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  Paukenschlag
am Donnerstag

der wöchentliche Kurzkommentar (No. 17)


Egon W. Kreutzer - 26. April 2007
 










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Besser als erwartet
"Besser als erwartet"
ist der Titel einer kabarettistischen Glanznummer von Volker Pispers - das Video dazu ist von meiner Startseite aus (http://egon-w-kreutzer.de) verlinkt - sollten Sie es noch nicht gesehen haben, es lohnt sich. Es geht darin, wie könnte es anders sein, um das öffentliche Urteil über die Leistungen von Angela Merkel seit Beginn Ihrer Kanzlerinnenschaft. Sie macht es besser, als erwartet. Nun, es ist amüsant, von den spärlichen Ergebnissen her auf das Nieveau der Erwartungshaltung zu schließen, weniger amüsant ist die Würdigung der nachprüfbaren Fakten.

So sehr sich auch der versammelte professorale Sachverstand abmüht, Frau Merkel einen Aufschwung zu attestieren, bei den Bürgern kommt nichts davon an. Wie denn auch?

Arbeitsplätze
Es entstehen wieder neue Arbeitsplätze. Wirklich?

Am 25. April 2007 wies die Statistik Stellenabbau und Arbeitsplatzvernichtung in Deutschland 1.500.000 vernichtete Jobs aus, die alleine während der Kanzlerinnenschaft Angela Merkels - also innerhalb der letzten 517 Tagen neu aufgenommen werden mussten, im Durchschnitt 2.901 pro Kalendertag, 20.307 pro Woche, 88.239 pro Monat
Zyniker würden sagen: Besser als erwartet!
Gerhard Schröder brachte von Oktober 2002 bis zum Ende seiner Kanzlerschaft lediglich auf einen Durchschnitt von 2.757 pro Tag.

Dass die Arbeitslosenzahlen sinken, hat damit zu tun, dass überhaupt nur noch die Hälfte gezählt wird. Dass die Zahlen der Erwerbstätigen steigen ist ebenfalls eine Effekt aus der Nebelmaschine der Statistik. Die minimale Erhöhung der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Vollzeit-Beschäftigungsverhältnisse, für die wenigstens soviel Lohn bezahlt wird, dass der Beschäftigte nicht trotzdem noch im ALG-II-Bezug steht, ist der Rede nicht wert.

Binnenmarkt
Der Aufschwung ist auf dem Binnenmarkt angekommen. Wirklich?

Das Statistische Bundesamt hat für die ersten beiden Monate des Jahres 2007 einen realen Rückgang des Einzelhandelsumsatzes um 1,6 Prozent ermittelt - die Gesamtzahlen für März liegen noch nicht vor, aber der Verband der deutschen Automobilindustrie hat bereits veröffentlicht, dass die Zahl der Neuzulassungen in den ersten drei Monaten 2007 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 10 Prozent auf 721.000 Einheiten zurückgegangen ist.

Steuern und Renten
Die Steuerquellen sprudeln besser als erwartet, die Rentenkassen haben Einnahmezuwächse und der Jubel ist groß - der Aufschwung ist da!

Pustekuchen.
Steuern sprudeln wegen der höheren Mehrwertsteuer, der höheren Benzinpreise, wegen der Kürzung der Pendlerpauschale und des Wegfalls der Eigenheimzulage.
Die Einnahmen der Rentenkassen steigen hauptsächlich, weil der Beitragssatz zum 1.1.2007 von 19,5 auf 19,9 Prozent erhöht worden ist.Wo also ist das Wunder?

Export- und andere Experten

Dass die Exportumsätze steigen haben wir mit Lohnkürzungen, Mehrarbeit, Massenentlassungen und mannigfachen Entlastungen der Unternehmen und ihrer Kapitalgeber teuer erkauft. Und damit wir nicht aufhören, Lohnansprüche aufzugeben, um Arbeit zu bekommen, droht der versammelte professorale Sachverstand unaufhörlich damit, dass Lohnerhöhungen, Mindestlöhne, Kündigungsschutz und Erbschaftssteuer diesen Aufschwung ganz schnell wieder zunichte machen.
Auch mein Lieblingsprofessor, Herr Schneider aus Linz, hat neue Rechenergebnisse vorgelegt, mit denen er auf Kleinkunstbühnen Beifallstürme hervorrufen könnte - doch Prof. Schneider ist kein Kabarettst, er ist "Schattenwirtschaftsexperte" und hat berechnet, dass die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes von 7,50 Euro zu einem Anwachsen der Schattenwirtschaft um 12 oder 25 Milliarden Euro führen könne. Der Unterschied zwischen 12 und 25 ist ja nicht so groß, er rührt daher, dass der Unterschied zwischen 20 Prozent und 40 Prozent auch nicht so groß ist, und das ist die Basis der Rechnung. 20 Prozent der Bevölkerung (der Bevölkerung!) haben in einer Umfrage angegeben, sie hätten schon einmal schwarz gearbeitet - und 40 Prozent der Bevölkerung (das sind 32,8 Millionen Menschen) gaben in der gleichen Umfrage an, sie würden schwarzarbeiten, wenn sie die Gelegenheit hätten.

Obwohl die 20 Prozent keine Aussage darüber zulassen, ob im Durchschnitt nun 1 oder 20 oder 250 Stunden pro Jahr schwarz gearbeitet wurden, und die 40 Prozent schon gar keine Aussage darüber zulassen, ob bei entsprechender Gelegenheit im Durchschnitt nun 5 oder 50 oder 500 Stunden im Jahr schwarz gearbeitet würden, geht Professor Schneider davon aus, dass bis zu 40 Prozent der derzeitigen Niedriglöhner mit Stundenlöhnen unter 7,50 Euro nach Einführung eines Mindestlohnes aus der legalen Beschäftigung in die Schwarzarbeit wechseln würden - und das mit 4.167 Schwarzarbeitsstunden pro Jahr. Das sind rund 17 Stunden pro Tag bei 250 Arbeitstagen pro Jahr, aber Prof. Schneider geht wohl davon aus, dass Schwarzarbeiter auch an den Wochenenden und an Feiertagen (da sogar bevorzugt) arbeiten und hält die 11,5 Stunden pro Tag, die sich bei 365 Arbeitstagen pro Jahr ergeben, für durchaus realistisch.


Kapitalerträge

Das wahre Wunder ist der rasante Anstieg der Einkünfte aus Kapitalvermögen.
(So viel hat sich manch einer vielleicht gar nicht erwartet...)

Hierzu hat Dr. Petschow neue Zahlen vorgelegt. Anders als die steuerfinanzierten öffentlichen Statistiker hat er eine vollständige Verteilungsrechnung für das BIP aufgestellt - und die tatsächlichen Netto-Anteile von Kapital, Arbeit, Staat und Sozialwesen herausgearbeitet. Wer sich damit beschäftigt, erfährt, dass Gefahr für unsere Volkswirtschaft weder von den Kosten des Sozialwesen, noch von den Kosten der Arbeit, noch von den Ausgaben des Staates ausgeht - einzig vom scheinbar unstillbaren Geldhunger des Kapitals.

Hier die Ausarbeitung von Dr. Dieter Petschow.



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* 1949 im
oberfränkischen Neustadt bei Coburg

Egon W. Kreutzer
der Verfasser dieses Artikels
Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre weist Wege in eine gerechtere Zukunft.

Brandneu: Band IV - Kritik und Überwindung des aggressiven Eigentums.
Hier
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Neuzulassungen März 2007
Schlimme Zerrung
Und wieder kriecht der Automarkt sechs Prozent im Minus. Für den VDA ist die Sache klar: Schuld ist immer noch die Mehrwertsteuer.
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Von Michael Voß Auf 338.000 Neuzulassungen schätzt der Verband der Automobilindustrie (VDA) das Ergebnis im März 2007 - das wären sechs Prozent Verlust gegenüber dem Vorjahresmonat. Wie auch im Januar und Februar zeigte die Mehrwertsteuererhöhung ihre Nachwirkungen, erklärt der Verband. Neben dem Steuereffekt sei der mit dem außergewöhnlich hohen Zulassungsvolumen im März 2006, in dem ein Arbeitstag mehr zur Verfügung stand, verzerrt.

Im ersten Quartal 2007 litt der Pkw-Absatz unter einem Rückgang von zehn Prozent auf 721.000 Einheiten, was für den VDA auch keine Überraschung ist. Damit sei der Gesamteffekt der vorgezogenen Pkw-Käufe aus dem vierten Quartal 2006 weitgehend ausgeglichen. Der inländische Auftragseingang zeigte im März erstmals wieder Tendenzen einer Stabilisierung, die Auslandsorder sei sowohl im März als auch im ersten Quartal um jeweils acht Prozent gestiegen.

Für den weiteren Jahresverlauf setzt der Branchenverband auf "eine Vielzahl neuer Modelle, die weiter anziehende Konjunktur, die anhaltende Entspannung auf dem Arbeitsmarkt sowie das allmählich aufklarende Konsumklima". Dennoch bleibe abzuwarten, wie sich die höhere Mehrwertsteuer auch weiterhin auf die Pkw-Inlandsnachfrage auswirken werden.

Der Dieselanteil am Pkw-Absatz sei im ersten Quartal auf 47 Prozent gestiegen, wobei die deutschen Hersteller, deren Diesel-Pkw inzwischen zu 86 Prozent mit Partikelfilter-Technologie ausgerüstet sind, unter allen Selbstzündern einen Marktanteil von 76 Prozent erreichten. Das wertet der VDA auch als Reaktion der Kunden auf die Klimadebatte.