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Brauchen wir ein anderes, alternatives Geld?
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Oberste Prämisse
• Das Geldsystem muss sicherstellen,
dass
die Menge des in Umlauf befindlichen
Geldes
dem Geldbedarf der
Realwirtschaft möglichst nahe kommt.
Die dem Zinsgeld innewohnende Eigendynamik, die ein
exponentielles Wachstum von Schulden, Zinsen und Vermögen
hervorbringt, muss am Ende des immer steileren Höhenfluges
unausweichlich durch einen totalen Systemabsturz auf den
Nullpunkt gebracht werden. Glücklicherweise befasst sich
inzwischen eine immer größer werdende Zahl von Menschen mit
dieser Thematik – auch Sie gehören dazu – und fast alle gelangen
in der Analyse zu der Erkenntnis, dass das so
begehrte und wertvoll scheinende Geld in Wahrheit eine der ganz
maßgeblichen, wenn nicht gar die eigentliche Ursache für die
wirtschaftlichen Fehlentwicklungen und Missstände ist, unter
denen wir alle zu leiden haben.
Gigantische Vermögen in privater Hand und gleichzeitig
gähnende Leere in den öffentlichen Kassen, dazu eine immer
weiter aufklaffende Schere zwischen Arm und Reich und eine
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Politik, die im rigorosen Sozialabbau die einzige Chance sieht,
den drohenden Staatsbankrott hinauszuzögern, sind die sichtbaren
Zeichen einer sich verschärfenden Fehlentwicklung.
Die kritische Betrachtung der Probleme, die das vorhandene,
wahrlich nicht optimale Geldsystem hervorbringt, gibt erste
Hinweise auf die Ansatzpunkte möglicher Veränderungen:
Überall auf der Welt liegt die Geldversorgung in den Händen der
Geschäftsbanken, ist also Geschäftszweck privater
Wirtschaftsunternehmen, die mehr oder weniger intensiv von
staatlichen oder staatsnahen Organisationen beeinflusst und
kontrolliert werden.
Überall auf der Welt ist Geld heutzutage ein immaterielles Gut in
der Ausprägung eines normierten Leistungsversprechens, das als
nackte Information in den Salden der Bankkonten auftritt und nur
noch in ganz geringem Umfang - von Papier und Metall bemäntelt
- in Form von Banknoten und Münzen vorhanden ist.
Praktisch überall auf der Welt wird Geld auf der Basis von so
genannten „Einlagen“ von den Geschäftsbanken geschöpft und an
Kreditnehmer ausgereicht, weil diese versprechen und auch in der
Lage zu sein scheinen, nicht nur den geschuldeten Betrag nach
Ablauf der vereinbarten Frist zurückzuzahlen, sondern auch die
geforderten Zinsen aufzubringen.
Dieses global verbreitete System der Geldschöpfung wird von den
Geschäftsbanken primär in der Absicht betrieben, aus dieser
Dienstleistung einen Gewinn zu erzielen. Dabei besteht zwischen
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dem Potenzial des Bankensektors, durch Geldschöpfung Gewinne
zu erzielen und dem tatsächlichen Geldbedarf der Wirtschaft
keine harmonische Übereinstimmung.
Die Notwendigkeit der Geldversorgung der Wirtschaft wird
stattdessen ganz eindeutig dem Gewinnstreben des Bankensektors
untergeordnet. Gewinne können die Banken aus der
Geldschöpfung aber nur erzielen, wenn das geschaffene Geld
gegen Zinsen verliehen wird. Daraus ergibt sich zwangsläufig die
Notwendigkeit, für die Bezahlung der Zinsen (zu einem späteren
Zeitpunkt) zusätzliches Geld zu schaffen, was die Gewinnquellen
der Banken – bis zum Crash – zu einer Art Perpetuum Mobile
werden lässt, während die Volkswirtschaft des Währungssystems
zunehmend destabilisiert wird.
Die Wachstumshysterie, die von Politikern und Wirtschaftsweisen
gleichermaßen geschürt wird, beruht einzig auf der Annahme, es
sei dauerhaft möglich, den wachsenden Zinsanspruch des
Vermögens aus dem Wachstum des Volumens der Realwirtschaft
zu befriedigen. Weil reale Wirtschaft aber eher linear wächst,
während die Wachstumskurven des Geldes exponentiell
verlaufen, ist die grundsätzliche Unmöglichkeit dieses Gedankens
hinlänglich bekannt, wird aber dessen ungeachtet von den
Verantwortlichen solange geleugnet, wie die Schere zwischen
Geldmengenwachstum und Leistungswachstum mit aller Gewalt
noch geschlossen gehalten werden kann.
Der als „Sparen“ bezeichnete Raubbau in den öffentlichen
Haushalten und Sozialsystemen, den wir derzeit erleben, ist nichts
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als der Versuch, den Geldhunger von Zins- und Zinseszins auf
Kosten des Lebensstandards der Bevölkerung zu befriedigen.
Die Tatsache, dass sich viele Einrichtungen der öffentlichen
Wohlfahrt, der Kultur und der Wissenschaft schon heute nicht
mehr finanzieren lassen und dass wir den größten Kahlschlag in
den Sozialsystemen erleben, den es seit 1929 gegeben hat, wird -
völlig unhaltbar und realitätsfremd - wahlweise entweder der
Faulheit der Arbeitslosen oder fehlenden Kindern und zu lange
lebenden Alten, oder aber auch einer angeblich zu kurzen
Wochen- und Lebensarbeitszeit, zu hohen Löhnen oder allen
vorgeblichen Ursachen zusammen zugeschrieben: Vor dem
Moloch Zins aber, der uns auffrisst, werden die Augen fest
geschlossen.
Wie also müsste ein Geld, ein Geldsystem beschaffen sein, dass
solche Entwicklungen verhindert, oder doch zumindest auf ein
erträgliches Maß reduziert?
Die oberste Prämisse für ein vernünftiges Geldsystem muss
lauten:
Das Geldsystem muss sicherstellen, dass die Menge des in
Umlauf befindlichen Geldes der Menge des in der
Realwirtschaft benötigten Geldes stets möglichst nahe kommt.
Das heißt nichts anderes, als dass z.B. jeder Bürgermeister jeder
beliebigen Kleinstadt immer genug Geld haben muss, um seine
Beamten, die laufenden gesetzlichen Ausgaben der Kommune und
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auch außerplanmäßig notwendig werdende Ausgaben, wie z.B.
Renovierungsarbeiten an der Grundschule, bezahlen zu können.
Das heißt aber auch, dass das Geldsystem so beschaffen sein
muss, dass sich nirgends rein spekulative und hoch bewegliche
Geldvermögen ansammeln können, die z.B. heute für den
Terminhandel mit Schweinehälften verwendet werden, morgen
zur Finanzierung einer feindlichen Firmenübernahme mit
anschließender Zerschlagung und Arbeitsplatzvernichtung dienen
und übermorgen zur Spekulation gegen die Währung Argentiniens
oder auch „nur“ zum Aufkauf von einigen hundert Hektar
Bauerwartungsland rings um eine prosperierende Großstadt
eingesetzt werden.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Geldmengensteuerung, wie?
• Mit dem bekannten Instrumentarium der
Notenbanken ist Geldmengensteuerung nur
sehr bedingt möglich. Zudem wird lediglich die
Kreditvergabe der Geschäftsbanken beeinflusst,
das Problem also nur verschoben.
• Was spricht dagegen, der Zentralbank (oder
einer ähnlichen Institution) die Hoheit über die
Geldversorgung zu übertragen?
Kritiker wenden gerne ein: „Niemand weiß zu sagen, wie viel
Geld zu irgend einem beliebigen Zeitpunkt gebraucht wird. Eine
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am Bedarf orientierte Geldmengensteuerung ist von daher
unmöglich.“
Diesen einfachen und schlüssig scheinenden Satz findet man - so
oder ähnlich formuliert - an vielen Stellen in der Literatur. Dabei
ist lediglich die Prämisse „... niemand weiß zu sagen,“
unwiderlegbar und kann daher der Wahrheit annähernd
gleichgesetzt werden. Die Folgerung, der Schluss daraus, hat bei
näherer Betrachtung mit der Prämisse überhaupt nichts zu tun.
Lassen Sie mich an einem trivialen Beispiel verdeutlichen, was
ich damit meine:
Den Gärtner, der Tag für Tag, Stunde für Stunde, genau zu sagen
wüsste, wie viel Wasser seine Pflanzen unter optimalen
Bedingungen gerade aufnehmen und verdunsten würden, möchte
ich kennen –
doch jeder erfolgreiche Gärtner wird über ein
Bewässerungssystem verfügen (von der rostigen Gießkanne im
winzigen Vorgärtlein angefangen, bis hin zu ausgeklügelten
Sprinklersystemen im großen Landschafts- oder
Wirtschaftsgarten), das es ihm erlaubt, seine Pflanzen im
benötigten Umfang zu bewässern, solange das erforderliche Nass
nicht vom Himmel fällt.
Dass der Gärtner bei anhaltend ergiebigem Regen nicht zusätzlich
gießen wird, sondern in dieser Situation eher versuchen wird,
stauender Nässe einen Abfluss zu verschaffen, ist auch bekannt.
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Der Gärtner errechnet Wasser-Mangel nicht mit Hilfe
statistischer Methoden, wie er auch ein Zuviel an Wasser nicht
rechnerisch ermittelt.
Die Differenz zwischen theoretischen Soll- und tatsächlich
gemessenen Ist-Werten der Wasserzufuhr beachtet der Gärtner
überhaupt nicht. Er orientiert sich stattdessen höchst einfach an
den unübersehbaren Signalen, die von den Zuständen
„Überflutung“ und „Wassermangel“ selbst ausgehen.
So betrachtet, und rückübertragen auf das Geld, wird die Sache
doch wieder überschaubar und die Signale für Geldmangel
werden ebenso erkennbar, wie die Anzeichen dafür, dass zu viel
Geld im Markt ist.
Wenn wir das Beispiel vom Bürgermeister der Kleinstadt wieder
aufgreifen und feststellen, dass dieser nach der Bezahlung der
Beamten und nach der Erfüllung der gesetzliche Auflagen kein
Geld mehr übrig hat, um das löchrige Dach der Schule reparieren
zu lassen, und wenn wir dazu gleichzeitig noch feststellen dass
drei arbeitslose Dachdecker und ein arbeitsloser Ziegeleiarbeiter
samt ihren Familien von Unterstützungsleistungen eben dieser
Gemeinde leben, dann fehlt doch ganz offensichtlich nichts
anderes als Geld, um Nachfrage und Angebot zusammen und so
die Dinge wieder in Ordnung zu bringen.
Wenn andererseits an den Börsen ein Kursfeuerwerk nach dem
anderen gezündet wird, wenn riesige Umsätze im reinen
Finanzbereich zu beobachten sind, wenn Tag für Tag aberwitzige
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Summen in rein spekulativer Absicht um den Globus geschoben
werden, wenn man selbst das Großgedruckte in den Prospekten
der Finanzdienstleister vor lauter Hochglanzblendung nicht mehr
richtig lesen kann, dann sollte eigentlich auch dem letzten
Finanzverantwortlichen klar werden, dass zu viel Geld im Umlauf
ist.
Natürlich gibt es auch beide Situationen nebeneinander.
Geldmangel auf der einen Seite und Überfluss bis zur Tollheit auf
der anderen Seite. Glauben Sie, damit wäre eine bedarfsorientierte
Geldmengensteuerung überfordert? Fragen Sie ein fünfjähriges
Kind, was zu unternehmen ist, wenn das Maisfeld des Pächters
neben dem gefüllten Swimming-Pool des Grundbesitzers verdorrt!
Sie werden eine verblüffend einfache Antwort erhalten.
Ich denke, wir sind uns auf diesem Abstraktionsniveau darüber
einig, dass Geldmangel und Geldüberfluss mit ausreichender
Genauigkeit und ausreichend zeitnah zu erkennen sind, so dass die
Verantwortlichen eines alternativen Geldsystems nur geringe
Mühe hätten, die Abweichung von der Normalversorgung
festzustellen und dass sie auch nur geringe Mühe hätten
einzuschätzen, in welche Richtung ein korrigierender Eingriff zu
gehen hätte und welchen Umfang er haben müsste.
Verfolgen wir den Gedanken weiter, dann stellt sich die Frage:
Kann ein Geldsystem die Geldmenge überhaupt wirksam
beeinflussen?
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Wer sich ein bisschen für die Veränderung der Geldmengen
interessiert hat, weiß, dass die Möglichkeiten der Zentralbanken,
die Geldmenge wirksam zu beeinflussen, sehr gering sind und
dass sie über die Jahre um so weniger greifen, je mehr Geld und
insbesondere je mehr Geldvermögen von den privaten Haushalten
gehalten wird. Das liegt daran, dass die Zentralbanken kaum mehr
tun können, als die Bedingungen für die Geldschöpfung zu
verändern, dass sie aber selbst an der Geldschöpfung praktisch
nicht beteiligt sind und dass sie erst recht keine Möglichkeit
haben, die Stilllegung überflüssiger Geldbestände zu beeinflussen.
Zentralbanken sind mit ihrem gegenwärtigen Instrumentarium
also denkbar schlecht geeignet, das Ziel einer ausbalancierten
Geldversorgung zu realisieren und die Geschäftsbanken - als die
eigentlichen Geldschöpfer - sind nur wenig daran interessiert, die
Geldversorgung dem tatsächlichen Bedarf anzupassen.
Was fehlt?
Ganz klar, es ist schon angeklungen, die Zentralbank – oder eine
vergleichbare Institution – muss die Hoheit über die
Geldversorgung übernehmen, was praktisch heißt, dass sie sie von
den Geschäftsbanken zurückgewinnen muss.
Die Zentralbank muss Geld ausgeben können, wenn Dürre
herrscht und sie muss in der Lage sein, überflüssiges Geld
abzuleiten und versickern zu lassen, wenn die Märkte von
schädlichem Geld überschwemmt sind.
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Das klingt einfach. Aber ist es das auch?
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Geld ohne Schuld - Geld ohne Zins
Zentralbank
„druckt“ Geld (in der Regel durch einfache
Guthaben-Einbuchung ohne Gegenbuchung)
Bedarfsträger
z.B. Kommune, verwendet das Geld für dringend
erforderliche Aufgaben
Realwirtschaft
Wirtschaft und Konsumenten erhalten Geld für
ausgeführte Arbeit und geben dieses weiter
Stellen Sie sich vor, die Zentralbank eröffnet heute ein Konto für
den Bürgermeister jener kleinen Gemeinde, dessen Schule
dringend renoviert werden muss, schreibt darauf den Betrag von
200.000 Euro gut und bittet den Bürgermeister dann,
zweckgebunden über diese Mittel zu verfügen.
Der Bürgermeister bestellt den Architekten, es gibt eine
Ausschreibung, und nach ein paar Wochen ist die Schule
renoviert, der Architekt hat sein Honorar, die Rechnungen der
Handwerksunternehmen sind bezahlt, die Mitarbeiter haben ihre
Löhne erhalten und auch schon wieder ausgegeben, das
Finanzamt hat Steuern eingenommen und die
Sozialversicherungen ihre Beiträge. Das Konto bei der
Zentralbank wird, nachdem die Mittel zweckgebunden
abgeflossen sind, geschlossen.
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200.000 Euro, die es vorher nicht gab und die auch niemand an
die Zentralbank zurückgeben muss sind als dringend benötigtes
Zahlungsmittel solange in Umlauf, bis sie als Tilgung auf
Kreditkonten landen.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
7.6.2005
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Geld ohne Schuld - Geld ohne Zins
-1 +1 = 0
...und zuletzt
trifft dieses Geld als Tilgung auf einen
Bankkredit. Das Ergebnis ist einleuchtend:
Geld und Kredit sind aus der W elt.
Die Guthaben bleiben übrig. Allerdings mindert sich mit jedem
solchen Tilgungsakt die Fähigkeit einer zinsbringenden Anlage.
Danach ist die Geldmenge wieder um 200.000 Euro kleiner.
Verändert hat sich nur die Gesamthöhe der Schulden und damit
natürlich auch die Gesamthöhe der Forderungen.
und:
In der Folge vermindert sich der Geldbedarf für allfällige Zins-
und Tilgungsleistungen.
Das ist der vollkommen unspektakuläre und unkomplizierte
Kern eines Systems der bedarfsgerechten Geldversorgung.
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Es ist einfach und es funktioniert! Es bleibt auch einfach, wenn es
in einen größeren Maßstab übertragen wird.
Nehmen wir an, eine vernünftige Politik eröffnete für alle
Bürgermeister aller Kleinstädte, die sich in ähnlicher Klemme
befinden, ein Konto, auf dem das erforderliche Guthaben - aus
dem Nichts - eingebucht wird, stellt also das für die Erfüllung
ihrer Aufgaben und für die Renovierung ihrer Schulen
erforderliche Geld,
solange die Einnahmen der Stadt aus dem eigenen
Steueraufkommen dafür nicht ausreichen,
„als Geschenk“ zur Verfügung: Wir hätten einen - von Tausenden
denkbaren und sinnvoll möglichen - Einfüllstutzen gefunden, über
den dringend benötigtes Geld in den Wirtschaftskreislauf
eingeschossen werden kann - mit der bezaubernden
Nebenwirkung, dass dieses Geld - wenn es irgendwann zur
Tilgung bestehender Schulden verwendet wird - lediglich die
Höhe des „zinstragenden Geld-Vermögens“ reduziert, aber weder
das Geldvermögen selbst mindert, noch die umlaufende
Geldmenge nachhaltig ausweitet.
Das ist ein ungewohnter, und daher schwieriger Gedanke, ein
Beispiel soll das Prinzip verdeutlichen:
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Geld ohne Schuld - Geld ohne Zins
Kauft Pfandbriefe
200.000 €
Wer bitte schafft das Geld für den Zins,
wenn der Schuldner keine neue Schulden aufnehmen muss, um tilgen zu
können?
Jährlich 6% Zins
Rückzahlung am
Ende der Laufzeit
Rückzahlung
was nun?
-1 +1 = 0
(!)
Unsere
hochvermögende Frau Müller hat vor Jahren bei der Bank B ein
Vermögen in Höhe von 200.000 Euro in Pfandbriefen dieser Bank
angelegt, die zum Ende des Jahres zur Rückzahlung fällig werden.
Dafür zahlt ihm die Bank jährlich 6% Zinsen.
Der Schuldner, Herr Maier, ein Bauunternehmer, ist bei der Bank
B mit 200.000 Euro verschuldet. Dafür zahlt er 9% Zinsen
jährlich und außerdem 10% Tilgung.
Es sah also so aus, als hätte die Bank B das Geldvermögen der
Frau Müller, das diese der Bank geliehen hat, als Geld an den
Schuldner Maier weiter verliehen, der dafür jährlich 18.000 Euro
Zinsen aufzubringen hat, wovon die Bank 6.000 für sich behält
und 12.000 an Frau Müller weiterreicht.
Nun wird dem Schuldner Maier für die geleistete Arbeit im Zuge
der Renovierung der Schule der Betrag von 200.000 Euro von der
Gemeindekasse überwiesen. Dieser Betrag steht als ganz normales
Guthaben auf seinem Kontokorrentkonto, doch dann überweist er
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den gesamten Betrag als Tilgungsleistung auf sein Kreditkonto
und ist damit auf einen Schlag schuldenfrei. Das auch völlig zu
Recht, schließlich hat er als Gegenleistung für die 200.000 Euro
gute Arbeit zu einem reellen Preis abgeliefert. Die Schule ist
renoviert und wieder für viele Jahre uneingeschränkt benutzbar.
Die Bank B schließt die Kreditakte des Schuldners, bleibt aber
dennoch bis zum Ende der Laufzeit der Pfandbriefe verpflichtet,
Frau Müller 6% Zinsen zu zahlen, obwohl sie ihren Kreditnehmer,
der eigentlich diese Zinsen erwirtschaften sollte, verloren hat.
Bei Ablauf tauscht die Bank B die Pfandbriefe deshalb gerne
gegen eine Gutschrift auf Frau Maiers Girokonto ein. Weil sie
deren Vermögen derzeit nicht gebrauchen kann, bietet sie ihr für
die Folgezeit weder Pfandbriefe noch irgend eine andere Form
verzinslicher Anlage an. Die Bank erklärt sich lediglich bereit, das
Girokonto gegen geringe Gebühren weiter zu führen und gegen
Erstattung der Spesen regelmäßig Kontoauszüge zu übersenden.
Frau Müllers Vermögen ist unverändert geblieben. Sie hat
200.000 Euro Geld, von dem sie sich alles kaufen kann, was für
200,000 Euro zu haben ist. Die Veränderung liegt einzig und
allein darin, dass dieses Geld keine Zinsen mehr einbringt, dass
die Anlegerin für ihren weiteren Unterhalt also von der Substanz
zehren muss und nicht mehr darauf hoffen kann, dass andere für
sie arbeiten und damit ihre „Zinserträge“ erwirtschaften.
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Egon W. Kreutzer, Dresden,
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Geld ohne Schuld - Geld ohne Zins
• Dem Geldvermögen wird durch den
Zufluss frischen, unbelasteten Geldes
die Möglichkeit der Deflationsspekulation
genommen.
• Das dem derzeitigen Geldsystem
inhärente, zwangsläufige Wachstum von
Guthaben und Schulden wird gebremst
und allmählich zum Stehen gebracht.
In der weit komplexeren, vielfältig verflochtenen und
millionenfach rückgekoppelten realen Welt wird der Einsatz
solcher Geldgeschenke zu Gunsten leerer Gemeindekassen nicht
dazu führen können, dass von einem Tag auf den anderen keine
Zinsen mehr gezahlt werden. Doch mit jedem Tilgungsvorgang
aus Mitteln, die zur Behebung des Geldmangels in den
Wirtschaftskreislauf eingebracht werden, sinkt die Notwendigkeit,
neue Kredite aufzunehmen. Dem Kreditangebot des
Geldvermögens steht eine sinkende Kredit-Nachfrage gegenüber.
Das Zinsniveau wird daher, solange immer mehr zinsfreies Geld
alte Schulden ablöst, ohne dass dafür neue Schulden
aufgenommen werden müssen, langsam aber sicher sinken.
Damit werden zwei ganz wichtige Ziele auf dem Weg zu einem
besseren Geldsystem erreicht:
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Erstens ist dem Geldvermögen die Chance der Deflations-
Spekulation aus der Hand genommen und,
zweitens, wird das dem jetzigen Geldsystem inhärente,
zwangsläufige Wachstum von Guthaben und Schulden gebremst
und allmählich zum Stehen gebracht.
Egon W. Kreutzer, Dresden,
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Die Einfüll-Stutzen
a) Alle erkennbaren „Geldmangel-
Situationen“ mit Auswirkungen auf
Versorgung und Beschäftigung.
b) Förderung von gesellschaftlich
erwünschten Entwicklungen, die unter
Renditeaspekten als nicht kreditwürdig
gelten („gute Projekte“).
Wird die Politik einen Schritt weiter gehen und frisches,
unbelastetes Geld nicht nur - wie im vorstehenden Beispiel - in
die Renovierung von Schulgebäuden stecken, sondern z.B. zur
Förderung neuer Technologien, zur Einführung energiesparender
Geräte, zur Finanzierung des Gesundheitswesens usw. einsetzen,
kann damit außerdem ganz gezielt die Förderung erwünschter
Entwicklungen und Technologien in die Wege geleitet werden,
die unter den herrschenden Entscheidungs- und
Kreditvergabekriterien des Zinskapitalismus niemals eine Chance
gehabt hätten.
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Klar, dass solche Subventionen davon abhängig sein müssen, dass
Projekt und Antragssteller einigen - durchaus anspruchsvollen -
Anforderungen genügen, damit das „gute Geld“ nicht
sprichwörtlich zum Fenster hinaus geworfen wird. Zudem muss
gewährleistet sein, dass es sich bei solchen Subventionen niemals
um einen Dauertropf sondern einzig und alleine um
wohlkalkulierte, einmalige Anschubfinanzierungen handeln darf,
weil die Bereitstellung freien Geldes immer nur vom
volkswirtschaftlichen Gesamt-Bedarf, nicht aber von der
grundsätzlichen Unwirtschaftlichkeit eines Einzelprojektes
ausgehen darf. Wichtig ist, dass mit dieser Konzeption ein Weg
erkennbar wird, über den die Eindämmung des umlaufenden
Kreditgeldes beinahe mühelos erreicht werden kann. Immer mehr
Geldvermögen wird zu immer niedrigeren Zinsen auf den Konten
liegen, niemand hätte mehr einen Anreiz, Geld zu verleihen, weil
das Risiko, das verliehene Geld zu verlieren immer größer wird,
während der mögliche Zinsertrag immer weiter schwindet.
Dieses Prinzip ist also nicht aus dem Geldsystem alleine
begründet, sondern steht auch in harmonischer Übereinstimmung
mit einem Wertesystem, das weit über kurzfristige Renditeziele
hinausreicht.