Home Einstieg Gesundheit Quick & dirty    Auszug aus Wolf's wahnwitzige Wirtschaftslehre Band II

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 eid des hippokrates, Byzanz, 12. Jhd. + Äskulapstap
 Der Patient ist die Lösung


Vorschläge zum Umbau des
deutschen Gesundheitswesens

E.W. Kreutzer
31.10.2002

Die Notwendigkeit einer weiteren,
durchgreifenden Reform des Gesundheitswesens in Deutschland ist unbestritten.

Das Netz der medizinischen Versorgung in Deutschland ist dicht. Wir treiben einen hohen Aufwand für Vorsorge, Diagnose und Therapie, stellen modernste Geräte und Methoden, hochqualifizierte Ärzte und Wissenschaftler in den Dienst der Menschen und versorgen sie mit erstklassigen Medikamenten.

Allerdings stoßen Politiker, die Verantwortung für Funktion und Finanzierung des Gesundheitswesens übernommen haben, seit geraumer Zeit ganz offensichtlich an die Grenzen der Bezahlbarkeit dieses Systems.

Im folgenden wird die Frage behandelt, wie die Fehlentwicklungen, die zur "Unbezahlbarkeit" unseres Gesundheitssystems geführt haben, korrigiert werden können. Die vorgeschlagene Lösung beschreibt ein Gesundheitswesen, das die soziale Sicherheit der Bürger auf einer echten marktwirtschaftlichen Basis so herzustellen vermag, daß sich die staatliche Reglementierung von
Leistungen und Preisen erübrigen wird.


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Analyse
Grundprinzip
Wirkungen
Das System im Einzelnen
Chancen und positive Nebenwirkungen

zur Übersicht Gesundheitswesen/Gesundheitspolitik



Analyse

An der Spitze der Hierarchie unserer Informationen über das Gesundheitswesen steht der Beitragssatz der gesetzlichen Krankenkassen als eine Kennziffer, die uns in diesen Tagen untrüglich beweist, daß - über alle bisherigen Reformanstrengungen hinaus - neue Maßnahmen zum Umbau des Gesundheitswesens erforderlich sind.

Daß unser Gesundheitswesen im internationalen Vergleich bei relativ hohen Kosten nur ein durchschnittliches Maß an Gesundheit der Bevölkerung hervorbringt, daß eine hohe Versorgungsdichte also keine Gewähr dafür bietet, daß die Qualität der Ergebnisse mit dem betriebenen Aufwand Schritt hält, ist - trotz aller Einsprüche der Interessenvertreter - rein statistisch nicht zu widerlegen.

Weil dies so ist, müssen wir uns mit der Frage beschäftigen, wo die Ursachen dafür liegen, daß im Bereich der medizinischen Leistungen ein stetig wachsendes Angebot - ohne erkennbaren Aufwand für Marketing und Werbung - vom Markt stets mühelos aufgenommen wird. Wir müssen uns weiter fragen, wie es kommt, daß ausgerechnet in diesem Markt, in dem mit dem Erreichen des durchaus definierbaren Zustandes "Volksgesundheit" eine klare Sättigungsgrenze aufzuzeigen wäre, ein Ende des Bedarfes nicht absehbar erscheint.

Die Antwort ist einfach:

Das deutsche Gesundheitswesen ist kein Markt.

Wir haben es zugelassen, daß ein System entstehen konnte, in dem die unterschiedlichen Interessen von Anbietern und Nachfragern nicht mehr aufeinander treffen. Auch der sogenannte "Wettbewerb der Kassen" konnte nicht dazu beitragen, marktwirtschaftliche Verhältnisse zu schaffen.
Die sichtbare Konsequenz ist, daß sich Mediziner und Patienten - jeweils in ihrer Gesamtheit betrachtet - in nichts nachstehen, wenn es darum geht, jeweils zum eigenen Nutzen aus dem großen gemeinsamen Topf der Kassen soviel herauszuholen, wie nur irgend möglich. (Ein Extremfall ist hier beschrieben)

Die einen tun das, weil sie davon leben, weil es ihr Beruf und ihr Ziel als Unternehmer ist, einen möglichst hohen Gewinn zu erwirtschaften, was wir üblicherweise als legitimes Streben akzeptieren; die anderen tun es, weil sie glauben, es sei ein Zeichen von Dummheit, nicht mindestens das Maß an Leistung zu beanspruchen, das dem Beitrag entspricht, den sie eingezahlt haben und niemand auf der Seite der Leistungserbringer ist ernstlich daran interessiert, diesen Irrglauben auszurotten, ganz im Gegenteil.

Die Kassen, als Angriffspunkt und Ziel aller Begehrlichkeiten, stehen dem Treiben hilflos gegenüber. Wie soll in jedem Einzelfall entschieden werden, was medizinisch notwendig, sinnvoll oder doch zumindest nützlich ist? Wie soll ein Heer von Kontrolleuren gefunden, ausgebildet und bezahlt werden, um jenen Grenzverlauf zu überwachen, an dem zu unterscheiden wäre, ob eine Leistung noch dem gerechtfertigten Anspruch des Patienten auf Heilung dient oder ob sie nur noch dem nicht mehr gerechtfertigten Bestreben des Medizinbetriebes auf Auslastung von Kapazitäten und Gewinnmaximierung zuzuordnen ist?

So hoffen die Kassen auf die Politik. Doch die Mittel der Politik bleiben, solange am System selbst nichts verändert wird, begrenzt. Ihre ausschließlich restriktiven Instrumente lassen immer wieder das böse Wort von der Zwei-Klassen-Medizin auftauchen und am Ende erschöpfen sie sich in Positiv-Listen und Negativ-Listen, in Deckelungen und Fallpauschalen, in der Verkündung von Leistungseinschränkungen und der Durchsetzung höherer Eigenbeteiligung.

Die neue Zielsetzung muß folglich darin bestehen, ein System zu schaffen, in dem zwei scheinbar gegensätzliche Anforderungen gleichermaßen erreicht werden können:

a) Herstellung eines funktionierenden Marktes

Über das freie Spiel der Kräfte von Angebot und Nachfrage sind die notwendigen Prozesse der Selbstregulation zu er
möglichen, die einen funktionierenden Markt auszeichnen.

und

b) Bewahrung des sozialen Sicherungs-Systems

Gleichzeitig ist sicherzustellen, ohne die marktwirtschaftlichen Prinzipien damit zu verletzen, daß jedem Bürger,
unabhängig von Einkommen und Vermögen, der Zugang zu einer hochwertigen medizinische Standardversorgung
offen steht, die sich vom Niveau her nicht vom derzeitigen Leistungsumfang der Kassen unterscheiden sollte.

Die Aufgabe, beide Anforderungen gleichzeitig zu erfüllen, ist lösbar.

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Das Grundprinzip

 

Die Leistungen des Gesundheitswesens werden nach zwei Kategorien unterschieden:

Kategorie 1

Zur Kategorie 1 zählen Vorsorgeleistungen, insbesondere eine Reihe regelmäßig durchzuführender Pflichtuntersuchungen und Schutzimpfungen, die üblichen Diagnose-Leistungen des praktischen Arztes, alle Leistungen der Notfall- und Unfall-
medizin sowie die medizinische Begleitung von Schwangerschaften einschließlich der Entbindung.

Die Leistungen der Kategorie 1 werden aus Beiträgen zur Krankenversicherung finanziert und zwischen den Leistungsträgern und den Kassen direkt abgerechnet.

Kategorie 2

Alle anderen medizinischen Leistungen sind Leistungen der Kategorie 2. Der Patient wählt dabei grundsätzlich selbst Art und Umfang der medizinischen Leistungen aus der Palette von Möglichkeiten aus, die ihm sein frei gewählter Arzt vorgeschlagen hat.

Der Patient hat grundsätzlich das Recht, zur Finanzierung jeder ärztlich verordneten Leistung ein Darlehen zu beanspruchen, dessen Tilgungsraten so zu bemessen sind, daß damit eine bestimmte monatliche Maximalbelastung nicht über-schritten wird.
Zum Betrieb dieses Systems werden alle bisherigen Träger der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung in einem geordneten Prozess in eine neue Gesellschaft eingebracht.

Diese neue Gesellschaft besteht aus zwei Betriebsteilen

a) Versicherungsbetrieb

Der Versicherungsbetrieb ermittelt nach versicherungsmathematischen Methoden die notwendigen Beitragssätze für die beitragsfinanzierten Leistungen, wobei wie bisher ein ein-kommensabhängiger Beitrag bei kostenloser Mitversicherung von Familienangehörigen erhoben wird.

Über den Beitrag werden neben den bereits genannten
Leistungen der Kategorie 1 auch persönliche Alterungsrückstellungen und die Verwaltungskosten finanziert.

(Prognose: Die Beiträge werden gegenüber der jetzigen
Beitragshöhe um mehr als 50% zurückgehen.)

b) Bankbetrieb

Zur Ausreichung der Darlehen für die Finanzierung von Leistungen der Kategorie 2 wird der Gesellschaft eine Geschäftsbank angegliedert, deren Mindestreserven aus den Alterungsrückstellungen der Versicherten gespeist werden, so daß ggfs. sogar ohne jegliche Refinanzierung durch Dritte gearbeitet werden kann.

(Mehr Details zum Gesamtkonzept ab Seite 15.)

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Wirkungen

Das hier kurz skizzierte System nimmt dem Versicherten den Anreiz, "etwas herausholen" zu wollen,

- weil er bei den beitragsfinanzierten Leistungen (Vorsorge) entweder verpflichtet ist, sie anzunehmen, oder weil er
üblicherweise kein Interesse daran haben kann, diese Leistungen (Notfall- und Unfallmedizin) in Anspruch zu neh-
men. Auch die Betreuung einer Schwangerschaft kann weder vom Patienten, noch vom Arzt "mißbräuchlich" in An-
spruch genommen werden.

- weil er für alle anderen Leistungen nicht bedenkenlos auf einen gefüllten Topf zugreifen kann, sondern damit
rechnen muß, daß sich sein "Krankenkassenbeitrag" durch zusätzliche Tilgungsraten für eine bestimmte Zeit stark
erhöht, daß er also das durch die niedrigeren Beiträge gewonnene, zusätzlich verfügbare Einkommen verliert,
wobei sein Budget um so länger belastet sein wird, je teurer er die ärztliche Leistung einkauft.

Selbstverständlich wird auch das Krankentagegeld, soweit es verlangt wird, als Darlehen zur Auszahlung
kommen.

Der Patient wird also darauf achten, daß er eine wirksame Therapie erhält, die eine schnelle und möglichst vollständiger Genesung verspricht und er wird sich ggfs. für das preiswertere Angebot entscheiden.

Dazu wird er die Hilfe von Beratungsstellen öffentlicher und privater Träger in Anspruch nehmen können.
Die selbstbewußte Haltung des emanzipierten Patienten wird sich im Laufe der Zeit zur selbstverständlichen Rolle aller Versicherten entwickeln.

Dieses, der Gesundheit zuträgliche Kostenbewußtsein wird einen heilsamen Druck auf die Anbieterseite ausüben, die sich auf die veränderten Situation so einstellen wird, wie es den Prinzipien eines funktionierenden Marktes entspricht. Es werden zunehmend nur noch die wirklich notwendigen oder sinn-vollen Leistungen angeboten und wirksam und preiswert er-bracht werden.

Den Versicherten steht es frei, mit den Gesellschaften der Privaten Krankenversicherungen beliebige Zusatzversicherungen abzuschließen, um z.B. die Tilgung notwendiger Darlehen zu erleichtern, oder um Einschränkungen der Wahlfreiheit für Leistungen der Kategorie 2, wie sie sich unter bestimmten Umständen ergeben können, zu vermeiden.

Eine Vielzahl von Leistungen der Kategorie 2 wird zudem vollständig außerhalb des Systems abgewickelt werden, weil es für den Versicherten mehr Sinn macht, eine niedrige Rechnung sofort selbst zu begleichen, als sie über ein Darlehen zu finanzieren, das dann mit einer oder zwei Raten wieder zu tilgen ist.

Viele Verwaltungsvorgänge in diesem System können erleichtert und vereinfacht werden, wenn es gelingt, die Nutzung der Chipkarte zu erweitern.

Das System verbessert die Versorgung der Patienten, es führt zu dauerhaft niedrigen Pflichtbeiträgen, zu einem gesundheits- und kostenbewußten Verhalten der Versi-cherten, zu einem vernünftigen Anpassungsprozess auf der Anbieterseite und es wird einen stabilisierenden Ein-fluß auf die Lohn(neben)kosten haben.

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Das System im Einzelnen

Organisation

Versicherungsunternehmen

Das neue System erfordert die Installation eines neuen Versicherungsunternehmens als Träger der einheitlichen, gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung (EGK).

Alle bestehenden Ortskrankenkassen, Betriebskrankenkassen und Ersatzkassen werden in einem geordneten Prozess mit ihrem Vermögen und ihren Mitarbeitern in die EGK überführt. Kranken- und Pflegeversicherung werden zusammengelegt und nach einheitlichen Prinzipien ausgestaltet.

Mitgliedschaft

Jeder Einwohner der Bundesrepublik Deutschland ist per Gesetz Mitglied der EGK und nach Maßgabe dieser Regelungen zur Beitragszahlung verpflichtet.

Annahmepflicht

Die EGK ist per Gesetzt verpflichtet, allen Einwohnern der Bundesrepublik Deutschland die hier beschriebenen Leistungen zu gewähren.

Bankbetrieb

Der EGK ist eine Geschäftsbank angegliedert, welche die Kreditkonten der Versicherten führt. Für die Mindestreservehaltung gegenüber der Zentralbank kann die Bank über ausreichende Mittel aus den Alterungsrückstellungen verfügen. Damit wird es immer möglich sein, die erforderlichen Kredite im notwendigen Ausmaß bereitstellen zu können, ohne zur Refinanzierung auf externe Quellen zurückgreifen zu müssen.

Die Verzinsung der Darlehen kann daher niedrig gehalten werden, zumal Kreditausfälle (Tod des Versicherten) von der EGK ausgeglichen werden, welche dafür nicht verbrauchte Altersrückstellungen sowie die in der Beitragskalkulation berücksichtigten Anteile zur Deckung dieses Kreditrisikos verwendet.

Gesundheitsberatungsstellen

Staat, gemeinnützige Organisationen aber auch gewerbliche Unternehmen sind aufgefordert, Beratungsstellen einzurichten, die - ähnlich wie die Stiftung Warentest und die Verbraucherberatungsstellen - Qualität und Kosten medizinischer Versorgung kritisch prüfen, Empfehlungen und Warnungen aussprechen und dem Patienten den Weg zu der für ihn optimalen Versorgung bei bestmöglichem Preis-Leistungsverhältnis weisen.

Private Krankenversicherung

Der Abschluß privater Krankenversicherungsverträge befreit nicht von der Mitgliedschaft in der EGK. Der privaten Versicherungswirtschaft bleibt jedoch in dem Bereich der Zusatzversi-cherungen ein weites Betätigungsfeld.

 

Finanzierung

Beitragsbemessung und beitragsfinanzierte Leistungen

Die Erhebung der Beiträge erfolgt nach den bisherigen Gebräuchen der gesetzlichen Krankenversicherung als Familienbeitrag, dessen Höhe sich am Einkommen bemißt. Der Krankenversicherungsbeitrag wird bei Arbeitnehmern vom Arbeitgeber als Abzug vom Lohn einbehalten. Selbständige zahlen einen Mindestbeitrag im Voraus, die Ermittlung der tatsächlichen Beitragshöhe und den Einzug eventueller Differenzbeträge übernehmen die Finanzämter im Rahmen der Ermittlung der Einkommensteuer. Für Rentner, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger und andere nicht erwerbstätige Personen werden die bisherigen Vorschriften für die Beitragszahlung/Beitragsübernahme beibehalten, erforderlichenfalls (insbesondere in Bezug auf die Tilgungsverrechnung) modifiziert.

Die Beitragssätze sind nach versicherungsmathematischen Methoden so zu bestimmen, daß mit dem Gesamtaufkommen die Kosten für die

Leistungen der Kategorie 1:

- festgesetzte Maßnahmen der Gesundheitsvorsorge,
- alle diagnostischen Leistungen der Allgemein-Mediziner
- das Rettungswesen einschließlich aller unmittelbaren
Leistungen der Notfall- und Unfallmedizin,
- Schwangerschaftsbetreuung und Entbindungen

abgedeckt werden.

Außerdem sind die Verwaltungskosten der EGK, einschließlich des Kreditausfallrisikos aus den Beiträgen zu finanzieren. Darüber hinaus sollte aus den Beiträgen eine dem einzelnen Versicherten persönlich zugeordnete Alterungsrückstellung gebildet werden, die, soweit sie nicht durch Leistungsaufwendungen aufgezehrt wurde, beim Tode des Versicherten zur Hälfte bei der EGK verbleibt, zur anderen Hälfte an die Erben ausgezahlt wird.
(Das Beitragsniveau wird damit nach ersten Abschätzungen etwa die Hälfte der bisherigen Beitragsbelastung erreichen.)

Abrechung von beitragsfinanzierten Grundleistungen
(Kategorie 1)

Die EGK übernimmt die Kosten für die Leistungen der Kategorie 1 in direkter Abrechnung mit dem Leistungsträger.

 

Medizinische Leistungen der Kategorie 2

Alle Leistungen der Kategorie 2 begründen in jedem Fall ein Vertragsverhältnis zwischen Patient und Leistungsträger. Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken und andere Dienstleister des Medizinbetriebes rechnen mit dem Patienten direkt ab.

Die EGK ist allerdings per Gesetz unwiderruflich verpflichtet, dem Versicherten zur Deckung aller Kosten, die ihm aufgrund ärztlicher Verordnungen aus medizinischen und pflegerischen Leistungen entstehen, ein Darlehen zu gewähren, dessen Rückzahlungsraten seinen monatlichen Aufwand für die Gesundheitsvorsorge erhöhen. Die EGK nimmt dabei grundsätzlich keinen Einfluß auf die Wahl der Therapien und die dazu eingesetzten Heil- und Hilfsmittel.

Diese großzügige Darlehensgewährung findet ihre Grenze lediglich dann, wenn abzusehen ist, daß die Rückzahlung der Gesamt-Darlehens-Summe des einzelnen Versicherten einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren in Anspruch nehmen wird, oder wenn der Versicherungsnehmer mit den Rückzahlungen früher gewährter Darlehen im Rückstand ist.
Versicherten, die das fünfzigste Lebensjahr vollendet haben, werden zur Tilgungserleichterung - gestaffelt nach dem Lebensalter - anteilige Tilgungsbeiträge aus den für sie gebildeten und verzinslich angelegten Alterungsrückstellungen gutgeschrieben.

Ist eine Deckung für das Darlehen (dennoch) nicht zu erwarten, gewährt die EGK ein Darlehen nur in der Höhe des festgelegten Pauschalbetrages für die medizinisch notwendige Standardversorgung. Es bleibt dem Patienten jedoch weiterhin überlassen, Arzt, Behandlungsmethode, Arznei und Hilfsmittel frei zu wählen und Mehraufwendungen aus eigenen Mitteln, ggfs. auch aus Leistungen der privaten Zusatzversicherungen, aufzubringen.

Tilgung erfolgt per Lastschrifteinzug vom Konto des Versicherten. Bei Verzug wegen fehlender Deckung erfolgt der Tilgungseinzug durch Direktverrechnung mit Arbeitgeber, Arbeitslosen- oder Rentenversicherung bzw. mit den Trägern der Sozialhilfe. Bei Selbstständigen/Privatiers wird das gerichtliche Mahnverfahren eingeleitet.

Krankentagegeld

Auch Krankentagegeld wird nach den vorstehenden Bestimmungen als Darlehen gewährt und ist durch entsprechende Tilgungsraten zurückzuzahlen. Soweit die persönlichen Darlehensspielräume bereits ausgeschöpft sind, kann kein Tagegeld gewährt werden, hier springt ggfs. die Sozialhilfe ein. Für den Übergang aus dem Tagegeldbezug in den Rentenbezug wegen Erwerbsunfähigkeit/Berufsunfähigkeit oder bei nachfolgender Arbeitslosigkeit sind bezüglich der Tilgungsansprüche Sonderregelungen zu treffen.

 

Lohnnebenkosten, steuerliche
Behandlung

 

Arbeitgeberbeitrag zur Krankenversicherung

Mit Einführung der EGK wird der Versicherte alleine beitragspflichtig. Die Beteiligung der Arbeitgeber an den Krankenversicherungsbeiträgen entfällt. Die Tarifparteien werden jedoch dazu aufgerufen, die bisherigen Arbeitgeberbeiträge in vertraglich gesicherte Einkommensbestandteile der Arbeitnehmer umzuwandeln.

Steuerliche Behandlung

Alle Aufwendungen des Einzelnen für seine medizinische Versorgung können in voller Höhe steuermindernd in Ansatz gebracht werden, soweit dem Kostenbeleg eine ärztliche Verordnung zugrunde liegt.

 

Änderungen für die Anbieter
medizinischer Leistungen

Ärzten wird gestattet, für ihre Leistungen uneingeschränkt Werbung zu treiben, sowie den Umfang und die Preise ihrer Leistungen frei festzulegen. Gleiches gilt für Krankenhäuser, Pflegeheime und Pflegedienste, für die Apotheken und überhaupt alle Leistungsanbieter im Gesundheitswesen.

Ist es aus Sicht der staatlichen Gesundheitspolitik erwünscht, bestimmte Formen der Versorgung herzustellen (z.B. regionale Herz-Zentren), die aus dem marktwirtschaftlichen Ansatz dieses Systems nicht von selbst hervorgebracht werden, sind die Anreize dazu durch gezielte, zweckgebundene und kontrollierte Anschubfinanzierung zu setzen; im Zweifelsfall muß der Staat die Trägerschaft selbst übernehmen.


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Chancen und
durchaus erwünschte
Nebenwirkungen

(eine alphabetisch geordnete Stichwortsammlung)

 

Apotheken

Ärzte werden ihren Patienten sparen helfen, um auch in dieser Hinsicht zum geschätzten Partner ihrer "Kunden" zu werden. Folglich wird sich die ärztliche Verordnung künftig vermehrt an Wirkstoffen und preiswertem Angebot orientieren, was zum vermehrten Einsatz von Generica und damit zu einem Rückgang der (überflüssigen) Vielfalt der angebotenen Präparate führen wird. Die freie Wahl der Apotheke (auch Internet oder Euro-Ausland) führt zu echtem Wettbewerb und zu einer Senkung der volkswirtschaftlichen Kosten der Arzneimitteldistribution durch Abnahme der Apothekendichte.

Arbeitgeber

Die Arbeitgeberbeiträge zur Krankenversicherung entfallen. Den Tarifpartnern steht frei, in welcher Form dafür ein Ausgleich stattfinden soll (Tariflohn, Zuschuß, fallweise Beihilfen, etc.). Damit wird langfristige Planungssicherheit für einen wesentlichen Teil der Lohnnebenkosten hergestellt.

Arzneimittelverbrauch (= Absatz der Apotheken)

Rückläufig, Patienten lehnen ungünstige Packungsgrößen ab, verlangen verstärkt nach preiswerten Alternativen, akzeptieren jedoch grundsätzlich auch hochpreisige Medikamente, wenn die Wirkung den Preis rechtfertigt

Beitragserhöhung

Allgemeine Kostensteigerungen und Inflation können auch im hier beschriebenen System zu Beitragserhöhungen führen. Weil die Versicherungsleistungen (Kategorie 1) jedoch nur einen kleinen Anteil der Gesamtaufwendungen des Gesundheitswesens ausmachen, werden auch nur geringe Beitragserhöhungen nötig.

Chipkarte

Über die Chipkarte werden alle in Anspruch genommenen Leistungen der Kategorie 1 erfaßt und der Nachweis der Teilnahme an Vorsorgemaßnahmen geführt. Außerdem bietet die Chipkarte dem Versicherten den Zugang zu seinem "Konto" und ermöglicht dem Patienten(!) - in der Arztpraxis, am heimischen PC oder am Lesegerät in der Filiale der EGK - über dieses Konto zu verfügen (PIN-Code), sich aber auch über Beispielrechnungen über die Gestaltungsmöglichkeiten von Darlehen und Tilgunglasten zu informieren.

Geldumlauf

Steigende Nettolöhne und die Kreditfinanzierung wesentlicher Teile der Leistungen des Gesundheitswesens führen zu einem Anwachsen der in der Realwirtschaft verfügbaren Geldmenge, was zu Kaufkraftstärkung und Wachstumsimpulsen führt. Eine sinnvolle Gegenbewegung zu Basel II.

Gesundheitsbewußtsein

Mit der direkten Verantwortung für die Höhe der eigenen Gesundheitskosten wird das Gesundheitsbewußtsein der Bevölkerung zunehmen und einerseits zur Risikovermeidung (Rauchen, Extremsportarten), andererseits zur Stärkung der individuellen Prophylaxe (Ernährung, Bewegung) führen.

Gesundheitsberatung

Professionelle Beratung, die den Weg zum besten Arzt, zur optimalen Therapie, zur schnellen Genesung weist und dabei das Kosten-/ Nutzenver-hältnis für den Patienten ermittelt, wird im neuen System gefragt sein und bei guten Leistungen auch zu hohen Honoraraufkommen führen können. Gute Beratung stärkt die Nachfragemacht des Patienten und führt zu mehr Transparenz und zusätzlichem Wettbewerb am Gesundheitsmarkt.

Hier öffnet sich ein interessantes neues Betätigungsfeld, durchaus nicht nur für Ärzte.

Krankenhaus

Ein Teil der Krankenhausleistungen fällt in die Kategorie 1, wird also direkt mit der Versicherung abgerechnet. Für den Notfall-Patienten endet die Versorgung nach Kategorie 1 dann, wenn er den OP-Tisch oder die Intensivstation verläßt und im Pflegebereich weiterbehandelt wird. Jetzt entscheidet er über die Unterbringung (Einbett/Mehrbett), über Verpflegung, Fernsehen und Telefon und die stündliche Chefarztvisite. Insgesamt ist mit einer weiteren Verkürzung der Aufenthaltsdauern bei gleichzeitig wachsendem Komfortanspruch der Patienten zu rechnen. Mit der Einführung von Fallpauschalen werden in den Krankenhäusern bereits heute die Grundlagen für die Bemessung der zukünftigen Mindestversorgung gelegt.

Pflichtversicherung

Die allgemeine Versicherungspflicht führt zu einer Verbreiterung der Beitragsbasis und durch Rückholung der "guten Risiken" auch zu einer Reduzierung des durchschnittlichen Aufwandes pro Versichertem.

Pharma Industrie

Die Pharma Industrie wird darauf setzen, bewährte Medikamente möglichst preiswert auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig haben aber auch neue Medikamente zu hohen Preisen eine gute Chance, wenn sie gegenüber bisherigen Mitteln eine erhebliche Verbesserung darstellen, also schnell und nachhaltig heilen bzw. lindern.
Neue Namen für geringfügig modifizierte Rezepturen alter Medikamente werden hingegen immer geringere Chancen haben, vom Markt aufgenom-men zu werden.

Privatpatienten

Jeder ist Privatpatient, wenn er Leistungen der Kategorie 2 in Anspruch nimmt. Welches Honorar dabei im Einzelfall fällig wird, ist Sache der Vereinbarung zwischen Patient und Arzt, nicht Gegenstand von Gebührenordnungen mit eingebauten Hebesätzen.
Für viele Versicherte der Privaten Krankenversicherung wird die lange verwehrte Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung ein wirtschaftlicher Segen sein, andererseits werden viele bisher privat versicherte
Patienten auf die zu erwartenden Zusatzversicherungsangebote ihrer Versicherungsunternehmen eingehen, einerseits, weil dort (zwar im Kollektiv und nicht individuell) Alterungsrückstellungen gebildet wurden und andererseits, um sich über die Standardversorgung hinaus auch dann abzusichern, wenn das persönliche Darlehenspotential ausgeschöpft ist. Es ist an dieser Stelle mit hochinteressanten Angeboten der PKV zu rechnen, nicht zuletzt auch in der Gewährung zusätzlicher Tagegelder.

Quacksalber

Es ist nicht auszuschließen, daß die Neigung zu mehr Sparsamkeit bei den Patienten auch unseriöse Billiganbieter auf den Plan ruft. Hier ist u.U. ein im Einzelfall schmerzlicher Lernprozeß der Patienten zu erwarten, dem jedoch durch Aufklärung (Gesundheitsberatungsstellen, Gesundheitsbehörden), durch wachsendes Vertrauen zum Hausarzt und durch forcierte strafrechtliche Verfolgung entgegengewirkt werden kann.

Positive Wirkungen sind allerdings auch dadurch zu erwarten, daß Anbieter medizinischer Leistungen, deren diagnostische und therapeutische Maßnahmen - insbesondere in Bezug auf nachhaltige Wirksamkeit - nicht dem Stand der ärztlichen Kunst entsprechen, sehr schnell aus dem Markt ausscheiden werden, wenn es ihnen nicht gelingt, ihr Leistungsniveau entsprechend anzuheben.

Darüberhinaus werden diagnosesichere praktische Ärzte mit guten Beziehungen zu kompetenten fachärztlichen Kollegen auf lange Sicht auch in wirtschaftlicher Hinsicht gegenüber gebührenträchtigen "Überweisungsringen" im Vorteil sein.

Tilgung

Die Raten für die Rückführung gewährter Darlehen werden mit dem Versicherten abgestimmt. Der monatliche Mindest-Pflicht-Tilgungsbetrag orientiert sich am Einkommen. Versicherungsbeitrag + Tilgungsrate sollten insgesamt den derzeitigen Gesamtbeitrag zur Krankenversicherung nicht überschreiten. Freiwillige höhere Tilgungsleistungen sind jederzeit möglich.

Versorgungssicherheit

Jeder Versicherte erhält von Anfang an mindestens die Leistungen, die dem heutigen Standard der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen und kein Versicherter wird durch Pflichtbeitrag und evtl. Tilgungsleistungen höher belastet werden, als im gegenwärtigen System.

Die Leistungen des Systems werden sich vom Umstellungszeitpunkt an mit zunehmenden Aufbau der Alterungsrückstellungen über viele Jahre stetig verbessern, bis im eingeschwungenen Zustand das Optimum erreicht wird.

Verwaltungsvereinfachung

Erhebliche Teile der Leistungen nach Kategorie 2 werden das System überhaupt nicht mehr tangieren, weil die Patienten ihre Rechnungen direkt bezahlen und kein Darlehen in Anspruch nehmen. Daraus, aus Synergieeffekten, die sich aus der Zusammenlegung aller bisherigen Trägerorganisationen ergeben und durch eine forcierte Nutzung der Chipkarte, werden sich weitere Verwaltungsvereinfachungen und Kostensenkungen ergeben.

Vorsorge

Die Pflicht zur Teilnahme an "kostenlosen" Vorsorgemaßnahmen wird die bisherige Trägheit bei der Akzeptanz von Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen überwinden helfen, insbesondere dann, wenn daraus finanzielle Konsequenzen drohen (z.B. erhöhter Beitragssatz oder Minderung der Zuführung zur Alterungsrückstellung). Damit wiederum sollte es gelingen, mit relativ kleinen Prophylaxe-Aufwendungen aus dem Topf der Versicherung, den Aufwand der Patienten für die weitaus höheren Aufwendungen der Behandlung eingetretener Krankheiten zu reduzieren. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage von Jodierung und Fluorisierung des Trinkwassers neu zu behandeln.

Wahlfreiheit

Der Patient erhält die volle Wahlfreiheit aus dem gesamten Angebot der medizinischen Leistungen. Soweit er für die Bezahlung ein Darlehen in Anspruch nimmt, wird ihm dies in voller Höhe solange gewährt, wie angenommen werden kann, daß er in der Lage sein wird, die dadurch verursachten Kosten auf lange Sicht (10 Jahre) zu tilgen.

Beispiel: Ein Versicherter mit einem Brutto-Lohn von 3.000 Euro zahlt heute, einschließlich Arbeitgeberbeitrag, ca. 450 Euro in die GKV. Dieser Satz wird sich bei der EGK auf ca. 50%, also 225 Euro vermindern. Weil sich die Höchstgrenze der zumutbaren Pflichttilgung am bisherigen Beitrag der GKV orientieren soll, steht ihm ein Tilgungbetrag von 225 Euro pro Monat zur Verfügung. Hochgerechnet auf zehn Jahre ergibt das einen Darlehensbetrag von 27.000 Euro, bevor Einschränkungen der Wahlfreiheit greifen.

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Der Patient ist die Lösung

Vorschläge zum Umbau des deutschen Gesundheitswesens

Autor:
Egon W. Kreutzer

E.W.K. ...der Unternehmerberater e.K.
86556 Kühbach-Unterbernbach
Schrobenhausener Str. 15