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  Paukenschlag
am Donnerstag

der wöchentliche Kurzkommentar (No. 23)


Egon W. Kreutzer - 07. Juni 2007
 










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Hurra! Wir sind wieder Wersind wir eigentlich wieder?

 

Die gewaltbereiten Deutschen?

 

Entschuldigung!

Aber dass ich mich heute im wahrsten Sinne des Wortes mit Wortklaubereien befasse, hat seine Ursache darin, dass das Recht auf freie Meinungsäußerung noch soweit intakt ist, dass man sich in Deutschland über die Bedeutung von Worten ungestraft Gedanken machen, ja sogar eine Meinung dazu haben kann, solange man nicht eine Tatsachenbehauptung aufstellt.

Der Unterschied ist gottseidank einfach zu begreifen. Wer behaupten würde, das Wörtchen "christlich" sei gleichbedeutend mit "friedfertig, gnädig, liebevoll und gerecht", könnte mit dieser "Tatsachenbehauptung" in Schwierigkeiten geraten, weil es eben durchaus auch andere Auffassungen über die Bedeutung dieses Wörtchens gibt, wodurch möglicherweise die Persönlichkeitsrechte derjenigen, die "christlich" als Synonym für "Innere Sicherheit, Online-Durchsuchung und niedrige Eingreifschwelle" verwenden, beeinträchtigt werden könnten, was diese wiederum berechtigen würde, Strafantrag wegen Beleidigung, übler Nachrede und Rufmord zu stellen. Wer hingegen nur fragt, welche Bedeutung das Wörtchen "christlich" denn haben könnte, wer aus der Beobachtung von Worten und Taten zu der Meinung gelangt, "christlich" könne zwar im Grunde durchaus einmal mit "friedfertig, gnädig, liebevoll und gerecht" korrekt übersetzt worden sein, aber dann darüber hinaus zu der erweiterten Meinung gelangt, "christlich" sei eben im Laufe der geschichtliche Entwicklung durch die Ausdeutungen der Kirchenväter, durch Kreuzzüge, durch die Segnung von Waffen, durch die Nähe zu Tyrannen und Diktatoren, durch das immer wieder geübte, vorsorgliche "Wegsehen" zu einem Wörtchen geworden, dessen Bedeutung - durch vielfältige Facetten bereichert - durchaus auch die Begrifflichkeiten der "Inneren Sicherheit", der "Online-Durchsuchung", des "Bundeswehreinsatzes im Inneren" der "Reform-Gesetze" und einer "niedrigen Eingreifschwelle" umfassen könne, der hat es schon fast geschafft, die Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung auszuschöpfen, ohne dafür belangt werden zu können, vorausgesetzt, er kann es sich verkneifen, in diesem Zusammenhang irgendjemanden zu benennen, und zu behaupten, dass dieser oder jener eine solche oder solche Auffassung über die Bedeutung von "christlich" habe.
Noch besser und sicherer ist es allerdings, sich vor, nach und während solcher Überlegungen immer wieder vorsorglich davon zu distanzieren. So darf natürlich auch alles, was vorstehend über die Bedeutung von "christlich" ausgeführt wurde, selbstverständlich nur als einführendes Beispiel für die nachstehenden Überlegungen verstanden werden. Und sollte ein Leser, Mitleser oder Zensor zufällig glauben, eine Ähnlichkeit mit den Meinungen, Auffassungen, Tatsachenbehauptungen und Parteiprogrammen lebender und verstorbener Personen sowie aktiver wie auch untergegangener Parteien entdecken zu können, so sei ihm versichert, dass dies reiner Zufall und keinesfalls beabsichtigt war, sondern, schon aus Gründen des Selbstschutzes,
eigentlich strikt vermieden werden sollte. Soviel zur Einführung.

Gewaltbereit, Gewaltbereite, Gewaltbereitschaft

Im heutigen Paukenschlag geht es, wie bereits erwähnt, nicht um die Bedeutung des hochbrisanten Wörtchens "christlich", sondern, weit weniger gefahrenbehaftet, um die Bedeutung des Wörtchens "gewaltbereit" und die Bedeutung der von ihm abgeleiteten Begrifflichkeiten "Gewaltbereite" und "Gewaltbereitschaft". Wollte man die Untersuchung von der wortwörtlichen, aus der Sprachentwicklungsforschung hergeleiteten Bedeutung her aufziehen, dann wäre "gewaltbereit" eine Eigenschaft, die nicht nur die Fähigkeit zum Handeln (die Gewalt selbst), sondern auch die Fähigkeit zum jederzeitigen Handeln (die Bereitschaft) umfasst. Das bleibt in sich harmlos, weil die Auskunft sich nur auf eine (noch) nicht auf ein Ziel gerichtete Fähigkeit und schon gar nicht auf einen damit verbundenen Willensakt bezieht. Nimmt man diese beiden Aspekte - Ziel und Wille - hinzu, dann könnte Gewaltbereitschaft im Grunde immer noch ganz allgemein als Eigenschaft von Einzelpersonen oder Gruppen, als Inhalt von Ideologien und programmatischen Verkündigungen, als allgemeiner Trend oder als Erscheinung des Zeitgeistes verstanden werden, die dazu führt, dass "egoistische" Ziele schon bei Auftreten geringer Widerstände, mit Mitteln der Gewalt durchgesetzt werden, bzw. dass durch das reine "Zeigen" der verfügbaren Gewaltpotentiale der Widerstand gebrochen wird.
Diese Ausdeutung der Begrifflichkeit hätte natürlich, so meine ich, höchst fatale Folgen. RegierungschefInnen, InnenministerInnen und PolizeipräsidentInnen in aller Welt müssten danach mit Fug und Recht als "gewaltbereit" oder als "Gewaltbereite" bezeichnet werden - und das geht ja wohl nicht an, wo kämen wir da denn hin, das wäre ja die reine Hysterie.

RegierungschefInnen, InnenministerInnen und PolizeipräsidentInnen können höchstwahrscheinlich gar nicht gewaltbereit sein, sondern allenfalls verantwortungsbewusst.

Auch die von ihnen befehligten Soldaten und Polizeikräfte sind, so meine ich, im Grunde überhaupt nicht gewaltbereit, sondern immer nur tapfer, entschlossen, mutig, heldenhaft, opferbereit und einsatzwillig, falls es unter Umständen einmal darum gehen können sollte, die Ziele ihrer Dienstherren vielleicht schon beim Auftreten allergeringster Widerstände mit Mitteln der Gewalt durchzusetzen oder durch das "Zeigen" der Gewaltpotentiale den Widerstand zu brechen.
Wenn also da, wo Gewalt und Macht zu nichts anderem als Verantwortung verschmelzen, von Gewaltbereitschaft keine Rede sein kann, dann könnte es ja durchaus so sein, dass Gewaltbereitschaft eine ganz andere Eigenschaft ist, die darin besteht, dass es dem Gewaltbereiten unmöglich ist, die Gewaltpotentiale seiner Gegner richtig einzuschätzen. Dann, und das scheint ja zuzutreffen, wären diejenigen als gewaltbereit zu bezeichnen, die in totaler Selbstüberschätzung glauben, ihr kleines, eigenes Gewältchen könnte die versammelte Gewalt der Gewaltigen in irgendeiner Weise beeindrucken.

Wenn Gewaltbereitschaft aber so verstanden werden soll, und sie wird meiner Meinung nach inzwischen auch allgemein so verstanden, dann könnte sie doch eigentlich auch ganz bequem in den Formenkreis der Geisteskrankheiten eingereiht werden, was es ermöglichen könnte, so meine ich, die Gewaltbereiten mit den Mitteln der Psychiatrie ruhig zu stellen.
Ist es denn nicht so, dass nur ein Irrer auf die Idee kommen kann, er hätte auch nur die geringste Chance, seine Ziele durchzusetzen, wenn er Flaschen (!) und Steine (!) auf ein Heer bestausgebildeter und mit weit mehr als nur Schild und Helm aus- und hochgerüsteter Polizisten wirft, und dabei gar nicht bemerkt, dass daneben ein nicht minder starkes Heer von Geheim- und Zivilpolizisten, von in- und ausländischen Spionen nur darauf wartet, seiner Gewaltbereitschaft mit ihrer Einsatzfreude zu begegnen, und ihm ebenfalls entgeht, dass, in Reichweite ihrer Waffensysteme, sogar Land-, Luft- und Seestreitkräfte angetreten sind, auch nur das kleinste Anzeichen von Gewaltbereitschaft bei niedriger Eingreifschwelle unter Kontrolle zu bringen.

Die in den Medien, wie mir scheint, neuerdings unterschwellig verbreitete Auffassung, bei den "Gewaltbereiten" Demonstranten handele es sich um die gleichen Typen, die auch zu Fußballspielen anreisen, um ihre Gewaltphantasien auszuleben, hat insofern durchaus etwas für sich - wäre da nicht das kleine Problem, dass die Hooligan-Dateien fast jeden Fan erfassen, der auch nur einmal etwas grimmiger dreinschaute, als es die Polizie erlaubt, dass die "gewaltbereiten Autonomen" aber bis heute keiner kennt. Gut, ich kann nicht jeden kennen. Aber wer kritisch schreibt, der erlebt, dass alle möglichen Gruppen und Gruppierungen schnell Interesse zeigen, ihn zu vereinnahmen. Das ganze Spektrum, von ganz links bis ganz rechts ist bei mir schon vorstellig geworden, sogar Leute, die überhaupt nicht in dieses Links-rechts-Schema passen. Christen, zum Beispiel, oder überzeugte Anarchisten - aber nie war ein gewaltbereiter Autonomer dabei.
Durch meine Brille gesehen, gibt es die also gar nicht, was natürlich kaum möglich ist, weil ich selbst in meinem eigenen Fernseher schon gesehen habe, dass es bei den Demonstrationen nicht nur die guten Männer in den grünen Anzügen mit den weißen Helmen gibt, sondern auch die Bösen, die, damit man sie besser unterscheiden kann, von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet sind, obwohl sie dadurch einem beliebigen SEK oder gar der GSG 9 schon wieder zum Verwechseln ähnlich sehen. Zum Trost hat mir mein Fernseher allerdings bisher auch immer gezeigt, dass die Grünen am Ende stets ganz locker gewinnen. Aber nicht nur ich habe keine Erkenntnisse darüber, wer das sein könnte, auch der Pressesprecher des Einsatzstabes konnte am Dienstag so verstanden werden, dass auch der Einsatzstab selbst keine Erkenntnisse hat, wer die Schwarzen sind, woher sie kommen, und was sie wollen - und das gibt mir schon wieder zu denken.
Der "Schwarze Block", die Gefahr aus dem Nichts, die Rechtfertigung für alles, was verantwortungsvolle RegierungschefInnen, InnenministerInnen und PolizeipräsidentInnen derzeit in Wahrnehmung ihrer Verantwortung anordnen, soll den Verantwortlichen noch unbekannter sein, als Tiefseekraken oder Marsmännchen? Ich meine, ohne damit eine Tatsachenbehauptung aufstellen zu wollen, dass dieses "Nichtwissen" unter Umständen, eventuell, wenn auch kaum wahrscheinlich, so aber doch vielleicht auch anderer Gründe haben könnte.

Meine ich falsch,

wenn ich meine gehört zu haben, dass der Versuch, die NPD zu verbieten, letztlich daran gescheitert ist, dass diese Partei von V-Leuten im Staatsauftrag so stark und so hoch hinauf unterwandert war, dass gar nicht mehr feststellbar gewesen wäre, welche Aktion, welche Brandrede, welche verfassungsfeindliche Äußerung nun aus den ursprünglichen Kern dieser Partei stammt, und welche Aktion, welche Brandrede, welche verfassungsfeindliche Äußerung von Provokateuren stammte, die mit Steuergeldern dafür bezahlt wurden, die NPD auszuspähen, aber darüber hinaus doch ganz erheblich dazu begetragen haben, diese Partei mindestens so gefährlich erscheinen zu lassen, wie sie damals erschien?

Doch. Ich meine, mich wirklich zu erinnern, dass es ungefähr so war.

Quellen für diese Erinnerung kann ich nicht nennen, das wäre ja schon wieder eine Tatsachenbehauptung, dass so etwas irgendwann einmal in irgendeiner Zeitung geschrieben worden sei, aber vielleicht erinnert sich außer mir ja noch jemand, und vielleicht schließt sich noch jemand der Meinung an, dass es, im Lichte dieser Erinnerungen doch eigentlich sehr gut eingerichtet ist, dass die Autonomen keine Partei sind, weil man sie nämlich sonst vielleicht verbieten müsste, was wieder schwierig sein könnte ...
Ich meine ja nur.

Um auf die in der Überschrift gestellte Frage zurückzukommen: Wer sind wir eigentlich wieder?

Nun, gelegentlich neige ich zu der Einschätzung, die natürlich durch nichts bewiesen ist, dass wir inzwischen mit Stolz behaupten können, wieder einmal der bestorganisierte Überwachungsstaat zu sein, den es seit Einführung des aufrechten Ganges auf deutschem Boden gegeben hat.
Vielleicht irre ich mich aber, und wir sind - wie beim Fußball - nur der "bestorganisierte Überwachungsstaat der Herzen" auf deutschem Boden seit Einführung des aufrechten Ganges.
Und Papst der Herzen - meine ich - natürlich auch! Und Kanzlerin der Herzen - meine ich - auch! Und Innenminister der Herzen -meine ich! Und Polizisten der Herzen - meine ich! und Steuerflüchtlinge der Herzen - meine ich!

Und auch als Staatsvolk sind wir echte Herzchen.

Au! Verdammt!
Eine Tatsachenenthauptung.

Entschuldigung, ich nehme alles zurück.
Ich meine natürlich nur, dass ich meine, dass ich alles zurücknehmen sollte, oder könnte, oder eventuell...

Also, bleiben Sie brav zu Hause - und schalten Sie den Strom ab.
Am Mittwoch, am Donnerstag und am Freitag - immer von 19.45 bis 20.00 Uhr.

Das ist wahrscheinlich auch eine Form von Gewalt, aber noch hat keiner ein Gesetz erlassen, dass das Abschalten von Elektrogeräten verbietet - und falls es doch eines gibt, das heimlich und unbemerkt beschlossen wurde, dann lassen Sie sich halt nicht dabei erwischen.

Schöne Gipfeltage.
Egon W. Kreutzer

 

a


* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre weist Wege in eine gerechtere Zukunft.

Brandneu: Band IV - Kritik und Überwindung des aggressiven Eigentums.
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