71
Egon
W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
42
Förderung
guter Projekte
heißt
Anreize setzen
Auflagen und Strafen (negativer Anreiz)
laden
zur Umgehung und Vermeidung ein
steuerliche Vergünstigungen
locken
die Steuersparer und Berater an
direkte Subventionen
sind
punktgenau dosierbar und in ihrer
Wirkung
unmittelbar überprüfbar
-
Subventionen sollten allerdings nie
als
Dauertropf, sondern immer nur als
einmalige
Anschubfinanzierung gewährt
werden.
Der
Anreiz
zu solch einem wertekonformen Wirtschaften wird auch
unter
veränderten Zielsetzungen wieder der Anreiz eines
zusätzlichen
Gewinnes sein, und er muss wieder denen angeboten
werden,
die für die Weichenstellungen
verantwortlich
sind,
nämlich
den Unternehmern.
Aber
wie?
Das
Instrumentarium, das zur Verfügung steht, um
Veränderungen
durch Anreize auszulösen, ist eigentlich recht
übersichtlich,
und seine Wirkungen sind mit fast naturgesetzlicher
Sicherheit
ziemlich klar vorherzusagen.
Die
Betrachtung des Instrumentariums öffentlicher
Entscheidungslenkung
ist ernüchternd.
72
Mit
der billigen Verschärfung von Auflagen wird der
Anreiz
zur
Umgehung ebenso gesteigert, wie der Kontrollaufwand -
und
letztlich wird nur wieder eine Deregulierung eingeleitet.
Mit
der Eröffnung lukrativer steuerlicher
Gestaltungsmöglichkeiten
werden professionelle Gestalter
angelockt,
die, mit geringstmöglichem Einsatz für den
eigentlichen
Zweck, den größtmöglichen eigenen Nutzen dadurch
erzielen,
dass sie Mittel, die eigentlich dem Fiskus zustehen, in
die
Taschen von Initiatoren, Finanzinstituten und
Verkaufsorganisationen
umlenken.
Doch
ausgerechnet für das präziseste und mit den geringsten
Verlusten
durch unvermeidlichen Schwund belastete Instrument
der
Entscheidungslenkung, die direkte Subvention, fehlt es an
Geld.
Dies ist besonders bedauerlich, weil den im öffentlichen
Interesse
stehenden Maßnahmen zur Entscheidungslenkung die
von
Geldnöten praktisch nicht geplagte, wirtschaftliche
Entscheidungslenkung
entgegensteht, die genau diejenigen
Vorhaben
fördert, die versprechen, die größtmögliche
Rendite des
eingesetzten
Kapitals zu erwirtschaften. Die größtmögliche
Kapitalrendite
wird aber immer der Falsche erwirtschaften,
nämlich
derjenige, der nur den eigenen Nutzen im Sinn hat und
weder
soziale noch gesellschaftliche oder gar ökologische
Rücksichten
nimmt.
Für
Maßnahmen, Projekte, Geschäfte, die eine hohe
Kapitalrendite
versprechen, ist immer Geld da. Dieses Geld, das
zum
Teil zur Finanzierung von Vorhaben verwendet wird, die aus
73
gesamtgesellschaftlicher
Sicht höchst unerwünscht sind, fehlt zur
Finanzierung
genau jener Vorhaben, die wir eigentlich fördern
möchten.
Die Tobinsteuer, als Quelle für solche Fördermittel,
wird
gut sein, wenn wir sie haben. Bis dahin -- und das kann noch
sehr
lange dauern -- müssen wir andere Lösungen finden, um
die
richtigen
Anreize setzen zu können.
Gute
Projekte
durch
großzügige Anschubfinanzierung
rentabel
machen!
Das
ist der Leitsatz für ein Anreizsystem, das darauf setzt,
dass
die
Menschen alle Intelligenz und allen Ehrgeiz auch weiterhin
hauptsächlich
darauf verwenden werden, Gewinne zu machen.
Gute
Projekte müssen also Gewinn versprechen, damit sie
realisiert
werden.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
43
Gute
Projekte?
Müssen betriebswirtschaftlich solide
geplant
und kalkuliert sein und
gegenüber dem derzeitigen Zustand eine
spürbare
Verbesserung und/oder
Ausweitung
eines wertekonformen
Wirtschaftens
versprechen.
74
Was
sind gute Projekte und wer stellt das fest?
Gute
Projekte sind Projekte, die zwei Voraussetzungen erfüllen:
a)
Das
Projekt muss einer intensiven betriebswirtschaftlichen
Prüfung
standhalten. Das im Business Plan dargestellte
Mittelfrist-Szenario
muss so realistisch und erfolgversprechend
sein,
dass auch eine bankübliche Kreditprüfung zu einer
positiven
Beurteilung käme. Selbstverständlich ist dabei auch
abzuklären,
ob die Summe der beantragen Fördermittel dem
tatsächlichen
wirtschaftlichen Bedarf entspricht.
b)
Das
Vorhaben muss gegenüber dem gegenwärtigen Zustand
eine
spürbare Verbesserung und/oder Ausweitung des
grundwertekonformen
Wirtschaftens erwarten lassen. In der
Begründung
sind diese Vorteile ausführlich darzustellen und in
einer
Wertebilanz zu saldieren.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
44
Gute
Projekte durch einmalige
Anschubfinanzierung
rentabel machen
So,
dass sie nach der Anschubphase aus
eigener
Kraft bestehen können:
Gewinne werden behandelt, wie Gewinne aller
anderen
Unternehmen auch
Ein Tarifvertrag für Förderprojekte sichert eine
wertekonforme
Entlohnung der Mitarbeiter und
damit
Binnenkaufkraft
Inititatoren und Fördermittelempfänger haften
persönlich
für die antragsgemäße
Verwendung
der Mittel
75
Was
heißt es, ein Projekt durch eine großzügige
Anschubfinanzierung
rentabel zu machen?
Der
Gedanke ist einfach: Das Projekt muss nach der geförderten
Planungs-,
Investitions- und Anlaufphase aus eigener Kraft
bestehen
können, ohne dass weiterer Fördermittelzufluss
erforderlich
wäre. Es soll also nicht dauerhaft subventioniert
werden,
um wirtschaftlich kranke Projekte über viele
Jahre
künstlich
am Leben zu erhalten. Es soll eine einmalige
Finanzspritze
geben, die dem im Business Plan ausgewiesenen
Bedarf
entspricht, und danach muss das Projekt sich ungefähr so
entwickeln,
wie es geplant war.
Die
Rentabilität und die aus dem Geschäft fließenden
Gewinne
unterscheiden
sich in keiner Weise von den Gewinnen anderer,
nicht
geförderter Unternehmen. Sie unterliegen den gleichen
Vorschriften
und der gleichen fiskalischen Behandlung wie alle
anderen
Gewinne auch! Es gibt keine besonderen Auflagen
bezüglich
der Gewinnverwendung!
Es
sollte allerdings für alle geförderten Projekte die
Verpflichtung,
geben, sich einem Tarifvertrag für
Förderprojekte
zu unterwerfen, in dem Beschäftigung und
Entlohnung
der Mitarbeiter einheitlich und grundwertekonform
geregelt
sind. Die sich daraus ergebenden Beeinträchtigungen
einer
maximalen Gewinnausbeute sind unverzichtbarer
Bestandteil
des Fördervertrages, aber natürlich auch im Business
76
Plan
zu berücksichtigen, so dass sich trotz dieser
Regularien ein
ordentlicher
Gewinn prognostizieren lassen muss, wenn das
Projekt
für die Förderung überhaupt in Frage kommen soll.
Der
Fördervertrag nimmt auch den Initiator/Antragsteller so weit
in
Anspruch, dass dieser für die antragsgemäße Verwendung
der
Mittel
haftet und bei vorsätzlich oder grob fahrlässig
herbeigeführtem
Misserfolg des Projektes persönlich für die
Rückzahlung
der Fördermittel in Anspruch genommen wird.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
45
...und
wo kommt das Geld her?
Guten Projekten fehlt das Geld, dass
schlechten
Projekten mit hohen Rendite-
Erwartungen
zur Verfügung gestellt wird.
Das Geld wird also nicht aus dem Bereich
der
Geschäftsbanken kommen, es braucht
staatliche
Förderbanken
Die könnten weitaus umfassender helfen,
wenn
ihnen frisches, unbelastetes Geld
zur
Verfügung stünde.
Wo
kommt die großzügige Anschubfinanzierung her?
Während
die Wirtschaft, umhegt von den Geschäftsbanken, jedes
ökologisch
unsinnige Projekt finanzieren kann, solange es nur
eine
ausreichend hohe Rendite verspricht, weil durch völlig legale
Methoden
die notwendige Geldmenge geschaffen werden kann,
77
fehlt
für die Guten Projekte das Geld. Staat und Gesellschaft
haben
definitiv die Erzeugung von Geld an die Privatwirtschaft
abgetreten
und können keine zusätzliche Liquidität bereitstellen,
ohne
selbst Schulden zu machen, während die Geschäftsbanken
ungeniert
und zum alleinigen Nutzen ihrer Aktionäre fast
unbeschränkt
Geld schöpfen können.
Geld
das für die umweltschädliche Produktion investiert wurde,
steht
der umweltfreundlichen Alternative nicht mehr zur
Verfügung
und es wird von den Geschäftsbanken dafür auch kein
Geld
bereitgestellt, wenn zu erkennen ist, dass die
umweltfreundliche
Alternative nicht ganz so rentabel sein wird,
oder
die Rentabilität des bestehenden Investments beeinträchtigen
würde.
Wenn
wir also wollen, dass sich eine alternative Wirtschaft
entwickeln
kann, müssen wir die Konsequenz tragen und das Geld
dafür
im Wesentlichen aus einer gesellschaftlich akzeptierten
Geldschöpfung
des Staates bereitstellen. Damit aber nicht genug.
Um
dem förderungswürdigen Vorhaben einen guten Start zu
geben
und die Kosten insgesamt niedrig zu halten und um die
Marktchancen
dieser Unternehmungen durch günstige Preise
weiter
zu stärken, sollten die Förderungsmittel als verlorene
Zuschüsse
zur Verfügung gestellt werden, so dass das geförderte
Projekt
weder Zinslasten noch Tilgungsraten aufzubringen hat.
Diese
Förderungsbedingungen sollten für Unternehmer und
Initiatoren
Anreiz genug sein, um sich zu bemühen, mit Guten
Projekten
gutes Geld zu verdienen.
78
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
46
Inflationsgefahr!
Frisches Geld erhöht die Geldmenge,
korrekt:
-
es stehen dem Geld aber auch
zusätzliche
Leistungen gegenüber,
wodurch
die Inflationsgefahr neutralisiert
wird
-
öffentliches Geld verdrängt Kreditgeld
wodurch
die Inflationsgefahr reduziert
wird
Natürlich
wird sich sofort die Frage stellen, ob ein solches
Förderungssystem
nicht zu einer katastrophalen Inflation führen
müsse.
Wir wollen diese Frage ernst nehmen und die Wirkungen
der
Maßnahme in Bezug auf den Geldwert untersuchen:
Frisches
Geld, gleichgültig, ob die Zentralbank dafür Noten
druckt,
oder eben einfach nur einen Betrag überweist, den es
vorher
nicht gab, erhöht die Geldmenge. Diese erhöhte
Geldmenge
zielt in unserem Fall ganz genau dorthin, wo das Geld
unmittelbar
in eine vorher nicht vorhandene Leistung umgesetzt
werden
soll. Dem neu bereitgestellten Geld steht also auch eine
neue
Leistung gegenüber, die zumindest in der Anfangsphase
auch
eine echte zusätzliche Leistung ist. Schließlich werden
die
geförderten
Projekte zuerst einen Wachstumsschub in der
Investitionsgüter-
und Ausrüstungsindustrie auslösen. Dort
79
entsteht
echtes Wachstum, ein Wachstum, das schnell in Löhne
und
Gehälter fließt und so Kaufkraft schafft. Kaufkraft,
die eine
günstige
Entwicklung der Binnenkonjunktur ermöglicht und so im
Szenarium
herkömmlicher volkswirtschaftlicher Betrachtungen
eine
segensreiche Wirkung entfaltet, so segensreich, dass sie auch
als
Nachweis für die Berechtigung der zusätzlichen Geldmenge
völlig
ausreicht. Gleichzeitig setzt eine zweite Wirkung ein.
Sobald
sich die Guten Projekte am Markt durchsetzen, werden
diejenigen
Unternehmen, die ohne Förderung an weniger
grundwertekonformen
Lösungen, also an Schlechten Projekten
arbeiten,
Einbußen in ihren Marktanteilen und in ihren Gewinnen
hinnehmen
müssen. Weil ihre Chancen zum Überleben nur darin
liegen,
sich ebenfalls um geförderte Projekte zu bemühen, wird
sich
ihr Kreditbedarf zwangsläufig verringern. Wenn aber die
Banken
weniger Kredite ausreichen und außerdem
möglicherweise
in stärkerem Maße notleidende Darlehen
abschreiben
müssen, wird dem, von der staatlichen
Geldschöpfung
ausgelösten Anstieg der Geldmenge, auf der
anderen
Seite unvermeidlich auch ein deutlicher Rückgang der
Geldmenge
entgegenwirken, der sich zwangsläufig aus dem
schrumpfenden
Kreditvolumen der Geschäftsbanken ergibt. Weil
außerdem
durch die zinslose Vergabe der Fördermittel weitere
Geldschöpfung
zum Zwecke der Zinsdarstellung entfällt, wird
die
vorgeschlagene Finanzierung durch frisches Geld
voraussichtlich
einen eher moderaten Einfluss auf die
Geldwertstabilität
haben und sich, wenn überhaupt, nur in
geringem
Maße inflationär auswirken.
80
Egon
W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
47
Gegenwehr
des Kapitals
Deflationsspekulation ist unmöglich,
folglich
bleibt nur der Versuch, das System
durch
Inflation zu destabilisieren
Inflation durch massive Geldschöpfung auf
Basis
der Sicherheiten des Geldvermögens
ist
herstellbar, trifft aber wiederum nur das
Geldvermögen,
das sich durch solche
Intervention
selbst entwertet
Solche
Perspektiven werden nicht nur Freude auslösen, sondern
auch
im Vorfeld erster Diskussionen schon Gegenstrategien
hervorrufen,
die darauf abzielen, die herrschenden Verhältnisse
gegen
jeden Veränderungswillen zu konservieren und zu festigen.
Größere
Gefahren für die Geldwertstabilität sind daher davon
zu
erwarten,
dass vagabundierende Geldmengen aus den
internationalen
Finanzmärkten in die Binnenmärkte
zurückdrängen,
um dort -- zu ebenfalls sehr günstigen
Konditionen
(z.B. mit Darlehen, die über 10 oder 20 Jahre zins-
und
tilgungsfrei ausgereicht werden) -- gegen die staatliche
Finanzierung
und die Aushebelung der Zinsspirale anzukämpfen.
Schließlich
muss man sich über eines im Klaren sein: Die
Finanzierung
neuer Vorhaben durch Mittel, die nicht aus dem
zinsbelasteten
Kapitalmarkt kommen, lässt das Kapital als solches
in
seiner Substanz zwar unangetastet, es mindert allerdings seine
Ertragskraft,
weil es sich in Konkurrenz zu den Fördermitteln
81
befindet.
Es kann nur noch in Projekte fließen, die den
Grundwerten
zuwider laufen (sonst gäbe es ja Fördermittel statt
Kredit)
und damit Wirtschaftszweige unterstützen, die in
absehbarer
Zeit den Boden unter den Füßen verlieren werden.
Sollte
sich also das weltweit vagabundierende Geld nicht aus dem
produktiven
Wirtschaftskreisläufen heraushalten lassen, wird dann
doch
eine Inflation entstehen und zwar genau in dem Maße, wie
das
zurückdrängende Spielgeld vom Produktivitätszuwachs
nicht
aufgenommen werden kann. Dieses kleine Risiko können
wir,
denke ich, eingehen. Amerika hat den Vietnamkrieg aus der
Notenpresse
bezahlt und die amerikanische Volkswirtschaft hat
dies
ganz gut überstanden! Stellen wir uns nur einmal die
verrückte
Frage, wie viel besser es Amerika heute ginge, hätte es
nicht
den Vietnamkrieg geführt, sondern schon damals die
Notenpresse
angeworfen, um Gute Projekte zu finanzieren? Es
könnte
nur noch besser dastehen, als heute!
Gelingt
es jedoch, die durchaus zu erwartenden Abwehrreaktionen
zu
beherrschen und ihre Wirkung gering zu halten, wird das
gehortete
Kapital sich voraussichtlich sogar vollständig aus der
Geldmenge
M3 zurückziehen und ein ruhiges Dasein im
Dagobert´schen
Geldspeicher führen, ohne die Inflation
herbeizuführen,
mit der es sich selbst vernichten würde. Im
Zusammenwirken
mit der Wiedereinführung einer angemessenen
Vermögenssteuer
ließen sich diese Mittel sogar nach und nach
vom
Staat einziehen und damit völlig eliminieren.
82
Egon
W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
48
Weitere
Argumente gegen die
Inflationsangst
Alle Maßnahmen zur Einspeisung frischen
Geldes
werden bei Geldmangel getroffen.
Herrscht
ein Liquiditätsüberhang besteht kein
Grund
für die Bereitstellung zusätzlichen
Geldes.
Auch ein Förderprogramm für gute Projekte
endet,
weil nur neue, wirkliche Verbesserungen
bringende
Vorhaben gefördert werden
Die Bindung der Förderprojekte an einen
besonderen
Tarifvertrag schafft und erhält
Nachfrage,
erfordert und verträgt also eine
entsprechende
Geldmengenausweitung
Für
die Skeptiker, die fürchten, auf diese Weise eine nicht mehr
zu
bändigende Inflation auszulösen, oder andere Bedenken
hegen,
hier
noch einige Hinweise:
Das
Förderprogramm geht ganz von alleine zu Ende, wenn die
Ideen
für noch besseres Wirtschaften aufhören, weil mit immer
gleichen
Vorhaben die Ansprüche der Förderungsvoraussetzungen
nicht
mehr erfüllt werden können. Diese Automatik ist also
noch
ein
weiterer, wesentlicher Vorteil dieser Art von Subvention! Die
Banken
werden dabei nicht untergehen! Sie machen nur weniger
Rendite
im Kreditgeschäft.
Die
Bindung der Förderprojekte an einen einheitlichen
Tarifvertrag
führt zu einer neuen Form von Vollbeschäftigung mit
drastisch
reduzierter Lebensarbeitszeit und zu einem neuen,
breiten
Wohlstand, der sich in wertvollen, langlebigen
Gebrauchsgegenständen,
hochwertigen, gesunden Lebensmitteln
83
und
dem Verschwinden von unnützen Wegwerfartikeln und
Wohlstandsmüll
zeigt.
Der
hier skizzierte Lösungsvorschlag für ein neues Anreizsystem
hat
allerdings auch einen kleinen Mangel: Er ist nämlich auf
eine
geschlossene
Volkswirtschaft oder einen Währungsverbund
ausgerichtet
und von daher nicht gerade globalisierungskonform.
Weil
nach wie vor das Gewinn-Interesse des Unternehmers, das
Interesse
der Mitarbeiter an gerechten Löhnen, das Interesse der
Bevölkerung
an Wohlstand als Naturkonstante angesehen und
genutzt
und gefördert wird, wird sich aus der Einführung
gesellschaftsfinanzierter
Unternehmen in Europa der
Lebensstandard
Namibias nicht zwangsläufig verbessern.
Aber
denkt man einen Schritt weiter, erschließt sich dieser
Mangel
auch als das eigentlich Schöne an diesem Modell! Nicht
wir
Reichen, nicht wir Europäer, Nordamerikaner oder Japaner
müssen
als die guten Onkel der Dritten Welt auftreten und
Weltbankkredite
verteilen! Ganz im Gegenteil:
Jeder
Staat kann dieses Modell der von der Gesellschaft
finanzierten
Unternehmungen und Projekte nämlich für sich selbst
einführen,
wann immer und zu welchen Bedingungen auch immer
er
will. Die internationalen Standards dazu werden sich erst mit
den
Jahren herausbilden. Als Reaktion auf die Ausnutzung von
weltweiten
Förderungsdifferenzen. Das macht aber nichts. Es hilft
der
Sache nur schneller vorwärts.
Halten
wir insgesamt als Konstruktionsprinzipien des
Lösungsvorschlages
fest:
84
Mit
dem Einschießen frischen, unbelasteten Geldes lässt
sich die
Geldhortung
bekämpfen, lassen sich die Schulden abbauen und
die
Zinsen allmählich zum Verschwinden bringen.
Aber
was, wenn die vereinte Kaufkraft der Großvermögen auf
den
Markt
schwappt und alles in einer riesigen Inflationswelle
weggespült
wird?
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
49
Geldmengensteuerung
ist nicht nur
Geldzufuhr
Wir
stehen in einer Situation, in der
gewaltige
Vermögen die Gefahr darstellen,
die
Realwirtschaft mit einer Geldflut
wegzuspülen.
Damit müssen wir heute
fertig
werden und für die Zukunft dafür
sorgen,
dass sich solche gefährlichen
Akkumulationen
von Geldvermögen gar
nicht
mehr bilden können.
Nun,
das ist ein Problem. Ein Problem, das in einem vernünftigen
Geldsystem
nicht mehr auftreten darf, das aber real besteht, weil
es
in der Republik bereits gigantische Geldvermögen gibt. Damit
ließe
sich eine so gigantische finanzielle Sintflut auslösen, dass
die
meisten Kinder hinterher wieder einmal nur noch wertlose
Geldscheine
zum Spielen hätten, weil der Bevölkerung nach dem
Crash
außer Bergen wertloser Scheine nichts mehr geblieben ist.
Dieses
Problem ist schwieriger zu lösen, wie es auch im Garten
schwieriger
ist, nach tagelangem Starkregen eine meterhohe
85
Flutwelle
zu beherrschen, als bei Trockenheit zu gießen. Gegen
die
Flut hilft nur rechtzeitige Vorsorge, die Renaturierung von
Bach-
und Flussläufen und die Einrichtung ausreichender
Überflutungszonen.
Das
Geldvermögen ist da. Hoch oben über dem Tal im
vollgefüllten
Staubecken der Hochfinanz. Trotzdem kann und
sollte
man es nicht einfach konfiszieren, oder per
Dekret
entwerten. Es gibt viele gute Gründe, die dafür sprechen,
eine
einfachere, weniger rigorose und dennoch wirksame Lösung
zu
finden.
Mir
schwebt dazu eine Kombination mehrerer Maßnahmen vor,
die
miteinander verzahnt sind und den gewünschten Effekt nach
einer
mehrjährigen Anlaufphase sicher bringen sollten.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
50
Das
Abschöpfungsinstrumentarium
Vermögenssteuer, Freibetrag 1 Milliarde,
Steuersatz
12 %
Steuer auf Finanztransaktionen, gekoppelt an
den
Steuersatz der MwSt., jedoch kein
Vorsteuerabzug.
Steuersatz sinkt,
Geldbewegungen
werden teurer (Tobin-ähnlich)
Automatisiertes Genehmigungsverfahren für
grenzüberschreitenden
Kapitalverkehr, dass bei
Schwellenwertüberschreitungen
anspringt.
Vermögens-
und Transaktionsbesteuerung
86
Um
die latente Gefahr, die vom hochgestauten Geldvermögen
ausgeht,
beherrschen und bändigen zu können, sind sowohl die
Vermögen
selbst, als auch die spekulativen Transaktionen durch
wirkungsvolle
Besteuerung zu begrenzen und allmählich auf ein
der
Volkswirtschaft zuträgliches Maß zu reduzieren. Im
Einzelnen
kämen
folgende Maßnahmen in Frage:
Die
Erhebung einer Steuer in Höhe von jährlich 12 % auf
das
Vermögen
privater Haushalte und Stiftungen, bei Gewährung
eines
Freibetrag in Höhe von 1 Milliarde Euro.
Die
Belastung aller Finanztransaktionen, also aller
Überweisungen,
aller Wertpapiergeschäfte einschließlich des
Derivatehandels
mit dem vollen Mehrwertsteuersatz (!).
Basis
sollte die Höhe der Gesamtabflüsse von den Konten bzw.
Depots
des einzelnen privaten Haushaltes bzw. Unternehmens
sein,
die ab einem vernünftigen Freibetrag von z.B. bis 100.000
Euro
p.a. mit dem jeweils gültigen Umsatzsteuersatz (ohne
Vorsteuerabzugsmöglichkeit)
belastet werden. Das klingt teuer,
aber
wenn das Mehrwertsteueraufkommen unverändert bleiben
soll,
würde der Steuersatz wegen der ganz erheblich verbreiterten
Bemessungsgrundlage
vermutlich auf weniger als ein Zehntel des
derzeitigen
Wertes sinken, was die ganze Angelegenheit für die
Realwirtschaft
nochmals reizvoller machen würde.
Das
System erfordert selbstverständlich die Einführung der
Steuernummer
in der Kontenführung der Banken und einen
zentralen
Computer, der die Umsätze pro Steuernummer einfach
87
mitzählt
und ab Überschreiten der Freibetragsgrenze die
kontenführenden
Banken unterrichtet und den Steuerabzug
auslöst.
Ein
Gesetz, das jeglichen Finanztransfer mit dem Ausland
einem
automatisierten Antrags- und Genehmigungsverfahren
unterwirft,
das stufenweise mit dämpfenden Beschränkungen
reagiert,
wenn sich Zu- oder Abflüsse plötzlich und in
erheblichem
Umfang verändern (Faustregel: mehr als 15 % des
Volumens
des Vorjahres in weniger als 1 Monat).
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
51
Das
alles widerspricht den
Grundregeln
des Finanzwesens
Die Notenbank darf nicht in die Fiskalpolitik des
Staates
eingreifen
Der Staat darf nicht in die Politik der Notenbank
eingreifen,
Ja,
und wohin hat uns das geführt?
Es gibt doch keine naturgesetzlichen Zwänge, in
der
Kreditgeldverfassung zu verharren!
Wer
jetzt einwendet, alle diese Vorschläge widersprächen
den
Grundregeln
des Finanzwesens und ihre Umsetzung sei
unmöglich,
weil die Notenbank - als Hüterin der Währung - nicht
in
die Fiskalpolitik des Staates eingreifen dürfe und der Staat
andererseits
die Unabhängigkeit der Notenbank wahren müsse,
der
sollte sich überlegen, woher diese Regeln stammen und
88
welche
Effekte sie hervorgebracht haben. Es gibt kein
naturgesetzliches
Notenbankwesen, es gibt nur ein durch und
durch
marodes Geldsystem mit Regeln, die allesamt zu
hinterfragen
sind, bevor man sie bedenkenlos in ein neues System
übernimmt.
Fakt
ist, dass riesige Geldakkumulationen mit ihrem Zinsanspruch
und
ihrem Erpressungspotential entschärft werden müssen.
Dazu
fehlt
dem herrschenden Geldsystem jegliche Voraussetzung.
Warum
also soll nicht der Staat (der doch nichts anderes ist, als
der
von seinen Bürgern beauftragte Dienstleister zur
Aufrechterhaltung
der gesellschaftlichen Ordnung) seinen Teil zur
Ordnung
im Geldsystem beitragen. Lassen wir die Zentralbank
die
Quelle sein und den Staat den Ozean, in den sich der Strom
ergießt.
Wichtig ist, dass das dazwischen zirkulierende Wasser
ausreicht,
um das Leben zu erhalten, dass das umlaufende Geld
ausreicht,
um allen Menschen die Chance zu geben, ihre Arbeit
gegen
Geld zu verkaufen. Denn: Dass überall große Mengen
an
Arbeit
darauf warten, getan zu werden, ist nicht zu übersehen, und
dass
große Mengen arbeitssuchender Menschen gerne bereit
wären,
diese Arbeit zu tun, ist mit allen frechen
Faulheitsbehauptungen
nicht wegzuwischen. Es fehlt der realen
Wirtschaft
nur am Geld. Geld dass von gewissenlosen Zockern,
von
jenen vaterlandslosen Gesellen, die sich stolz Global Player
nennen
und von den Zinseintreibern des Großkapitals ohne
Gegenleistung
beansprucht und dem Markt entzogen wird.
Dieses
Geld über Vermögens- und Transaktionssteuern wieder
zu
aktivieren,
ist die zweite, unbedingt erforderliche und durchaus
89
auch
realisierbare Maßnahme, mit der irgendwann die Nähe
jenes
gar
nicht so fernen Zieles erreicht werden kann, bei dem die
Wirtschaft
im Rahmen unschädlicher Toleranzen stets genau so
viel
Geld zur Verfügung hat, wie benötigt wird. Nicht weniger,
denn
das öffnet den erpresserischen Geldverleihern und ihren
Zinsforderungen
Tür und Tor, aber auch nicht mehr, denn
überflüssiges
Geld birgt die Gefahr inflationärer Dammbrüche.
Gesteuerte
Zufuhr von frischem, unbelasteten Geld durch die
Zentralbank
schafft die blühenden Landschaften - die konsequente
Kanalisierung
und Ableitung von überflüssigem Geldvermögen ist
die
notwendige Ergänzung um die zerstörerischen Kräfte
großer
Geldansammlungen
zu beschneiden. Beides zusammen stabilisiert
sowohl
den Wert der Währung, als auch den Wert der
Geldvermögen,
womit wiederum allen gedient ist, deren
Vermögen
unterhalb jener Freibetragsgrenze von 1 Milliarde Euro
bleibt,
die man den Superreichen durchaus zugestehen könnte.
Egon
W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
52
Zusammenfassung
Öffentliches
Geld
ist Konkurrenz zu Kreditgeld, nicht Ersatz
ist frei von Zins- und Tilgungsverpflichtung, tilgt
aber
Kreditgeldschulden
wird stets punktuell und einmalig da eingesetzt,
wo
es die optimale Wirkung verspricht
wird bereitgestellt, wenn Experten Geldmangel
attestieren,
nicht weil der Staat Geld braucht
wird vom Staat und staatsnahen Organisationen
sowie
Förderbanken adressiert