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  Paukenschlag
am Donnerstag

der wöchentliche Kurzkommentar (No. 36)


Egon W. Kreutzer - 6.September 2007
 












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Ein Bekenntnis zu
Schwarz-
Rot-Gold

 

Was war los, in den letzten Tagen?
Worüber soll man schreiben?

Über Kurt Beck und seinen Versuch, im parteiinternen Gerangel um die Hack- und Pickordnung den Kopf oben zu behalten? Überschrift: Gut gebrüllt, Löwe?

Nee, wenn man gleichzeitig die neue "Frag-deinen-Politiker-per-Video-Show" gesehen hat, in der Kurt Beck als erster antreten durfte, dann weiß man, dass das kein Löwe ist. Er erinnert eher an einen veralteten Phrasengenerator mit ausgebautem Emotions-Chip. So unbewegt hat er - weit an den Fragen vorbei - seine wie auswendig gelernt klingenden Statements abgegeben.

Aber Kurt Beck ist nicht der einzige, der in diesem neuen ARD-ZDF-Morgen-und-Mittagsmagazin-Theater zu Wort kam und die Chance zwar gesehen, sie aber nicht genutzt hat. Auch Renate Künast, Michael Glos und Ursula von der Leyen haben schon die Gelegenheit wahrgenommen, in der Sendung "Ihre Frage nach Berlin" völlig losgelöst von den gestellten Zuschauerfragen das zu sagen, was sie immer sagen.

Den Phrasengenerator habe ich schon im November 2003 abgehandelt, als ich 10 Fragen an die Politik formulierte. Schaun Sie wieder mal rein: http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/12798Fragen.html

Das ist zwar vier Jahre her, aber abgesehen davon, dass das meiste schon Realität ist, was damals erst angekündigt oder zu befürchten war, hat sich nichts geändert. Außerdem sind darin einige Fragen aufgeworfen, die direkt auf das heutige Schwerpunktthema abzielen.

Was war sonst noch?

Der Zustand der Pflege hat für ein Aufwallen der Gefühle gesorgt. Es ist besser geworden, heißt es beruhigend, aber hinter diesem "Besser" steckt immer noch für viele Pflegebedürftige ein Vorhof zur Hölle auf Erden. Die Bedingungen in manchen Einrichtungen und auch bei der häuslichen Pflege sind so schlecht, dass die Verantwortlichen, statt wirklich einzugreifen, a) nach einem Pflegeheim-TÜV gerufen und b) besorgt darauf aufmerksam gemacht haben, dass eben doch wieder das Geld fehlt. Beitragserhöhung, ick hör' dir trapsen.

Die Frage, wo das viele Geld bleibt, das im breiten Milliardenstrom in die Kassen der Pflegeindustrie fließt, aber nur als ein Rinnsal oft unzureichender Leistungen bei den Betroffenen ankommt, habe ich auch schon einmal behandelt, das ist gar nicht so lange her: http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/0PAD6.html

 

Über den Terror ist viel geschrieben und gesendet worden.

30 Jahre nach den RAF-Attentaten - so lange hatten wir eigentlich Ruhe in Deutschland - bot sich die Gelegenheit, die schrecklichen Ereignisse von damals nahtlos mit den Terrorängsten unseres Innenministers, mit der Erfolgsmeldung über die Aushebung einer lange beobachteten terroristischen Zelle und der Notwendigkeit der Online-Durchsuchung von PCs zu vermengen, zumal sich der Innenminister mit der Rücknahme seiner Waffengesetzlockerungsinitiative noch rechtzeitig als besonnen und einer konstruktiven Kritik zugänglich hat darstellen lassen.

Über den Terror habe ich einen langen Aufsatz geschrieben, der weniger nach der Bedrohung, als nach den Ursachen sucht. Terroristische Akte sind Symptome, so wie auch die Angst vor einer terroristischen Bedrohung nur ein Symptom einer "Lage" ist, die umso mehr Terror und Terrorangst hervorbringt, je mehr von allen involvierten Seiten nach dem Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" immer weiter hochgerüstet wird, um Vergeltung und Abschreckung in immer noch unbeherrschbarere Dimensionen zu treiben.

Lesen Sie's nochmals durch. http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/14010Terror.html

 

Ach ja, und dann wurde in diesen Tagen auch schon wieder einmal eine neue

Patriotismusdebatte

losgetreten.

 

Philipp Missfelder ist ebenso dabei, wie Roland Koch und Edmund Stoiber.

Die fähnchenschwenkende Fangemeinde beim Babblig Fjuing, damals, als wir weder Weltmeister, noch Vizeweltmeister geworden sind, aber gejubelt haben, als wären wir erstmals bei den intergalaktischen Fußballmeisterschaften angetreten und gleich Sieger geworden, die geht den Parteivordenkern nicht aus dem Kopf. Da müssen doch Mitglieder zu rekrutieren sein, mit solchen nationalen Hochgefühlen.

Und außerdem: Falls die NPD nun doch verboten wird, wo sollen die ganzen Patrioten denn hin, wenn ihnen die demokratischen Parteien die kalte Schulter zeigen? Schon alleine die große Zahl der Verfassungsschützer, die nach ihrem verantwortungsvollen Job eine neue politische Heimat brauchen... (Gar nicht du denken an alle diejenigen, die von sich behaupten werden, dem Verfassungsschutz angehört und alles nur in höherem Auftrag gedacht, gesagt und getan zu haben.)

Aber selbst wenn die NPD nicht verboten wird, muss man denen - also nicht den Glatzen und Springerstiefelträgern, den anderen, den Lieben und Guten, die es ja auch gibt, den Mitläufern und Verführten, die es ja auch gibt, immer schon gegeben hat - doch zeigen, wo die demokratische Alternative zu finden ist, wo sie ihren Patriotismus legal ausleben können, oder?

Aber das Thema hat mehr Tiefe, als dass man es den Parteistrategen vom Schlage Missfelders und Kochs, Westerwelles oder Münteferings, Merkels oder gar von der Leyens alleine überlassen dürfte.

Jetzt wird Patriotismus wieder einmal öffentlich nach junger Väter Sitte durchdekliniert.

Patriotismus ist folglich:

Nein, einen Patriotalsozialismus, den gibt es in Deutschland nicht.

Wie immer, wenn es schwierig und komplex wird, aber eine kurze und prägnante Erklärung gefragt ist, hilft bei Fremdwörtern, wie es Patriotismus eines ist, der Fremdwörterduden schnell und sicher weiter.

Patriotismus wird dort so erklärt:

(begeisterte) Liebe zum Vaterland; gefühlsmäßige Bindung an Werte, Traditionen und kulturhistorische Leistungen des eigenen Volkes bzw. der eigenen Nation.

Und einen Patrioten erkennt der Duden daran, dass es jemand ist, der vom Patriotismus erfüllt ist und sich für sein Land einsetzt.

Nationalismus hingegen wird so beschrieben:
starkes, meist intolerantes, übersteigertes Nationalbewusstsein das Macht und Größe der eigenen Nation als höchsten Wert erachtet.

Nationalist ist folgerichtig jemand, der nationalistisch eingestellt ist, (ein) Verfechter des Nationalismus.

 

Wenn man diese einfachen und kurzen Erklärungen auf den Punkt bringt, dann heißt das:

Wer sein Land, sein Volk, seine Nation auf rein emotionaler Ebene hochhält, der darf sich im Lichte dieser der Gefühlssphäre entspringenden Regung einen wahren Patrioten nennen.

Ohne diese emotionale Bindung gering zu schätzen, stellt sich die Frage, ob das denn wirklich schon alles sein kann?

Braucht es - damit Werte erhalten bleiben, Traditionen fortgeschrieben und den alten kulturhistorischen Leistungen neue hinzugefügt werden können, damit das Vaterland blühe, wie es gelegentlich mitgesummt wird, nicht Herz und Hand, nicht ein klares Bewusstsein, einen wachen Verstand und einen festen Willen?

Solange es jenseits der "guten Patrioten" nur die "bösen Nationalisten" gibt, ist es nicht einfach, deutsche Interessen zu vertreten.

Es ist an der Zeit, zwischen der bloßen vaterländischen Ergriffenheit des Patriotismus und der hässlichen Selbstüberschätzung des intoleranten Nationalismus endlich auch wieder eine politische Schule zu installieren, der die Vaterlandsliebe ein Mehr an Verantwortung und Verpflichtung abfordert, als es die süßliche Gefühlsduselei des politisch korrekten Patriotismus verlangt.

Deutschland hat sich international in viele Abhängigkeiten und Bindungen begeben, an deren Nutzen (für Deutschland) Zweifel angemeldet werden dürfen. Wir befinden uns auf dem beschleunigten Weg in ein weitgehend demokratiefreies Europa. Die schlechte Verfassung, die abgelehnt wurde, kommt in Form eines einfachen Vertragswerkes wieder auf den Tisch, dessen Unterzeichnung die Situation um keinen Deut besser macht, als sie bei Beibehaltung des Titels "Verfassung" gewesen wäre.

 

Sie erinnern sich an den Text:
http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/14024EuropVerfassung.html

 

Nun, auch den Patriotismus
habe ich mir in der Vergangenheit schon vorgenommen.

(Die folgenden Ausführungen stammen aus einem Aufsatz, den ich vor der letzten Bundestagswahl veröffentlicht habe. Der leichteren Lesbarkeit halber habe ich hier und heute die Bezüge auf die seinerzeit aktuellen Randbedingungen weggelassen, Sie können den gesamten Aufsatz aber gerne auch hier noch einmal durchlesen: http://www.egon-w-kreutzer.de/Meinung/14043Sumpfbl%FCten.html)

 

Es gibt - das steht völlig außer Frage - in dieser Republik ziemlich viele Geister, die eifrig danach drängen, die schlimmen alten Zustände wiederherzustellen; Rattenfänger, die mit rassistischen Feindbildern hantieren, ihren Faschismus, wie auch ihre Führergläubigkeit offen vor sich her tragen, und auch nicht davor zurückschrecken, immer wieder sehr handgreiflich zu beweisen, wie ernst sie es meinen.

Aber gibt es denn neben diesem übersteigerten, intoleranten und aggressiven Nationalismus nicht auch eine vernünftige Form der selbstbewussten Vertretung vitaler nationaler Interessen? Ist das Eintreten für das eigene Land, für das Wohlergehen des eigenen Volkes, ist der Versuch, bestimmte Werte und Traditionen des eigenen Volkes zu bewahren und hochzuhalten, wie sie sich nicht nur im Münchner Oktoberfest und dem Stuttgarter Wasen, sondern zum Beispiel auch im Erfolgsmodell der sozialen Marktwirtschaft ausdrücken, schon Verbrechen?
Kann der Hinweis auf tatsächlich existierende, rechtsextreme Gruppierungen ausreichen, jeden Globalisierungskritiker als Nationalisten zu beschimpfen, jeden Gegner der Agenda 2010 als ewig gestrigen Sozialisten zu titulieren und in jedem Vertreter -- ebenso legaler wie berechtigter -- nationaler und sozialer Interessen gleich wieder die Auferstehung des Hitler'schen Nationalsozialismus sehen zu müssen?
Nein, diese Sicht der Dinge ist falsch und verlogen. Wer sich ihrer bedient, benutzt ein tief eingebranntes, kollektives Schuldgefühl, um sich eigene Vorteile zu sichern.


Amerikaner und Briten, Franzosen und Italiener zeigen der Welt bei jeder Gelegenheit offen und stolz, dass sie es für ihre erste Pflicht halten, ihrem Land und ihrem Volk zu dienen.
Ich finde, es wäre an der Zeit, dass auch wir Deutschen endlich aufhören, unseren seltsamen Selbstverleugnungsreflex zu pflegen.



Deutschlands nationale Identität
und seine soziale Gesellschaftsordnung sind bedroht


Lassen Sie mich etwas abschweifen:

Bundespräsident, Bundeskanzler und Bundesminister schwören bei Amtsantritt den folgenden Eid, der in Art. 56 GG vorgeschrieben ist:


"Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe."

Dieser Eid kann, auch das steht im Grundgesetz, auch ohne die abschließende religiöse Beteuerung geleistet werden.

Wir stellen also fest:

Sogar dieses, nur als besatzungsrechtliches Konstrukt für eine Übergangszeit geschaffene Grundgesetz, das - trotz inzwischen erfolgtem Beitritt der neuen Bundesländer - aus nicht nachvollziehbaren Gründen immer noch nicht von einer wirklichen Verfassung abgelöst wurde, bestimmt ganz eindeutig, zweifelsfrei und mit allerhöchster alliierter Genehmigung, dass die Interessen des deutschen Volkes bei jeglichem Handeln seiner höchsten Staatsorgane absoluten Vorrang haben sollen.


Zudem bestimmt das Grundgesetz in Artikel 20 (1):

"Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat."


Wenn es nun aber seit vielen Jahren Regierungspolitik ist, das deutsche Volk immer mehr und immer länger für immer weniger Geld arbeiten zu lassen, zu keinem anderen Zweck, als dass ausländische Konsumenten in die Lage versetzt werden, die Produkte aus unserer Überschussproduktion billig einzukaufen, weil daran die Profite jener vaterlandslosen Global Player hängen, die in Deutschland - wider die Interessen des deutschen Volkes - gehätschelt werden, dann wird es höchste Zeit, dass vernünftige Politik sich auf die nationalen Interessen besinnt und diesem schon weit fortgeschrittenen Wahnsinn ein Ende bereitet.

Rund ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschland verkauft der Exportweltmeister im Ausland - was aber unsere Blut-Schweiß-und-Tränen-RednerInnen nicht davon abhält, im gleichen Atemzug zu behaupten, wir seien international nicht wettbewerbsfähig, weil die deutsche Industrie unter den viel zu hohen Stundenlöhnen der Arbeiter leidet. Über die Produktivität und die Lohnstückkosten wird dabei ebenso wenig geredet, wie über die minimale Steuerbelastung der Unternehmen und die weit überdurchschnittliche Infrastruktur, die ihnen in Deutschland kostenlos zur Verfügung steht.


Wenn das deutsche Volk

- wie es die sich selbst so nennenden "Volksparteien" in ihrer uneingeschränkten Zustimmung zur europäischen Verfassung betreiben --

künftig unter dem Primat des EU-Rechts alle in den letzten Jahrzehnten errungenen und gepflegten eigenen Normen und Rechte aufgeben soll, um sich - dem oben zitierten Amtseid zum Trotz - allen internationalen Kapitalströmen ohnmächtig zu ergeben und sich die Ressourcen der Grundversorgung von internationalen Dienstleistern kampflos aus der Hand nehmen lassen soll (das ist schließlich der Kern der EU-Verfassung), dann wird es höchste Zeit, dass vernünftige Politik sich auf die wahren nationalen Interessen besinnt und diesem schon weit fortgeschrittenen Wahnsinn ein Ende bereitet.


Wenn es überhaupt einen Sinn machen soll, in spätestens zwei Jahren an den nächsten Wahlen zum Deutschen Bundestag teilzunehmen,

Wenn es überhaupt einen Sinn machen soll, dass wir in spätestens zwei Jahren noch einmal antreten, um eine Regierung für Deutschland zu wählen,

 

Aber, und damit sind wir endgültig wieder in der Gegenwart:

Ein offenes Bekenntnis (ist das nicht der helle Wahnsinn?),

ein offenes Bekenntnis zu Schwarz-Rot-Gold und zur Nationalhymne,

das haben wir in den letzten Tagen hören dürfen. Von niemand geringerem als Angela Merkel, als Ausfluss ihres tiefempfundenen patriotischen Gefühls - und als Inhalt des künftigen CDU-Parteiprogramms.


Das reicht gerade einmal, um sich beim Babblig Fjuing so richtig in Stimmung zu bringen.

So ein patriotisches Gefühl macht es nämlich leichter, aus jeder Niederlage immer noch als Weltmeister der Herzen hervorzugehen.

 

Herzchen!

 

 

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Es ist zwar nicht so, dass ich Aufsätze, Kommentare und Paukenschläge nur schreibe,
um Bücher zu verkaufen, aber so, dass ich Aufsätze, Kommentare und Paukenschläge
nur schreiben kann, weil ich Bücher verkaufe, so ist das schon.




 

a


* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre weist Wege in eine gerechtere Zukunft.

Brandneu: Band IV - Kritik und Überwindung des aggressiven Eigentums.
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