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  Paukenschlag
am Donnerstag

der wöchentliche Kurzkommentar
(No. 49)


Egon W. Kreutzer - 6. Dezember 2007
 









keine
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Oh du Fröhliche!

Siehe, ich verkünde große Freude,
denn heute ist der Aufschwung bei euch angekommen.

 

Genau das ist, sieht man von der etwas verstaubten Sprache ab, der Inhalt der Botschaft, die uns unsere liebe Frau Bundeskanzler in diesen besinnlichen Tagen übermittelt hat:

Der Aufschwung ist bei den Menschen angekommen.

Die Ähnlichkeit zwischen Angela Merkels Verkündigung und dem Lukas-Evangelium scheint nicht ganz zufällig.


Es reizte mich zwar, die gesamte Aufschwungsverkündigung der neuzeitlichen Propheten aufzuschreiben,

und zum direkten Vergleich die kernigen Aussagen der christlichen Heilslehre darzustellen, aber dann fürchtete ich, damit so manchen weniger bibelfesten Leser zu langweilen.
 
Also will ich es bei dem kurzen Anriss belassen und der Idee nur noch einen einzigen, kleinen, abschließenden Absatz spendieren:

Falls die politische Regie tatsächlich von der Bibel abgeschrieben haben sollte - und die Parallelen sind unverkennbar - dann wird der Aufschwung weder alt, noch wird er allzuviel bewirken.

Er wird ein paar vereinzelte Wunder tun und dann wieder verschwinden. Die Hohen Priester, Könige und Kaiser, die Weisen und Schriftgelehrten wissen das und bleiben gelassen. Schließlich können sie ihn jederzeit abwürgen, wenn er ihnen gefährlich werden sollte, der Aufschwung.

Und wenn sie ihn so beendet haben, dann lehren sie uns daran zu glauben, dass er nicht gestorben ist, dass es ihn weiterhin gibt, den Aufschwung, dass er uns liebt, der Aufschwung, dass er uns hilft in aller Not - und dass er irgendwann, wenn wir nur schön brav sind, wiederkommen wird, uns zu erlösen. Fragt sich nur: wovon?

 


Der Anfang Dezember 2007 real bei den Menschen angekommene Aufschwung lässt sich mit zwei Zahlen verdeutlichen:

 38,8 Prozent

 und
 1.046.000


38,8 Prozent

Diese Zahl stammt vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) der
Hans-Böckler-Stiftung.

Sie besagt, dass die Netto-Löhne der abhängig Beschäftigten im ersten Halbjahr 2007 mit einem Anteil von gerade einmal noch 38,8 Prozent am gesamten Volkseinkommen einen historischen Tiefstand erreicht haben.

(zum Vergleich: 1965 lag die Quote bei 56 %, 2006 immerhin noch bei 40,5 %)


Empfehlenswert für alle, die an mehr Detailinformationen interessiert sind, die z.B. auch wissen wollen, wie sich gleichzeitig die Unternehmensgewinne und die Einkünfte aus Kapitalvermögen verändert haben, ist der Original-Bericht, der hier zu finden ist:
http://www.boeckler.de/pdf/wsimit_2007_11_schaefer


 

1.046.000

(einemillionundsechsundvierzigtausend)


Diese Zahl stammt von Sybilla.

Es ist die Differenz zwischen der Zahl der ALG II -Empfänger vom Januar 2005 und vom November 2007.

So stark hat sich die Zahl der ALG II Empfänger im Laufe von 34 Monaten verändert. Das könnte als Ergebnis einer guten und erfolgreichen Arbeitsmarktspolitik gewertet werden, handelte es sich dabei um einen Rückgang.

Es handelt sich aber dummerweise um Wachstum.
2005 waren es erst 4.089.000 - heute sind wir bei 5.135.000 ALG II - Empfängern angelangt.

Sybilla hat auch ausgerechnet, dass unter den ALG II Empfängern ganz besonders die Zahl derjenigen gewachsen ist, die nicht arbeitslos sind, die also "irgendwie aufstockende" Leistungen erhalten.

Deren Zahl wuchs sogar um 1.106.000 auf 2.769.000.


Welch ein Wachstum, welch ein Aufschwung!

Und Dank Sybilla wissen wir, bei welchen Menschen der Aufschwung angekommen ist.
Mindestens nämlich bei jenen mehr als 1 Million ALG II Empfängern, die nicht arbeitslos sind - was empfingen die denn sonst, ohne Aufschwung?

Vermutlich standortschädliche Tariflöhne mit entsetzlichen Lohnnebenkosten oder anderes Teufelszeug aus der Rumpelkammer von Sozialpolitik und Gewerkschaftsträumen.

Mehr aktuelle Zahlen zum Arbeitsmarkt hat Sybilla hier aufbereitet: http://de.indymedia.org/2007/12/201147.shtml

(und weil die Links zum aktuellen Bericht der BA bei Sybilla nicht funktionieren: hier einer, der gehen sollte:

http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/000000/html/start/monat/aktuell.pdf


Das war's für heute.

Und wenn Sie von den verlinkten Seiten der Hans-Böckler-Stiftung und von Sybilla bei indymedia zurückgekommen sind und immer noch nicht genug haben, dann können Sie zur Entspannung ja noch einmal beim
EWK-Verlag vorbeischauen und den bei Ihnen angekommen Aufschwung gleich mit einer Buchbestellung auf den Kopf hauen. Mich würde es freuen.

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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
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