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  Paukenschlag
am Donnerstag

der wöchentliche Kurzkommentar (No. 25)


Egon W. Kreutzer - 21. Juni 2007
 











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Das Ende ist nahe!

Sir Isaac Newton, geistiger Vater des Gravitationsgesetzes, sagt in einem Brief aus dem Jahre 1704 das Ende der Welt für das Jahr 2060 n.Chr. vorher. Dass dieser Brief nun in einer Ausstellung gezeigt wird, brachte ihn in die Nachrichten - und damit den Titel dieses Paukenschlages hervor. So hängt auf dieser Welt letztlich alles mit allem zusammen.

Dass die Entwicklung tatsächlich einem Ende zusteuert, muss nicht an so subtilen Zeichen abgelesen, wie sie von den beliebten Gebrauchspropheten der frühen Neuzeit an die Wand gemalt wurden:

"Der feurige Tatzelwurm" fährt durch den Berg, wenn inzwischen auch längst nicht mehr feurig, sondern elektrisch.
"Die Birke, die aus dem Turm wächst", ist - aus Sicherheitsgründen - längst abgesägt und verbrannt, aber die Welt steht immer noch.

Die Welt wird auch noch stehen, wenn das hier vorhergesagte Ende gekommen sein wird.

Was sich dem Ende zuneigt, ist nicht der Bestand der Welt, sondern nur ein langfristiger Wirtschaftszyklus, der - weil die "Wirtschaft" als solche ja ohne die Entscheidungen und Handlungen der Menschen nur eine leere Hülse ist - ebenso als ein langfrister Zyklus des soziologischen Wertekreislaufs bezeichnet werden kann.

In knappsten Worten - und bewusst auch etwas naiv - auf den Punkt gebracht, durchläuft dieser soziologische Wertekreislauf die folgenden Phasen:

1. Notgemeinschaft

Ein solcher Zyklus beginnt in aller Regel damit, dass die Überlebenden einer wie auch immer gearteten Katastrophe (fast) ausnahmslos (fast) uneigennützig zusammenstehen, um den gröbsten Schaden zu beheben. Höchste Achtung verdient, wer sich ebenso selbstlos wie pausenlos daran aufarbeitet, die Not seiner Mitmenschen zu lindern. Höchste Verachtung wird dem "Schieber" zuteil, der (woher auch immer) über Mittel und Wege verfügt, den notwendigsten Bedarf zu decken, diese aber nur dem zur Verfügung stellt, der bereit und in der Lage ist, dafür so hohe Preise zu bezahlen, wie sie sich auf dem Markt aus dem Verhältnis zwischen der riesigen, hungrigen Nachfrage und dem knappen, ja sogar künstlich knapp gehaltenen Angebot ergeben.

2. Dankbarkeitsgesellschaft

Ist der gröbste Schaden behoben, entwickeln sich die Individuen wieder auseinander, die Erinnerung an die gemeinsame Leistung, an die gegenseitige Hilfe ist jedoch noch stark verankert. Es entwickelt sich ein sozialer Gedanke, mit dem die als angenehm und wohltuend empfundene Gemeinschaft der Katastrophenbewältigung konserviert werden soll. Allerdings ist diesem sozialen Impuls die Unmittelbarkeit verloren gegangen. Die im konkreten Bedarfsfall zu erbringende Leistung wird auf spezialisierte Institutionen übertragen, die wiederum aus anonymen Beiträgen aller Mitglieder der Gesellschaft finanziert werden.

3. Individualismus

Die in der Dankbarkeitsphase noch eng zusammenstehende Gesellschaft differenziert sich weiter aus, der Wohlstand verteilt sich weniger gleichmäßig, es folgt die Phase des zunehmenden individuellen Egoismus. Die zur sozialen und gerechten Umverteilung geschaffenen Institutionen beginnen ein kostspieliges Eigenleben, Parlamentarier und Regierungsmitglieder werden empfänglich für Wohltaten, Sozialkassen werden zum Selbstbedienungsladen für gewitzte Mitbürger, die Steuerhinterziehung gerät zum Kavaliersdelikt, materielle Statussymbole werden wichtiger, als ideelle Wertschätzung, Klassenschranken werden aufgerichtet.

4. Monopolismus

Die Individualisierung hat die rapide Anhäufung von Kapital bei relativ wenigen Individuen begünstigt und - nach den Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus - einen immer schnelleren Konzentrationsprozess der wirtschaftlichen Stärke hervorgerufen, der unweigerlich auch eine ganz erhebliche Fähigkeit hervorbringt, direkten Einfluss auf die Politik zu nehmen. In der Konsequenz wird die Gesellschaft so umgebaut, dass die höchste Achtung dem zuteil wird, der seine Angebotsmacht nutzt, um Jahr für Jahr immer noch gigantischere Gewinne zu erzielen, während Menschen, die immer noch nicht aufgehört haben, anderen selbstlos zu helfen, nur noch verächtlich bespöttelt werden. Ein Schicksal, das auch diejenigen zu tragen haben, die - weil die Preise und Orden nun einmal gestiftet sind und daher auch vergeben werden müssen - von offiziellen Ehrungen getroffen werden.

5. Katastrophe

Immer deutlicher zum Vorschein kommende Missverhältnisse zwischen den Gewinnern des Monopolismus, deren Verhalten dem der "Schieber" aus den Zeiten der Notgemeinschaft zum Verwechseln ähnlich ist, und den Verlierern, die trotz aller Anstrengungen, im Beruf - oder im Bemühen, einen Stelle zu finden - feststellen müssen, dass ihr Wohlstand nicht nur nicht mehr wächst, sondern, dass ihnen alles, was sie sicher zu besitzen glaubten, immer schneller zwischen den Fingern zerrinnt, führen zu extremen Verwerfungen in der ehemaligen Wertegemeinschaft.
Zunehmende Kriminalität und ganz offensichtliche Bestrebungen, die herrschende wirtschaftliche und politische Ordnung zu verändern, in welcher völlig zu Recht die Ursache der gesellschaftlichen Verwerfungen gesehen wird, bewegen die politisch Verantwortlichen dazu, die Staatsmacht aufzurüsten und sowohl die Kriminalität, wie auch die politischen Gegner niederzuhalten.

Eine Gesellschaft, die diesen Zustand erreicht hat, ist bereits zerfallen.

Es bedarf nur noch einen geringen Anstoßes, ob von innen oder von außen, und die Strukturen des Zusammenlebens lösen sich auf, es sei denn, sie werden mit staatlicher Gewalt noch so lange zusammengehalten, bis letztlich alle Bürger zu Polizisten und Agenten geworden sind und einen Großteil ihres Leistungsvermögens in gegenseitiger Überwachung verschwenden.

Die Katastrophe mündet - ob mit oder ohne Krieg - in einem Zustand (fast) vollständiger und (fast) allgemeiner Not.

 

Soviel,
um den Rahmen abzustecken, in dem sich die nun folgenden Gedanken bewegen sollen.


 

Politisch bietet die Republik einen jämmerlichen Anblick.

Das Ende scheint nahe.


Europapolitik

Die Regierung und die sie tragenden Parteien sind wie die Lemminge unaufhaltsam auf dem Weg, Deutschland in ein verfassungsartig konstituiertes Europa zu stürzen, dessen Grundkonstruktion durch und durch so gestaltet ist, dass die Phase des Monopolismus, in der wir uns ja längst befinden, schnellstmöglich ihre volle Blüte entfalten kann. Wer dem freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Kapital Verfassungsrang einräumt,

der setzt, bewusst oder ohne darüber nachgedacht zu haben, den gesellschaftlichen Frieden aufs Spiel.

Die EU - und man muss, trotz der völlig falschen Zielrichtung und trotz der völlig falschen Argumente - beinahe froh sein, dass sich wenigstens die Polen noch gegen den Verfassungsvertrag wehren, ist etwas ganz anderes, als das vereinte Europa, von dem in den sechziger Jahren geschwärmt wurde. Die EU, so wie sie im Verfassungsvertrag konzipiert ist, ähnelt mehr der alten amerikanischen Südstaatenherrlichkeit, als dem, was wir in Deutschland als unsere Form der Demokratie entwickelt - und leider auch schon wieder ein gutes Stück weit - durch vermeintlich notwendige Änderungen am Grundgesetz - abgeschliffen haben.

 

Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftspolitik der großen Koalition besteht aus drei tragenden Säulen:


Was das Reden vom Aufschwung angeht,

so kann überhaupt nicht bezweifelt werden, dass Deutschland immer noch und weiterhin Exportweltmeister ist. Aber das sind wir schon immer und Wachstumsraten im Export hatten wir auch schon immer.

Was das Reden vom Aufschwung angeht, so kann ebenfalls überhaupt nicht bezweifelt werden, dass, seit Frau Merkel das Amt des Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland innehat, immer weniger Arbeitslose gezählt werden - im Mai 2007 nur noch 3,8 Millionen - und dass die Bundesanstalt für Arbeit immer weniger Geld für Arbeitslose ausgibt.

Seltsamerweise haben aber im Mai 2007 insgesamt 6,458 Millionen Menschen Arbeitslosengeld bezogen.

Da erhalten also 2,65 Millionen Menschen Arbeitslosengeld, die beim Zählen nach den neuen Regeln des statistischen Aufschwungs einfach übersprungen worden sind. Und damit niemand glaubt, diese 6,458 Millionen wären schon das Ende der Fahnenstange: Weitere 2 Millionen erhielten im Mai 2007 Sozialgeld, das sind diejenigen, die weder als arbeitslos, noch als erbwerbfähig gezählt werden, aber trotzdem Geld brauchen, das sie sich nicht selbst verdienen können.

Trotzdem hat man im Mai einen Grund zum Feiern gefunden, denn die Zahl der gezählten Arbeitslosen ist von April auf Mai absolut um 161.000 gesunken. Saisonbereinigt ist die Mai-Zahl gegenüber der April-Zahl allerdings unverändert geblieben. Aber wenn man zwei Zahlen hat, kann man ja immer die feiern, die gerade besser ins Konzept passt.

Der gleiche Aufschwung zeigt sich bei den Verkaufszahlen der Automobilindustrie:

Der Inlandsabsatz ist massiv eingebrochen, und zwar um deutlich mehr als das, was als Ergebnis der sog. Voodoo-Ökonomie (wegen der MwSt.-Erhöhung) ins Jahr 2006 vorgezogen wurde.

Der gleiche Aufschwung zeigt sich auch bei den Beschäftigtenzahlen im Handwerk:

Das Handwerk wird in 2007 30.000 neue Stellen schaffen, heißt es seit ein paar Tagen. Nicht erwähnt wird, dass das Handwerk, das Ende 2005 noch 5 Millionen Beschäftigte hatte, und Ende 2006 noch 4,930 Millionen, nun bei 4,8 Millionen angekommen ist - unter dem Strich dürfte sich also für 2007 erneut ein Verlust von rund 100.000 Stellen im Handwerk ergeben.

 

Was die Lohnzurückhaltung betrifft, ist die Regierung erfolgreicher.

Nur ein Teil der verbliebenen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit tariflicher Bezahlung kann in diesem Jahr mit Erhöhungen der Tariflöhne rechnen, die näherungsweise einen Inflationsausgleich darstellen oder sogar geringfügig darüber hinaus gehen. Viele andere - es sei beispielhaft nur an die 50.000 Telekom-Service-Mitarbeiter erinnert - müssen sich immer noch massive Kürzungen der Löhne und der Arbeitgeberanteile zu den sozialen Sicherungssystemen gefallen lassen.

Das ist aber auch kein Kunststück: Bei 6,5 Millionen Arbeitslosengeldempfängern findet sich immer einer, der gar nicht anders kann, als die von der Agentur vermittelte Arbeitsgelegenheit anzunehmen.

Wie wollen sich die Beschäftigten dagegen wehren?

 

Was die Unterstützung der Wirtschaft angeht, ist die Regierung ganz besonders erfolgreich:

Wieder einmal steht die Senkung der Unternehmenssteuern auf dem Spielplan, ebenso der Erlass der Erbschaftssteuer für Unternehmer. Dazu gibt es reichlich Subventionen auf allen Ebenen, von der EU bis zur letzten Kommune, für in- und ausländische Investoren. Was die Industrie versiebt, wird vom Staat gerettet oder toleriert - angefangen von der unendlichen Geschichte um die Lkw-Maut, bis zum jüngsten Debakel mit dem europäischen Satellitennavigationssystem, das nun, nachdem die Wirtschaft nicht will, aus dem Staatssäckel bezahlt werden muss. Selbst dass immer wieder auch die Vernichtung von Arbeitsplätzen bei Unternehmensumzügen innerhalb Deutschlands großzügig subventioniert wird, spielt in dieser Erfolgsbilanz keine Rolle.

Darüberhinaus kommen Bund und Länder allen möglichen Investoren durch den Verkauf des Volksvermögens entgegen. Für ein paar Äpfel und Eier geht die komplette Infrastruktur der Republik in private Hände - und wird dort zur Gewinnquelle, weil Leistungen verschlechtert, Preise erhöht und sowohl die Beschäftigten, wie auch ihre Löhne reduziert werden

Aber die Unterstützung der Wirtschaft geht noch weiter.

Mit dem Wegfall der Strompreiskontrolle (das hat ja nicht der liebe Gott beschlossen) unterstützt die Regierung das Energie-Oligopol und ermöglicht nun die Preiserhöhungen, die im letzten Jahr noch publikumswirksam von dem einen oder anderen Ministerpräsidenten verweigert worden waren.

Nun aber ist es geschafft, die Regierung hat, wie bei den Preisorgien an den Zapfsäulen, endlich überhaupt keine Möglichkeit mehr, die Preisgestaltung der Energieversorger zu beeinflussen - und dass dazu die Illusion erzeugt wird, es gäbe auf dem Strommarkt in Deutschland einen Wettbewerb, und wer zu viel bezahlt, sei selber schuld, ist die schönste Unterstützung, die sich die Wirtschaft von der Regierung wünschen kann.

Wir alle wissen, dass der ganz überwiegende Teil des Stroms, der in Deutschland verbraucht wird, von insgesamt vier Unternehmen stammt, die den Markt in ihren Regionen bedienen.

Wenn es nun "Wettbewerb" ist, dass "Zwischenhändler" eingeschaltet werden, die ihren Strom bei eben diesen vier Großen einkaufen (müssen), und sich die Netze eben dieser vier Großen anmieten (müssen), um deren Strom durch deren Netze zu Zählern zu leiten, deren Abrechnung anschließend vom "Zwischenhändler" erledigt wird, so ist es wohl auch Wettbewerb, wenn der einzige Gemüsehändler auf dem Marktplatz nicht mehr ausschließlich selbst verkauft, sondern sich eine zusätzliche Hilfskraft einstellt...

 

Arbeits- und Sozialpolitik

Im Grunde findet Arbeits- und Sozialpolitik nicht mehr statt.
Alles, was dieses Etikett trägt, könnte ebenso gut auch Wirtschaftspolitik heißen, es scheint aber so, dass Frau Merkel Herrn Müntefering bei der Unterstützung der Wirtschaft auf diesem Gebiet doch mehr zutraut, als dem eigentlichen Wirtschaftsminister.

Herausgekommen sind die Hartz-Gesetze, die Rente mit 67 - und nun der Kompromiss um Mindestpflege und Lohnreform. Oder war es Mindestreform und Pflegelohn, oder doch Pflegereform und Entsendegesetz?

Einen Mindestlohn darf es nicht geben. Der passt weder zum Gerede vom Aufschwung, noch zu der Forderung nach Lohnzurückhaltung und ist schon gar keine Unterstützung für die Wirtschaft, aber der Beitragssatz zur Pflegeversicherung soll erhöht werden, was die Gewinne der Betreiber des Pflegegeschäfts sichert - und der Beitragssatz zur Arbeitslosenversicherung soll gesenkt werden, was erneut belegt, dass immer noch für richtig gehalten wird, was nur selten einmal laut gesagt wird, dass nämlich, wer nicht arbeitet, auch nicht essen soll.

Insgesamt handelt es sich dabei aber auch um eine Unterstützung der Wirtschaft, der wieder einmal kräftig die Lohnnebenkosten gesenkt werden. Vom 1. Januar 2008 an sinkt der Beitrag für die Arbeitslosenversicherung um 0,3 Prozent, ein halbes Jahr später steigt der Beitrag zur Pflegeversicherung um 0,25 Prozent.

Das klingt nach nichts, es handelt sich aber, bezogen auf das Gesamtjahr 2008, um eine
Entlastung der Arbeitgeber um rund 2 Milliarden Euro, die da - so ganz nebenbei - "zum Wohle der Pflegebedürftigen" beschlossen wurde.

 

Fassen wir zusammen:

Politisch ist die Republik dabei, sich durch die Unterwerfung unter die EU-Verfassung in ihrer Struktur aufzulösen, begleitet von einem zumindest beschönigenden Aufschwunggerede wird weiterhin darauf hingewirkt, das Lohnniveau im Lande niedrig zu halten, während die Wirtschaft, einschließlich der Global Player jede erdenkliche Unterstützung erhält.

 

Gesamtgesellschaftlich bietet die Republik ein jämmerliches Bild.

Das Ende scheint nahe.

Während einerseits die Vermögen der Milliönäre und Millardäre steil anwachsen, sich auch die Vorstände von Aktiengesellschaften und die Geschäftsführer großer GmbHs fürstliche Gehälter genehmigen, ist das Gehalts- und Einkommensgefüge bis weit in den außertariflichen Bereich hinein ganz erheblich ins Rutschen gekommen.

Ermöglicht wurde das durch die massiven Verschlechterungen der wirtschaftlichen Situation der Menschen, die als Arbeitslose und Sozialhilfe-Empfänger aktiviert werden sollten, den Arbeitsplatzbesitzern Konkurrenz zu machen.

Angekommen ist der so ausgelöste Prozess inzwischen auf dem Immobilienmarkt, wo in großen Mengen Eigenheime und Baugrundstücke zwangsversteigert, Äcker, Wiesen und Wälder verkauft werden, weil die Einkommen nicht mehr ausreichen, um zu leben und zugleich die Restschulden zu tilgen.

Auch wer für sein Alter eine Eigentumswohnung gekauft und vermietet hat, steht vor dem Problem, dass es zunehmend schwieriger wird, noch die Mieter zu finden, die in der Lage sind, die notwendigerweise zu fordernde Miete zu zahlen. Auch das führt zu Notverkäufen und Zwangsversteigerungen. Am Ende steht immer öfter die Privatinsolvenz.

Aus der wachsenden Armut der Massen erwachsen den Begüterten - und den politisch Verantwortlichen - immer größere Sorgen und Ängste um die Sicherheit des Angehäuften.

Ein Klima des Misstrauens lässt allüberall die Überwachungskameras aus dem Boden schießen, die Forderung nach dem "durchsichtigen Untertan" wird laut wie nie geäußert und machtvoll wie nie umgesetzt. Polizei und Bundespolizei werden im Auftreten zunehmend martialischer und selbst die Bundeswehr sieht kaum noch Anlass, nur wegen eines sowieso bald völlig obsoleten Grundgesetzes, von Einsätzen im Inneren Abstand zu nehmen.

Die "Parlamentsarmee" des Herrn Jung war in Heiligendamm sogar mit Kampfflugzeugen im Einsatz. Nur aufklärend - und amtshelfend, wie beteuert wird, aber doch in einem so hohen Grade von dem abweichend, was das Grundgesetz eigentlich vorsieht, dass man solche Einsätze noch vor 10 Jahren als vollkommen undenkbar, absurd und verfassungsfeindlich eingestuft hätte.

Die Zahl derjenigen, die sich von den gemäßigten Volksparteien und ihren potentiellen Koalitionspartnern nicht mehr oder nur schlecht vertreten fühlen, wächst, und mit der Zahl der Nichtwähler steigt zugleich die Zahl derjenigen, die ihre politische Heimat an den äußeren Rändern des Spektrums suchen.

Man hat den Eindruck, die Regierung und die sie beeinflussenden Ratgeber und Lobbyisten legen es darauf an, herauszufinden, wie weit sich die Zustände noch in Richtung Feudalismus verschieben lassen, bevor ernsthafter Widerstand aufsteht - und man hat den Eindruck, dass sich Regierung und Ratgeber und Lobbyisten sicher sind, jeden denkbaren Widerstand mit den ihnen verfügbaren Mitteln niederhalten, oder niederschlagen zu können - gerade so, als hätte es den 17. Juni 1953 nicht gegeben.

Nur zur Erinnerung:

Auslöser für den Aufstand, der letztlich von der Volkspolizei und der Sowjet-Armee niedergeschlagen wurde, war die Erhöhung der Arbeitsnormen um 10 Prozent. Also genau das, was in den letzten Jahren in Deutschland fast jeden Arbeitnehmer, ob im Öffentlichen Dienst, oder in der Privatwirtschaft getroffen hat: 40 Stunden, statt 35, 42 statt 38, 41 statt 37,5. Ohne Lohnausgleich - oder wir machen dicht und ihr steht ganz auf der Straße!

Die Medien, als alleinige Träger öffentlicher Debatten, üben sich in größtmöglicher Ignoranz. Da werden Superstars und Beste gesucht, endlos Fußball- und andere Spiele übertragen, selbst der Brutalo-Sport Boxen ist wieder salonfähig gemacht worden. Für zarter besaitete Gemüter dürfen vorgebliche Volksmusikanten ganze Abende verdudeln, und gleichzeitig spricht Johannes B. Kerner mit irgendjemandem, wenn er nicht gerade kocht, oder sportreportiert.

Die politische Auseinandersetzung findet pro Sender einmal in der Woche nach der Primetime statt. Christiansen und Illner, um die beiden prominentesten Polit-Talker zu nennen, moderieren eine Runde, in der etwa 70 Prozent der Teilnehmer die unterschiedlichen Facetten der amtlich erwünschte Meinung vertreten, während 20 Prozent nur eingeladen werden, um jemanden zu haben, der in der Lage ist, im rechten Augenblick recht weit vom Thema abzulenken. Nur 10 Prozent der Gäste dürfen - so sie denn zu Wort kommen - eine kritische Meinung so weit vertreten, wie es die Moderatorin zulässt.

Immer mehr Menschen wenden sich enttäuscht auch von diesen letzten politischen Sendungen ab, die es neben den Kabarett-Sendungen noch gibt.

Was bleibt ist Politk-, Parteien-, Medienverdrossenheit und ein stetiger Rückgang der Wahlbeteiligung.

Die Auffassung, ja doch nichts ändern zu können, sitzt so tief und ist so weit verbreitet, dass sich kaum noch jemand finden lässt, der wenigstens noch grundsätzlich hofft, im Rahmen der bestehenden politischen Strukturen gäbe es Chancen, für eine Veränderung zum Besseren.

Doch während den Menschen die Politik vergällt, der Glaube an die eigene Kraft und der Glaube an den guten Willen der Parteien und ihrer Galionsfiguren genommen wird, läuft der Prozess, der sich Globalisierung nennt und Ausbeutung ist, ungehindert weiter, trifft immer weiter den Einzelnen, der sich nicht wehren kann, und, selbst wenn er es wollte, nicht wüsste wie.

 

Wirtschaftlich bietet die Republik ein jämmerliches Bild.

Das Ende scheint nahe.

Wir sind nicht in der Lage, Krippen- und Kindergartenplätze in ausreichender Zahl zur Verfügung zu stellen, weil kein Geld dafür da ist.

Wir sind nicht in der Lage, Grund- und Hauptschulen, Gymnasien und Universitäten ausreichend mit Material und Lehrkräften auszustatten, weil kein Geld dafür da ist.

Wir sind nicht in der Lage, im erforderlichen Umfang Straßen neu zu bauen und zu unterhalten, wir sind nicht in der Lage, die marode Kanalisation in den Städten zu sanieren, wir sind nicht in der Lage, bestehend Freibäder zu betreiben, wir sind nicht in der Lage, vorhandene Museen, Theater, Jugendtreffs usw. zu betreiben und zu unterhalten, weil das Geld dafür fehlt.

Wir müssen Zigtausende von Sozialwohnungen an Finanzinvestoren verkaufen, weil den öffentlichen Haushalten sonst das Geld ausgeht, wir haben die Telekom verkauft, die Post, die Bahn, wir haben die Energieversorgungsunternehmen privatisiert und sind dabei, Wasserversorgung und öffentlichen Nahverkehr ebenso zu verkaufen, wie Krankenhäuser und Pflegeheime, weil uns das Geld fehlt...

Wenn man aber die Regierung fragt, warum sie eine Politik verfolgt, die dazu führt, dass es überall an Geld fehlt, dann lautet die Antwort sinngemäß:

Damit es uns besser geht.

 

Und das ist so zu verstehen:

Wenn 50.000 Telekom Mitarbeiter für weniger Geld mehr arbeiten, dann wird nicht nur der Service besser, die Telekom kann auch die Gebühren senken und Marktanteile von der Konkurrenz zurückerobern.

Dann können wir alle billiger telefonieren.

Das gilt aber nicht nur für das Telefon, es gilt für alle und jeden. Wenn die Metzger auf Lohn verzichten, werden Fleisch und Wurst billiger, wenn die Tischler auf Lohn verzichten, werden die Möbel billiger, wenn die Maurer auf Lohn verzichten, werden die Häuser billiger, und wenn die Arbeiter in den Automobilfabriken auf Lohn verzichten, werden die Autos billiger (und der Strom, und die Müllabfuhr und der Zahnarzt ...)

Wenn also theoretisch alle auf 10 Prozent des Lohnes verzichten, dann könnte theoretisch alles um 5 Prozent billiger werden - denn in den Preisen stecken neben den Löhnen, die den Arbeitnehmern zufließen, auch die Kapitalkosten, die natürlich nicht mal eben so um 10 Prozent gesenkt werden können.

Um das, was passiert zu veranschaulichen, ist es anschaulicher, mit runden Zahlen zu rechnen:

Wenn bei einem Bruttosozialprodukt von 2 Billionen und einer Lohnsumme von 1 Billion die Löhne um 10 Prozent sinken, dann bleiben noch 900 Milliarden für die abhängig Beschäftigten und ihren Anhang (Kinder, Rentner, Arbeitslose, Kranke) übrig.

Das, was sich die von der Lohnsumme lebenden Menschen vorher für ihre Billion kaufen konnten, kostet jetzt nur noch 950 Milliarden - die Preise sind ja um 5 Prozent gesunken, der Verzicht ist also nur halb so schlimm, wie es anfangs aussieht - und, außerdem, bleiben Produkte für 50 Milliarden übrig, die man exportieren kann (das ist der Aufschwung, der Export brummt).

Gelingt das, haben die Investoren, denen die Gewinne der Unternehmen letztlich zufließen, trotz der Preissenkung um 50 Milliarden nicht 50 Milliarden weniger, sondern 50 Milliarden mehr in der Tasche als vorher (das ist der Aufschwung, die Unternehmensgewinne sprudeln).

Wunderbarerweise ist es aber so eingerichtet, dass Unternehmensgewinne, Spekulationsgewinne und Zinseinnahmen deutlich niedriger besteuert werden, als die Löhne über die Lohnsteuer und den Konsum, so dass die 50 Milliarden weniger bei den Lohnempfängern ein Loch von 35 Milliarden in die Staatskasse reißen (15 SozVers. AG+AN, 12,5 Lohnsteuer, 7,5 MwSt), während der zusätzliche Gewinn von 50 Milliarden auf der Kapitalseite mit allenfalls 15 Milliarden Unternehmens- und Kapitalertragssteuern zu Buche schlägt.

So führt Lohnverzicht zu Kaufkraftverlust und zu Ebbe in der Staatskasse.


Ebbe in der Staatskasse führt zu Personalabbau im Öffentlichen Dienst, zu weniger öffentlichen Aufträgen, damit zu Lohnverzicht und Personalabbau in den Unternehmen, die für die Öffentliche Hand im Binnenmarkt tätig sind.

Letztlich führt das alles wieder zu Kaufkraftverlust und Ebbe in der Staatskasse - und schon sind wir der besseren Zukunft wieder einen Schritt näher.

 

Hochintelligente Menschen behaupten, man müsse diesen Weg der freiwilligen Verarmung nur lange genug gehen, dann käme irgendwann ganz bestimmt auch der richtige Aufschwung.

Diese Behauptung ist unwiderlegbar.
Allerdings darf niemand behaupten, der Weg der freiwilligen Verarmung sei der schnellste und bequemste.

Schließlich gilt auch:

Wer lange genug immer Richtung Ost-Nord-Ost geht, kommt garantiert eines Tages am Nordpol an, selbst wenn er in Kapstadt startet.

Nur ist hier der Irrsinn der Wegweisung sehr viel offensichtlicher.

 

Das Ende ist nahe.
Die Katastrophe ist schon losgetreten.

Danach geht das Spiel von vorne los - und irgendwann wird es Deutschland in jeder Hinsicht wieder so gut gehen, wie zuletzt in den siebziger Jahren, am Übergang von der Dankbarkeitsphase zum Individualismus. Die Jüngeren unter uns haben eine Chance, es noch zu erleben - kurz vor 2060, wenn, wie Newton glaubte, die Welt untergeht.


...erschöpft vom vielen Lesen?

Dann sollten Sie auf keinen Fall auf die Idee kommen, jetzt Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band IV zu bestellen. Da kann man nämlich auch nicht aufhören, wenn man erst einmal angefangen hat.

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Es ist zwar nicht so, dass ich Aufsätze, Kommentare und Paukenschläge nur schreibe,
um Bücher zu verkaufen, aber so, dass ich Aufsätze, Kommentare und Paukenschläge
nur schreiben kann, weil ich Bücher verkaufe, so ist das schon.




 

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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre weist Wege in eine gerechtere Zukunft.

Brandneu: Band IV - Kritik und Überwindung des aggressiven Eigentums.
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