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  Paukenschlag
am Donnerstag

der wöchentliche Kurzkommentar
(No. 50)


Egon W. Kreutzer - 13. Dezember 2007
 










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Minijobs und Maxigehälter

über Arbeitslöhne und Vorstandsgehälter,
und über jene, die beides gewähren

Dies ist der letzte "Paukenschlag am Donnerstag" des Jahres 2007. Keine Sorge, die traditionellen "Gedanken zum Jahreswechsel" - die kommen noch.

Die politische Diskussion der vorletzten Woche vor dem Fest war geprägt von zwei vergleichsweise ähnlichen Themen. Da gab es einerseits die nicht zur Ruhe kommen wollende Debatte um die Löhne unterhalb des Existenzminimums - und andererseits eine - wie das Kaninchen aus dem Hut - herbeigezauberte Debatte um das Gegenteil, nämlich um die noch "anständige" Höhe von Managergehältern und - abfindungen.

Doch das, was da so dargestellt wird, als seien es die beiden Endpunkte einer eindimensionalen Skala, was aussehen soll, als handele es sich um unabhängige Größen, die mittels eines Meterstabes quantifiziert und gegenübergestellt werden könnten, ist im Grunde etwas ganz anderes. Es sind Werte, die sich gegenseitig bedingen. Höchste Managergehälter sind die Folge höchster Gewinne - und höchste Gewinne sind die Folge einer zielstrebig hergestellten Verteilungsungerechtigkeit, die in niedrigsten Löhnen, niedrigsten Unternehmenssteuern und niedrigsten Aufwendungen für die Sozialsysteme jene Milliardenbeträge erspart, die sich die - in der öffentlichen Debatte gar nicht in Erscheinung tretenden - Anteilseigner unter den Nagel reißen.

Niedriglohn und Maxieinkommen sind die beiden Seiten der gleichen Medaille.
Die nicht zu übersehende Tatsache, dass mit einem sinkenden Anteil der Nettolöhne am Sozialprodukt auch die Umsätze auf dem Binnenmarkt einbrechen müssen, dass sich die Niedriglöhner also immer weniger von dem leisten können, was sie produzieren, ist den Gewinnern der neoliberalen Ausbeutungskampagne so lange egal, wie sich die erforderlichen Umsätze noch irgendwie im Ausland erzielen lassen.

Dass die werktätigen Hamster nichts davon haben, wenn sie in ihrem Rad immer schneller rennen, und dabei den Generator antreiben, der die Gewinne ihrer "Halter" hervorbringt, ist mit dem schönen Satz vom Aufschwung, der bei den Menschen ankommt, nicht zu kaschieren. Fakt ist:


- und nun fehlen den Möchtegernbriefzustellunternehmen, mit der Entscheidung für die Festschreibung des Mindestlohnes im Entsendegesetz, auch noch die Billiglöhner.
 
Das war nicht erwartet worden.

Da gifteten sie, die ihre erhoffte dicke Pfründe davonschwimmen sahen, und ein Volksvertreter, Herr Hans Michelbach, Vorsitzender der CSU-Mittelstands-Union (MU) und Vizechef der CDU/CSU-Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT), seit 1994 Mitglied des Deutschen Bundestages, durfte den Zorn der Branche artikulieren:

"Mindestlohn ist gegen jede wirtschaftliche Vernunft"

ist die Philippika überschrieben, die er jedem Andersdenken mit aller Kraft entgegenschleudert, als solle mit diesem Artikel die Wiederkehr jener Zeit eingeläutet werden, in der nur noch desjenigen Argumente gelten, der auch in der Lage ist, sie notfalls mit Gewalt durchzusetzen.

Nur für leidensfrohe Masochisten: Hier der Link zu Michelbachs vollständigen Auslassungen
http://www.ad-hoc-news.de/Politik-News/de/14537230/(ddp-Kolumne-der-Woche)-Mindestlohn-ist-gegen-jede


Einige der gröbsten Denkblüten dieses Parlamentariers muss ich einfach zerpflücken, bevor ich mich dem unerwartenden Aufschwung der Diskussion um die Managergehälter widmen kann.

 

Michelbach:


Genau das ist falsch.

Der Post-Mindestlohn erhält die einigermaßen vernünftig bezahlten Arbeitsplätze der Briefzusteller bei der Post - und der Mindestlohn verhindert, dass diese guten Jobs durch die schlechten Jobs, die von den sogenannten Wettbewerbern bereitgestellt werden, verdrängt werden können.

Der Mindestlohn vereitelt damit die Pläne, die Notlage des Millionheeres von gezählten und ungezählten Arbeitslosen auszunutzen, indem jene, die sich auch der miserabelst bezahlten Arbeit nicht verweigern dürfen, mit Hilfe der Sozialgesetzgebung des Staates dazu gezwungen werden sollten, der Post die Kunden abzujagen, mit dem Ziel, die Post damit zu zwingen, in dem Maße selbst Mitarbeiter zu entlassen, wie es den "Privaten" gelingt, ihre Billiglöhner-Armee aus dem Reserveheer der ALG II - Empfänger aufzubauen.

Herr Michelbach führt in die Irre, wenn er behauptet, "es sei eine Zeche zu zahlen".

Der Mindestlohn sorgt dafür, dass die Briefträger der Post ihre gutbezahlten Jobs behalten.
Das ist alles. Wo ist das Problem?

Dass PIN-Group, TNT und andere nun ihrerseits Mitarbeiter entlassen, was von den Gegnern des Mindestlohnes als Katastrophe hingestellt wird, hat seinen Grund nur darin, dass hier - in Erwartung des Fallens des Briefmonopols zum
1. Januar 2008 - natürlich schon einmal Mitarbeiter aufgebaut werden mussten, da hat man sich vorsorglich fett gemacht - und jetzt gibt's die Rolle rückwärts.

Für die Betroffenen ist das möglicherweise eine Enttäuschung - auch die Sklaven der Südstaatler waren nicht alle davon begeistert, befreit worden zu sein. Aber letztlich sind sie nichts als Figuren in einem großen Spiel, die von den großen globalen Spielern nach Belieben auf dem Brett verschoben und geopfert werden.

Könnten sie ihre miesen Jobs behalten, müssten bei der Post in naher Zukunft unzählige gute Jobs entfallen.
So läuft der Hase.

 

Michelbach:


Die "Schuld" der SPD in die Schuhe zu schieben, wo sich doch die ganze große Koalition für diesen Post-Mindestlohn entschieden hat, ist zumindest kühn, wenn auch noch aus dem Selbsverständnis der christlichen Parteien im Bundestag herleitbar.

Grotesk ist jedoch die Schein-Alternative, die Herr Michelbach da an die Wand malt:

Die Menschen stehen doch nicht vor der Wahl zwischen "Arbeitslosigkeit und Hartz IV statt Arbeit und Lohn", sondern zu wählen war zwischen "Arbeit und auskömmlichem Lohn bei der Post oder Minilohn + aufstockendes ALG II bei der Konkurrenz".

Und da hat man sich glücklicherweise einmal richtig entschieden - die Motive spielen dabei gar keine Rolle.

 

Michelbach:


Ein Wettbewerb, der nicht über die Qualität der Leistung, sondern nur über den Preis ausgetragen werden soll und dabei ausschließlich auf die Ausnutzung der Notlage der Arbeitslosen setzt, hat mit fairem Wettbewerb ebenso wenig zu tun, wie mit Marktwirtschaft. Ein Markt hört nämlich dann auf, ein Markt zu sein, wenn sich Oligopole und Monopole bilden und Konditionen und Preise diktieren. Dies ist aber in Teilbereichen des sogenannten "Arbeitsmarktes" seit geraumer Zeit der Fall.

Zudem: Wer sagt denn, dass niedrigere Preise nicht als noch "weit überhöhter" angesehen werden müssten, als die jetzt hohen? Ein kleines Beispiel mit ganz kleinen Zahlen: Zwei Anbieter erbringen die gleiche Leistung, einer verlangt dafür 1 Million Euro, der andere bietet um 10 % billiger an - wessen Preise sind überhöht?

   A  B
 Umsatz  1.000.000   900.000
 Sach- und Kapitalkosten  250.000  250.000
 Personalkosten   600.000  300.000
     
 Gewinn  150.000  350.000


und von wessen Löhnen können sich die Beschäftigten mehr von der eigenen Leistung leisten?

 

Michelbach:


Herr Michelbach sollte vielleicht einmal versuchen zu erklären, was die Gesetze des Marktes sind - und wer sie erlassen hat. Kein realer Markt funktioniert auch nur annähernd so, wie es in den Sandkastenmodellen der Volkswirtschaftler den Anschein hat. Es gibt keine naturgesetzlichen Zwangsläufigkeiten des Marktes, und wer dies behauptet, ist ein Scharlatan.

Der Markt funktioniert primär nach den Gesetzen, die in den Gesetzbüchern stehen. Und er würde auch nach den Gesetzen funktionieren, die eine Mehrheit der Demokraten sich zu geben gewillt ist, hätte sie denn eine Chance, an der politischen Willensbildung anders teilzunehmen, als durch die regelmäßige Kreuzlmalerei, die das abschließt, was regelmäßig als Wahlkampf mit flachen Werbebotschaften und unverbindlichen Versprechungen veranstaltet wird.

Doch wie partei-parlamentarisch eine Demokratie auch immer ausgestaltet sein mag:

Es ist das Recht und die Pflicht einer Regierung, regulierend in den Markt einzugreifen, wenn dort Fehlentwicklungen zu erkennen sind.


Der Wahn gipfelt doch darin, dass Michelbach und andere ernsthaft zu glauben scheinen, das Geheimnis einer florierenden Marktwirtschaft sei die möglichst weite Verbreitung von Niedriglohnsektoren und prekären Beschäftigungsverhältnissen.

Diese krankhafte Fixierung auf die Lohnkosten rührt doch nur daher, dass man lieber billig für den Export produziert, als den Menschen im eigenen Land die Chance zu geben, die von ihnen erzeugten Produkte und von ihnen erbrachten Leistungen auch selbst zu verkonsumieren.

Dieser verrückte Ansatz kann letztlich nur so verstanden werden, dass der Mensch - nach dem Willen des Vorsitzenden der CSU-Mittelstands-Union - für die Wirtschaft da ist, während die Wirtschaft nicht den Menschen, sondern ausschließlich den Interessen des Kapitals zu dienen hat.


Michelbach:

Eine schöne Schlusspointe - und zugleich die finale Enthüllung.

Wenn der Mindestlohn das genaue Gegenteil dessen ist, was der Slogan "Vorfahrt für Arbeit" aussagt (Achtung: PISA - Test, Sprachlogik), dann heißt "Vorfahrt für Arbeit" aber letztlich nichts anderes, als: "Es lebe die Sklaverei!"



Nun gut, verzeihen wir Herrn Michelbach den verbalen Ausbruch - besser so, als er ruft nach dem Einsatz der Bundeswehr im Inneren, um die Lohnkosten der privaten Briefdienste mit den Mitteln der Staatsgewalt niederzuhalten...

Wenden wir uns dem anderen Thema zu.

Der hohen Politik ist es gelungen, sich aus den Niederungen des Mindestlohns höchst elegant per Jahresendaufschwung wieder einmal bis zu den Managergehältern hochzuziehen. Da wird - trotz engagierter Mitwirkung von Hubertus Heil - ein heilloses Durcheinander angerichtet.


Ununterscheidbar versuchen Politiker der Koalitionsparteien zunächst den Eindruck zu erwecken, sie hielten Managergehälter ganz grundsätzlich für unverschämt hoch.

Hakt jemand nach, wird versucht den Eindruck zu erwecken, man könne mühelos zwischen guten Managern und schlechten unterscheiden - den einen sei es vergönnt, den anderen nicht.

Dann wieder wird der Eindruck erweckt, Gerechtigkeit könne schon dadurch hergestellt werden, dass Abfindungen für Spitzenmanager von ihren Unternehmen steuerlich nicht mehr abgesetzt werden können - und was der Tollheiten mehr sind.

Von der FDP tönt es derweil oppositionell, man könne Löhne und Gehälter weder nach oben, noch nach unten begrenzen.

Es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass diese Debatte noch vor dem laufenden Jahr zu Ende geht.

Erste Stimmen erklären ja heute schon, man hätte rechtlich keine Handhabe, man müsste sonst das Grundgesetz ändern. (Das geht aber - wie wir wissen - nur, wenn Herr Schäuble aufzeigen könnte, dass zu hohe Managergehälter ganz massiv die Sicherheitsinteressen des Staates gefährden, und daran würde er sich wohl die Zähne ausbeißen.)

So bleibt das Ganze ein durchsichtiges Manöver.

Das Volk darf sich erregen, ist damit abgelenkt von der Zerstrittenheit beim Mindestlohn, und Politikerinnen und Politiker können sich - passend zur vorweihnachtlichen Grundstimmung ("Der kleine Lord" und andere Rührstücke), als forsch-gerechtigkeitsorientierte Volksvertreter inszenieren. Bravo! Applaus. Vorhang.

Dass auch die Vorstandsvorsitzenden großer Aktiengesellschaften zumeist kaum mehr sind, als die hochqualifizierten Laufburschen der Eigentümer dieser Unternehmen, dass es kaum einen Vorstand in Deutschland gibt, der nicht ganz genau weiß, wie die Pfeife heißt, nach der er tanzt - dazu wird beharrlich geschwiegen.

Vorstände tun, was die Anteilseigner von ihnen verlangen. Und sie lassen sich dafür bezahlen, dass sie das tun. Sie lassen sich dafür bezahlen, dass sie gewisse Risiken eingehen, die ein Anteilseigner selbst niemals eingehen würde. Sie lassen sich dafür bezahlen, dass sie mit der notwendigen Skrupellosigkeit die kleinen und großen Schweinereien durchziehen, an denen sich ein Anteilseigner nie die Finger schmutzig machen würde - und sie müssen gehen, wenn es der Anteilseigner will.

Nicht jeder Skandal, nicht jeder eingefahrene Verlust einer Aktiengesellschaft, den ein Vorstand verursacht, ist auch vom Vorstand verschuldet. So mancher Skandal, so mancher malerisch gestaltete Verlust entspricht exakt den Zielen und Vorgaben der Anteilseigner.

Wer - anonym - bei zwei, drei, zwanzig, dreißig großen und kleineren Unternehmen mit Mehr- oder Minderheitsbeteiligungen mitreden kann, dessen Spiele und Ränke sind nicht auf eines dieser Unternehmen beschränkt. Da wird leicht einmal an der einen Stelle eine Insolvenz veranstaltet, wenn es anderweitig der Profitmaximierung dienlich ist - und wenn der Vorstand hinterher publikumswirksam geschasst wird, aber gleichzeitig eine dicke Abfindung kassiert, dann wissen er und sein Brötchengeber ganz genau wofür er damit belohnt wird...

Manager sind wie gedopte Hochleistungssportler. Von ihnen werden Drahtseilakte diesseits und jenseits der Legalität erwartet, sie müssen immer ein bisschen gerissener, ein bisschen skrupelloser und in der heroisierenden Darstellung ihrer Taten ein bisschen geschickter sein, als die anderen.

Dann, und nur dann, gibt's den Lohn für die Schinderei.


Diejenigen, die im Hintergrund die Fäden ziehen, die Manager und gedopte Sportler gleichermaßen einsetzen, um Marktanteile zu gewinnen, die bleiben im Dunkeln.

Unsere mehr als 200 in Deutschland ansässigen Milliardäre lässt man in aller Ruhe ihre Milliarden vermehren, da jubelt man in den einschlägigen Gazetten höchstens "unseren besten" Vermögensanhäufern huldigend zu - aber niemand aus unserer gleichförmig-bunten Medienlandschaft erlaubt sich, die absurd hohen Einkommen der Aldis, Würths, Flicks und Quandts, der Piechs und Faßbenders anzuprangern - denn das könnte leicht das Letzte sein, was er sich erlaubt.


Die Zeiten haben sich geändert.

Zu Bert Brechts Zeiten waren die wirklich Reichen noch "die im Licht" - und "die im Dunkeln", das waren die anderen, und die sah man nicht.

Heute steht der Hartz IV Empfänger als durchsichtiger Bürger im grellen Licht der Ämter und Agenturen, alles was er tut und nicht tut, was er bekommt und nicht bekommt, was er darf und was er nicht darf ist öffentlich. Entzieht er sich der gleißenden Aufmerksamkeit auch nur für einen Augenblick, so macht er sich einer Unterlassung schuldig, kommt seinen Pflichten nicht nach - und wird gebührend abgestraft.

Maxigehälter sind eben doch besser als Minijobs.
Gar keine Frage.


Ein paar sehr grundsätzliche Sätze zu dieser Thematik finden sich auch in Band IV von "Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre", ich möchte sie Ihnen an dieser Stelle nicht vorenthalten:

 

Der Anteilseigner

Der Anteilseigner ist der Prototyp des aggressiven Eigentümers. Obwohl er - de jure - als Eigentümer bzw. Miteigentümer eines Unternehmens gilt und nach unserer Definition damit eigentlich über ein selbst und produktiv genutztes Eigentum gebietet, ist er de facto das genaue Gegenteil.

Er nutzt nicht selbst.

Er gestattet dem Vorstand bzw. den Geschäftsführern eines Unternehmens, unter tatkräftiger Mithilfe der von ihnen angestellten und angeleiteten Mitarbeiter, produktiv tätig zu sein - und er kann es ihnen ebenso gut wieder verwehren, wenn ihm danach ist. Er ist nicht Nutzer, sondern lediglich Nutznießer der kompletten Organisation, die ohne ihn ganz genau so, womöglich noch besser arbeiten könnte, die ohne ihn am Markt bessere Chancen hätte, weil sie nicht gezwungen wäre, über entsprechend hohe Preise das zu erwirtschaften, was er als seinen Profit ohne jede Gegenleistung aus dem Unternehmen herausziehen will.

Anteilseigner von Kapitalgesellschaften sind die "Großgrundbesitzer" der Industrienationen. Keiner braucht sie wirklich, und wäre es nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Unternehmensentwicklung erforderlich gewesen, Geld zu investieren, das die Banken, deren Job es gewesen wäre, nicht schöpfen wollten, es gäbe auch keine.

Nur weil es die Nationalökonomen bis heute nicht verstehen wollen, wie wichtig es ist, die ausreichende Versorgung der Realwirtschaft mit Zahlungsmitteln sicherzustellen, konnten die Blutsauger- und Heuschrecken-Imperien der Anteilseigner entstehen.

Es stellt sich die Frage, ob im Bereich des Eigentums an Organisationen wirksame Veränderungen möglich sind.

Die Antwort kann auch hier nur lauten: "Ja, Veränderungen sind möglich und wünschenswert - die dazu erforderlichen Schritte sind einfach."

Mit dem deutschen Mitbestimmungsrecht wurde vor langer Zeit bereits ein wesentlicher Schritt unternommen, um die Organisation als solche vor der Willkür des eigentümelnden Kapitals zu schützen. Nur ist dieser Schritt nie vollendet worden. Stets behielt das Kapital die letzte entscheidende Stimme - und alles Reden und Argumentieren, alles Bitten und Betteln hat nichts geholfen.

Einigen Kleinkram haben die Betriebsräte und die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichträten für die Belegschaften gestalten dürfen - aber im Großen und Ganzen stehen sie bei jeder Auseinandersetzung von vornherein als Verlierer da. Wen wundert es, wenn die Resignation bei dem einen oder anderen Arbeitnehmervertreter dazu geführt hat, dass er sich, des lieben Friedens willen, die beschleunigte Einsicht in seine Ohnmacht vom Kapital vergolden lässt.


Der gangbare Ausweg liegt in der Änderung des Rechts der Kapitalgesellschaften.

Die Rechtsnormen für die Gesellschaftsformen GmbH und AG müssen grundlegend geändert werden; beginnend damit, dass jeder Anteilseigner gesamtschuldnerisch für alle Schulden und Haftungsfälle des Unternehmens herangezogen werden kann. Natürlich muss der Anteilseigner im Rückgriff auch die Möglichkeit haben, die tatsächlich Verantwortlichen in Regress zu nehmen, aber nur, soweit diesen ein vorsätzliches schuldhaftes Handeln nachgewiesen werden kann, insbesondere dann, wenn sie gegen klare Anweisungen der Anteilseigner verstoßen haben - nicht, wenn sie diese, wie es heute üblich ist, als gut bezahlte, potentielle Sündenböcke blindlings befolgt haben.

Was ist nun aber mit denjenigen Eigentümern, denen eine solche Haftung zu weit geht? Nun, auch für diese ist eine einfache und befriedigende Lösung denkbar:

Jeder Anteilseigner, dem diese Haftung zu weit geht, darf ganz selbstverständlich seinen Anteil am Unternehmen in ein Darlehen umwandeln, das mit festgesetzten Zins- und Tilgungsraten über einen festgesetzten Zeitraum (z.B. zehn, oder zwölf Jahre) zur Rückzahlung fällig wird, wobei wiederum alle verbleibenden Anteilseigner mit ihrem gesamten Geschäfts- und Privatvermögen dafür haften, dass diese Darlehen auch tatsächlich zurückgezahlt werden.

Der daraus resultierende, schlagartige Zusammenbruch der Aktienbörsen ist von der Volkswirtschaft ebenso mühelos zu verkraften, wie die Schließung aller Spielcasinos zu verkraften wäre. Gesunde Unternehmen werden wegen solcher Änderungen nicht zusammenbrechen. Im Gegenteil!

Aber die Neuordnung in den Haftungsverhältnissen, die sich in jeder Hinsicht positiv auswirken wird, ist nur der eine Teil der Lösung - der andere Teil ist die Stärkung der Rechte der Belegschaft, also der eigentlichen Träger des Unternehmens, und dies unabhängig von der Rechtsform des Unternehmens. Denn auch Unternehmen, die von Einzelkaufleuten oder als Personengesellschaft geführt werden, bieten alleine deshalb noch keinen ausreichenden Schutz vor der Willkür der Eigentümer.

Die produktive Organisation als solche ist, auch wenn das in unserer Gesellschaft insbesondere von den Besitzenden ganz anders gesehen wird, ein schützenswertes Gut. Insbesondere ist sie vor den negativen Folgen der Ausübung so genannter Eigentümerrechte zu schützen.

Mit welcher sachlichen Begründung (juristisch gibt es Begründungen zu Hauf) soll ein Eigentümer, oder die Mehrheit der stimmberechtigten Eigentümer die Aufgabe eines Unternehmens oder eines Unternehmensteils beschließen dürfen und damit, ganz nebenbei, die Existenzgrundlage der Mitarbeiter vernichten können?

Sind Unternehmer denn gottgleiche Wesen, die das Unternehmen für ihre Schöpfung halten, mit der sie nach Belieben umgehen können, wie Kinder am Strand mit ihren Sandburgen?
Nein, sie sind es nicht. Es sind Menschen, die sich das Recht herausnehmen, nur ihren persönlichen Vorteil suchend, ein funktionierendes Unternehmen zu schließen, oder ein kränkelndes Unternehmen ohne "ärztliche" Hilfe verrecken zu lassen.

Dass die Belegschaften mit ihren Betriebsräten keine wirkliche Macht haben, dass auch die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten letztlich vom Kapital überstimmt werden, wurde bereits dargelegt - und es wird von der Wirklichkeit tagtäglich bewiesen.

Wie aber könnte die erforderliche Stärkung der Belegschaft aussehen?

Tja, das war der Paukenschlag Nr. 50/2007 - der nächste ist die Nr. 1/2008 - auf bald!

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a


* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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