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  Paukenschlag
am Donnerstag

der wöchentliche Kurzkommentar (No. 33)


Egon W. Kreutzer - 16. August 2007
 












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Das Beben
der Märkte

Die weltweite Arbeitsteilung, die über Jahrzehnte so gestaltet war, dass die USA sich darauf beschränken konnten, Abschreckung zu produzieren, Kriege zu führen und Dollars zu drucken, während der Rest der Welt dafür bezahlte, hat einen Knacks bekommen.

Ja, diese Darstellung ist übertrieben.

Es gibt eine eigenständige US-Industrie und eine eigenständige US-Landwirtschaft und eigenständige US-Dienstleistungsunternehmen, die allesamt dazu beitragen, ein eigenständiges US-Brutto-Sozialprodukt zu erzeugen. Es gibt auch immense Exportleistungen aus den USA in alle Welt, und wer glaubt, die USA seien längst vollständig zusammengebrochen und hingen vollständig am Tropf der übrigen Industrienationen, der irrt.

Die Empfehlung, sich einmal anzusehen, was unser deutsches statistisches Bundesamt als Kennzahlen-Profil der USA zur Verfügung stellt http://www.eds-destatis.de/de/publ/download/lp_usa.pdf, ist außerordentlich ernst gemeint, denn dort wird - jenseits aller wertenden Kommentare - in verständlicher Darstellung ein neutrales Bild der Fähigkeiten und Probleme der USA gezeichnet.

Dass ich im Folgenden nur auf das Außenhandelsdefizit und die Auslandsschulden der USA eingehe, könnte den gefährlichen Irrtum hervorrufen, die USA seien schwach, das Ende ihrer Vorherrschaft sei nahe.

Das Gegenteil ist der Fall: Die USA nutzen die Schwäche der restlichen Welt weiterhin nach Kräften aus und kommen sich dabei ebenso grandios und genial wie gerissen vor. Vor allem aber wähnen sie sich dabei im Recht. Dass dieses Rechtsempfinden seine Wurzeln zu einem nennenswerten Teil in den Spielregeln der Revolverhelden des Wilden Westens hat, macht es nicht leichter, mit den USA in einen besonnenen Dialog zu treten.

Die folgenden Überlegungen ziehen das Szenario einer möglichen kriegerischen Auseinandersetzung, die von den Streitkräften der USA - z.B. unter dem schönen Namen "Operation Creditors Last Sunrise" (OCLS) - gegen die Achse der Gläubiger geführt werden könnte, vorsichtshalber nicht ins Kalkül.

Es könnte also auch ganz anders kommen.

 

Aber sie ist nicht falsch.

Das US-amerikanische Außenhandelsdefizit ist gewaltig und es wächst immer weiter. Eigenen Exporten in der Größenordnung von 1 Billion (nicht 1 Milliarde) US$ stehen inzwischen Importe in nahezu doppeltem Umfang gegenüber. Die Außenhandelsbilanz der USA weist für die letzten drei Jahre insgesamt einen Negativ-Saldo von 2,4 Billionen US$ auf (das entspricht 1,8 Billionen Euro zu einem Kurs von 1,35 $/€).

Kein Wunder, dass mit dem Außenhandelsdefizit auch die Auslandsschulden der USA unaufhörlich wachsen. Waren es Ende 2004 noch 8,36 Billionen US$, so summierten sie sich 2 Jahre später bereits auf 10,73 Billionen US$. Die Differenz, 2,37 Billionen US$, übertrifft das Außenhandelsdefizit der letzten beiden Jahre sogar noch deutlich, was letztlich bedeutet, dass die USA nicht nur ihren Import-Überschuss vollständig auf Pump kaufen, sondern sich auch noch darüber hinaus massiv beim Rest der Welt verschulden.

Ein spezieller Weg, Schulden beim Rest der Welt aufzunehmen, war es, Hypotheken, die nach dem Motto "Nach uns die Sintflut", an US-Amerikaner von bescheidener Bonität vergeben wurden, anschließend auf raffinierte Weise und weitgehend intransparent in "Wertpapiere" zu verwandeln und diese an anlagehungrige Banken und deren Klientel in aller Welt zu verkaufen.

Dass selbst eine kleine Mittelstandsbank wie die deutsche IKB davon rund 10 Milliarden im Portfolio hatte und per Staatshilfe gerettet werden musste, nachdem der erkennbare Abschreibungsbedarf auf 3,5 Milliarden angestiegen war, macht deutlich, wie weit diese miesen Schuldscheine in aller Welt gestreut worden sein müssen.

 

Nun beben die Märkte.

Die Zentralbanken haben es in der letzten Woche für notwendig erachtet, kurzfristig Liquidität in gigantischer Höhe in den Markt zu werfen. Die anfänglichen 90 Milliarden der EZB (und die EZB war nicht die einzige Zentralbank, die sich zu Stützungsmaßnahmen gezwungen sah) sind viel Geld, wenn man bedenkt, dass die gesamten bei der EZB liegenden Mindestreserven der Geschäftsbanken im Euro-Raum per Ende Juli 2007 gerade einmal den Wert von 170 Milliarden Euro erreichten. Wenn also zusätzlich 90 Milliarden Euro erforderlich waren, um das europäische Bankensystem zu stützen, das sonst mit 170 Milliarden Zentralbank-Reserven über die Runden kommt, dann waren das nicht etwa peanuts. Die Banken mussten sich von der Zentralbank - auf einen Schlag - mehr als die Hälfte dessen als Liquiditätsspritze holen, was sie regulär als Mindestreserven vorhalten. Wenn diese Kredite auch nur wenige Tage Laufzeit hatten und im Wesentlichen schon wieder zurückgeführt wurden: Es gab eine Erschütterung.

Es war noch nicht das ganz große Beben, aber die Dinge sind in Bewegung gekommen. Gerade eben, am Morgen des 16. August 2007, berichten die Nachrichten von neuerlichen Kursrutschen an den asiatischen Börsen.

Wann, wie und ob sich die Finanzmärkte und Börsen überhaupt noch einmal für eine Weile stabilisieren, ist vollkommen offen.

Dennoch fehlt es nicht an beschwichtigenden Worten. Dabei sollte inzwischen eigentlich jedem klar sein, dass das, was in diesen Tagen an beruhigenden Erklärungen von Experten aus Politik, Wirtschaft und Wirtschaftsforschungsinstituten in die Welt gesetzt wird, weit näher am Tatbestand des Missbrauchs von Betäubungsmitteln angesiedelt ist, als am Versuch objektiver Information.

Der Fortgang der Ereignisse ist absehbar,

lediglich über das genaue Datum der großen, finalen Erschütterung herrscht noch Ungewissheit. Aber so wie die Menschheit weiß, dass sich am San Andreas Graben eine ungeheuerliche Spannung aufbaut, die - vielleicht morgen, vielleicht erst in hundert Jahren - aber doch absolut unausweichlich die Stadt San Franzisco erneut vollkommen zerstören wird, so sicher ist, dass die Spannungen im globalen Wirtschafts- und Finanzsystem sich in einem neuen großen Crash entladen werden. Das Zeitfenster für diesen Crash ist eng. Er kann heute Nachmittag beginnen, er könnte auch noch ein paar Monate hinausgezögert werden - und dass er die Welt 2008 trifft, ist wahrscheinlicher als die Annahme, er käme erst 2009.

 

Es gibt gleich mehrere Entwicklungen, die sich gegenseitig auslösen und verstärken und so zum beschleunigten Wachstum der Spannungen beitragen:

 

a) Die weitere US-interne Entwicklung und ihre Folgen für den Binnenmarkt

Es wird allmählich zur Gewissheit, dass die US-Immobilienkrise als Auslöser des kommenden Zusammenbruchs dienen wird. Was aber wird sich aus diesem Krisenherd entwicklen?

Mit überaus preiswerten und überaus bereitwillig ausgestreuten Hypothekendarlehen wurde der Binnenmarkt der USA mit Geld geflutet. Davon waren aber bei weitem nicht nur die Schrottimmobilien betroffen, deren fragwürdige Finanzierung seit mehr als einem halben Jahr - Bank für Bank - zusammenbricht. Die Dimensionen der Blase sind damit längst nicht ausreichend beschrieben. Die Märkte haben Spielregeln - und die führen dazu, dass eine Fehlbewertung nicht auf ein Segment beschränkt bleiben kann.

Wenn das typische amerikanische Einfamilienhaus, ein Fertighaus aus ein paar dünnen, mit Pappe und Brettern verkleideten Kanthölzern, das nach deutschen Maßstäben höchstens einen Kaufpreis von 100.000 Euro und einen Beleihungswert von weniger als 50.000 Euro repräsentiert, dort plötzlich mit 300.000 oder 400.000 US$ bewertet wird - und für diesen "Scheinwert", der als Sicherheit dient, entsprechend hohe Kredite ausgereicht werden, dann schlägt dieses Missverhältnis zwischen realem Wert und geforderten Preisen doch auf den gesamten Immobilienmarkt durch. Das Appartement im New Yorker Hochhaus, das einen Wert von vielleicht 250.000 US$ repräsentiert, muss teurer sein, als die windigen Fertighäuser - sonst stimmen die Relationen nicht - und so wird es zum Spekulationsobjekt und mit 600.000, 800.000 oder sogar mehr als 1.000.000 US$ gehandelt. Diese Entwicklung muss zwangsläufig gigantische Bauaktivitäten in rein spekulativer Absicht auslösen - und so ist es schließlich auch gekommen.

Die USA sitzen auf einem Berg vollkommen überbewerteter Immobilien. Nichts ist davon ausgenommen, weder die Familien-Pappschachtel in der Vorstadt, noch das Luxusappartement in der allerbesten Lage - und die allermeisten dieser Immobilien sind bis weit über die Dachkante mit Hypotheken belastet.

Diese Halde ist vor ungefähr einem Jahr ganz allmählich ins Rutschen gekommen, weil ganz unten an der Basis die Zinsen nicht mehr gezahlt werden konnten.

 

Seitdem wird der Erdrutsch immer schneller - und ist nicht mehr aufzuhalten.

Die dinglichen Sicherheiten, die üblicherweise als "Sicherung" gegen Zahlungsausfälle und deren Folgen der Bank zur Verfügung stehen, nützen in dieser Situation überhaupt nichts.

Die Immobilien lassen sich nicht verwerten. Sie lassen sich weder verkaufen (jedenfalls nicht einmal näherungsweise zu Preisen, die ausreichen würden, die ausstehenden Tilgungsleistungen einzubringen) noch lassen sie sich vermieten, denn als Mietinteressent kommt niemand anders in Frage, als die soeben per Mahnverfahren und Räumungsklage vor die Tür gesetzten Ex-Eigentümer. Die aber waren außerstande, den regulären Schuldendienst aufzubringen; sie werden also ebenfalls nicht in der Lage sein, eine Miete aufzubringen, deren Höhe es der Bank ermöglichte, irgendwann und irgendwie wieder aus der Klemme zu kommen.

Es kann also durchaus damit gerechnet werden, dass der Bulldozzer, der in der Kleinstadt von einem Grundstück zum anderen fährt, um das darauf errichtete Fertighaus platt zu machen, bevor es einfach von mutigen Obdachlosen "besetzt" wird, in nicht allzuferner Zukunft zum gewohnten Bild des american way of life gehören wird.

Doch damit ist das Krisenszenario längst nicht vollständig beschrieben.

Parallel zu dieser Entwicklung wird die Baubranche nahezu zum Erliegen kommen. Weder neu errichtete Luxusappartements noch nagelneue Fertighäuser aus dem Katalog werden Abnehmer finden. Denn einerseits ist die Zahl der per Zwangsversteigerung zu erwerbenden Billigst-Schnäppchen viel zu groß und andererseits hegt für lange Zeit niemand mehr eine Renditeerwartung, die den Neubausektor aus spekulativen Erwägungen heraus beflügeln könnte.

Selbst große staatliche Bauprogramme, wofür auch immer, können den über mehrere Jahre anhaltenden Niedergang der Bau- und Einrichtungsbranche in den USA nicht aufhalten, einerseits, weil der geeignete Startzeitpunkt bereits verpasst ist, andererseits weil auch die Regierung ein Problem haben wird, in Zeiten zusammenbrechender Finanzmärkte die notwendige Liquidität bereitzustellen, ohne mit jedem zusätzlichen Dollar ein massives Ansteigen der Inflation auszulösen.

Doch der Bausektor selbst ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Bruttoinlandsprodukt der USA, im Jahre 2006 immerhin 13,25 Billionen US$, entstand zwar nur zu 4,9 Prozent im Bau, zu 20,9 Prozent jedoch im Bereich Immobilien und Finanzierung - und weil auch diese tief in die Krise verstrickt sind, ist damit rund ein Viertel der statistisch erfassten Wertschöpfung der USA betroffen.

Obwohl der Personalbedarf der Bereiche Immobilien und Finanzierung in Relation zur Wertschöpfung sehr gering ist, so kann doch geschätzt werden, dass alleine dadurch, dass den Immobilienmärkten die Luft ausgeht, bis zu 10 Millionen Arbeitsplätze akut bedroht sind - und dass alleine in Folge dieser Entwicklung, ohne die weiteren ungünstigen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, binnen der nächsten 12 Monate mindestens 3 Millionen Jobs verloren gehen.

Dabei handelt es sich um gute Jobs aus dem Kernbereich der Erwerbstätigkeit. Da die Statistiker in den USA mit den Begriffen Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit noch weitaus großzügiger umgehen, als wir das in Deutschland allmählich kennenlernen, ist das ein weit größeres Stück vom Kuchen der Erwerbstätigkeit, als es die völlig überzogene Zahl der "per Telefonumfrage im Stichprobenverfahren" festgestellten 142 Millionen Erwerbstätigen vorgaukelt.

Die Freistellung von mindestens 3 Millionen qualifizierten und engagierten Menschen aus den Jobs rund um die Immobilie wäre sicherlich eine Chance für die USA. Ein Teil des Außenhandelsdefizits könnte abgebaut werden, indem die neuen Arbeitslosen damit beschäftigt würden, die Importabhängigkeit zu mindern.

Doch diese Chance wird ungenutzt verstreichen. Den USA fehlt nämlich mit dem Ende der Immobilienblase der Treibstoff für einen Aufschwung. Das Geld ist weg. Was bisher auf dem Weg

"Wertsteigerung der Immobilie - zusätzliche Hypothek - zusätzlicher Konsum"

zur Geldversorgung diente, ist weggebrochen. Neue Geldquellen sind bislang nicht erschlossen.

Zudem müssen die Banken, solange sie nicht selbst schon in die Insolvenz gerutscht sind, zur Kompensierung der eingetretenen Verluste an der Zinsschraube drehen. Auch eine massive Senkung der Zentralbankzinsen wird wirkungslos bleiben, Das dem Binnenmarkt zur Verfügung stehende Geld wird nicht billiger - es wird teurer. Investitionen werden massiv erschwert - und der Weltmarkt bietet weiterhin zu konkurrenzlos günstigen Preisen an.

Obwohl also ein Bedarf besteht, wird seine Deckung im Binnenmarkt nicht gelingen, weil entsprechende Projekte schon bei den Finanzierungsbemühungen an der Rentabilitätsprüfung scheitern.

Die Eigenschaft des Kapitalismus, nicht primär für den Bedarf, sondern ausschließlich für den Profit zu produzieren, wird zuverlässig verhindern, dass sich die amerikanische Volkswirtschaft am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann.

 

b) Die absehbaren Reaktionen der Gläubiger

 

Dollars haben, heißt ein Problem haben.


Und weil dies ziemlich gleichzeitig alle begriffen haben, will den Dollar nun niemand mehr. Dass ein paar hochbezahlte und mit großzügigen Pensionen ausgestattete Schlafmützen in Deutschland weiter fleißig daran mitwirken, die gesamte Infrastruktur, von der Kanalisation bis zur Autobahn, von der Telekom über die Post bis zur Bahn, von den Wohnungen in Dresden bis zu den Kliniken in Hamburg - alles reale, funktionierende, nützliche Werte - gegen wertloses Papier, von dem die ganze Welt überquillt, zu verschleudern, hilft zwar den Investoren, also privaten Nutznießern, wenigstens Teile ihres Vermögens durch Umwandlung in Sachwerte zu retten, den Niedergang des Dollars wird das nicht aufhalten..

US-Schuldtitel, in welcher Gestalt sie auch immer verbrieft und verkauft werden, haben es in nächster Zukunft schwer, Interessenten zu finden. Die Verletzlichkeit des Riesen ist deutlich geworden. Die Dollarreserven, die vor allem in China und Japan gehalten werden, sind plötzlich als das zu erkennen, was sie im Grunde schon immer waren: Uneinbringliche Forderungen.

Und wenn auch der Handel mit Dollars noch eine ganze Weile fortgesetzt werden wird, der Kurs des Dollars wird im Verhältnis zum Euro, zum Yen, zum Rubel und zum Renminbi Yuan immer weiter abstürzen. Dass der Absturz noch langsam und gebremst vonstatten geht, hat viel damit zu tun, dass sich immer noch viele eine Chance ausrechnen, sich "schleichend" und mit kleinen Verlusten aus dem Dollar verabschieden zu können - und dass Öl immer noch ganz überwiegend gegen US$ verkauft wird. Beides wird sich ändern, denn schon jetzt geht es nur noch darum, sich möglichst geschickt vom "Schwarzen Peter" zu trennen.

Der US$ hat in den letzten 5 Jahren bereits ein Drittel seines Wertes gegenüber dem Euro eingebüßt. Dollar-Gläubiger in aller Welt haben in diesen 5 Jahren ein Drittel ihres in Dollar angelegten Vermögens verloren. Eine nachhaltige Trendumkehr ist nicht zu erwarten.

Die Auslandsschulden der USA sind zwar bis heute immer noch weiter gestiegen, doch mit den nicht mehr zu unterdrückenden Informationen über das Ausmaß und die Entstehung der Immobilienblase wird allmählich auch dem dümmsten Anleger deutlich, dass es über dem Großen Teich eine ganze Nation gibt, die in einem so spektakulären Maße über ihre Verhältnisse gelebt hat, dass sie niemals in der Lage sein wird, ihre Schulden zu tilgen - außer per Abwertung.

In Deutschland haben bisher nur die Arbeiter und Angestellten dafür bezahlt, weil sie der Industrie durch ihre verhältnismäßig niedrigen Löhne auf vielen Gebieten ermöglichten, besonders günstige Angebote vorzulegen. Unternehmer und Kapitalgeber haben - wie die Bilanzen belegen - fürstlich daran verdient.

Doch nur wird es auch für das Kapital eng.

Dollars haben, heißt ein Problem haben. Ein noch so schöner Gewinn, der in einer Währung erwirtschaftet wird, die niemand mehr haben will, ist kein Gewinn - sondern so eine Art monetärer Sondermüll.

 

c) Die unvermeidliche Inflation in den USA

Um den - von der Bau-, Immobilien- und Finanzbranche eingeleiteten - drohenden Zusammenbruch der gesamten Volkswirtschaft doch noch zu bremsen, muss Geld in den Binnenmarkt gepumpt werden - und zwar dahin, wo der Konsum eingebrochen ist, also letztlich in die Taschen der Arbeiter und Angestellten. Möglichkeiten dafür gibt es viele, angefangen von Rüstungsausgaben, über die Erhöhung von Soziallleistungen oder die Einführung neuer staatlicher Wohltaten - bis hin zu direkten Lohnzuschüssen (Kombi-Lohn ? ) oder direkten, beschäftigungsabhängigen Subventionen für die Wirtschaft (1-Dollar-Jobs ? ).

Doch es wird nicht gelingen, der künstlich überhöhten Nachfrage ein entsprechendes Angebot gegenüberzustellen. Die dafür erforderlichen Investitionen werden wegen der bereits oben angesprochenen, unzureichenden Rendite nicht stattfinden - und die Importeure werden, weil sich die ausländischen Lieferanten vom Dollar abwenden, ebenfalls nicht in die Bresche springen.

Während also Arbeitslose und Erwerbstätige, um den Lebensstandard erhalten - und vor allem die noch offenen Kredite weiter bedienen zu können - noch einmal massiv mit zusätzlichem Geld ausgestattet werden, treten Produktion und Produktivität auf der Stelle.

Die Lohn-Preisspirale beginnt sich zu drehen - von unten her.


Von oben her drängen die weltweit vagabundieren Dollars zurück in die Heimat und versuchen dort aufzukaufen, was immer von Wert ist.

Der Ausverkauf des Volkseigentums und der größeren Privatunternehmen, der in Deutschland schon weitgehend abgeschlossen ist, wird auf die USA übergreifen und dort in brutaler Härte ausbrechen, wenn die Gläubiger versuchen, ihre wertlosen Dollars auch noch gegen den allerletzten Sachwert einzutauschen. Der Makler-Trost:

"Geld kann abgewertet werden, Grund und Boden nicht. Und selbst wenn ein Krieg kommt, und ihre Immobilie einen Volltreffer abbekommt, besitzen Sie doch hinterher immerhin noch einen Bombentrichter!" -

wird jede Quadratmeile Wüste zum immer noch attraktiven Anlageobjekt werden lassen.

Dies wird einen seltsamen, von den USA ausgehenden Höhenflug der Börsen hervorrufen, der von den öligen Kommentatoren, die auch sonst bei jeder Gelegenheit betonen, dass es eine Gefahr für die Bevölkerung zu keinem Zeitpunkt gegeben habe, als Signal für die Robustheit und Widerstandskraft der US-Wirtschaft, als Zeichen für den Beginn einer nachhaltigen Erholung und eines neuen Aufschwungs und nicht zuletzt als Beleg für die überlegene Weisheit der US-Manager und US-Politiker hergenommen wird.

Bloß keine Panik!

 

Die Hyperinflation beginnt also an zwei Fronten, die Löhne werden anziehen, um das Volk ruhig zu halten - und die Preise der Anlageobjekte werden anziehen, weil den Anlegern ihre Dollars in den Händen verbrennen.

Mit dem zurückströmenden Geld der Anleger wird die weitere Inflation auf den Warenmärkten angetrieben. Das T-Bone-Steak wird erst 70, dann 200, dann 10.000 Dollar kosten - und ein paar Wochen später gibt es gar keines mehr.

 

d) Das Überspringen der Krise auf den Rest der Welt

Die größte Volkswirtschaft fällt bei gleichzeitigem Abbrennen eines Kursfeuerwerks an der Wall Street ins Koma. Die Nachfrage nach ausländischen Produkten für den Massenkonsum bricht zusammen. Chinesen, Japaner, Europäer und vor allem Deutsche verlieren einen wichtigen Markt. Zudem verlieren die Gläubiger weltweit Forderungen auf weit mehr als 10 Billionen (nicht Milliarden) US$.

Das mag für einen Teil der betroffenen Unternehmen, Banken und Privatpersonen zu verkraften sein - für einen anderen Teil bedeutet es den vollständigen Ruin, weil die Rückflüsse der in Dollar angelegten Mittel fest eingeplant waren.

Asien wird die Krise mit geringen Schäden überstehen.

China wird sich verhältnismäßig leicht und ohne großen Schaden aus dem Staub machen können. Die Dollar-Reserven waren bisher kaum angetastet worden - man wird sie auch in Zukunft nicht brauchen. Die Dollar Krise ermöglicht es, den Yuan zu einem günstigen Zeitpunkt definitiv vom Dollar abzukoppeln, das eigene Geldsystem auf sichere Beine zu stellen - und vermehrt für den riesigen, in keiner Weise gesättigten Binnenmarkt zu produzieren, auch wenn neben den USA noch weite Teile Europas als Abnehmer ausfallen.
Ähnliches gilt für Korea, Vietnam, Indien und andere aufstrebende Volkswirtschaften in Asien.

Japan wird - ähnlich wie Deutschland - zu den großen Verlierern gehören.

 

Europa wird nicht so gut davonkommen.

Zu eng sind die Verknüpfungen zur US-Wirtschaft, zu heterogen immer noch die einzelstaatlichen Sonderinteressen, die ein gemeinsames Vorgehen, vor allem ein gemeinsames Abschotten gegen den Brandherd unmöglich machen werden. Vor allem aber braucht die hochgezüchtete und auf Profitinteressen statt auf Bedarfsdeckung ausgerichtete EU-Wirtschaft den US-Markt, um ihre Kapazitäten auszulasten.

Ein entsprechend großes Nachfragepotential vergleichbarer Qualität ist weltweit nicht vorhanden und nicht zu erschließen. Die Schließung von Fabriken und die massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen werden in Europa viel weiter gehen, als es das Maß des bisherigen US-Imports vermuten ließe, da den Europäern die Nachfrage auch da wegbricht, wo andere große Exportnationen den Umsatzausfall zu kompensieren haben und versuchen, dies zunächst auf dem Binnenmarkt zu schaffen.

Deutschland, das sich unter Gerhard Schröder und Angela Merkel zu Gunsten der Exportindustrie freiwillig zum Armenhaus Europas verwandelt hat, wird es in Europa mit am schlimmsten Treffen, weil die Massenkaufkraft bereits massiv reduziert ist und der "selbsttragende Abschwung" des Binnenmarktes längst eingeleitet ist.

Das peinlich-unverschämt-menschenverachtende Gezerre um Mindestlöhne und Anpassung der Hartz IV-Sätze, das uns derzeit auf der Bühne des Sommerlochs von hochkarätigem Personal, bis hin zum Vizekanzler dargeboten wird, wird uns allen in Kürze jedoch als erstrebenswerter Zustand in Erinnerung sein, wenn die Politik mitten im Crash mit ihrem Latein endgültig am Ende ist.

Wenn nämlich alle Steuerquellen und die Beitragseinnahmen der Sozialsysteme gleichzeitig beginnen, immer müder und spärlicher zu fließen, während die Zahl der Rentner, Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger von einem Rekord zum anderen ansteigt, und die Tilgungswut der Haushaltsverantwortlichen ungebrochen weiter ausgelebt werden darf, wird es nur noch heißen: Rette sich wer kann. Geld vom Staat? Fehlanzeige!

 

Amerika, ohne USA

Kanada kann sich gegen den Virus nicht abschotten. Es wird, parallel zu den USA die einzelnen Phasen der Krise ebenfalls, leicht abgeschwächt, durchleben und letztlich vergleichbare Verluste zu verzeichnen haben.

Mexiko und der restliche Hinterhof, sowie die großen südamerikanischen Nationen werden punktuell getroffen. Überall da, wo sich große Dollarvermögen in privater Hand angesammelt haben, kann es zu Firmenzusammenbrüchen, Arbeitslosigkeit und höchst prekären Situationen kommen, allerdings werden kaum ganze Volkswirtschaften in den Abgrund driften. Es gibt sogar Hoffnung, dass die Experimente zur Eindämmung des Kapitalismus, die gerade in Mittelamerika laufen, sich für eine Weile ohne den Widerstand des großen Nachbarn entwickeln können.

 

Australien und Afrika

werden nicht nennenswert betroffen. Australien, weil es - von der Bevölkerung her - zu klein ist, Afrika, weil es zu arm ist.

 

Die Alternative

Es steht für dieses Mal keine Alternative mehr in Aussicht. Nur Varianten des Ablaufs sind denkbar - die jedoch insgesamt darauf hinaus laufen, dass die werthaltigen Vermögensgegenstände, die in den USA und in Europa im öffentlichen Besitz oder im privaten Streubesitz befindlich sind, gegen Papiergeldlawinen eingetauscht werden.

Das Kind ist im Brunnenschacht unterwegs und wird erst durch den Aufschlag auf die Wasseroberfläche gebremst werden.


Dabei handelt es sich bei großen, weltweiten Wirtschaftskrisen nicht um Naturgesetze, sondern um menschengemachte Ereignisse, die eintreten können, weil es die Mehrheit der Demokraten nicht schafft, sich gegen die Minderheit der Egoisten zu organisieren.

Es sind Ereignisse, die nur eintreten können, weil die Mehrheit der Wähler nicht weiß, wie das Spiel läuft - und schon gar nicht, dass sie ausersehen sind, die Zeche zu zahlen.

Diese Unwissenheit zu überwinden ist schwierig. Nur eine aufgeklärte Mehrheit der Demokraten könnte die notwendige Bildung einfordern und durchsetzen. Solange die Minderheit der Egoisten ihre "Wahrheit" auf allen Kanälen unwidersprochen verbreitet, wird sich kaum etwas ändern können.

Ein ganz besonderes positives Zeichen war daher in dieser Woche die Sendung des ZDF - "Das Kartell" in der Reihe frontal21. Die Abrechnung mit den vier Großen der deutschen Strombranche und deren Helfer in der Politik war ein absolut mutiges Signal. Wer die Sendung versäumt hat, kann sich im online Angebot des ZDF noch gut informieren: http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/15/0,1872,5589167,00.html

Nachtrag vom 19.08.2007:
Ein Besucher meiner Seiten hat mich darauf aufmerksam gemacht und angeregt, darauf hinzuweisen, dass die Sendung als Video online verfügbar ist . Hier die Links:

Teil 1
http://video.google.de/videoplay?docid=-7692673193795626793&q=ZDF+-+Frontal+21-Doku&total=5&start=0&num=10&so=0&type=search&plindex=0
Teil 2
http://video.google.de/videoplay?docid=4599167858724466898&q=ZDF+-+Frontal+21-Doku&total=5&start=0&num=10&so=0&type=search&plindex=1
Teil 3
http://video.google.de/videoplay?docid=4439947668210053040&q=ZDF+-+Frontal+21-Doku&total=5&start=0&num=10&so=0&type=search&plindex=2
Teil 4
http://video.google.de/videoplay?docid=-67668019887603011&q=ZDF+-+Frontal+21+-+Das+Kartell&total=6&start=0&num=10&so=0&type=search&plindex=3
Teil 5
http://video.google.de/videoplay?docid=-7555025289815563016&q=ZDF+-+Frontal+21-Doku&total=5&start=0&num=10&so=0&type=search&plindex=4


Dass ich selbst seit vielen Jahren - online, und in meinen Büchern - darauf hingewiesen habe, was die Ursachen für wirtschaftliche Schieflagen, Unrecht, Armut und Not sind, mit welchen Strategien und Methoden man - ohne auf den besseren Menschen warten zu müssen - ein besseres Wirtschafts- und Finanz- und Geldsystem installieren könnte, wissen die regelmäßigen Besucher meiner Homepage - und vielleicht ist der eine oder andere darunter, der nach dem Crash mit dafür sorgt, dass beim Wiederaufbau nach dem Zusammenbruch nicht wieder die gleichen - und vor allem insgesamt weniger Fehler gemacht werden.

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Es ist zwar nicht so, dass ich Aufsätze, Kommentare und Paukenschläge nur schreibe,
um Bücher zu verkaufen, aber so, dass ich Aufsätze, Kommentare und Paukenschläge
nur schreiben kann, weil ich Bücher verkaufe, so ist das schon.




 

a


* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre weist Wege in eine gerechtere Zukunft.

Brandneu: Band IV - Kritik und Überwindung des aggressiven Eigentums.
Hier
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