wird sowieso nur abgebaut wie man z. B. bei www.nci-net.de ausführlich und detailliert nachlesen kann. Ich denke daß dies da so weitergeht bis nichts mehr da ist, wie der Standort Hofmannstraße in München zeigt.

Wie es bei der ausgegliederten Nokia Siemens Networks weitergeht weiß noch niemand sicher, offiziell - nur offfiziell - ist da mit Abbau bis zum 30.9.2009 halbwegs Ruhe aber schon von mehreren Stellen habe ich gehört daß dann 70% der Leute oder in Zahlen 40 000 (von 60 000) wegmüssen.

Im Moment ist das mit dem Arbeitsplatzabbau so eine Sache, er schadet. Der Wahlkampf beginnt und die neoliberalen Parteien, allen voran die SPD, haben bemerkt daß sie bald keine Wähler und Mitglieder mehr haben und steuern nun gegen bzw tun zumindest so (ALG I, Pendlerpauschale, Mindestlohn ... ). Ob die Rechnung aufgeht wird sich herausstellen. Vielleicht kommt ihnen die Finanzkrise doch noch bis zur nächsten Wahl in die Quere.

Dies ist meine Meinung zu Ihrer Frage. Viel Erfolg auch weiterhin mit Ihrer Statistik.

Mit freundlichen Grüßen
J. H.


28. Oktober
noch eine kurze Erweiterung :

letzte Woche - Einbruch im KFZ-Verkauf um 11 % - können Sie sich vorstellen, wie VW in einigen Jahren aussehen wird, nachdem die Firma von Porsche übernommen wird. Ich vermute, mindestens 15 % Personalabbau innerhalb von 5 Jahren.
Halten Sie eine Wette dagegen ?

Ignorieren Sie einfach die Aussagen von Gewerkschaft, Politik und Managern. Notieren Sie sich Beschäftigtenzahl und Standorte vonVW 10.2007, und vergleichen Sie die Zahlen im Jahr 2012.
Falls was die Firma Volkswagen dann überhaupt noch gibt!
Natürlich werden Sie das Ergebnis erst 2012 wissen, und diese Leute bauen darauf, daß sie für Ihre Aussagen 2007 nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Übrigens durchaus zu Recht, wenn Sie sich das Beispiel Morgan Stanley Bank im Fall Edelmetallhandel ansehen.

mfg
Arno W.


25. Oktober
Hallo,

wenn das stimmt, dass die Zahl die Arbeitsplatzvernichtung zurückgeht:

wo nichts ist, kann man nichts abbauen...............je weniger richtige Arbeitspätze es gibt, von deren Gehalt man leben kann, desto weniger
kann man abbauen. Ohne Arbeitsplätze keine (Arbeitsplatz-)Vernichtung.
Das nennt eine Regierung dann Erfolg: es werden weniger Arbeitsplätze abgebaut............zwischen den Zeilen liest der "gemeine Deutsche" ja sowieso nicht. Bild bildet halt.

Bin ich paranoid genug?


24. Oktober
Hallo Hr. Kreutzer,

Ich bin regelmäßiger Besucher Ihrer Website und kann nur sagen - weiter so! Ich glaube nicht, daß wir die Talsohle erreicht haben. Außerdem wird mit allen Mitteln der Statistik der gesamte Arbeitsmarkt geschönt.

Ich (M/56J) selbst bin Dip.-Ing. (Nachrichtentechnik, Informatik) und seit 2002 nicht arbeitslos aber Einkommenslos. Leider mußte ich meine sehr gut bezahlte Stellung bei der Siemens AG in München aufgeben (versüßt mit einer Abfindung), da es unmöglich ist, als alleinerziehender Vater so eine Stellung auszufüllen - man macht dann 2 Jobs sehr schlecht! 2 Jahre habe ich das sogar durch gehalten, allerdings war die Betreuungssituation so miserabel, dass ich in den "goldenen" Handschlag einegewilligt habe.

Heute gibt es diese Siemens COM nicht mehr - denen (v. Pierer, Ganswindt) ist der Laden um die Ohren geflogen wie alles, was mit Computern und Software zu tun hat. Unter der Führung eines Hr. v. Pierer (1991-2005) ist dieses wichtige Technologiefeld zugrunde gegangen
- was aber kein Hindernis darstellt, um von Fr. Merkel als Vorsitzender in den Innovationsrat berufen zu werden. Da kann ja nur alles noch besser werden - oder!?

Inzwischen bin ich H4 Kunde und die ARGE ist der Meinung, ich müße gefördert werden, also habe ab 22.4.07 eine Fördermaßnahme besuchen dürfen (2 mal in der Woche von 8 -12Uhr). Ich saß mit 5 anderen Leidensgenossen in einem Raum und haben Stellenanzeigen studiert. Zusätzlich hat ein Mitarbeiter dieses "Bildungsinstituts" auch im Computer geschaut und Zeitungen gewälzt. Ich muß dazu sagen (ich spreche nur für mich!), das war Schwachsinn und rausgeschmissenes Geld (Steuergelder).

Ich bin mit meinem Lebenslauf in vielen Onlinebörsen vertreten und bekomme regelmäßig emails mit Jobbeschreibungen. Da ich wegen der Kinder eh stark eingeschränkt bin (12J,13J) war die Region begrenzt um sich zu bewerben. Zuletzt habe ich mich bei der Schülerhilfe beworben für Nachhilfe in Mathe - 10€ die Stunde.Die hatten auch inseriert für diesen Job. Also habe ich dem Unterricht 2 mal beigewohnt und dann meine Zustimmung gegeben, hier mitzumachen (besser als Straße fegen).

Dann hatte ich noch ein Gespräch mit dem Chef der Schülerhilfe und als der hörte, ich sei H4, da meinte er, ich bekäme ja sowieso nur 100€ raus also könne man doch den Stundensatz reduzieren (mehr Gewinn für die Schülerhilfe zu Lasten des Staates). Da war ich nur ein
bisschen erstaunt denn mir war klar dass dieses Instrument bundesweit flächendeckend ausgenutzt wird (von der Wirtschaft) - klar, dass da alle begeistert sind über H4 von den Wirtschaftsverbänden.

Lange Rede kurzer Sinn - ich bekam eine Absichtserklärung mich einstellen zu wollen und die gab ich im Juli 07 bei meiner ARGE ab. Im August schrieb ich der Arge dann, dass Sie mir die Stütze nur dann kürzen dürfen, wenn ich denen den Stundennachweis über geleistete Arbeit dort einreiche. Im September bekamen wir noch H4-Geld. Da ich das Procedere der Verrechnung sehr genau der ARGE mitgeteilt habe, sah ich keinen Anlaß, im September etwas zu unternehmen.

Prompt aber hatten wir im Oktober kein Geld - Null.

Komplett gestrichen - somit war ich also laut Hr. Weise einer jener Akademeker über 50zig, die einen Arbeitsplatz vermittelt bekommen hatten.

Das Geld wurde dann eine Woche später nachgereicht. Bis heute arbeite ich nicht bei dieser Schülerhilfe denn die brauchen niemanden (2
Studenten verdienen sich dort Ihr BaFög). Die Stellenanzeige war wieder im Oktober drin - um zu signalisieren, wie das Geschäft brummt. Boomen tut in dem Sektor aber nichts, wie mir damals der Boß sagte - das werde in den Medien maßlos übertrieben.

Zu den " Leidensgenossen" bei der Förderungsmaßnahme möchte ich sagen: Auch diejenigen, die einen Beruf hatten und deutlich
jünger waren, haben in den 3 Monaten keinen Job bekommen, obwohl die gezwungen wurden auf jeden Drecksjob sich zu bewerben - und dass in der Gegend von München.

Die tollste Stellenanzeige für München war super: 22500€ Jahresgehalt für Ingenieur bzw. Informatiker im Support.


Es geht nicht um Fachkräftemangel sondern ausschließlich um Billigstfachkräfte - da herrscht der Mangel.

Das paßt dann ja alles gut zusammen in der heutigen Zeit - Studiengebühren und dann, wenn man Glück hat einen Billigstjob als
Akademiker. Soviel aus meiner Sicht zum Arbeitsmarkt und was die Zukunft angeht..

mfg Horst R.


20. Oktober
Hallo,

Kurze Frage - längere Antwort.

Sieht nur zeitweilig so aus, da der Durchschnittsmensch heutzutage einen anerzogenen sehr kurzen Zeitbegriff hat - nichts ist älter als die Neuigkeit von gestern.
In Ihren Nachrichten lese ich heute : 35000 Arbeitsplätze bei der Telekom in Gefahr. In einer anderen Zeitung habe ich letzte Woche gelesen, die großen Versicherungen sind dabei, ihre EDV-Abteilungen in einer EDV-Service-Firma zusammenzulegen. Schätzen Sie einmal !
Am Freitag habe ich die Nachricht gelesen, daß der KFZ-Markt um 11 % eingebrochen ist in diesem Jahr - haben sie etwas anderes erwartet?

Der Einzelhandel berichtet ebenfalls nicht nur über immer neue Gewinnrekorde, sondern auch über sinkenden Umsatz. Wenn die Rekorde nicht über den Verkauf erziehlt werden, sondern dadurch, daß man Personal und Material schneller abbaut als die Umsätze sinken, ist das ausbleiben der Entlassungen nur temporär.
10 Millionen Harz -IV-Sklavenbringen nun einmal keinen Umsatz. Es gab einmal einen Manager und Fabrikbesitzer, dessen Motto war : Meine Arbeiter sollen sich die Autos auch leisten können, die sie bauen.


Sie wissen vielleicht, wie dieser Mann heute beurteilt wird. Heute gilt eher: am besten bringen die Arbeiter noch Geld mit, damit sie angestellt sein dürfen.

Kurz - die heutige Durststrecke ist nur formal etwas eingeschränkt - sie
werden bald wieder aus dem Vollen schöpfen können.

mfg

Arno W.



Ich denke nicht, dass wir schon auf der Talsohle sind, die neuesten Nachrichten der T-Kom sprechen ja beispielsweise deutlich dagegen. Die GDL haut ja auch m.E. nur deswegen nicht auf den Putz, weil Wesselsky und Schell genau wissen, dass sie keinen Rückhalt bei den DGB-Gewerkschaften haben und ihnen klar vor Augen steht, dass der nächste Schritt der Bahn die forcierte Automatisierung der Arbeitsleistungen des Fahrpersonals sein wird - da sind noch 20 Jahre drin, aber dann wird man sich dran gewöhnt haben, dass man ohne gültige Fahrkarte in keinen Zug reinkommt, und dass vorne kein Triebwagenfahrzeugführer mehr sitzt und den Totmannknopf regelmäßig
drückt. (Das war jetzt off-topic, sorry.)

Dann ist ja gestern "der große Durchbruch" beim EU-Vertrag "passiert". Das einzig Positive, was ich daran erkennen kann, ist, dass der Austritt endlich geregelt wird - aber ob D jemals darüber nachdenken wird bzw. ob "man" D diese Option auch nutzen lässt, wenn es wollte? Ich will mich am undemokratischen Verfahren mit Ausschluss von weiteren Volksbefragungen in F und NL gar nicht aufhalten, ebensowenig damit, dass Irland und Dänemark vielleicht noch was machen könnten - der EU-Grundlagenvertrag wird kommen und das werden wir alle zu spüren bekommen, weil die Sache dann noch eine stärkere Qualität gewinnt, vielleicht vergleichbar dem Schub durch den Wegfall des Feindbilds "Kommunismus".

Jedenfalls denke ich, dass es hier mit dem Arbeitsplatzabbau noch lange nicht vorbei ist. Kürzlich sprach ich mit einem Schweizer Unternehmer, der hier Kooperationspartner suchte und sich mit Grausen über die Art und Weise äußerte, wie in Deutschland Arbeitnehmer behandelt werden. Er war wirklich ganz geknickt, aber es ist ja auch kein Zufall, dass er zwecks Auftragsvergabe hier war und nicht anderswo. Mein ehemals größter Kunde, xxx-Verlag, hat inzwischen 250 AN in eigener Firma in Bangalore, Indien und produziert mehr als je zuvor,
eine Rückkehr ist nicht in Sicht und die entsprechenden hiesigen AN sowie Freien wurden entweder frühverrentet, umgesetzt oder nicht mehr
beauftragt. Gedruckt wird natürlich nach wie vor in Europa, ist billiger . . .

Friedmut K.



19. Oktober
Sehr geehrter Herr Kreuzer,
ich verfolge sehr sorgfältig Ihre Informationen und die der Presse.

Auffallend ist, dass sich Medienmache und Politik zu einem Pakt zusammengeschlossen haben. Gestern wurde im TV bereits vorab angekündigt, das 2008 die Arbeitslosenzahlen noch einmal um 300.000 sinken wird.
Wie einige Vorgänger bereits geschrieben haben, schreitet der Jobabbau weiter voran. Ob es nun die EEJ oder die 58ziger Regelung betrifft, die ab nächstes Frühverrentet werden sollen.
Bei uns in Rostok z.B. sollen 1000 Stellen gestrichen werden, wobei davon ausgegangen werden kann, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Da kann ich mir gut vorstellen, das mehr EEJ vergeben werden.
Wie allen bekannt sein dürfte, wird es mit den Wirtschaftsaufschung im nächsten Jahr nicht mehr so prächtig laufen. Die Auftragsbücher werden nicht mehr so voll sein, wie in diesem Jahr, die durch die Mwst-Erhöhung 2006 noch einmal gefüllt werden konnten.
Außerdem wird nicht mitgezählt, wieviel aus der Statistik fallen weil der Partner eventuell ein paar Euo zuviel verdient.
Das wäre meine Meinung zu diesem Thema.

Mit freundlichen Grüßen
Heike V.



18. Oktober
Lieber Herr Kreutzer,

wenn ich die Kommentare Ihrer Leser zur augenblicklichen Situation auf dem Arbeitsmarkt lese, bin ich ehrlich erfreut darüber, dass scheinbar doch noch nicht alle Menschen in diesem Land ihren Verstand zwischen BILD-Zeitung, Vorabendserie, Tagesschau und Anne Will verloren haben.

Mein persönlicher Eindruck? Die Talsohle ist noch lange nicht erreicht! Die Unternehmer und Investoren haben Blut geleckt und ihre ehrgeizigen Ziele doch schon längst viel weiter nach oben geschraubt. Nachdem durch mehrmaliges Antesten festgestellt haben, dass sie nahezu jede politische Gruppierung in ihr Boot holen können, wollen sie jetzt mehr. Am besten alles! So gut wie niemand wird sich ihnen dabei in den Weg stellen. Entscheidend wird sein, ob man es mit Hilfe der von ihnen kontrollierten Medien schafft, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung auf Nebenkriegsschauplätze zu lenken. Solange der Mob unter Kontrolle gehalten werden kann, wird die Ausplünderung der Menschen weitergehen und zwar völlig ungeniert.

Beste Grüße
Stefan T.
Hallo Herr Kreutzer

Könnte es sein, daß die Meldungen bzgl. Arbeitsplatzvernichtung deshalb zurückgegangen sind, weil auch Medien eine Art "Große Koalition"
klammheimlich (?) und freiwillig (?) eingegangen sind, um die Desaster dieser Republik in unauffälligem Gleichklang besser verdrängen und beschönigen zu können ?

Wie schlimm wäre es schließlich doch, wenn sich herausstellen würde, daß selbst eine "Große Koalition" die meisten Menschen dieser Republik trotz Mini-Job und Hartz-IV und trotz Verzicht auf den Anspruch auf Arbeitsplatzsicherheit nicht mehr vor ihrem wirtschaftlichen Ruin bewahren kann.

siehe hierzu auch
"Unsicherheit als Leistungsanreiz ?"
http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/TA_MP_5_171007.pdf

MfG
Karl K.


16./17. Oktober
Die These, die Talsohle sei erreicht ist kühn.
Es mag sein, dass durch die konjunkturellen Umstände das Volumen der bezahlten Arbeit in letzter Zeit nicht mehr so schnell verringert wurde. Die Vernichtung von Vollerwerbs-Arbeitsplätzen klassischer Art geht aber fast unvermindert weiter.
Dies ist jedenfalls im Gesundheitswesen feststellbar. Und der nächste Abschwung ist schon terminiert.
Also keine Talsohle, eher ein Rastplatz auf der Serpentine abwärts.

Eckhard D.


Meiner Meinung nach alles Verschiebepraxis, Niedriglöhne, 1 Euro Jobs und kaum sozialversicherungspflichtige Jobs

Vermutlich nach der nächsten Wahl und im Zuge der abkühlenden Wirtschaft wird auch die ausgewiesene Arbeitslosigkeit wieder massiv steigen.

Leider sehe ich es selbst jeden Tag wohin die Jobs gehen und was soll am Ende für einen durchschnittlich gebildeten Menschen übrigbleiben wenn es wowanders doch besser qualifiziertes und günstigeres Personal gibt. Wie sehen Sie es ?

Kai C.


Hallo Herr Kreutzer,
. sie haben in einer der letzen OPAD's einen sehr netten Spruch gebracht.

"Das Kind ist im Brunnenschacht unterwegs...."

Das ist meiner Meinung nach ein guter Vergleich zur aktuellen Lage. Aus Sicht des Kindes ist noch alles in Ordnung. Im Gegenteil es hat sich schon an den "freien Fall" gewöhnt, und es wird jetzt auch nicht mehr schneller also ist doch alles in Ordnung oder ?

Wenn man die Weisheit der Dakota-Indiander heranzieht kann man jetzt einige Parallelen entdecken...

Also mein Eindruck: Das Verhalten der Nothern Rock Kunden hat gezeigt wie sehr die Nerven angespannt sind. Was und wann jetzt den Gau auslösen wird ist die Frage.

Zum Beispiel belegen auch die aktuellen Verkaufzahlen von Neuwagen die "angespannte Erwartung" (auf den Aufprall auf die Wasseroberfläche). Ein Öl-Schock ist am wahrscheinlichsten. Dicht gefolgt vom Platzen der Kreditblase, (siehe u.a. Spanien)
Gefolgt vom der sich selbst erfüllenden Prophezeiung des gemeinen Volk, auf den erwartetem Crash.

Alle Steuerer ziehen an einem Strang, die Zentralbanken, die Regierungen die Medien. Um den kommenden "Aufprall" heraus zu schieben, mal sehen wie lange. Also die Talsohle ist meiner Meinung nach nicht erreicht, eher ein letztes (hohes) Plateau.

Mit freundlichen Grüßen

Martin K.


Hallo Herr Kreutzer,

leider ist dem nicht so, wir können noch lange nicht von Vollbeschäftigung sprechen.

Bei uns nebenan gibt es die Firma P... Gebäudereinigung und so weiter. Warum weiß ich nicht, aber Fakt ist: Im Sommer war der Zoll hier 2 oder 3 Tage lang, nahm 2 oder 3 VW- Transporter voller Akten mit, jetzt ist die Firma in der Insolvenz. Die Chefs werden weiter den ML oder S fahren. Betroffen sind, wie soll es anders sein die Mitarbeiter, sicher bleiben 50 Stellen auf der Strecke

mfg

Stefan K.


Sehr geehrter Herr Kreutzer,

da Stellenabbau und Kaufkraftverlust der vergangenen Jahre eigentlich eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt haben wundert es mich doch sehr, daß der Stellenabbau momentan zurück geht. Seltsam seltsam. Vielleicht sind die Lohnkosten in Deutschland mittlerweile so niedrig, daß sich ein Arbeitsplatzabbau nicht mehr lohnt. Im Moment vielleicht. Durch Hartz IV hat sich der Druck auf die Beschäftigten so stark erhöht, daß Niedriglöhne durchgesetzt werden konnten. So wurde erstmalig eine Plateauphase erreicht. Armut ist längst zum Dauerthema in der deutschen Gesellschaft geworden. Die Gewerkschaften sind längst kein Gegner mehr für die Arbeitgeber. Das Leben ist also wieder schön für den Kapitalisten.

Oder aber die Meldungen über den Arbeitsplatzabbau werden von den Medien zurückgehalten. Was meine Sie ?

Mit freundlichen Grüssen
Walter P.


Hallo,
ja es scheint so, dass sich der Arbeitsmarkt 'normalisiert'. Allerdings auf 1-Euro-Job Basis mit niedrigsten Verdiensten. Autohäuser, Kliniken etc. werden weiter Personal abbauen, bzw. schliessen.

Eine Google Suche in News mit dem Begriff Entlassungen zeigte einige Ergebnisse:
Micronas stellt sich neu auf und entlässt 300 Mitarbeiter (bei heise.de, 11.10.2007)
http://www.heise.de/newsticker/meldung/97262
Entlassungen bei Raps in Kulmbach (90 von 600)
http://www.kanal8.de/default.aspx?ID=1782&showNews=133106
Alcatel-Lucent: Aktionen gegen Arbeitsplatzvernichtung in Nürnberg geplant
http://de.internet.com/index.php?id=2052338&section=Marketing-News
Schoeller vor massivem Stellenabbau
300 Jobs in Osnabrück bedroht
http://www.ibbenbueren.igbce.de/portal/site/ibbenbueren/

H.S.


Von wegen Talsohle! Das ist das letzte Aufbäumen vor dem Absturz, wie auch gerade ein Börsenbrief mitteilt. Kein Wunder, dass Gold abgeht wie Schmitz Katze!

Hier in Mönchengladbach wird gerade darüber gesprochen, dass das Museum Schloß Rheydt, eines der Wahrzeichen der Stadt, auf Vorschlag des Beraters geschlossen werden soll. Genauso wie das Stadttheater, drei für den Schulunterricht notwendige Schwimmhallen sowie mehrere Spielplätze, für die kein Geld mehr vorhanden ist. Dafür soll aber für einen geplanten Einkaufstempel ein Strassentunnel für 15 Mio ? von der Stadt gebaut werden!

Das ist der totale Wahnsinn, wo man nur noch sprachlos ist.

Dass da der ortsansässige Bäcker Tetz Insolvenz anmelden musste (wahrscheinlich wird er mehrere Filialen schliessen müssen), wen interessiert das noch? Da ist der angekündigte Abzug der britischen Rhinearmy schon eher ein Thema, wo sicher etliche Arbeitsplätze verloren gehen werden.

Interessant ist vielleicht für Sie noch, dass mein Arbeitgeber ausgerechnet Ihre Seite den Mitarbeitern vorenthalten will. Sie ist jedenfalls seit einem Monat nicht mehr erreichbar. Wahrscheinlich zu kritisch?

Gruß
Wolfgang K.


Hallo Herr Kreutzer,

mit grossem Interesse lese ich stets Ihre Berichte und verfolge seit Jahren den Arbeitsplatzabbau.
Was Schröder begann, setzte die grosse Koalition fort! - Nach etwa einem Jahr fragte ich mich, wie lange das wohl noch so weiter gehen soll? :'(
Aus der Vergangenheit weiss ich, dass alle Regierenden die "Schweinereien", die sie planten, unmittelbar nach den Wahlen vollzogen! - Aber ab Mitte der Regierungszeit handelten sie wieder in erster Linie für ihre Zwecke, vorbereitend auf die neuen Wahlen!
So auch jetzt! - So viele Arbeitslose sammeln, bis man ein dementsprechendes Potenzial besitzt, sie den noch Arbeitnehmern als Drohkulisse darzustellen, um die Löhne noch weiter senken zu können.
Die Arbeitslosen in Hartz4 hat man so weit an die Armut gewöhnt, dass sie anschliessend mit einem Mini-Verdienst zufrieden sein werden, wenn sie nur aus der Hartz4 - Falle heraus kommen!!
Und jetzt muss Volk die Gemeinheiten ganz schnell wieder vergessen! Dazu werden noch mehr Experten aufgeboten, möglichst Filme mit dem Thema serviert, die auch noch subventioniert werden, damit die "Wohltaten" auch hängen bleiben. - Volk ist ja dumm und denkt nur von einer Tagesschau bis zur nächsten!

Der "Obersoziale Münte" verkündet das doch noch als Aufschwung, diesen Abschwung!

Ziel erreicht! Wir haben die Lohnabhängigen zu Sklaven gemacht! Jetzt können sich die Herrschaften wieder ihre Wunden lecken, ganz mit sich selber beschäftigen, mit Wortspielereien an die Öffentlichkeit treten, den Linken den Kampf ansagen und ihre geleistete Arbeit als ein einziges Wunderwerk der Politik darstellen.

Und so ganz nebenbei wird natürlich weiter reformiert, weiter verschlechtert! "Kommt all ihr Investoren - Deutschland - das Schnäppchenland! Hier gibt es Hungerlöhne, die mit Steuermittel subventioniert werden!"
So sehe ich den Arbeitsmarkt! - Verbesserungen für die Arbeitnehmer wird es nicht geben, es sei denn, sie lehnen sich massiv dagegen auf, was nicht zu erwarten ist! - Leider -

Und Hartz4 betreffend? - Diese fast legale Kontrollmöglichkeit über Millionen von Bürgern, worin Arbeitslose, Aufstocker, Studenten, Kranke, Minijobber, Minirentner und Sozialhilfeempfänger mühsam rekrutiert wurden, das lässt sich unser Innenwolfgang nicht mehr nehmen! Welch Wunderwerk! - So manch einem Politiker werden die Augen übergelaufen sein, vor Freude, die Gesetze, die uns praktisch schützen, ausgetrickst zu haben! Kein Bankgeheimnis mehr, volle Kontrolle über alles zu besitzen!

Fazit: Das wird nicht abgeschafft, eher erweitert, auf den Rest der Bevölkerung!

Das waren meine Ausführungen mal hierzu, wie ich darüber denke. - Berücksichtigen Sie bitte meine recht naive Art, die Dinge so zu beschreiben, wie ich sie sehe. - Sie schreiben so toll und präzise, so allgemein verständlich, dass ich mich schon praktisch dafür entschuldigen muss, meine Gedanken so zu verfassen. Bin Rentnerin, 64 Jahre alt und stolz darauf, mir meinen Verstand erhalten zu haben, trotz aller durchgemachten Regierungen! :-P

Liebe Grüsse sendet Ihnen
Christel J.